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Nêlkenzimmt bis Nêrve (Bd. 3, Sp. 465 bis 468)
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Artikelverweis Der Nêlkenzimmt, des -es, plur. inus. eine Art Zimmtes, welche den Gewürznelken an Geruch und Geschmack nahe kommt.
 
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-Nèn, eine Ableitungssylbe, vermittelst deren neue Zeitwörter aus andern Zeitwörtern gebildet werden, welche vornehmlich eine doppelte Bedeutung haben.
   1. Eine factitive, thätige Zeitwörter aus Neutris zu bilden. Dergleichen sind öffnen, von dem veralteten offen, offen stehen, gähnen, von dem noch im Isländ. üblichen gia, Latein. hiare, erwähnen, von dem alten wahen, sich erinnern, gleichsam erinnern machen, entfernen, von fahren, ob es gleich auch von fern abstammen kann, und alsdann hierher nicht gehöret, warnen, wahren, d. i. sehen machen, das Oberdeutsche flehnen, heimlich wegschaffen, von fliehen, das veraltete festnen, von festen, lehnen, liegen machen, zeichnen, nennen, ordnen, dehnen, seifenen im Bergbaue, vielleicht auch fröhnen und andere mehr.
   2. In andern Fällen werden bloß Intensiva daraus, einen verstärkten innern Grad der Handlung zu bezeichnen, und in den meisten Fällen ist das erste ursprüngliche Zeitwort verloren gegangen und nur das Intensivum in dessen Bedeutung üblich geblieben. Dergleichen sind mahnen, von dem veralteten mähen, bewegen, obgleich auch dieses eine factititve Erklärung leidet, wohnen, von bauen, manere, das veraltete bibenen von beben, wähnen, meinen, lernen, weinen, greinen, flennen, läugnen, meinen, waffnen, welches aber auch zum vorigen Falle gehören kann, zürnen, höhnen, belehnen von beleihen, sehnen von sehen, stöhnen, rechnen, staunen, dienen, regnen, segnen, und andere mehr. Besonders in solchen Fällen, wo das ursprüngliche Zeitwort schon ein n vor der Endung hat, wie in kennen, können, brennen, rennen, spannen, trennen, gewinnen, u. s. f. welche insgesammt solche Intensiva zu seyn scheinen, wenn nicht einige derselben auf die vorige Bedeutung zurück geführet werden können.
   3. Verschiedene Wortforscher legen den Zeitwörtern auf nen auch eine inchoative Bedeutung bey. Allein im Deutschen hat sich dieselbe bisher noch nicht wollen finden lassen. Denn das einzige lehnen, anfangen zu liegen, in welchem Verstande es besonders im Oberdeutschen üblich ist, kann auch bloß intensiv oder factititv seyn. In einigen verwandten Sprachen ist diese inchoative Bedeutung erweislich, und da kommen die mit derselben versehenen Zeitwörter mit den Lateinischen Zeitwörtern auf -sco überein. Im Schwed. ist z. B. surna, acesco, tröttna, lucesco, lysna, duresco, härdna, obdormisco, somna, expergiscor u. s. f.
   Anm. 1. Hierher gehören diejenigen Zeitwörter nicht, welche vermittelst der Endung -en von Nennwörtern und Partikeln gebildet worden, welche sich auf ein n endigen, wie z. B. bahnen von Bahn, bannen von Bann, begegnen von gegen, ermannen und entmannen von Mann, erkühnen von kühn, fernen, in der Ferne schön scheinen, von fern, grünen von grün, harnen von Harn, hörnen von Horn, körnen und kernen von Korn und Kern, kapaunen von Kapaun, krönen von Krone, schienen von Schiene, trocknen von trocken, zäunen von Zaun, eignen von eigen, zwirnen von Zwirn u. s. f. Von einigen ist es indessen noch zweifelhaft, ob nicht das Nennwort vielmehr von

[Bd. 3, Sp. 466]


dem Zeitworte abstammet, welches denn in diesem Falle zu einer der vorigen Bedeutungen gehören würde.
   Anm. 2. Diese Endung ist sehr alt, und findet sich nicht allein schon bey dem Ulphilas, Kero und andern, so wie in allen mit der Deutschen verwandten Sprachen, sondern schon im Latein. wo das veraltete stinare in destinare u. s. f. auf solche Art von stare gebildet ist, wie monere, venire, minuere, minari u. s. f. von ähnlichen obgleich längst veralteten Zeitwörtern abstammen; noch mehr im Griechischen, wo κλινειν, lehnen, clinare, χαινειν, gähnen, κρινειν, und tausend andere Zeitwörter auf ähnliche Art gebildet sind. Ihre glaubt, daß diese Endsylbe von dem Schwed. na, nå, nehmen, abstamme; allein dieser Begriff möchte sich ohne großen sichtbaren Zwang wohl nur auf sehr wenige der angeführten Zeitwörter anwenden lassen.
 
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Nênnbar, adj. et adv. was genannt werden kann. Daher die Nennbarkeit, plur. inus. Beydes im Gegensatze des unnennbar und der Unnennbarkeit.
 
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Nênnen, verb. irreg. act. ich nenne, du nennest oder nennst; Imperf. ich nannte, Conj. nennete, Mittelw. genannt.
   1. Ein Ding bey seinem Nahmen rufen oder erwähnen, dasselbe vermittelst des Ausdruckes bezeichnen, welchen es als einen Nahmen führet, der ihm zukommt, der dessen Unterscheidungsmerkmahle enthält; da denn so wohl das Ding, als auch der Nahme in die vierte Endung gesetzet werden. Ihr sollt euch nicht Rabbi, nicht Meister nennen, Matth. 23, 8. Der wird ein Sohn des Höchsten genennet (genannt) werden, Luc. 1, 32. Cajus und Titius nennen sich Vetter. Wir nennen alle Dinge schön, die der Einbildungskraft oder dem Verstande gefallen. Das nenn ich doch gehen, das verdient doch den Nahmen des Gehens. Ich kann ihn nicht nennen, weiß seinen Nahmen nicht. Wie nennt er sich? wie heißt er? Er nennt sich Bav, er heißt Bav, sein Nahme ist Bav. Als er die Mutter nennen hörete. Das Hauptwort Nahme leidet auch das Vorwort bey. Jemanden bey seinem rechten Nahmen nennen. Jemanden bey Nahmen nennen. Das ist mein Nahme bey dem man mich nennen soll, 2 Mos. 3, 15.
   Wie lange wirst du ihn bey diesem Nahmen nennen?
   Weiße. Zuweilen auch das Vorwort mit. Da stunden auf die Männer, die jetzt mit Nahmen genennet (genannt) sind, 2 Chron. 28, 15, die jetzt genannten Männer. Er zählet die Sternen (Sterne) und nennet sie alle mit Nahmen, Ps. 147, 4. Die Person, zu deren Nachricht eine Person oder Sache genannt wird, stehet in der dritten Endung. Nenne mir doch einmahl das Ding, sage mir dessen Nahmen. Nenne mir einen, der keine Fehler hätte.
   Zuweilen hat es den Nebenbegriff der allgemeinen Achtung bey sich.
   Wer ist wohl jetzt des Volks Verlangen?
   Wen, dacht er, nennt man jetzt als mich?
   Gell. Das Mittelwort genannt wird auch vor Beynahmen gebraucht; Dionysius genannt der Tyrann; ob man gleich in der edlern Schreibart lieber einen andern Ausdruck gebraucht, Dionysius mit dem Beynahmen des Tyrannen, oder der Tyrann. So genannt deutet an, theils, daß man diese Benennung und die Sache welche sie ausdruckt, nicht so schlechthin anerkenne, theils aber auch, daß der Nahme zwar üblich, aber doch an sich unrichtig und undeutlich sey. Man merket sehr deutlich, daß die so genannten Großen oft noch bey ihrem Leben wieder kleiner werden. Obgenannt, oft genannt, mehr genannt, vorgenannt u. s. f. für oben genannt, vorhin genannt, oder mehrmahls genannt, gehören in die Sprache der Kanzelleyen.

[Bd. 3, Sp. 467]



   2. Einem Dinge einen Nahmen geben, ertheilen, mit zwey Accusativen, so wohl der Person, als des Nahmens. Gott nennete (nannte) das Licht Tag, und die Finsterniß Nacht, 1 Mos. 1, 5. Es kann so wohl von Ertheilung eines eigenthümlichen Nahmens gebraucht werden, als auch von Ausdrücken, welche nur die Art oder Gattung bezeichnen, dagegen das niedrigere heißen nur allein von dem erstern üblich ist. Das Kind wurde nach seinem Vater genannt, bekam den Nahmen, welchen dessen Vater führet. Der biblische Ausdruck, mit einem Nahmen nennen, einen Nahmen beylegen, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Du sollt mit einem neuen Nahmen genennet werden, Es. 62, 2; Kap. 65, 15.
   3. * Bestimmen, ein im Hochdeutschen ungewöhnlicher Gebrauch, welcher noch im Oberdeutschen vorkommt. Ein Genanntes ist daselbst der genau bestimmte Gehalt, die bestimmten und bekannten Einkünfte, die man auch wohl das Firum zu nennen pflegt. In Nürnberg sind die Genannten die Glieder des äußern oder weitern Rathes, aus welchen die Glieder des innern oder engern Rathes erwählet werden, vermuthlich, weil sie von der Bürgerschaft, oder denen die das Wahlrecht haben, dazu ernannt werden. In eben dieser jetzt ungewöhnlichen Bedeutung kommt es 1 Mos. 41, 45 vor: Pharao nennete Joseph den heimlichen Rath, d. i. er ernannte ihn zum geheimen Rathe.
   Daher die Nennung, am häufigsten in der ersten Bedeutung.
   Anm. Dieses Zeitwort ist vermittelst der Endung -nen von dem größten Theils veralteten Zeitworte nahmen, welches noch in dem Oberdeutschen beniemen und in dem Niederdeutschen nömen, nennen, übrig ist, gebildet, daher es auch noch im Tatian nemnen, bey dem Kero, vermuthlich um des Wohllautes willen, nemmen, aber schon in dem Isidor nennen lautet. Im Schwed. lautet es gleichfalls nämna, dagegen im Englischen noch das einfachere to name üblich ist. Mit einer andern Ableitungssylbe hat man noch in den gemeinen Mundarten benahmsen, d. i. nennen, bestimmen. In einigen Gegenden wird es regulär abgewandelt, ich nennete, genennet. Im Hochdeutschen ist die irreguläre Abwandelung die üblichste, obgleich auch viele sonst gute Schriftsteller jene vorziehen.
 
Artikelverweis Die
Nênnêndung, plur. die -en, bey den ältern Deutschen Sprachlehrern, die erste Endung der Nennwörter, als eine buchstäbliche Übersetzung des Lat. Nominativus, wofür andere das Wort Nennfall versucht haben. Beyde sind durch den bessern Ausdruck erste Endung verdränget worden. S. das folgende.
 
Artikelverweis Der
Nênner, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Die erste Endung der Nennwörter, bey einigen neuern Sprachlehrern. 2) In der Rechenkunst ist der Nenner diejenige Zahl eines Bruches, welche die Eintheilung des Ganzen bezeichnet oder benennet, Denominator; zum Unterschiede von dem Zähler oder Numerator, welcher die Zahl der Theile des Ganzen anzeiget, welche der Bruch enthält.
 
Artikelverweis Der
Nènnfall, des -es, plur. die -fälle, S. Adelung Nennendung.
 
Artikelverweis Das
Nênnwort, des -es, plur. die -wörter, in der Sprachkunst, ein abänderlicher Redetheil, welcher den Nahmen eines Dinges oder einer seiner Eigenschaften ausdruckt, wohin denn so wohl die Hauptwörter als auch die Beywörter gehören. Latein. Nomen, bey den ältern Sprachlehrern gleichfalls der Nahme, schon bey dem Ruodepert im 8ten Jahrh. Namo.
 
Artikelverweis 
-Nêr, eine Ableitungssylbe, vermittelst welcher Hauptwörter männlichen Geschlechtes von andern Wörtern gebildet werden. 1) Von Zeitwörtern, eine Person männlichen Geschlechtes zu bezeichnen, welche die Handlung des Zeitwortes verrichtet; von welcher Art doch die wenigsten sind. Klämpener, von klampen, klämpen, und vielleicht noch andere mehr. 2) Von Nennwörtern,

[Bd. 3, Sp. 468]


besonders von Hauptwörtern, eine Person männlichen Geschlechtes anzudeuten, deren vornehmster Gegenstand das Hauptwort ist, wo aber die Art und Weise ihrer Verbindung oder Beschäftigung mit demselben bloß durch die Gewohnheit und den Gebrauch bestimmt wird. Der Beständner, der etwas in Bestand oder Pacht hat, der Pachter; der Bündner, in der Schweiz, der Theilhaber an einem Bunde, der Mitverbundene, Bundesgenoß; der Büttner, welcher Butten verfertiget; der Clausener, der in einer Clause lebt; der Falkner, der mit Falken umzugehen weiß; der Glöckner, der die Glocken zu lauten hat; der Kellner, der die Aufsicht über den Keller hat; der Kistner, der Kisten verfertiget; der Mauthner, Zöllner, der Einnehmer der Mauth oder des Zolles; der Meßner, der das Meßgeräth in seiner Verwahrung hat; der Kirchner, in ähnlichem Verstande; Pförtner, der die Aufsicht über die Pforte hat; Pfründner, der eine Pfründe in Bestitz hat; Schuldner, im Gegensatze des Gläubigers; Söldner, der um Gold dienet; Wöchner, der Wochenweise arbeitet u. s. f. Diejenigen Wörter gehören nicht hierher, wo das Hauptwort schon ein n hat, an welches die Ableitungssylbe -er angehänget worden, wie Gärtner von Garten, Gegener von gegen, Hafener von Hafen u. s. f. Manche der oben angeführten Wörter können freylich wohl von dem Plural auf -en gebildet seyn, da denn auch nur die Sylbe -er angehänget worden; allein in den meisten ist doch die Sylbe -ner unläugbar. Sie kommt mit der Sylbe -er sehr genau überein, und es kann seyn, daß sie auch vermittelst des euphonischen vorgesetzten n aus derselben gebildet worden.
 
Artikelverweis Der
Nêrfling, eine Art Fische, S. Adelung Nörfling.
 
Artikelverweis Der
Nêrve, des -n, plur. die -n, ein Wort, welches an den Körpern der Menschen und Thiere in einem zwiefachen Verstande gebraucht wird. 1) Die festen und starken Bandarten, welche zur Verbindung anderer Theile, besonders aber der Beine dienen, und auch Spannadern, Flächsen, Flachsadern, Bänder, am häufigsten aber Sehnen genannt werden, führen im gemeinen Leben häufig den Nahmen der Nerven. Im Lat. heißen sie Vincula oder Ligamenta. In diesem Verstande wird die auch von außen sichtbare Sehne dieser Art, welche hinten an dem Beine eines Pferdes an dem Röhrbeine hinunter läuft, und eigentlich aus zwey Sehnen und einem Bande bestehet, der Nerve genannt. 2) Noch häufiger werden gewisse zarte röhrartige von außen unsichtbare Fasern, welche sich aus dem Gehirne und Rückenmarke über alle Theile des Leibes erstrecken, und der Sitz so wohl der Empfindung als der Bewegung sind, Nerven genannt; Lat. Nervi. In welcher Bedeutung das Wort auch häufig im weiblichen Geschlechte gebraucht wird, die Nerve. Dieß Gefühl, das mir so neu in jeder Nerve bebt. Sie werden von einigen auch, obgleich sehr unschicklich, Spannadern genannt.
   Anm. Im Engl. Nerve, im Pohln Nerwa. Es ist wohl aus dem Lat. Nervus entlehnet, welches wiederum von dem Griech. νευρα abstammet.

 

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