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Nêhmlich bis Neige (Bd. 3, Sp. 460 bis 461)
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Artikelverweis  Nêhmlich, S. Adelung Nähmlich.
 
Artikelverweis Die
Nêhrung, S. die Niedere.
 
Artikelverweis Der
Neid, des -es, plur. car. das anhaltende Mißvergnügen über die Wohlfahrt und die Vorzüge anderer, und in engerer Bedeutung, die Fertigkeit, anderer Wohlfahrt und Vorzügen auf eine anhaltende Art ungern zu sehen; die Mißgunst, von welcher der Neid allenfalls ein höherer und länger anhaltender Grad ist. Der Neid bestehet in nichts, als in der Unzufriedenheit der göttlichen Austheilung, Gell. Neid gegen jemanden empfinden, tragen. Die biblische R. A. im Neide wandeln, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Etwas aus Neid thun. Vor Neid bersten wollen, im gemeinen Leben. Der Neid verzehret ihn. Das erweckt, verursacht nur Neid.
   Anm. Schon bey dem Ottfried in der heutigen Bedeutung Nid, bey dem Ulphilas Neiths, im Nieders. Nied, im Angels. Nyth, im Schwed. Nid. Ehedem erstreckte sich die Bedeutung dieses Wortes viel weiter als jetzt. Es bedeutete nicht nur heftiges Verlangen, Begierde überhaupt, in welchem Verstande sich bey dem Notker Niet, und bey dem Stryker neitlich für begierig, findet. Er schlug auf ihn mit grossem neyd, mit großer Begier, Hitze, Theuerd. Kap. 106. Sondern auch besondere Arten heftiger Gemüthsbewegungen. Hwars mans Niding, hieß bey den ältern Schweden jedermanns Abscheu. Der Geitz heißt im Dän. und Schwed. noch jetzt Nid, und Niding ein Geitzhals. Der Eiser wird im Schwed. Nit, und im Angels. Nyth genannt, und Willeram gebraucht Nith für Eifersucht. Bey dem Ottfried ist Nid Haß, Odium, welches Lateinische

[Bd. 3, Sp. 461]


Wort selbst damit verwandt zu seyn scheinet, weil das N zu Anfange der Wörter oft sehr zufällig ist, S. Adelung N. Ja es wurde, so wie das Beywort neidisch, ehedem von einem jeden hohen Grade der innern Stärke gebraucht, daher noch jetzt neidisch essen in Niedersachsen begierig essen, und eine neidische Kälte eine heftige Kälte ist. Er merkt, daß ihm der Ritter so neydig was, Theuerd. Kap. 106, so hitzig auf ihn eindrang. Welcher weite Umfang, von dem unsere heutige Bedeutung nur ein kleiner Überrest ist, bey Aufsuchung des Stammes nothwendig mit in Betrachtung kommen muß.
 
Artikelverweis Der
Neidbau, des -es, plur. inus. in den Rechten und im gemeinen Leben, ein Bau, welcher mehr aus Neid gegen den andern, d. i. aus Verlangen ihm zu schaden, als um des Nutzens willen unternommen wird.
 
Artikelverweis 
Neiden, verb. reg. act. welches die vierte Endung der Person erfordert; jemanden neiden, über dessen Vorzüge und Wohlstand ein anhaltendes Mißvergnügen empfinden. Die Philister neideten Isaac, 1 Mos. 26, 14. Ich will dich darum, oder deßwegen nicht neiden. Der jetzt uns neiden kann, Opitz. Wenn ihn Fürsten neiden, Haged. Im Hochdeutschen ist es, etwa die dichterische Schreibart ausgenommen, größten Theils veraltet, indem das verstärkte beneiden dafür üblicher ist. So auch das Neiden. Diu nide ein ander darum niht, heißt es schon bey der Winsbeckinn, und Ich nide niman der si hat, Reinmar der Alte.
 
Artikelverweis Der
Neider, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. welches doch seltener vorkommt, die Neiderinn, eine Person, welche eine andere neidet oder beneidet, d. i. ein anhaltendes Mißvergnügen über ihren Wohlstand und über ihre Vorzüge empfindet. Viele Neider haben. Besser Neider als Mitleider, im gemeinen Leben. Bey dem Ottfried Nichigo.
 
Artikelverweis Der
Neidhammel, des -s, plur. die -hämmel, ein neidischer Mensch, ohne Unterschied des Geschlechtes; doch nur im gemeinen Leben und den niedrigen Sprecharten, in welchen das Wort Hammel in mehrern zusammen gesetzten verächtlichen Ausdrücken gebraucht wird, z. B. Streithammel, Zankhammel, eine streitsüchtige, zanksüchtige Person.
 
Artikelverweis Der
Neidhart, des -es, plur. die -e, ein nur noch in einigen Gegenden übliches Wort, eine neidische Person zu bezeichnen. Es ist kein Lauren über des Neidharts Lauren, Sir. 25, 19. S. -Hard.
 
Artikelverweis 
Neidisch, -er, -te, adj. et adv. Neid empfindend, und darin gegründet, und in engerer Bedeutung, Fertigkeit besitzend, andere wegen ihres Wohlstandes und wegen ihrer Vorzüge zu beneiden. Ein neidischer Mensch. Neidisch seyn. Jemandes Glück mit neidischen Augen ansehen. Iß nicht Brot bey einem Neidischen, Sprichw. 23, 6; in weiterer Bedeutung, der es dir nicht gönnet. Bey dem Ottfried nidig, bey dem Notker nidik, noch jetzt im Oberdeutschen neidig, im Nieders. niedsk. S. Adelung Neid. Anm.
 
Artikelverweis Der
Neidnagel, S. Adelung Niednagel.
 
Artikelverweis Die
Neige, plur. die -n, von dem folgenden Zeitworte neigen. 1) Der Zustand, da ein Ding geneiget wird, oder da sich eine Sache zu ihrem Ende oder ihrem Verfalle neiget; ohne Plural, und als eine Figur von einem bald leeren und geneigten, d. i. hinten aufgehobenen Fasse. Der Wein, das Bier, das Faß gehet auf die Neige, das Faß ist bald leer, es muß bald geneiget werden. Von der Neige trinken, von einem bald leeren, geneigten Fasse, Nieders. von der Helle, von hellen, lüften, vorne neigen. Daher figürlich, doch nur im gemeinen Leben, die Neige der Verfall, die Abnahme ist. Das Leben ist wie der Wein, wenn er auf die Neige kommt, so wird er sauer, Opitz. Auf der Neige ist nicht gut sparen, wenn wenig mehr da ist. Sein Vermögen ist auf die Neige, ist bald alle. Es gehet mit ihm auf

[Bd. 3, Sp. 462]


die Neige, er nimmt ab, so wohl an Kräften und Gesundheit, als auch am Vermögen.
   Die Zeit hat abgenommen,
   Da noch was Gutes war, wir sind zur Neige kommen,
   Opitz.
   O die Welt kommt auf die Neige,
   Haged.
    Denn ihre Schönheit geht allmählich auf die Neige,
   Less. Nürnberg ist mit seinem ehemahligen großen Rufe auf der Neige. 2) Ein flüssiger Körper von einem geneigten Fasse. Von der Neige trinken. In weiterer Bedeutung ein jeder Überrest von einem flüssigen Körper. Hier ist noch eine Neige Bier. Die Neige austrinken, den Überrest in einem Trinkgeschirre. Und figürlich, ein Überrest von einer jeden Sache; doch alles nur in den gemeinen Sprecharten, wo auch die Verkleinerungen Neigelchen und Neigelein vorkommen. Eine Neige Äpfel, Zeug u. s. f.

 

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