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Naturwissenschaft bis Nêben (Bd. 3, Sp. 449 bis 450)
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Artikelverweis Die Naturwissenschaft, plur. doch nur von mehrern Lehrbüchern dieser Art, die -en, die wissenschaftliche Kenntniß der Natur, d. i. der Veränderungskräfte aller körperlichen Dinge, die Naturkenntniß als eine Wissenschaft betrachtet, so wohl objective, als subjective; Scientia naturalis, Physica, die Physik, welche in andern Rücksichten auch die Naturlehre, die Naturkunde oder Naturkenntniß genannt wird. S. Adelung Kenntniß und Wissenschaft.
 
Artikelverweis Der
Nêbel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Menge wässeriger, durch die Kälte verdickter Dünste in der untern Luft, welche dieselbe undurchsichtig machen, und in der Ferne eine Wolke heißen. Es entstehet ein Nebel. Im Frühlinge pflegen zuweilen ungesunde stinkende Nebel zu fallen, zu entstehen. Der Nebel fällt, wenn sich die Dünste auf die Erdfläche legen. Die Sonne zertheilt den Nebel. Der Nebel steigt in die Höhe, wenn er sich in die obere Luft begibt und daselbst zur Wolke wird; aber, es steigt ein Nebel auf, d. i. es entstehet ein Nebel. Bey Nacht und Nebel ausziehen, im gemeinen Leben, heimlich, in aller Stille. Jemanden einen Nebel vor den Augen machen, wofür man auch sagt, ihm einen blauen Dunst vormachen.
   Eine gefürchtete Zeit mit pestilenzialischem Fittig
   Wallet auf Nebeln die Seuche daher,
   Zachar. Anm. Bey dem Ottfried mit einer neuen Ableitungssylbe Nebulniss, bey dem Notker Nebul, im Lat. Nebula und schon im Hebr. 05e005d105dc, welches auch figürlich Eitelkeit bedeutet. Im Griech. ist νεφελ die Wolke, und im Böhm. Nebe der Himmel, welches letztere aber zu einem andern Stamme gehöret. Die letzte Sylbe -el ist die Ableitungssylbe; es kommt also bey der Aufsuchung des Stammes nur auf Neb an, welches mit Nacht verwandt zu seyn, und grau, trübe, schwärzlich, zu bedeuten scheinet, S. Adelung Nebelkrähe. Die Niederdeutschen und ihre Sprachverwandten haben dieses Wort nicht, sondern gebrauchen dafür theils Mist, Engl. und Holl. Mist, theils auch Daak, Dän. Daage, Schwed. Tökn, S. Thau.

[Bd. 3, Sp. 450]



 
Artikelverweis Die
Nêbelbank, plur. die -bänke, in der Seefahrt, ein in der Ferne auf der Oberfläche der See, oder auch an den Küsten sich zeigender Nebel, welcher die Gestalt einer Insel, oder einer Küste hat, und die Seefahrer oft hintergehet. S. Adelung Bank.
 
Artikelverweis Der
Nêbelbogen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art des Regenbogens, welcher sich in einem Nebel bildet, und sich von einem Regenbogen nur darin unterscheidet, daß er weiß und ohne alle Farben ist. Bildet er sich in dem Thaue, so wird er auch ein Thaubogen genannt.
 
Artikelverweis 
Nêbelgrau, adj. et adv. der grauen Farbe des Nebels gleich oder ähnlich.
 
Artikelverweis 
Nêbelicht, -er, -este, adj. et adv. einem Nebel ähnlich. Ein nebelichter Stern, in der Astronomie, welcher einem kleinen Wölkchen, oder hellen Flecken gleicht. Einen einzigen neblichten Stern verwandelt das Fernglas in einen Himmel voll Sonnen, Kästn.
 
Artikelverweis 
Nêbelig, -er, -ste, adj. et adv. Nebel enthaltend, aus Nebel bestehend. Nebeliges Wetter. Es ist heute sehr nebelig. Nieders. mistig, daakig, dakerig.
 
Artikelverweis Die
Nêbelkappe, plur. die -n, in den Ritter-Romanen der mittlern Zeit, eine bezauberte Kappe, vermittelst deren man sich in einen Nebel verwandeln und unsichtbar machen konnte; das Helmkäpplein, bey andern die Tarnkappe. Die Dichtung, daß man sich durch zauberische Mittel in einen Nebel verwandeln, und sich dadurch den Augen anderer entziehen könne, ist alt, und kommt schon im Homer vor.
 
Artikelverweis Die
Nêbelkrähe, plur. die -n, in einigen Gegenden, ein Nahme der aschgrauen Krähe mit schwarzem Kopfe, Flügeln und Schwanze; Cornix cinerea L. et Klein. Sie halten sich gemeiniglich nur im Winter bey uns auf, begeben sich aber im Sommer in andere Gegenden. S. Adelung Nebel Anm.
 
Artikelverweis 
Nêbeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches aber nur unpersönlich gebraucht wird. Es nebelt, es fällt ein Nebel, es ist nebelig. In benebeln ist es auch persönlich und thätig üblich.
 
Artikelverweis 
Nêben, eine Partikel, welche überhaupt eine Nähe ausdruckt, und auf eine doppelte Art gebraucht wird.
   I. Als ein Vorwort, wo sie so wohl die dritte als vierte Endung des Nennwortes erfordert.
   1. Die dritte Endung, wenn ein Zustand der Ruhe nahe bey einem andern Dinge bezeichnet werden soll. 1) Eigentlich. Er saß neben mir. Er wohnet gleich neben uns an. Sie standen neben einander. Neben der Wahrheit vorbey spazieren, wo zwar die Handlung selbst eine Bewegung ist, welche aber in Rücksicht auf die Wahrheit im Stande der Ruhe gedacht wird; so wie man auch sagt, neben dem Walde hin gehen; würdig, neben ihr zu wandeln. Neben ihm soll sich lagern der Stamm Isaschar, 4 Mos. 2, 5. Sieben Säulen eine neben der andern, 1 Macc. 13, 28. Seinen Kopf mit den Federn soll man neben dem Altar werfen, 5 Mos. 1, 16; wo aber die vierte Endung stehen sollte, so wie Nehem. 3, 2, 4, 5 irrig die vierte Endung statt der dritten stehet. Neben mir, in meiner Gegenwart, 1 Sam. 21, 15. Habe ich der Unsinnigen zu wenig, daß ihr diesen herbrächtet, daß er neben mir rasete? ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. 2) Figürlich, für außer, einen Zusatz zu oder außer einem schon vorhandenen Dinge zu bezeichnen, mit dessen Beybehaltung; wo es doch in den meisten Fällen im Hochdeutschen ungewöhnlich zu werden anfängt. Du sollt keine andere Götter haben neben mir, 2 Mos. 20, 3. Du sollst deines Weibes Schwester nicht nehmen neben ihr, 3 Mos. 18, 18. Die da Zertrennung und Ärgerniß anrichten neben der Lehre, die ihr gelernt habt, Röm. 16, 17. Am häufigsten kommt diese Bedeutung

[Bd. 3, Sp. 451]


noch in den folgenden Zusammensetzungen vor, wo es ein Ding bedeutet, welches sich nahe bey und außer einem andern von eben derselben Art befindet, und zuweilen noch den Nebenbegriff des nach, d. i. der geringern, unwichtigern Beschaffenheit, bey sich führet, da es denn demjenigen Dinge entgegen gesetzet wird, welches in seiner Zusammensetzung das Wort Haupt- hat. Siehe auch Nebst.
   2. Die vierte Endung, eine Bewegung nahe bey oder zu einem Dinge zu bezeichnen. Daß er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes, Ps. 113, 7, 8. Er soll die Asche neben den Altar schütten, 3 Mos. 4, 10. Als er müde war und sich neben eine Wand legte. Tob. 2, 10. Jesus stellete ein Kind neben sich, Luc. 9, 47. Begrabe sie neben mich, Tob. 4, 5. Sie traten neben die Kühe, 1 Mos. 41, 3.
   II. Als ein Umstandswort, wo es doch nur in Gesellschaft einiger andern Partikeln gebraucht wird. Neben her gehen, reiten, fahren; im gemeinen Leben beyher, wo es auch mit dem her zusammen gezogen wird, nebenher. Ingleichen figürlich, auf eine entferntere, zufällige Art, quasi aliud agendo, als eine Nebensache, in welchem Verstande auch neben bey üblich ist. Ich will es neben her oder neben bey machen. Nebenher diene ich den Armen, so viel meine Umstände erlauben.
   Anm. Im Oberdeutschen mit dem überflüßigen d, nebend, im Nieders. neffen, neven, teffens. Es scheinet aus nahe bey zusammen gezogen zu seyn, dessen Bedeutung es wenigstens hat; so wie prope aus pro und pe, bey pone und pene aus po, pe, bey, und ne, nahe, beynahe, entstanden zu seyn scheinen. Siehe auch Nebst.

 

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