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Nahrhaft bis Nahrungsmittel (Bd. 3, Sp. 423 bis 425)
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Artikelverweis  Nahrhaft, -er, -este, adj. et adv. von dem alten Nahr für Nahrung, S. das letztere. 1) Nahrung gebend, im eigentlichsten Verstande, nährend, in der ersten Bedeutung des Neutrius nähren, d. i. viele solche Theile enthaltend, welche die auf mancherley Art abgehenden Theile der thierischen Körper wieder ersetzen. Nahrhafte Speisen. Die Milch ist sehr nahrhaft. In weiterer Bedeutung, für fett, gedüngt, natürliche Erde mit Mist nahrhaft gemacht, ist es nur in einigen Gegenden üblich. 2) In einigen Gegenden bedeutet es auch, begierig seine Nahrung zu suchen, sich zu nähren, ein nahrhafter Mensch; in welcher es aber im Hochdeutschen gleichfalls unbekannt ist.
 
Artikelverweis Die
Nahrhaftigkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es nahrhaft ist, besonders einer Speise, in der ersten Bedeutung des vorigen Wortes.
 
Artikelverweis Der
Näh-Riemen, (von nähen,) des -s, plur. ut nom. sing. bey den Sattlern, dünne lederne Riemen, damit zu nähen.
 
Artikelverweis Der
Näh-Ring, des -es, plur. die -e, ein Fingerring, im Nähen die Nähnadel damit fortzudrücken, dergleichen z. B. die Schneider und Schuster gebrauchen, und statt dessen sich die Nähterinnen des Fingerhutes bedienen.
 
Artikelverweis *
Nährlich, -er, -ste, adj. et adv. welches nur noch im gemeinen Leben einiger Gegenden üblich ist, wo es für genau, kaum, kümmerlich gebraucht wird. Sich nährlich behelfen, kümmerlich, sparsam. Ein nährlicher Mann, ein genauer, der alles zu Rathe hält. Nährliche Zeiten, kümmerliche. Es gehet nährlich zu, knapp, sparsam, genau. Es wird dazu nährlich zureichen,

[Bd. 3, Sp. 424]


kaum. Nährlich haushalten, sparsam. Nährlich genug haben, kaum.
   Anm. Es scheint nicht von nähren und Nahrung herzukommen, sondern von nahe, genau, welches in vielen verwandten Sprachen statt des Hauches ein r hat, wie das Englische near. S. Adelung Nahe. Von nähren ist im Nieders. närig sparsam, haushältig, und Närigkeit Sparsamkeit, gute Wirthschaft.
 
Artikelverweis 
Nahrlos, -er, -este, adj. et adv. von dem alten Nahr, S. Adelung Nahrung. 1) Keine Nahrung gebend, gewährend, in der ersten Bedeutung dieses Wortes; im Gegensatze des nahrhaft. Nahrlose Speisen. Noch häufiger, 2) der Nahrung, d. i. der Gewährung des Unterhaltes und der Gelegenheit selbigen zu erwerben beraubt. Nahrlose Zeiten. Ein nahrloses Land.
 
Artikelverweis Die
Nahrlosigkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es nahrlos ist, besonders in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes.
 
Artikelverweis Der
Nährstand, des -es, plur. inus. in der Moral, derjenige Stand unter den Menschen, welcher sich zunächst mit der Erwerbung seiner Nahrung, d. i. seines Unterhaltes, beschäftiget; zum Unterschiede von dem Lehrstande und Wehrstande. S. Adelung Stand.
 
Artikelverweis Die
Nahrung, plur. die -en. 1. Dasjenige, was nähret. 1) Eigentlich. Diejenigen Theile eines genießbaren Körpers, welche durch ihren Übergang in den thierischen Körper denselben erhalten und stärken, d. i. die auf mancherley Art abgehenden Theile ersetzen; wo der Plural nur von mehrern Arten gebraucht wird. Kohl gibt eine schlechte Nahrung. Milch gibt viele Nahrung. Die abgehenden Theile der thierischen Körper müssen durch neuen Zugang der Nahrung ersetzt werden. S. Adelung Nahrhaft und Nähren. 2) In weiterer Bedeutung, derjenige genießbare Körper, welcher solche Theile enthält. (a) Eigentlich. Speise und Trank, so wohl von Menschen als Vieh; als ein Collectivum und ohne Plural. Ich will dir Kleider und deine Nahrung geben, Richt. 17, 10. Die Äcker bringen keine Nahrung, Habac. 4, 17. Wachteln zur Nahrung, Weish. 16, 2. In großer Dürre findet das Vieh keine Nahrung auf dem Felde. Der täglichen Nahrung mangeln, Jac. 2, 15. (b) Figürlich, was die Fortdauer des Feuers, und in noch weiterer Bedeutung eines andern Dinges befördert und vermehrt; ohne Plural, außer allenfalls von mehrern Arten. Dem Feuer frische Nahrung geben. Fett ist des Feuers Nahrung. Der Flamme die Nahrung entziehen. Nahrung für seine Wißbegierde finden. Menschenfreundliche Neigungen sind eine süße Nahrung edler Herzen, Gell. Immer neue Nahrung zum Vertrauen auf die Vorsehung einsammeln, ebend. Das Herz wird in der Wohlfahrt der andern die Nahrung seiner Freude finden, ebend. Fliehe alles, was deiner Flamme Nahrung gibt. Thörigte Wünsche, die aus einer abgöttischen Meinung von sich selbst ihre Nahrung ziehen. 3) In noch weiterm Verstande, der Unterhalt, d. i. alles was zur Erhaltung des natürlichen Lebens dienet; ohne Plural. Der zeitlichen Nahrung warten, Sir. 38, 38. Kein Kriegsmann flicht sich in die Händel der Nahrung, 2 Tim. 2, 4. Sorgen der Nahrung, Nahrungssorgen. Seine Nahrung in einem Lande suchen. Seiner Nahrung nachgehen. Jemanden seine Nahrung entziehen.
   2. Der Inbegriff aller derjenigen Mittel, womit man sich die Nahrung der vorigen Bedeutung verschaffet, das Gewerbe; auch ohne Plural, außer allenfalls von mehrern Arten. Die Nahrung gehet schlecht. Was treibst du für Nahrung? Was ist eure Nahrung? 1 Mos. 46, 33. Auf die Nahrung erpicht seyn. Die Braunahrung, der Bierbrau als ein Gewerbe, als ein Mittel des Unterhaltes betrachtet. So auch die Schenknahrung u. s. f. Da denn in manchen Gegenden dieses Wort auch zuweilen im Concreto

[Bd. 3, Sp. 425]


gebraucht wird; z. B. zwey Schenknahrungen, drey Braunahrungen, d. i. so viele mit der Schenk- oder Braugerechtigkeit versehene Häuser. Auch in Absicht der äußern Umstände, der Gelegenheit und Mittel von außen, sich den nöthigen Unterhalt zu verschaffen; ohne Plural. Die Nahrung ist schlecht, geht nicht. Gute Nahrung, schlechte Nahrung haben. Es ist keine Nahrung unter den Leuten, es fehlt unter ihnen an Gelegenheit, sein Brot zu verdienen. Eine Stadt hat gute Nahrung, wenn mehrere Menschen leichtlich ihren Unterhalt in derselben finden.
   Anm. Im Nieders. gleichfalls Narung, im Dänischen und Schwed. Näring, im Pohln. Nerzeia. Es scheinet von dem veralteten Nar, Nara, welches im Tatian und andern ältern Schriftstellern, für Speise, Nahrung, noch häufig vorkommt und der Ableitungssylbe -ing oder -ung zusammen gesetzet, und also nicht zunächst von nähren gebildet zu seyn; da es denn eigentlich ein nährendes Ding bedeuten würde.
 
Artikelverweis Das
Nahrungsgêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, in einigen Ländern, eine Art von Abgabe, welche nicht von den Grundstücken, sondern von der Nahrung, d. i. dem Gewerbe gegeben, und daher auch Gewerbegeld, Gewerbesteuer, Nahrungssteuer genannt wird. S. Adelung Gewerbegeld.
 
Artikelverweis Das
Nahrungsmittel, des -s, plur. ut nom. sing. das Mittel der Nahrung, d. i. der Erhaltung des natürlichen Lebens; in welchem Verstande alle Arten der Speisen und der Getränke Nahrungsmittel genannt werden.

 

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