Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Naturspiel bis Nêbelkappe (Bd. 3, Sp. 449 bis 450)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Das Naturspiel, des -es, plur. die -e, ein Nahme, welchen man in der Naturgeschichte solchen natürlichen Körpern gibt, welche einige zufällige Ähnlichkeit mit andern Körpern haben, weil die Natur bey deren Bildung gleichsam spielete. Dergleichen sind die Linsensteine u. s. f. Steine, welche zufälliger Weise Linsen ähnlich sehen. In dem Steinreiche werden solche Naturspiele auch Steinspiele genannt.
 
Artikelverweis Der
Naturtrieb, des -es, plur. die -e, ein jeder Trieb, welcher in der Natur, d. i. in der Veränderungskraft allein, gegründet ist. Der eifrigste Enthusiasmus in der Freundschaft, der sich nur auf gleichseitige Neigung des Temperaments gründet, ist an und für sich keine Tugend, er ist ein bloßer Naturtrieb. In engerer Bedeutung ist ein Naturtrieb, Lat. Instinct, ein solcher Trieb dieser Art, der so sehr in der Veränderungskraft gegründet ist, daß auch keine freye Wahl dabey Statt findet. Den Naturtrieb durch das eheliche Band fesseln. Wenn ein solcher Trieb bey den Thieren auf gewisse dem Anscheine nach künstliche Verrichtungen eingeschränkt ist, so wird er auch der Kunsttrieb genannt.
 
Artikelverweis Das
Naturvolk, des -es, plur. die -völker, ein im Stande der Natur, ohne merkliche bürgerliche Verfassung lebendes Volk, dergleichen Völker und Menschen gemeiniglich Wilde genannt werden.
 
Artikelverweis Die
Naturwissenschaft, plur. doch nur von mehrern Lehrbüchern dieser Art, die -en, die wissenschaftliche Kenntniß der Natur, d. i. der Veränderungskräfte aller körperlichen Dinge, die Naturkenntniß als eine Wissenschaft betrachtet, so wohl objective, als subjective; Scientia naturalis, Physica, die Physik, welche in andern Rücksichten auch die Naturlehre, die Naturkunde oder Naturkenntniß genannt wird. S. Adelung Kenntniß und Wissenschaft.
 
Artikelverweis Der
Nêbel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Menge wässeriger, durch die Kälte verdickter Dünste in der untern Luft, welche dieselbe undurchsichtig machen, und in der Ferne eine Wolke heißen. Es entstehet ein Nebel. Im Frühlinge pflegen zuweilen ungesunde stinkende Nebel zu fallen, zu entstehen. Der Nebel fällt, wenn sich die Dünste auf die Erdfläche legen. Die Sonne zertheilt den Nebel. Der Nebel steigt in die Höhe, wenn er sich in die obere Luft begibt und daselbst zur Wolke wird; aber, es steigt ein Nebel auf, d. i. es entstehet ein Nebel. Bey Nacht und Nebel ausziehen, im gemeinen Leben, heimlich, in aller Stille. Jemanden einen Nebel vor den Augen machen, wofür man auch sagt, ihm einen blauen Dunst vormachen.
   Eine gefürchtete Zeit mit pestilenzialischem Fittig
   Wallet auf Nebeln die Seuche daher,
   Zachar. Anm. Bey dem Ottfried mit einer neuen Ableitungssylbe Nebulniss, bey dem Notker Nebul, im Lat. Nebula und schon im Hebr. 05e005d105dc, welches auch figürlich Eitelkeit bedeutet. Im Griech. ist νεφελ die Wolke, und im Böhm. Nebe der Himmel, welches letztere aber zu einem andern Stamme gehöret. Die letzte Sylbe -el ist die Ableitungssylbe; es kommt also bey der Aufsuchung des Stammes nur auf Neb an, welches mit Nacht verwandt zu seyn, und grau, trübe, schwärzlich, zu bedeuten scheinet, S. Adelung Nebelkrähe. Die Niederdeutschen und ihre Sprachverwandten haben dieses Wort nicht, sondern gebrauchen dafür theils Mist, Engl. und Holl. Mist, theils auch Daak, Dän. Daage, Schwed. Tökn, S. Thau.

[Bd. 3, Sp. 450]



 
Artikelverweis Die
Nêbelbank, plur. die -bänke, in der Seefahrt, ein in der Ferne auf der Oberfläche der See, oder auch an den Küsten sich zeigender Nebel, welcher die Gestalt einer Insel, oder einer Küste hat, und die Seefahrer oft hintergehet. S. Adelung Bank.
 
Artikelverweis Der
Nêbelbogen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art des Regenbogens, welcher sich in einem Nebel bildet, und sich von einem Regenbogen nur darin unterscheidet, daß er weiß und ohne alle Farben ist. Bildet er sich in dem Thaue, so wird er auch ein Thaubogen genannt.
 
Artikelverweis 
Nêbelgrau, adj. et adv. der grauen Farbe des Nebels gleich oder ähnlich.
 
Artikelverweis 
Nêbelicht, -er, -este, adj. et adv. einem Nebel ähnlich. Ein nebelichter Stern, in der Astronomie, welcher einem kleinen Wölkchen, oder hellen Flecken gleicht. Einen einzigen neblichten Stern verwandelt das Fernglas in einen Himmel voll Sonnen, Kästn.
 
Artikelverweis 
Nêbelig, -er, -ste, adj. et adv. Nebel enthaltend, aus Nebel bestehend. Nebeliges Wetter. Es ist heute sehr nebelig. Nieders. mistig, daakig, dakerig.
 
Artikelverweis Die
Nêbelkappe, plur. die -n, in den Ritter-Romanen der mittlern Zeit, eine bezauberte Kappe, vermittelst deren man sich in einen Nebel verwandeln und unsichtbar machen konnte; das Helmkäpplein, bey andern die Tarnkappe. Die Dichtung, daß man sich durch zauberische Mittel in einen Nebel verwandeln, und sich dadurch den Augen anderer entziehen könne, ist alt, und kommt schon im Homer vor.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: