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Näther bis Natterzunge (Bd. 3, Sp. 439 bis 440)
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Artikelverweis Der Näther, des -s, plur. ut nom. sing. ein nur im Wasserbaue übliches Wort, ein mit Pfählen und Ruthen geflochtener starker Zaun, womit man den Damm eines Teiches oder das Ufer eines Flusses wider das Auswaschen des Wassers verwahret; ein Strichzaun. Es gehöret ohne Zweifel zu nähen, Naht, so fern solches in der weitesten Bedeutung ehedem für verbinden, flechten, und Verbindung überhaupt gebraucht wurde.
 
Artikelverweis Die
Natiōn, plur. die -en, aus dem Latein. Natio, die eingebornen Einwohner eines Landes, so fern sie einen gemeinschaftlichen Ursprung haben, und eine gemeinschaftliche Sprache reden, sie mögen übrigens einen einzigen Staat ausmachen, oder in mehrere vertheilet seyn. Die Deutsche Nation, die Französische, die Spanische, die Italiänische, die Russische Nation. Auch besondere Zweige einer solchen Nation, d. i. einerley Mundart

[Bd. 3, Sp. 440]


redende Einwohner einer Provinz, werden zuweilen Nationen genannt, in welchem Verstande es auf den alten Universitäten, wo die Glieder nach Nationen vertheilet sind, üblich ist. S. des Du Fresne Gloss. v. Natio. Ehe dieses Wort aus dem Latein. entlehnet wurde, gebrauchte man Volk für Nation, in welchem Verstande es auch noch von alten Nationen üblich ist. Wegen der Vieldeutigkeit dieses Wortes aber hat man es in dieser Bedeutung großen Theils verlassen und Völkerschaft für Nation einzuführen gesucht, welches Wort auch bereits Beyfall gefunden.
 
Artikelverweis Die
Nativitǟt, plur. inus. aus dem Latein. nativitas, die Bestimmung der künftigen Schicksale eines Menschen aus dem Stande der Gestirne in seiner Geburtsstunde. Einem die Nativität stellen, diese Schicksale daraus berechnen. Daher der Nativität-Steller, welcher diese Afterkunst übt.
 
Artikelverweis Die
Natter, plur. die -n, in der weitesten Bedeutung eine Art Schlangen, welche Schilder unter dem Bauche und Schuppen unter dem Schwanze hat; Coluber L. In welchem Verstande alle Europäischen Schlangen Nattern sind, und in einigen Gegenden werden auch beyde Wörter wirklich für einander gebraucht. In engerer Bedeutung nennet man nur die kleine giftigste Schlangenart, welche auch Otter, Lat. Vipera, genannt wird, Natter.
   Anm. Schon bey dem Ottfried Natar, im Tatian Natru, im Isidor Nadra, bey dem Ulphilas Nade, im Angels. Nadra, Naedra, im mittlern Latein. Natrix, im Ital. Natrice, im Franz. ehedem Noerresce, welche gemeiniglich von nare, natare, hergeleitet werden, als wenn nur die Wasserschlangen diesen Nahmen führeten. Allein da es bey den ältern Schriftstellern von einer Schlange überhaupt gebraucht wird, und in diesem Verstande noch jetzt üblich ist, so ist es vielmehr für ein und eben dasselbe Wort mit dem im gemeinen Leben üblichen Otter, in den gemeinen Sprecharten Atter, Engl. Adder, zu halten, welchem nur das zufällige N, wie in so vielen andern Wörtern, vorgesetzt worden. S. Adelung N. Ingleichen Otter und Viper.
 
Artikelverweis Der
Nátterbíß, des -sses, plur. die -sse, der Biß von einer Natter oder Viper, und in weiterer Bedeutung von einer jeden Schlange.
 
Artikelverweis Der
Natterhals, des -es, plur. die -hälse, der Nahme einer Art Spechte, welche den Hals wie eine Natter drehet, daher er auch Natterzwang, Natterwendel, Drehhals und Wendehals genannt wird, S. das letztere.
 
Artikelverweis Das
Natterkraut, des -es, plur. inus. ein Nahme, welchen das Hauslaub oder die Hauswurz, Sedum L. an einigen Orten führet. An andern wird die wilde Ochsenzunge, Otternkopf oder Schlangenhaupt, Echium vulgare L. Natterkraut und Natterwurz genannt; beyde wegen ihrer heilenden Kraft in Natterbissen.
 
Artikelverweis Die
Nattermilch, plur. inus. in einigen Gegenden ein Nahme der gemeinen Scorzonera, Scorzonera humilis L. weil ihre Wurzel einen weißlichen Milchsaft enthält, die Pflanze selbst aber sehr viele Heilkräfte auch in Schlangenbissen besitzet; Schlangenmord, weil sie den Schlangen zuwider seyn soll.
 
Artikelverweis Der
Natterwêndel, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Natterhals.
 
Artikelverweis Die
Natterwurz, plur. inus. 1) Eine Art des Wegetrittes, mit einem einfachen Stamme, welche auf den Bergen Deutschlandes einheimisch ist, und eine zusammen ziehende heilende Kraft hat; Polygonum Bistorta L. Die Wurzel ist gekrümmt und hat einige Ähnlichkeit mit einer Natter oder Schlange. Krebswurzel, weil der große Haufe sie in Krebsschäden gebraucht. 2) S. Adelung Natterkraut.
 
Artikelverweis Die
Natterzunge, oder im Diminut. das Natterzünglein, des -s, plur. inus. 1) Eine Art des Farnkrautes, welches

[Bd. 3, Sp. 441]


auf den Europäischen Waldwiesen wächset, und nur ein einziges fettes Blatt treibt, woraus sich ein Stängel mit einer gelben Spitze in Gestalt einer Schlangenzunge erhebt, woran die Blüthen und Fruchtknöpfchen sitzen; Ophioglossum L. Schlangenzunge. 2) Eine Art Versteinerung, S. Adelung Schlangenzunge.

 

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