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Nahmenlehn bis Nähpult (Bd. 3, Sp. 420 bis 422)
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Artikelverweis Das Nahmenlehn, des -es, plur. die -e, S. Adelung Metonymie.
 
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Nahmenlos, -er, -ste, adj. et adv. keinen Nahmen habend, des Nahmens beraubt. 1) In der eigentlichen Bedeutung des Wortes Nahme, und ohne Comparation. Ein nahmenloser Schriftsteller, der sich nicht genannt hat; ein Anonymus. Ein nahmenloses Buch, dessen Verfasser sich nicht genannt hat. Im Nieders. nennet man kleine Kinder, welche noch keinen Nahmen haben, Namenliesken, welches aus nahmenlos verderbt ist. 2) Unaussprechlich, was sich wegen der Menge oder des hohen Grades der Intensität nicht nennen oder ausdrucken lässet, in der höhern Schreibart der Neuern. Diese nagende Angst, diese nahmenlose Pein vermag ich nicht zu ertragen. Wehe mir, wehe des nahmenlosen Jammers! Weiße, Wer zählet die nahmenlosen Feinde des Lebens? 3) So fern Nahme den Ruhm, guten Nahmen, bedeutet, ist nahmenlos in der edlen und anständigen Schreibart unberühmt. Nahmenlose Schriftsteller, dunkle, unberühmte. So auch die Nahmenlosigkeit.
 
Artikelverweis Das
Nahmenregister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Register, d. i. Verzeichniß von Nahmen, besonders eigenthümlicher Nahmen.
 
Artikelverweis Der
Nahmenstag, des -es, plur. die -e, derjenige Tag, dessen Nahme im Kalender zugleich jemandes Taufnahme ist; das Nahmensfest, so fern er als ein festlicher Tag betrachtet wird. Seinen Nahmenstag feyern.
 
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Nahmentlich, adj. et adv. mit Nahmen, mit ausdrücklicher Anzeige des Nahmens einer oder mehrerer Dinge. Eine nahmentliche Anzeige von etwas thun. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es auch für das folgende nähmlich üblich. Das t in der Mitte ist das t euphonicum, welches dem n so gerne nachschleicht, S. Adelung N und T.
 
Artikelverweis Der
Nahmenwêchsel, des -s, plur. ut nom. sing. eigentlich der Wechsel, d. i. die Verwechselung, Vertauschung der Nahmen.

[Bd. 3, Sp. 421]


Einige haben die Metonymie einen Nahmenwechsel nennen wollen, S. jenes Wort.
 
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Nahmhaft, -er, -este, adj. et adv. welches auf doppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Nebenwort allein, ohne Comparation, wo etwas nahmhaft machen, es nennen, dessen Nahmen anzeigen ist. Den Thäter zu erfahren und nahmhaft zu machen suchen. Sich nahmhaft machen. S. Adelung Nahmkundig. 2. Als ein Bey- und Nebenwort. 1) * Für ausdrücklich, bestimmt; eine im Hochdeutschen völlig unbekannte Bedeutung, welche zuweilen im Oberdeutschen vorkommt. Ein nahmhafter Befehl, ein gemessener, ausdrücklicher. 2) Beträchtlich, ansehnlich; am häufigsten im Oberdeutschen und in den Hochdeutschen Kanzelleyen. Eine nahmhafte Summe Geldes. Der Schade war nicht geringe, er war nahmhaft. Einen nahmhaften Vorrath von etwas liegen haben. Man hat nahmhafte Schulden für ihn bezahlt. Es kostet mich ein Nahmhaftes. Ingleichen berühmt, einen guten, ansehnlichen Nahmen habend; im mittlern Lat. nominativus, Französ. renommé. Dieweyl Ewer kunigl. Mayestat von dem teuerlichsten altisten und namhaftigisten geschlecht der Chrißtenhait iren vrsprung hat, Theuerd. in der Zuschr. Ich bin ein Bürger einer nahmhaftigen Stadt in Cilicien, Apostelg. 2, 39. Diese wurden nahmhaftige Fürsten in ihren Geschlechten, 1 Chron. 5, 38. In welchem Verstande es doch der edlern Schreibart gleichfalls fremd ist.
   Anm. Bey dem Ottfried ist namahafto mit Nahmen, nahmentlich. Nahmhaftig für nahmhaft ist eine unnütze Oberdeutsche Verlängerung.
 
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Nahmkundig, -er, -ste, adj. et adv. welches gleichfalls im Oberdeutschen und in den Hochdeutschen Kanzelleyen am üblichsten ist, dem Nahmen nach bekannt, deutlich bestimmt. Etwas nahmkundig machen, nahmhaft. Eine nahmkundige (bestimmte, ausdrücklich genannte) Summe Geldes. Eben daselbst wird es auch zuweilen für nahmhaft, so fern es für beträchtlich, ansehnlich, berühmt stehet, gebraucht, welche Bedeutung auch das Schwed. naumkunnig und das Angels. nahmenih hat.
 
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Nähmlich, adj. et adv. Superl. nähmlichste, welches in dreyfacher Gestalt vorkommt.
   1) * Als ein Bey- und Nebenwort, für nahmentlich, mit Nahmen, welches die erste eigentliche Bedeutung dieses Wortes ist, die aber, wenigstens im Hochdeutschen, gar nicht mehr vorkommt. Nämlich und besonder in der Acht begriffen, in Goldasts Reichssatz. bey dem Frisch.
   2) Als ein Fürwort, für eben derselbe, entweder so fern Nahme ehedem für Person gebraucht wurde, oder auch für, der vorher genannte. Der nähmliche Freund, den wir gestern sahen, eben derselbe. Wo man auch wohl im Superlativ der nähmlichste sagt. In den gemeinen Sprecharten Ober- und Nieder-Deutschlandes ist diese Bedeutung überaus häufig, daher es auch manchen sonst guten Hochdeutschen Schriftstellern anklebt, welche sich aber dieses Wortes billig enthalten sollten, indem es in der reinen und anständigen Schreibart überaus widrig und unangenehm klingt, auch völlig überflüssig und unnöthig ist, da eben derselbe dessen Begriff völlig erschöpfet. Ausführlicher habe ich dieses in meinem Magazine, B. 2, St. 1, S. 143 zu beweisen gesucht.
   3) Als ein Nebenwort allein, da es auch in der anständigen Schreibart, sehr häufig gebraucht wird, die nahmentliche und nähere Bestimmung einer vorher nur allgemein bestimmten Sache zu begleiten. Niemand fähret gen Himmel, denn der von Himmel hernieder kommen ist, nämlich des Menschen Sohn, der im Himmel ist, Joh. 3, 13. Ich will dir das Land geben, nämlich das ganze Land Canaan, 1. Mos 17, 8. Und weil wir solches wissen, nemlich die Zeit, daß die Stunde da ist

[Bd. 3, Sp. 422]


Röm. 13, 11. Es kamen ihrer drey, nähmlich Cajus, Titius und Mylius.
   Anm. In der letzten Bedeutung im Oberd. namlich, namblich, im Nieders. namtlik, benamen, im Dän. nemlich, im Schwed. nämligen, im Engl. namely, bey den Krainerischen Wenden namrezh, woraus dessen Abstammung von Nahme wohl unläugbar wird, zumahl da nahmentlich, von welchem nähmlich nur die verkürzte Form ist, im Oberdeutschen noch für das letztere gebraucht wird. Die Lat. nempe und nimirum scheinen auf ähnliche Art von nomen gebildet zu seyn, ob sie sich gleich ein wenig mehr von ihrer Quelle entfernet haben. Man schreibt dieses Wort bald nämlich, bald aber auch nehmlich und nemlich. Die erste Schreibart gründet sich auf die unrichtige Schreibart des Wortes Nahme, da man es für einen Abkömmling von dem Lat. Nomen hält, und daher das h wegläßt; die zweyte auf die erweislich falsche Ableitung von nehmen, und die dritte auf eine eben so unrichtige von dem Lat. nempe. In vornehmlich, vernehmlich und annehmlich ist das e hingegen richtig, weil diese Wörter unläugbar von nehmen abstammen.
 
Artikelverweis Die
Nähnadel, plur. die -n, eine mit einem Öhre versehene und zum Nähen dienliche Nadel, zum Unterschiede von einer Stecknadel.
 
Artikelverweis Das
Nähpult, des -es, plur. die -e, ein Pult des andern Geschlechtes, die Sachen, an welchen genähet wird, an dem auf demselben befindlichen Küssen zu befestigen, und in dem Pulte allerley zum Nähen dienliche Sachen zu verwahren. S. Adelung Pult.

 

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