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Närrschen bis Náschhunger (Bd. 3, Sp. 432 bis 433)
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Artikelverweis  Närrschen, S. Adelung Narren.
 
Artikelverweis Der
Narwall, des -es, plur. die -e, der nordische Nahme einer Art Wallfische, welche einen langen hervor ragenden Zahn an der linken Seite der obern Kinnlade hat, daher er auch das Einhorn oder Seeeinhorn genannt wird; Monodon L. Die Schweden, welche vor dem w gern ein h gehen lassen, schreiben den Nahmen Narhvall. Von der letzten Sylbe S. Adelung Wallfisch. Die erste Sylbe, welche Frisch von nare, schwimmen, ableitet, gehöret unstreitig zu Nase, ein langes hervor ragendes Ding, welches auch in dem Lat. Nares das s in ein r verwandelt hat, eine über dieß sehr gewöhnliche Verwandlung.
 
Artikelverweis Die
Narzisse, plur. die -n, eine wohl riechende Blume und deren Pflanze, welche ein Zwiebelgewächs ist, und eine sechsblätterige, gemeiniglich weiße, oft aber auch gelbe Blume an einem geraden saftigen Stängel treibet; Narcissus L. An einigen Orten wird sie Zeitlosen, bey Hamburg Zittelrosen, weil sie um Ostern blühet, Osternlilie, Aprillenblume, im Norweg. Pintzelilie, in und um Augsburg Glitzepfeule genannt. Im Nieders. heißt sie Tyrlösken, welcher Nahme vermuthlich mit Zeitlose überein kommt. Man hat ihrer verschiedene Arten, wohin auch die Joseph-Stäbe, die Crenelen, d. i. die mit ganz zugespitzten Blättern, die Rosen-Narzissen, Berg-Narzissen, Lilien-Narzissen, die Kugel-Narzissen oder Girandolen, die Tazetten, Jonquillen, (Schonkiljen) und andere mehr gehören. Diese Blume, welche bey uns nur in den Gärten gezeuget wird, ist nebst ihrem Nahmen aus dem mittägigen Europa zu uns gekommen; Griech. Ναρκισσος, Latein. Narcissus, und auch im Persischen Narguez, daher er morgenländischen Ursprunges zu seyn scheinet.
 
Artikelverweis Das
Nasāl, des -es, plur. die -e, in den Orgeln, ein Register, welches 11/2 Fuß Ton hat, nur zu andern Stimmen gezogen und auch die kleine Gemshorn-Quinte genannt wird. Aus dem Lat. nasalis, Nasale, weil es gleichsam nieselt, oder dem Singen durch die Nase ähnlich ist.
 
Artikelverweis 
Náschen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1) Zum Vergnügen, aus Lüsternheit von etwas essen, zur Lust in kleinen Bissen essen, im Gegensatze des Essens zur Nahrung oder aus Hunger. Von etwas naschen. Ich esse nicht, ich

[Bd. 3, Sp. 433]


nasche nur. 1) In engerm Verstande, aus Lüsternheit von einer verbothenen Speise essen. So sagt man von den Katzen, von dem Gesinde u. s. f. daß sie naschen, das Naschen nicht lassen können u. s. f. Figürlich bedeutet es auch, das andere Geschlecht aus Lüsternheit liebkosen.
   Daher das Naschen. In den verwandten Sprachen kommt dieses Wort nicht vor. Es ahmet, wie schon Frisch vermuthet, den schmatzenden Laut nach, der bey manchen Leuten mit dem Essen schmackhafter Sachen verbunden ist, und ist mit nießen in genießen, nesen in genesen, und nähren verwandt, so fern sie insgesammt essen bedeutet haben. Ja wenn man das n als einen zufälligen Laut ansiehet, so gehöret auch essen zu dieser Verwandtschaft, S. Adelung Naschmarkt. Coler im Hausbuche gebraucht natschen ausdrücklich für schmatzen. In einigen Gegenden Englands ist daher nesh lecker, in andern nice. Im Finnländ. ist naskun schmatzen, im Lappländ. nyskom heimlich verschlingen, und mit vorgesetztem Zischlaute im Schwed. snaska schlingen, Dän. snatske. Die Niedersachsen gebrauchen für naschen slickern, sliren, Schwed. slicka, snötern, snopen, snuckern, da denn auch Snökerije, Snoperije, Slickerije, Näscherey, Slickerkost, Slickertüg und Snuckerbeten, Naschwerk, Snoper, Snopertaske, Slickertaske, Slickertan, ein Näscher, und snopern, snopsk, vernascht, ist.
 
Artikelverweis Der
Nscher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Näscherinn, eine Person, welche naschet, in allen Bedeutungen des Zeitwortes. In den niedrigen Sprecharten ein Naschmaul, Naschkatze, im Oberd. ein Näschel, Näschling.
 
Artikelverweis Die
Nscherey, plur. die -en. 1) Das Naschen, in einzelnen Fällen, die Handlung des Naschens; ohne Plural. Der Naschhunger, die Naschlust.
    Wie seit Evens Näscherey
   Der Weiber Erbtheil Leiden sey,
   Haged. 2) Die ungeordnete Begierde zu naschen, die Fertigkeit aus Lüsternheit von allem zu essen; auch ohne Plural. 3) Wohlschmeckende Dinge, welche nur zur Stillung der Lüsternheit sind; Leckereyen, Naschwerk, dergleichen z. B. Confect ist. Kinder mit kleinen Näschereyen beschenken.
 
Artikelverweis 
Náschhaft, -er, -este, adj. et adv. oder naschhaftig, Neigung, und im engern Verstande, Fertigkeit zu naschen besitzend, in beyden Bedeutungen des Zeitwortes. Naschhaft seyn. Naschhaftes Gesinde. S. Adelung Näschig.
 
Artikelverweis Die
Náschhaftigkeit, plur. inus. die Neigung, und in engerer Bedeutung die Fertigkeit zu naschen, besonders in der zweyten Bedeutung des Zeitwortes; die Näscherey.
 
Artikelverweis Der
Náschhirsch, des -es, plur. die -e, S. Adelung Naschwildbret.
 
Artikelverweis Der
Náschhunger, des -s, plur. inus. der Hunger, d. i. die sinnliche Begierde nach Näschereyen, nach schmackhaften Dingen, nicht so wohl zur Nahrung, als vielmehr zur Lüsternheit; die Naschlust.

 

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