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Narren bis Närrisch (Bd. 3, Sp. 430 bis 432)
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Artikelverweis  Narren, verb. reg. welches in doppelter Bedeutung gebraucht wird. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, auf eine grobe Art wider die gesunde Vernunft handeln, sich als ein Narr betragen; nur noch zuweilen im gemeinen Leben. Hast du genarret und zu hoch gefahren und Böses vorgehabt, Sprichw. 30, 32. Sey nicht allzu gottlos und narre nicht, daß du nicht sterbest zur Unzeit, Pred. 7, 18. Er narret zuweilen, handelt zuweilen närrisch.
   Denn das Gold der neuen Welt macht, daß alte Welt sehr narrt,
   Logau. Zuweilen auch spaßhaft handeln. Mit jemanden narren, mit ihm spaßen. In den niedrigen Sprecharten auch narriren, und närrschen. S. auch Ausnarren und Vernarren.
   2) Als ein Activum, mit der vierten Endung der Person. Jemanden narren, ihm so begegnen, so mit ihm umgehen, als wenn er des Gebrauchs seiner gesunden Vernunft beraubt wäre, besonders ihn aufziehen, mit vergeblicher Hoffnung aufhalten; auch

[Bd. 3, Sp. 431]


nur in der niedrigen Sprechart. Es ist eine Schande daß ein solch Weib sollte unbeschlafen von uns kommen, und einen Mann genarret haben, Judith 12, 12. Er hat mich nun lange genug genarret, mit vergeblicher Hoffnung aufgezogen. Ingleichen, vexiren, äffen, schrauben. Wenn ein großer Lehrer fehlt, soll man ihn nicht narren und eseln, Kaisersb. bey dem Frisch. Im Nieders. ist nirtnarren necken.
   Daher das Narren.
 
Artikelverweis Das
Narrenhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus, in welchem Narren, d. i. wahnwitzige Personen, eingesperret und von der Gemeinschaft mit andern Menschen abgesondert werden; das Narren-Spital, das Tollhaus. An einigen Orten ist das Narrenhaus oder Narrenhäuschen ein auf einem Pflocke beweglicher Käfich an einem öffentlichen Orte, in welchen man geringe Verbrecher einzusperren und sie der öffentlichen Verspottung Preis zu geben pflegt; das Drillhäuschen.
 
Artikelverweis Die
Narrenkappe, plur. die -n, eine an ihren Zipfeln mit Schellen versehene Kappe, welche ehedem die Hof- und Schalksnarren zu tragen pflegten; die Schellenkappe. Sich um die Narrenkappe zanken, um den Vorzug in einer ungereimten Sache. Wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt der Blumen wird auch die Wolfswurz oder der blaue Sturmhut, Aconitum Napellus L. in einigen Gegenden Narrenkappen genannt.
 
Artikelverweis Die
Narrenkolbe, plur. die -n, oder der Narrenkolben, des -s, plur. ut nom. sing. ein Kolben, wie ihn ehedem die Schalksnarren zu tragen pflegten. Besonders wird der Rohr- oder Wasserkolben, Typha L. in einigen Gegenden Narrenkolben genannt, weil man ihn ehedem, wie Frisch will, den Hof- und Schalksnarren statt eines Gewehres in die Hände gegeben. S. Rohrkolben und Kolbe. Auch ein kleines Stöckchen mit einer kleinen lächerlichen Figur an dem einen Ende in Gestalt einer Marionette, welche mit einer vielfarbigen Schellenkappe bedeckt ist, und mit welcher die Narrheit und Momus abgebildet zu werden pflegen, führet den Nahmen des Narrenkolbens, ohne Zweifel weil die Hof- und Schalksnarren ehedessen dergleichen zu tragen pflegten.
 
Artikelverweis Die
Narrenposse, plur. die -n, Diminut. das Narrenpößchen, eigentlich die Posse eines Narren, ein Spaß, so wie freywillige Hof- und Schalksnarren denselben vorzubringen pflegen, eine Handlung, welche bloß zur ungeordneten Belustigung vorgenommen wird; in der niedrigen und harten Sprechart für das anständigere aber auch harte Narrentheidung und gelindere Spaß. Narrenpossen machen, treiben. In weiterer Bedeutung auch wohl eine unerhebliche, ungereimte Sache. S. Adelung Posse.
 
Artikelverweis Das
Narrenseil, des -es, plur. inus. ein nur noch in einigen figürlichen R. A. übliches Wort. Am Narrenseile ziehen, mehrmahls närrische Handlungen begehen. Jemanden am Narrenseile führen, ihn äffen, mit vergeblicher Hoffnung aufziehen. Ohne Zweifel von einem veralteten Gebrauche der ehemahligen Hof- und Schalksnarren; oder auch von der Gewohnheit, wahnwitzige Personen an ein Seil zu legen.
 
Artikelverweis Das
Narrenspital, des -es, plur. die -spitäler, S. Adelung Narrenhaus.
 
Artikelverweis Die
Narrentheidung, plur. die -en, Handlungen, welche bloß zur ungeordneten Belustigung vorgenommen werden. Narrentheidungen lasset von euch nicht gesaget werden, Ephes. 5, 4. S. Adelung Theidung. Im gemeinen Leben auch Narretey.
 
Artikelverweis Die
Narrheit, plur. die -en. 1) Als ein Abstractum, und ohne Plural, die Fertigkeit, auf eine grobe Art wider die gesunde Vernunft zu handeln, besonders in der unrichtigen Bestimmung des Guten und Bösen; in der zweyten Bedeutung des Hauptwortes Narr. Seine Narrheit nicht verbergen können. In gelinderer

[Bd. 3, Sp. 432]


Bedeutung ist dafür Thorheit üblich. 1) Eine darin gegründete Handlung, eine närrische Handlung, in der zweyten und dritten Bedeutung der Wörter Narr und Närrisch. Eine Narrheit begehen. Sich vieler Narrheiten schuldig machen.
   In Boxhorns Glossen Narraheit, im Nieders. Narrije.
 
Artikelverweis 
Narriren, S. Adelung Narren.
 
Artikelverweis 
Närrisch, -er, -te, adj. et adv. 1) In der ersten Bedeutung des Hauptwortes Narr, einem solchen Narren ähnlich, in dessen Gemüthsart gegründet, possenhaft; in der harten und niedrigen Sprechart. Ein närrischer Mensch, ein Possenreißer. Närrische Handlungen begehen, possenhafte. In der weitern Bedeutung pflegt man in der niedrigen Sprechart wohl alles spaßhafte und lustige närrisch und mit einer Vergrößerung pudelnärrisch zu nennen. 2) Der gesunden Vernunft auf eine grobe Art zuwider, in der niedrigen Sprechart, wo es auch in noch weiterer Bedeutung sehr häufig für seltsam, ungewöhnlich überhaupt gebraucht wird. Ein närrischer Mensch. Eine närrische Kleidung. Es ging mir neulich närrisch, sonderbar. Das ist doch närrisch, sonderbar. 3) Des Gebrauches der gesunden Vernunft beraubt; wahnwitzig, albern. Ein närrischer Mensch. Närrisch werden. Ich möchte mich närrisch lachen.
   Anm. Im Nieders. einiger Gegenden nursk, im Dän. narrisk. In der Deutschen Bibel kommt dafür Ein Mahl das veraltete närricht vor; ein närrichtes Volk, 5 Mos. 32, 21. Eben daselbst findet sich auch der Superlativ närrischte, Sprichw. 30, 2.

 

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