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Naturlicht bis Nêbelbank (Bd. 3, Sp. 448 bis 450)
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Artikelverweis Das Naturlicht, des -es, plur. inus. eine figürliche Benennung der durch natürliche Kräfte möglichen Erkenntniß, ingleichen der Vernunft, so fern sie diese Erkenntniß gewähret.
 
Artikelverweis Der
Naturmênsch, des -en, plur. die -en, ein im Stande der Natur lebender Mensch, ohne alle bürgerliche Verfassung oder Einschränkung von außen.
 
Artikelverweis Die
Naturpflicht, plur. die -en, eine jede Veränderung, zu welcher ein Ding vermöge der Verbindung des Mannigfaltigen in demselben gezwungen wird. Die geschlagene Saite thut ihre Naturpflicht, sie klingt, Herd. In engerer Bedeutung sind Naturpflichten, diejenigen Pflichten, zu welchen der Mensch durch das Naturgesetz verbunden ist.
 
Artikelverweis Das
Naturrêcht, des -es, plur. die -e, Rechte, welche einem jeden Dinge vermöge der Einrichtung seiner Natur zukommen. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, Rechte, welche einem jeden Menschen vermöge seiner allgemeinen Beschaffenheit, auch außer der bürgerlichen Gesellschaft und ohne Rücksicht auf dieselbe zukommen. Ingleichen der Inbegriff dieser Rechte, ohne Plural; das Recht der Natur, Jus Naturae, im Gegensatze des durch willkührliche Einrichtung entstandenen oder bürgerlichen Rechtes.
 
Artikelverweis Das
Naturreich, des -es, plur. die -e. 1) Die ganze sichtbare Körperwelt, als ein mit einander genau verbundenes Ganze betrachtet; ohne Plural. In der Theologie, wo es dem Gnadenreiche, welches sich nur auf die Menschen und besonders auf die

[Bd. 3, Sp. 449]


Gläubigen erstreckt, entgegen stehet, wird es auch das Reich der Macht genannt. 2) In engerer Bedeutung pflegt man alle auf und unter der Erde befindlichen bekannten Körper in drey Hauptklassen oder so genannte Naturreiche zu theilen, welche das Thierreich, das Pflanzenreich und Mineralreich sind.
 
Artikelverweis Das
Naturspiel, des -es, plur. die -e, ein Nahme, welchen man in der Naturgeschichte solchen natürlichen Körpern gibt, welche einige zufällige Ähnlichkeit mit andern Körpern haben, weil die Natur bey deren Bildung gleichsam spielete. Dergleichen sind die Linsensteine u. s. f. Steine, welche zufälliger Weise Linsen ähnlich sehen. In dem Steinreiche werden solche Naturspiele auch Steinspiele genannt.
 
Artikelverweis Der
Naturtrieb, des -es, plur. die -e, ein jeder Trieb, welcher in der Natur, d. i. in der Veränderungskraft allein, gegründet ist. Der eifrigste Enthusiasmus in der Freundschaft, der sich nur auf gleichseitige Neigung des Temperaments gründet, ist an und für sich keine Tugend, er ist ein bloßer Naturtrieb. In engerer Bedeutung ist ein Naturtrieb, Lat. Instinct, ein solcher Trieb dieser Art, der so sehr in der Veränderungskraft gegründet ist, daß auch keine freye Wahl dabey Statt findet. Den Naturtrieb durch das eheliche Band fesseln. Wenn ein solcher Trieb bey den Thieren auf gewisse dem Anscheine nach künstliche Verrichtungen eingeschränkt ist, so wird er auch der Kunsttrieb genannt.
 
Artikelverweis Das
Naturvolk, des -es, plur. die -völker, ein im Stande der Natur, ohne merkliche bürgerliche Verfassung lebendes Volk, dergleichen Völker und Menschen gemeiniglich Wilde genannt werden.
 
Artikelverweis Die
Naturwissenschaft, plur. doch nur von mehrern Lehrbüchern dieser Art, die -en, die wissenschaftliche Kenntniß der Natur, d. i. der Veränderungskräfte aller körperlichen Dinge, die Naturkenntniß als eine Wissenschaft betrachtet, so wohl objective, als subjective; Scientia naturalis, Physica, die Physik, welche in andern Rücksichten auch die Naturlehre, die Naturkunde oder Naturkenntniß genannt wird. S. Adelung Kenntniß und Wissenschaft.
 
Artikelverweis Der
Nêbel, des -s, plur. ut nom. sing. eine Menge wässeriger, durch die Kälte verdickter Dünste in der untern Luft, welche dieselbe undurchsichtig machen, und in der Ferne eine Wolke heißen. Es entstehet ein Nebel. Im Frühlinge pflegen zuweilen ungesunde stinkende Nebel zu fallen, zu entstehen. Der Nebel fällt, wenn sich die Dünste auf die Erdfläche legen. Die Sonne zertheilt den Nebel. Der Nebel steigt in die Höhe, wenn er sich in die obere Luft begibt und daselbst zur Wolke wird; aber, es steigt ein Nebel auf, d. i. es entstehet ein Nebel. Bey Nacht und Nebel ausziehen, im gemeinen Leben, heimlich, in aller Stille. Jemanden einen Nebel vor den Augen machen, wofür man auch sagt, ihm einen blauen Dunst vormachen.
   Eine gefürchtete Zeit mit pestilenzialischem Fittig
   Wallet auf Nebeln die Seuche daher,
   Zachar. Anm. Bey dem Ottfried mit einer neuen Ableitungssylbe Nebulniss, bey dem Notker Nebul, im Lat. Nebula und schon im Hebr. 05e005d105dc, welches auch figürlich Eitelkeit bedeutet. Im Griech. ist νεφελ die Wolke, und im Böhm. Nebe der Himmel, welches letztere aber zu einem andern Stamme gehöret. Die letzte Sylbe -el ist die Ableitungssylbe; es kommt also bey der Aufsuchung des Stammes nur auf Neb an, welches mit Nacht verwandt zu seyn, und grau, trübe, schwärzlich, zu bedeuten scheinet, S. Adelung Nebelkrähe. Die Niederdeutschen und ihre Sprachverwandten haben dieses Wort nicht, sondern gebrauchen dafür theils Mist, Engl. und Holl. Mist, theils auch Daak, Dän. Daage, Schwed. Tökn, S. Thau.

[Bd. 3, Sp. 450]



 
Artikelverweis Die
Nêbelbank, plur. die -bänke, in der Seefahrt, ein in der Ferne auf der Oberfläche der See, oder auch an den Küsten sich zeigender Nebel, welcher die Gestalt einer Insel, oder einer Küste hat, und die Seefahrer oft hintergehet. S. Adelung Bank.

 

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