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Narcisse bis Narrenseil (Bd. 3, Sp. 428 bis 431)
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Artikelverweis Die Narcisse, S. Adelung Narzisse.
 
Artikelverweis Die
Narde, plur. inus. eine Art des Bartgrases, dessen lange braunröthliche oder gelbbraune Wurzel den Cyperwurzeln gleicht, und einen angenehmen bittern Geschmack hat; Andropogon Nardus L. Es ist in Ostindien einheimisch. Weil es seinen Samen in einer Ähre trägt, so wird es gemeiniglich Spica Nardi, und im Deutschen Spike-Narde genannt. Die Narde, oder absolute Narden, und das Nardenwasser kommen einige Mahl in der Deutschen Bibel vor, wie Hohel. 1, 12; Kap. 4, 13, 14; Marc. 14, 3; und Joh. 12, 3. Die Kretische Narde, ist eine Art Baldrianes, welche auf den höchsten Gebirgen Europens wächset, und gleichfalls eine gewürzhafte Wurzel hat, welche an Kräften die Baldrianwurzel noch übertrifft; Valeriana Celtica L. Unsere Haselwurz wird wegen ihres gewürzhaften Geruches von einigen wilde Narde genannt. S. Adelung Haselwurz.

[Bd. 3, Sp. 429]



   Anm. Der Nahme ist morgenländisch. Im Hebr. lautet er 05e005e805d3, woraus das Griech. ναρδος und Lat. Nardus entlehnet ist. Im Pers. lautet er Nardin. Einige gebrauchen das Wort im männlichen Geschlechte, der Narden.
 
Artikelverweis Das
Nardengras, des -es, plur. inus. eine Art des Grases, welches in den unfruchtbaren Gegenden Europens in großer Menge wächset, aber ein sehr schlechtes Heu gibt; Nardus L. Wegen seiner borstigen geraden Ähre heißt es im gemeinen Leben auch Borstengras und Pfriemengras, in der Schweiz aber Nätsch.
 
Artikelverweis Das
Nardenkraut, des -es, plur. inus. ein Nahme, welchen an einigen Orten der Schwarzkümmel, Nigella L. führet, der an andern auch Nardensamen genannt wird, weil der Same einen angenehmen Geruch, fast wie die Ostindische Narde hat.
 
Artikelverweis Der
Narr, des -en, plur. die -en, Fämin. die Närrinn, Diminut. das Närrchen, Oberd. Närrlein, ein Wort, welches im gemeinen Leben sehr häufig ist, alle Mahl aber, das Diminutivum etwa ausgenommen, einen harten und niedrigen Begriff hat. Es bedeutet,
   1) Einen Menschen, welcher seltsame Possen macht, andere zu belustigen. Ein Narr seyn. Sich zum Narren gebrauchen lassen. Einen Narren abgeben. Jemanden zum Narren dienen, eines Narr seyn, ihm zur ungereimten Belustigung dienen. Jemanden zum Narren haben, im gemeinen Leben, sich an seinen Schwachheiten auf eine ungebührliche Art belustigen. Jedes Narr seyn müssen. Daher Hofnarr, Schalksnarr u. s. f. In dieser Bedeutung lautet es auch im weiblichen Geschlechte Narr. In der vertraulichen Sprechart wird das Diminutivum Närrchen sehr häufig gebraucht, ein kleines, artiges, possierliches Ding zu bezeichnen, da es denn den harten und verächtlichen Nebenbegriff verlieret. Das gute Närrchen! Gell. von einer jungen Person. Ihr Herz ist ein gutes Närrchen, es läßt sich zu allem bereden, was ihrer Einbildung einfällt, Less.
   2) Ein jeder Mensch, welcher der gesunden Vernunft auf eine grobe Art zuwider handelt, in der harten Sprechart, dagegen er in etwas gelinderm Verstande ein Thor genannt wird; im Gegensatze eines Klugen oder Weisen. Du bist ein Narr. Glauben sie, daß ich ein Narr bin? Jemanden zum Narren machen, ihn verleiten, ungereimte Dinge zu thun oder zu glauben. Jemanden zum Narren haben, ihm als einem Menschen begegnen, welcher der gesunden Vernunft zuwider zu handeln gewohnt ist. Einen Narren an etwas gefressen haben, in der niedrigen Sprechart, eine blinde unvernünftige Liebe auf etwas geworfen haben. Sich zum Narren studieren.
   Da man der gesunden Vernunft auf gar mancherley Art zuwider handeln kann, so gibt es auch mancherley Arten von Narren. Ein guter Narr, welcher die Gutherzigkeit oder Nachsicht über die Gränzen der gesunden Vernunft treibt. Ein Büchernarr, Putznarr, Kindernarr, Kleidernarr, Modenarr, Weibernarr u. s. f. welcher die Bücher, den Putz u. s. f. auf eine ungeordnete, vernunftwidrige Art liebt. In der Deutschen Bibel ist das Wort Narr sehr häufig, einen unbesonnenen unvernünftigen Menschen, ja oft einen jeden Gottlosen zu bezeichnen. Verschiedene Schriftsteller haben sich Mühe gegeben, den Unterschied zwischen einem Narren und Thoren zu bestimmen, welche beyden Wörter in diesem Verstande als gleichbedeutend angesehen werden können; aber keiner hat bemerkt, daß Narr hart und niedrig, Thor aber um einige Grade gelinder und anständiger ist. Narr setzt grobe Fehler wider die gesunde Vernunft voraus, Thor hat diesen Nebenbegriff nicht.
   Da das Geschlecht der Narren so zahlreich ist, und desto zahlreicher, je mehr jeder Mensch geneigt ist, nur sich mit Ausschließung anderer, Klugheit und Weisheit zuzuschreiben, so hat

[Bd. 3, Sp. 430]


man auch von dieser Art Menschen eine Menge Sprichwörter, Maximen, und sprichwörtlicher R. A. welche aber insgesammt nur in der Sprache des gemeinen Lebens einheimisch sind. Zur Probe dienen folgende. Narren muß man mit Kolben lausen, oder mit Keulen grüßen. Narren haben mehr Glück als Recht. Setze Narren nicht auf Eyer. So lange der Narr schweigt, hält man ihn für klug. Narren sind auch Leute. Hänge dem Narren nicht Schellen an, man kennt ihn so. Jedem Narren gefällt seine Weise, seine Kappe. Kinder und Narren reden die Wahrheit. Herren und Narren haben frey reden. Narren wirft man bald aus der Wiege. Ein Narr macht ihrer hundert. Die Narren wachsen ohne Begießen. Wenn die Narren kein Brot äßen, so würde das Korn wohlfeil seyn. Bey dem Trunke erkennt man den Narren. Ein Narr kann mehr fragen, als sieben Weise antworten, u. s. f. Worunter sich aber einige auf die vorige erste, einige aber auch auf die folgende Bedeutung beziehen.
   Das Fämininum lautet in dieser Bedeutung bald der Narr, bald die Närrinn. In der vertraulichen Sprechart ist auch das Diminutivum Närrchen auf eine minder beleidigende Art üblich.
   3) In engerer Bedeutung, ein Mensch, welcher des Gebrauches seiner Vernunft ganz unfähig ist; ein Wahnwitziger, Wahnsinniger, Alberner. Ein Narr werden. In dieser Bedeutung wird es, vermuthlich um die Zweydeutigkeit mit der vorigen Bedeutung zu vermeiden, wenig mehr gebraucht, obgleich Narrenhaus, Närrisch und noch einige andere noch in derselben üblich sind. Im weiblichen Geschlechte lautet es hier der Narr.
   Anm. Im Nieders. Nare, im Dän. Nar, im Schwed. Narr. Die Abstammung ist dunkel und ungewiß, weil die meisten Wörter dieser Art Figuren enthalten, deren Veranlassung jetzt schwer aufzuspüren ist. Bey unsern ältern Oberdeutschen Schriftstellern kommt dieses Wort nicht vor; indessen ist es doch allem Ansehen nach sehr alt, denn im Angels. ist Narra, insania, und narriin, vecors. Ja Hesychius erkläret ναρ durch αφρων και μωρα. Die Ableitungen, welche man von diesem Worte hat, sind größten Theils verunglückt. Einige lassen es von narrare abstammen, weil manche Narren sehr schwatzhaft sind, Wachter von dem Griech. μωρος, da denn auch das Alban. μαρρα, ein Narr, dahin gehören würde, Frisch auf eine überaus seltsame Art von dem Latein. Nare, nare detorta cavillari aliquem, Leibnitz von einem alten Nar, klein, da denn auch das Hebr. Naar, und Lappländ. und Finnländ. Nuori, ein Sohn, Jüngling, dahin gehören würden, anderer zu geschweigen. Im Griech. ist ναρχ träge, unachtsam.
 
Artikelverweis 
Narren, verb. reg. welches in doppelter Bedeutung gebraucht wird. 1) Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, auf eine grobe Art wider die gesunde Vernunft handeln, sich als ein Narr betragen; nur noch zuweilen im gemeinen Leben. Hast du genarret und zu hoch gefahren und Böses vorgehabt, Sprichw. 30, 32. Sey nicht allzu gottlos und narre nicht, daß du nicht sterbest zur Unzeit, Pred. 7, 18. Er narret zuweilen, handelt zuweilen närrisch.
   Denn das Gold der neuen Welt macht, daß alte Welt sehr narrt,
   Logau. Zuweilen auch spaßhaft handeln. Mit jemanden narren, mit ihm spaßen. In den niedrigen Sprecharten auch narriren, und närrschen. S. auch Ausnarren und Vernarren.
   2) Als ein Activum, mit der vierten Endung der Person. Jemanden narren, ihm so begegnen, so mit ihm umgehen, als wenn er des Gebrauchs seiner gesunden Vernunft beraubt wäre, besonders ihn aufziehen, mit vergeblicher Hoffnung aufhalten; auch

[Bd. 3, Sp. 431]


nur in der niedrigen Sprechart. Es ist eine Schande daß ein solch Weib sollte unbeschlafen von uns kommen, und einen Mann genarret haben, Judith 12, 12. Er hat mich nun lange genug genarret, mit vergeblicher Hoffnung aufgezogen. Ingleichen, vexiren, äffen, schrauben. Wenn ein großer Lehrer fehlt, soll man ihn nicht narren und eseln, Kaisersb. bey dem Frisch. Im Nieders. ist nirtnarren necken.
   Daher das Narren.
 
Artikelverweis Das
Narrenhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus, in welchem Narren, d. i. wahnwitzige Personen, eingesperret und von der Gemeinschaft mit andern Menschen abgesondert werden; das Narren-Spital, das Tollhaus. An einigen Orten ist das Narrenhaus oder Narrenhäuschen ein auf einem Pflocke beweglicher Käfich an einem öffentlichen Orte, in welchen man geringe Verbrecher einzusperren und sie der öffentlichen Verspottung Preis zu geben pflegt; das Drillhäuschen.
 
Artikelverweis Die
Narrenkappe, plur. die -n, eine an ihren Zipfeln mit Schellen versehene Kappe, welche ehedem die Hof- und Schalksnarren zu tragen pflegten; die Schellenkappe. Sich um die Narrenkappe zanken, um den Vorzug in einer ungereimten Sache. Wegen einiger Ähnlichkeit in der Gestalt der Blumen wird auch die Wolfswurz oder der blaue Sturmhut, Aconitum Napellus L. in einigen Gegenden Narrenkappen genannt.
 
Artikelverweis Die
Narrenkolbe, plur. die -n, oder der Narrenkolben, des -s, plur. ut nom. sing. ein Kolben, wie ihn ehedem die Schalksnarren zu tragen pflegten. Besonders wird der Rohr- oder Wasserkolben, Typha L. in einigen Gegenden Narrenkolben genannt, weil man ihn ehedem, wie Frisch will, den Hof- und Schalksnarren statt eines Gewehres in die Hände gegeben. S. Rohrkolben und Kolbe. Auch ein kleines Stöckchen mit einer kleinen lächerlichen Figur an dem einen Ende in Gestalt einer Marionette, welche mit einer vielfarbigen Schellenkappe bedeckt ist, und mit welcher die Narrheit und Momus abgebildet zu werden pflegen, führet den Nahmen des Narrenkolbens, ohne Zweifel weil die Hof- und Schalksnarren ehedessen dergleichen zu tragen pflegten.
 
Artikelverweis Die
Narrenposse, plur. die -n, Diminut. das Narrenpößchen, eigentlich die Posse eines Narren, ein Spaß, so wie freywillige Hof- und Schalksnarren denselben vorzubringen pflegen, eine Handlung, welche bloß zur ungeordneten Belustigung vorgenommen wird; in der niedrigen und harten Sprechart für das anständigere aber auch harte Narrentheidung und gelindere Spaß. Narrenpossen machen, treiben. In weiterer Bedeutung auch wohl eine unerhebliche, ungereimte Sache. S. Adelung Posse.
 
Artikelverweis Das
Narrenseil, des -es, plur. inus. ein nur noch in einigen figürlichen R. A. übliches Wort. Am Narrenseile ziehen, mehrmahls närrische Handlungen begehen. Jemanden am Narrenseile führen, ihn äffen, mit vergeblicher Hoffnung aufziehen. Ohne Zweifel von einem veralteten Gebrauche der ehemahligen Hof- und Schalksnarren; oder auch von der Gewohnheit, wahnwitzige Personen an ein Seil zu legen.

 

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