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Nêlken-Flor bis Nênnen (Bd. 3, Sp. 464 bis 466)
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Artikelverweis Der Nêlken-Flor, des -es, plur. doch nur in der zweyten Bedeutung, die -e, der Flor, d. i. der Zustand, da die Gartennelken blühen. Ingleichen die Zeit, wenn sie blühen, und mehrere blühende Nelken selbst. Einen schönen Nelkenflor haben, viele blühende Nelken. S. Adelung Flor.
 
Artikelverweis Das
Nêlkenkraut, des -es, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme der Märzwurz oder Benedict-Wurz, besonders der einen Art, Geum urbanum L. deren Wurzel gegen den Frühling wie Gewürznelken riecht.
 
Artikelverweis Die
Nêlkenlaus, plur. die -läuse, ein grünes Ungeziefer, welches sich oben an dem Stengel der Nelken nahe bey dem Kelche aufhält, und die Pflanze aussauget; Aphis Caryophylli, bey einigen die Mauke.
 
Artikelverweis Das
Nếlkenmāß, des -es, plur. die -e, bey den Liebhabern der Gartennelken, ein Maß, welches aus mehrern Zirkeln bestehet, die Größe der Gartennelken damit zu messen.

[Bd. 3, Sp. 465]



 
Artikelverweis Die
Nêlkenmyrte, plur. die -n, eine prächtige Art Myrten mit drey Mahl gespaltenen vielblumigen Blumenstielen, und umgekehrt eyförmigen Blättern, welche in Zeylon einheimisch ist; Myrtus caryophillata L.
 
Artikelverweis Der
Nêlkenstock, des -es, plur. die -stöcke, eine einzelne Pflanze der Gartennelken, sie mag nun in der Blüthe seyn oder nicht, S. Adelung Stock.
 
Artikelverweis Die
Nếlken-Viōle, plur. die -n, ein Nahme, welcher in einigen Gegenden den Levkojen gegeben wird.
 
Artikelverweis Der
Nêlkenzimmt, des -es, plur. inus. eine Art Zimmtes, welche den Gewürznelken an Geruch und Geschmack nahe kommt.
 
Artikelverweis 
-Nèn, eine Ableitungssylbe, vermittelst deren neue Zeitwörter aus andern Zeitwörtern gebildet werden, welche vornehmlich eine doppelte Bedeutung haben.
   1. Eine factitive, thätige Zeitwörter aus Neutris zu bilden. Dergleichen sind öffnen, von dem veralteten offen, offen stehen, gähnen, von dem noch im Isländ. üblichen gia, Latein. hiare, erwähnen, von dem alten wahen, sich erinnern, gleichsam erinnern machen, entfernen, von fahren, ob es gleich auch von fern abstammen kann, und alsdann hierher nicht gehöret, warnen, wahren, d. i. sehen machen, das Oberdeutsche flehnen, heimlich wegschaffen, von fliehen, das veraltete festnen, von festen, lehnen, liegen machen, zeichnen, nennen, ordnen, dehnen, seifenen im Bergbaue, vielleicht auch fröhnen und andere mehr.
   2. In andern Fällen werden bloß Intensiva daraus, einen verstärkten innern Grad der Handlung zu bezeichnen, und in den meisten Fällen ist das erste ursprüngliche Zeitwort verloren gegangen und nur das Intensivum in dessen Bedeutung üblich geblieben. Dergleichen sind mahnen, von dem veralteten mähen, bewegen, obgleich auch dieses eine factititve Erklärung leidet, wohnen, von bauen, manere, das veraltete bibenen von beben, wähnen, meinen, lernen, weinen, greinen, flennen, läugnen, meinen, waffnen, welches aber auch zum vorigen Falle gehören kann, zürnen, höhnen, belehnen von beleihen, sehnen von sehen, stöhnen, rechnen, staunen, dienen, regnen, segnen, und andere mehr. Besonders in solchen Fällen, wo das ursprüngliche Zeitwort schon ein n vor der Endung hat, wie in kennen, können, brennen, rennen, spannen, trennen, gewinnen, u. s. f. welche insgesammt solche Intensiva zu seyn scheinen, wenn nicht einige derselben auf die vorige Bedeutung zurück geführet werden können.
   3. Verschiedene Wortforscher legen den Zeitwörtern auf nen auch eine inchoative Bedeutung bey. Allein im Deutschen hat sich dieselbe bisher noch nicht wollen finden lassen. Denn das einzige lehnen, anfangen zu liegen, in welchem Verstande es besonders im Oberdeutschen üblich ist, kann auch bloß intensiv oder factititv seyn. In einigen verwandten Sprachen ist diese inchoative Bedeutung erweislich, und da kommen die mit derselben versehenen Zeitwörter mit den Lateinischen Zeitwörtern auf -sco überein. Im Schwed. ist z. B. surna, acesco, tröttna, lucesco, lysna, duresco, härdna, obdormisco, somna, expergiscor u. s. f.
   Anm. 1. Hierher gehören diejenigen Zeitwörter nicht, welche vermittelst der Endung -en von Nennwörtern und Partikeln gebildet worden, welche sich auf ein n endigen, wie z. B. bahnen von Bahn, bannen von Bann, begegnen von gegen, ermannen und entmannen von Mann, erkühnen von kühn, fernen, in der Ferne schön scheinen, von fern, grünen von grün, harnen von Harn, hörnen von Horn, körnen und kernen von Korn und Kern, kapaunen von Kapaun, krönen von Krone, schienen von Schiene, trocknen von trocken, zäunen von Zaun, eignen von eigen, zwirnen von Zwirn u. s. f. Von einigen ist es indessen noch zweifelhaft, ob nicht das Nennwort vielmehr von

[Bd. 3, Sp. 466]


dem Zeitworte abstammet, welches denn in diesem Falle zu einer der vorigen Bedeutungen gehören würde.
   Anm. 2. Diese Endung ist sehr alt, und findet sich nicht allein schon bey dem Ulphilas, Kero und andern, so wie in allen mit der Deutschen verwandten Sprachen, sondern schon im Latein. wo das veraltete stinare in destinare u. s. f. auf solche Art von stare gebildet ist, wie monere, venire, minuere, minari u. s. f. von ähnlichen obgleich längst veralteten Zeitwörtern abstammen; noch mehr im Griechischen, wo κλινειν, lehnen, clinare, χαινειν, gähnen, κρινειν, und tausend andere Zeitwörter auf ähnliche Art gebildet sind. Ihre glaubt, daß diese Endsylbe von dem Schwed. na, nå, nehmen, abstamme; allein dieser Begriff möchte sich ohne großen sichtbaren Zwang wohl nur auf sehr wenige der angeführten Zeitwörter anwenden lassen.
 
Artikelverweis 
Nênnbar, adj. et adv. was genannt werden kann. Daher die Nennbarkeit, plur. inus. Beydes im Gegensatze des unnennbar und der Unnennbarkeit.
 
Artikelverweis 
Nênnen, verb. irreg. act. ich nenne, du nennest oder nennst; Imperf. ich nannte, Conj. nennete, Mittelw. genannt.
   1. Ein Ding bey seinem Nahmen rufen oder erwähnen, dasselbe vermittelst des Ausdruckes bezeichnen, welchen es als einen Nahmen führet, der ihm zukommt, der dessen Unterscheidungsmerkmahle enthält; da denn so wohl das Ding, als auch der Nahme in die vierte Endung gesetzet werden. Ihr sollt euch nicht Rabbi, nicht Meister nennen, Matth. 23, 8. Der wird ein Sohn des Höchsten genennet (genannt) werden, Luc. 1, 32. Cajus und Titius nennen sich Vetter. Wir nennen alle Dinge schön, die der Einbildungskraft oder dem Verstande gefallen. Das nenn ich doch gehen, das verdient doch den Nahmen des Gehens. Ich kann ihn nicht nennen, weiß seinen Nahmen nicht. Wie nennt er sich? wie heißt er? Er nennt sich Bav, er heißt Bav, sein Nahme ist Bav. Als er die Mutter nennen hörete. Das Hauptwort Nahme leidet auch das Vorwort bey. Jemanden bey seinem rechten Nahmen nennen. Jemanden bey Nahmen nennen. Das ist mein Nahme bey dem man mich nennen soll, 2 Mos. 3, 15.
   Wie lange wirst du ihn bey diesem Nahmen nennen?
   Weiße. Zuweilen auch das Vorwort mit. Da stunden auf die Männer, die jetzt mit Nahmen genennet (genannt) sind, 2 Chron. 28, 15, die jetzt genannten Männer. Er zählet die Sternen (Sterne) und nennet sie alle mit Nahmen, Ps. 147, 4. Die Person, zu deren Nachricht eine Person oder Sache genannt wird, stehet in der dritten Endung. Nenne mir doch einmahl das Ding, sage mir dessen Nahmen. Nenne mir einen, der keine Fehler hätte.
   Zuweilen hat es den Nebenbegriff der allgemeinen Achtung bey sich.
   Wer ist wohl jetzt des Volks Verlangen?
   Wen, dacht er, nennt man jetzt als mich?
   Gell. Das Mittelwort genannt wird auch vor Beynahmen gebraucht; Dionysius genannt der Tyrann; ob man gleich in der edlern Schreibart lieber einen andern Ausdruck gebraucht, Dionysius mit dem Beynahmen des Tyrannen, oder der Tyrann. So genannt deutet an, theils, daß man diese Benennung und die Sache welche sie ausdruckt, nicht so schlechthin anerkenne, theils aber auch, daß der Nahme zwar üblich, aber doch an sich unrichtig und undeutlich sey. Man merket sehr deutlich, daß die so genannten Großen oft noch bey ihrem Leben wieder kleiner werden. Obgenannt, oft genannt, mehr genannt, vorgenannt u. s. f. für oben genannt, vorhin genannt, oder mehrmahls genannt, gehören in die Sprache der Kanzelleyen.

[Bd. 3, Sp. 467]



   2. Einem Dinge einen Nahmen geben, ertheilen, mit zwey Accusativen, so wohl der Person, als des Nahmens. Gott nennete (nannte) das Licht Tag, und die Finsterniß Nacht, 1 Mos. 1, 5. Es kann so wohl von Ertheilung eines eigenthümlichen Nahmens gebraucht werden, als auch von Ausdrücken, welche nur die Art oder Gattung bezeichnen, dagegen das niedrigere heißen nur allein von dem erstern üblich ist. Das Kind wurde nach seinem Vater genannt, bekam den Nahmen, welchen dessen Vater führet. Der biblische Ausdruck, mit einem Nahmen nennen, einen Nahmen beylegen, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Du sollt mit einem neuen Nahmen genennet werden, Es. 62, 2; Kap. 65, 15.
   3. * Bestimmen, ein im Hochdeutschen ungewöhnlicher Gebrauch, welcher noch im Oberdeutschen vorkommt. Ein Genanntes ist daselbst der genau bestimmte Gehalt, die bestimmten und bekannten Einkünfte, die man auch wohl das Firum zu nennen pflegt. In Nürnberg sind die Genannten die Glieder des äußern oder weitern Rathes, aus welchen die Glieder des innern oder engern Rathes erwählet werden, vermuthlich, weil sie von der Bürgerschaft, oder denen die das Wahlrecht haben, dazu ernannt werden. In eben dieser jetzt ungewöhnlichen Bedeutung kommt es 1 Mos. 41, 45 vor: Pharao nennete Joseph den heimlichen Rath, d. i. er ernannte ihn zum geheimen Rathe.
   Daher die Nennung, am häufigsten in der ersten Bedeutung.
   Anm. Dieses Zeitwort ist vermittelst der Endung -nen von dem größten Theils veralteten Zeitworte nahmen, welches noch in dem Oberdeutschen beniemen und in dem Niederdeutschen nömen, nennen, übrig ist, gebildet, daher es auch noch im Tatian nemnen, bey dem Kero, vermuthlich um des Wohllautes willen, nemmen, aber schon in dem Isidor nennen lautet. Im Schwed. lautet es gleichfalls nämna, dagegen im Englischen noch das einfachere to name üblich ist. Mit einer andern Ableitungssylbe hat man noch in den gemeinen Mundarten benahmsen, d. i. nennen, bestimmen. In einigen Gegenden wird es regulär abgewandelt, ich nennete, genennet. Im Hochdeutschen ist die irreguläre Abwandelung die üblichste, obgleich auch viele sonst gute Schriftsteller jene vorziehen.

 

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