Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Nahmhaft bis Näh-Ring (Bd. 3, Sp. 421 bis 423)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Nahmhaft, -er, -este, adj. et adv. welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Nebenwort allein, ohne Comparation, wo etwas nahmhaft machen, es nennen, dessen Nahmen anzeigen ist. Den Thäter zu erfahren und nahmhaft zu machen suchen. Sich nahmhaft machen. S. Adelung Nahmkundig. 2. Als ein Bey- und Nebenwort. 1) * Für ausdrücklich, bestimmt; eine im Hochdeutschen völlig unbekannte Bedeutung, welche zuweilen im Oberdeutschen vorkommt. Ein nahmhafter Befehl, ein gemessener, ausdrücklicher. 2) Beträchtlich, ansehnlich; am häufigsten im Oberdeutschen und in den Hochdeutschen Kanzelleyen. Eine nahmhafte Summe Geldes. Der Schade war nicht geringe, er war nahmhaft. Einen nahmhaften Vorrath von etwas liegen haben. Man hat nahmhafte Schulden für ihn bezahlt. Es kostet mich ein Nahmhaftes. Ingleichen berühmt, einen guten, ansehnlichen Nahmen habend; im mittlern Lat. nominativus, Französ. renommé. Dieweyl Ewer kunigl. Mayestat von dem teuerlichsten altisten und namhaftigisten geschlecht der Chrißtenhait iren vrsprung hat, Theuerd. in der Zuschr. Ich bin ein Bürger einer nahmhaftigen Stadt in Cilicien, Apostelg. 2, 39. Diese wurden nahmhaftige Fürsten in ihren Geschlechten, 1 Chron. 5, 38. In welchem Verstande es doch der edlern Schreibart gleichfalls fremd ist.
   Anm. Bey dem Ottfried ist namahafto mit Nahmen, nahmentlich. Nahmhaftig für nahmhaft ist eine unnütze Oberdeutsche Verlängerung.
 
Artikelverweis 
Nahmkundig, -er, -ste, adj. et adv. welches gleichfalls im Oberdeutschen und in den Hochdeutschen Kanzelleyen am üblichsten ist, dem Nahmen nach bekannt, deutlich bestimmt. Etwas nahmkundig machen, nahmhaft. Eine nahmkundige (bestimmte, ausdrücklich genannte) Summe Geldes. Eben daselbst wird es auch zuweilen für nahmhaft, so fern es für beträchtlich, ansehnlich, berühmt stehet, gebraucht, welche Bedeutung auch das Schwed. naumkunnig und das Angels. nahmenih hat.
 
Artikelverweis 
Nähmlich, adj. et adv. Superl. nähmlichste, welches in dreyfacher Gestalt vorkommt.
   1) * Als ein Bey- und Nebenwort, für nahmentlich, mit Nahmen, welches die erste eigentliche Bedeutung dieses Wortes ist, die aber, wenigstens im Hochdeutschen, gar nicht mehr vorkommt. Nämlich und besonder in der Acht begriffen, in Goldasts Reichssatz. bey dem Frisch.
   2) Als ein Fürwort, für eben derselbe, entweder so fern Nahme ehedem für Person gebraucht wurde, oder auch für, der vorher genannte. Der nähmliche Freund, den wir gestern sahen, eben derselbe. Wo man auch wohl im Superlativ der nähmlichste sagt. In den gemeinen Sprecharten Ober- und Nieder-Deutschlandes ist diese Bedeutung überaus häufig, daher es auch manchen sonst guten Hochdeutschen Schriftstellern anklebt, welche sich aber dieses Wortes billig enthalten sollten, indem es in der reinen und anständigen Schreibart überaus widrig und unangenehm klingt, auch völlig überflüssig und unnöthig ist, da eben derselbe dessen Begriff völlig erschöpfet. Ausführlicher habe ich dieses in meinem Magazine, B. 2, St. 1, S. 143 zu beweisen gesucht.
   3) Als ein Nebenwort allein, da es auch in der anständigen Schreibart, sehr häufig gebraucht wird, die nahmentliche und nähere Bestimmung einer vorher nur allgemein bestimmten Sache zu begleiten. Niemand fähret gen Himmel, denn der von Himmel hernieder kommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist, Joh. 3, 13. Ich will dir das Land geben, nämlich das ganze Land Canaan, 1. Mos 17, 8. Und weil wir solches wissen, nemlich die Zeit, daß die Stunde da ist

[Bd. 3, Sp. 422]


Röm. 13, 11. Es kamen ihrer drey, nähmlich Cajus, Titius und Mylius.
   Anm. In der letzten Bedeutung im Oberd. namlich, namblich, im Nieders. namtlik, benamen, im Dän. nemlich, im Schwed. nämligen, im Engl. namely, bey den Krainerischen Wenden namrezh, woraus dessen Abstammung von Nahme wohl unläugbar wird, zumahl da nahmentlich, von welchem nähmlich nur die verkürzte Form ist, im Oberdeutschen noch für das letztere gebraucht wird. Die Lat. nempe und nimirum scheinen auf ähnliche Art von nomen gebildet zu seyn, ob sie sich gleich ein wenig mehr von ihrer Quelle entfernet haben. Man schreibt dieses Wort bald nämlich, bald aber auch nehmlich und nemlich. Die erste Schreibart gründet sich auf die unrichtige Schreibart des Wortes Nahme, da man es für einen Abkömmling von dem Lat. Nomen hält, und daher das h wegläßt; die zweyte auf die erweislich falsche Ableitung von nehmen, und die dritte auf eine eben so unrichtige von dem Lat. nempe. In vornehmlich, vernehmlich und annehmlich ist das e hingegen richtig, weil diese Wörter unläugbar von nehmen abstammen.
 
Artikelverweis Die
Nähnadel, plur. die -n, eine mit einem Öhre versehene und zum Nähen dienliche Nadel, zum Unterschiede von einer Stecknadel.
 
Artikelverweis Das
Nähpult, des -es, plur. die -e, ein Pult des andern Geschlechtes, die Sachen, an welchen genähet wird, an dem auf demselben befindlichen Küssen zu befestigen, und in dem Pulte allerley zum Nähen dienliche Sachen zu verwahren. S. Adelung Pult.
 
Artikelverweis Der
Nährahm, des -es, plur. die -e, oder der Nährahmen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Rahm aus vier glatt gehobelten Latten, ein Stück Zeuges, welches ausgenähet oder gesticket werden soll, darin auszuspannen.
 
Artikelverweis 
Nähren, verb. reg. welches in doppelter Gestalt gebraucht wird.
   1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) Absolute, nahrhafte Theile enthalten, solche Theile enthalten, welche durch ihren Übergang in den thierischen Körper dessen Theilen Zusatz geben und die auf mancherley Art abgehenden Theile ersetzen. Mehlspeisen nähren gut. Der Kohl nähret schlecht. 2) Mit der vierten Endung des Nennwortes, solche Nahrung geben. Diese Speise hat mich gut genähret. In welcher Bedeutung es doch seltener vorkommt.
   2. Als ein Activum. 1) In engerm Verstande, Speise geben, darreichen. (a) Eigentlich, in welcher jetzt veralteten Bedeutung neran bey dem Ottfried für speisen vorkommt. Man findet es nur noch zuweilen in weiterm Verstande, als gewöhnliche Speise geben oder darreichen. Du nährtest dein Volk mit Engelspeise, Weish. 16, 20. Auch als ein Reciprocum. Sie nähren sich vom gottlosen Brot, Sprichw. 4, 17. (b) Figürlich, die innere Stärke befördern. Geduld durch Grundsätze genährt und durch Schicksale gehärtet. Wir müssen unsere Seele mit Grundsätzen der Tugend genährt haben.
   2) In weiterer und gewöhnlicherer Bedeutung, die nöthigen Nahrungs- und Unterhaltungsmittel des thierischen Lebens gewähren, darreichen. (a) Eigentlich. Sehet die Vögel unter dem Himmel und euer himmlischer Vater nähret sie doch, Matth. 6, 26. Er nährete ihn mit den Früchten des Feldes, 5 Mos. 32, 13. In häuslicher Stille von unserer Arbeit genährt, Geßn. Eine Schlange im Busen nähren. In dieser Bedeutung, wofür jetzt ernähren üblicher ist, kommt es noch zuweilen in der höhern Schreibart vor. Gewöhnlicher ist es in Gestalt eines Reciproci, sich nähren, sich die nöthigen Nahrungsmittel, sich den Unterhalt verschaffen; obgleich auch hier das zusammen gesetzte ernähren gebraucht wird. Sich kümmerlich, reichlich nähren. Die Sache, welche zum Erwerbungsmittel der Nahrung dienet,

[Bd. 3, Sp. 423]


bekommt die Vorwörter von und mit. Sich mit Spinnen, mit Stehlen nähren. Sich vom Raube nähren. Ein einziger alter Eichbaum ist eine Welt für ganze Heere verschiedener Thiere, die sich von ihm nähren, Gell. Im Oberdeutschen gebraucht man es häufig mit der zweyten Endung. Sich Bettelns nähren, Opitz, vom Betteln. Der sich der wurtzlen neren thut, Hans Sachs; welche Wortfügung auch in der Deutschen Bibel nicht selten ist. Sich seines Schwertes nähren, 1 Mos. 27, 40. Sich seiner Hände Arbeit nähren, Ps. 128, 2. (b) Figürlich, den Grund der Fortdauer einer Sache enthalten. Der Traurige liebt alle die Bilder, die seine Leidenschaft nähren. In welcher Bedeutung ernähren nicht üblich ist.
   Anm. In der heutigen Bedeutung schon bey dem Ottfried neran und gineren, im Nieders. nären, im Schwed. nära, im Dän. nähren, im Engl. to nurse und nourrish, im Norweg. nörrie, und sogar im Grönländ. nerrick. Es scheinet zu naschen und nießen in genießen zu gehören, und eigentlich essen und zu essen geben, bedeutet zu haben, zumahl da auch ehedem nesen dafür üblich war, wie sogleich erhellen wird. Das Lat. nutrire ist sichtbar damit verwandt, entweder vermittelst des schon gedachten nesen, nießen, weil s und t beständig in einander übergehen, oder auch so, daß das t in dem Deutschen nähren ausgestoßen, oder in dem Lat. nutrire eingeschaltet worden. Die Italiäner sagen mit einem weichen d nodrire, und die Franzosen stoßen auch dieses d nach Art der Niedersachsen ganz aus, nourrir. S. Adelung Naschen und Nahrung. Für Nährung ist zuweilen das Nähren, oft aber auch Ernährung üblich. Einige Mundarten sprechen es mit einem scharfen e aus, daher man es auch oft nehren geschrieben findet. Ehedem wurde dieses Wort sehr häufig auch in weiterer Bedeutung theils für erretten, befreyen, theils aber auch für heilen, von einer Krankheit befreyen, gebraucht, da es denn auch nesan, genesan lautete, weil r und s sehr oft mit einander abwechseln. So kommt nerren schon im Isidor für salvare vor. In dieser Bedeutung ist es längst veraltet, außer daß genesen noch in der mittlern Gattung davon übrig ist, S. dasselbe.
 
Artikelverweis 
Nahrhaft, -er, -este, adj. et adv. von dem alten Nahr für Nahrung, S. das letztere. 1) Nahrung gebend, im eigentlichsten Verstande, nährend, in der ersten Bedeutung des Neutrius nähren, d. i. viele solche Theile enthaltend, welche die auf mancherley Art abgehenden Theile der thierischen Körper wieder ersetzen. Nahrhafte Speisen. Die Milch ist sehr nahrhaft. In weiterer Bedeutung, für fett, gedüngt, natürliche Erde mit Mist nahrhaft gemacht, ist es nur in einigen Gegenden üblich. 2) In einigen Gegenden bedeutet es auch, begierig seine Nahrung zu suchen, sich zu nähren, ein nahrhafter Mensch; in welcher es aber im Hochdeutschen gleichfalls unbekannt ist.
 
Artikelverweis Die
Nahrhaftigkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, da es nahrhaft ist, besonders einer Speise, in der ersten Bedeutung des vorigen Wortes.
 
Artikelverweis Der
Näh-Riemen, (von nähen,) des -s, plur. ut nom. sing. bey den Sattlern, dünne lederne Riemen, damit zu nähen.
 
Artikelverweis Der
Näh-Ring, des -es, plur. die -e, ein Fingerring, im Nähen die Nähnadel damit fortzudrücken, dergleichen z. B. die Schneider und Schuster gebrauchen, und statt dessen sich die Nähterinnen des Fingerhutes bedienen.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: