Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Narrenposse bis Nasāl (Bd. 3, Sp. 431 bis 432)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Die Narrenposse, plur. die -n, Diminut. das Narrenpößchen, eigentlich die Posse eines Narren, ein Spaß, so wie freywillige Hof- und Schalksnarren denselben vorzubringen pflegen, eine Handlung, welche bloß zur ungeordneten Belustigung vorgenommen wird; in der niedrigen und harten Sprechart für das anständigere aber auch harte Narrentheidung und gelindere Spaß. Narrenpossen machen, treiben. In weiterer Bedeutung auch wohl eine unerhebliche, ungereimte Sache. S. Adelung Posse.
 
Artikelverweis Das
Narrenseil, des -es, plur. inus. ein nur noch in einigen figürlichen R. A. übliches Wort. Am Narrenseile ziehen, mehrmahls närrische Handlungen begehen. Jemanden am Narrenseile führen, ihn äffen, mit vergeblicher Hoffnung aufziehen. Ohne Zweifel von einem veralteten Gebrauche der ehemahligen Hof- und Schalksnarren; oder auch von der Gewohnheit, wahnwitzige Personen an ein Seil zu legen.
 
Artikelverweis Das
Narrenspital, des -es, plur. die -spitäler, S. Adelung Narrenhaus.
 
Artikelverweis Die
Narrentheidung, plur. die -en, Handlungen, welche bloß zur ungeordneten Belustigung vorgenommen werden. Narrentheidungen lasset von euch nicht gesaget werden, Ephes. 5, 4. S. Adelung Theidung. Im gemeinen Leben auch Narretey.
 
Artikelverweis Die
Narrheit, plur. die -en. 1) Als ein Abstractum, und ohne Plural, die Fertigkeit, auf eine grobe Art wider die gesunde Vernunft zu handeln, besonders in der unrichtigen Bestimmung des Guten und Bösen; in der zweyten Bedeutung des Hauptwortes Narr. Seine Narrheit nicht verbergen können. In gelinderer

[Bd. 3, Sp. 432]


Bedeutung ist dafür Thorheit üblich. 1) Eine darin gegründete Handlung, eine närrische Handlung, in der zweyten und dritten Bedeutung der Wörter Narr und Närrisch. Eine Narrheit begehen. Sich vieler Narrheiten schuldig machen.
   In Boxhorns Glossen Narraheit, im Nieders. Narrije.
 
Artikelverweis 
Narriren, S. Adelung Narren.
 
Artikelverweis 
Närrisch, -er, -te, adj. et adv. 1) In der ersten Bedeutung des Hauptwortes Narr, einem solchen Narren ähnlich, in dessen Gemüthsart gegründet, possenhaft; in der harten und niedrigen Sprechart. Ein närrischer Mensch, ein Possenreißer. Närrische Handlungen begehen, possenhafte. In der weitern Bedeutung pflegt man in der niedrigen Sprechart wohl alles spaßhafte und lustige närrisch und mit einer Vergrößerung pudelnärrisch zu nennen. 2) Der gesunden Vernunft auf eine grobe Art zuwider, in der niedrigen Sprechart, wo es auch in noch weiterer Bedeutung sehr häufig für seltsam, ungewöhnlich überhaupt gebraucht wird. Ein närrischer Mensch. Eine närrische Kleidung. Es ging mir neulich närrisch, sonderbar. Das ist doch närrisch, sonderbar. 3) Des Gebrauches der gesunden Vernunft beraubt; wahnwitzig, albern. Ein närrischer Mensch. Närrisch werden. Ich möchte mich närrisch lachen.
   Anm. Im Nieders. einiger Gegenden nursk, im Dän. narrisk. In der Deutschen Bibel kommt dafür Ein Mahl das veraltete närricht vor; ein närrichtes Volk, 5 Mos. 32, 21. Eben daselbst findet sich auch der Superlativ närrischte, Sprichw. 30, 2.
 
Artikelverweis 
Närrschen, S. Adelung Narren.
 
Artikelverweis Der
Narwall, des -es, plur. die -e, der nordische Nahme einer Art Wallfische, welche einen langen hervor ragenden Zahn an der linken Seite der obern Kinnlade hat, daher er auch das Einhorn oder Seeeinhorn genannt wird; Monodon L. Die Schweden, welche vor dem w gern ein h gehen lassen, schreiben den Nahmen Narhvall. Von der letzten Sylbe S. Adelung Wallfisch. Die erste Sylbe, welche Frisch von nare, schwimmen, ableitet, gehöret unstreitig zu Nase, ein langes hervor ragendes Ding, welches auch in dem Lat. Nares das s in ein r verwandelt hat, eine über dieß sehr gewöhnliche Verwandlung.
 
Artikelverweis Die
Narzisse, plur. die -n, eine wohl riechende Blume und deren Pflanze, welche ein Zwiebelgewächs ist, und eine sechsblätterige, gemeiniglich weiße, oft aber auch gelbe Blume an einem geraden saftigen Stängel treibet; Narcissus L. An einigen Orten wird sie Zeitlosen, bey Hamburg Zittelrosen, weil sie um Ostern blühet, Osternlilie, Aprillenblume, im Norweg. Pintzelilie, in und um Augsburg Glitzepfeule genannt. Im Nieders. heißt sie Tyrlösken, welcher Nahme vermuthlich mit Zeitlose überein kommt. Man hat ihrer verschiedene Arten, wohin auch die Joseph-Stäbe, die Crenelen, d. i. die mit ganz zugespitzten Blättern, die Rosen-Narzissen, Berg-Narzissen, Lilien-Narzissen, die Kugel-Narzissen oder Girandolen, die Tazetten, Jonquillen, (Schonkiljen) und andere mehr gehören. Diese Blume, welche bey uns nur in den Gärten gezeuget wird, ist nebst ihrem Nahmen aus dem mittägigen Europa zu uns gekommen; Griech. Ναρκισσος, Latein. Narcissus, und auch im Persischen Narguez, daher er morgenländischen Ursprunges zu seyn scheinet.
 
Artikelverweis Das
Nasāl, des -es, plur. die -e, in den Orgeln, ein Register, welches 11/2 Fuß Ton hat, nur zu andern Stimmen gezogen und auch die kleine Gemshorn-Quinte genannt wird. Aus dem Lat. nasalis, Nasale, weil es gleichsam nieselt, oder dem Singen durch die Nase ähnlich ist.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: