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Nagelschmid bis Nahe (Bd. 3, Sp. 413 bis 414)
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Artikelverweis Der Nagelschmid, des -s, plur. die -schmiede, ein Schmid, welcher vornehmlich eiserne Nägel aller Art verfertiget; im Oberd. der Nageler. Daher die Nagelschmiede, dessen Werkstätte.
 
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Die Nagelschrote, plur. die -n, bey den Schmieden und Schlössern, ein scharfes Eisen auf einem Klotze, die Nägel darauf abzuschroten; die Abschrote.
 
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Der Nagelschwamm, des -es, plur. die -schwämme, eine Art Blätterschwammes, mit einem gewölbten gestrichelten gelben Hute, und weißen Blättern und Strunke, welcher in den Wäldern unter den abgefallenen Blättern wohnet, und einem eisernen Nagel nicht unähnlich siehet; Agaricus clavus L.
 
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Der Nägelschwamm, des -es, plur. die -schwämme, eine andere eßbare Art Blätterschwammes mit einem Strunke, einem schmutzig gelben Hute und feuergelben Blättern, welcher gleichfalls in den Wäldern wächset, und einen gewürzhaften Geruch, fast wie Gewürznägelein hat; Agaricus cinnamomus L.
 
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Das Nagelwêrk, des -es, plur. die -e, ein aus Latten zusammen genageltes Werk. Besonders werden die aus schmalen gehobelten Latten verfertigten Portale, Lusthäuschen u. s. f. in den Gärten Nagelwerk und Nagelwerke genannt.
 
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Der Nagelzwang, des -es, plur. inus. die Beschwerde, welche von Nied- oder Nothnägeln verursacht wird. Den Nagelzwang haben, Niednägel.
 
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Das Nagemaul, des -es, plur. die -mäuler, in einigen Gegenden ein Nahme des Zanders, S. dieses Wort.
 
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Nagen, verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben erfordert, und den Laut nachahmet, welcher verursacht wird, wenn man mit den Zähnen von einem festen Körper nach und nach etwas herunter zu scharren sucht. 1. Eigentlich. Der Hund naget an dem Knochen. Die Maus benaget das Holz. Die Würmer nagen den Käse. An einem Knochen, an einem Beine nagen. S. auch Abnagen, Benagen, Zernagen. In weiterer Bedeutung wird es auch zuweilen, doch nur im gemeinen Leben, für kauen, und in noch weiterer für essen gebraucht. Am Hungertuche nagen, an den nothwendigsten Bedürfnissen anhaltenden Mangel leiden. Er hat nichts zu nagen noch zu beißen, in eben diesem Verstande, wofür man auch sagt nichts zu beißen noch zu brechen haben. Wer nicht wagt, der nicht nagt, wer nichts wagt, gewinnt auch nichts, Ital. chi non risiga non rosega. 2. Figürlich. 1) Er wird daran zu nagen haben, im gemeinen Leben, er wird viele Mühe, Arbeit, Unlust davon haben, ohne viel auszurichten. 2) Einen anhaltenden Grad sehr merklicher, gleichsam verzehrender Unlust verursachen. Der Tod naget sie, Ps. 49, 15. Ich quäle mich unaufhörlich mit den nagenden Vorwürfen, dich unglücklich gemacht zu haben, Dusch. Ihr Mann, den die Eifersucht nagte, Haged.
   Stets nagt ein scharfer Neid
   Sein blutend Herz,
   Haged. Der Eigennutz wird ihn nagen, da Julchen eine reiche Partie ist, Herm. Mein nagender Verdacht, Schleg. Das nagende Gewissen, die anhaltende Unlust über begangene böse Handlungen. So auch das Nagen anstatt des ungewöhnlichen Nagung.
   Anm. Im Schwed. naga, im Dän. nagge, nooge; mit voran gesetztem Gaumenlaute im Nieders. gnauen, knauen, Engl. to gnaw, Angels. gnaegen, Schwed. gnaga, Wallis. cnoi, in Boxhorns Glossen kinuagan, im Dän. gnave, im Griech. κναειν und χναυειν, und in der verkleinernden Form, Niedersächs. gnaggeln, gnaueln, gnabbeln, Hochdeutsch knaupeln, Engl. to knabble. Es ahmet allem Ansehen nach den Laut nach, welchen die Zähne machen, wenn sie nach und nach etwas von einem harten Körper herunter scharren. In einigen Oberdeutschen Gegenden gehet es irregulär; ich nug, Hans Sachs, für nagte.

[Bd. 3, Sp. 414]



 
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Das Nagethier, des -es, plur. die -e, in der Naturgeschichte, ein Nahme derjenigen vierfüßigen Thiere, welche mit vier spitzigen Schneidezähnen versehen sind, und alles benagen; wohin die Eichhörner, Ratzen, Murmelthiere, Wiesel, Hermeline, Zobelthiere, Iltisse, Marder u. s. f. gehören. Sie werden von einigen auch Nager genannt.
 
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Der Nähdraht, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, an den Papierformen, Drahtfäden, womit das Gitter der Quere nach durchflochten und gleichsam durchnähet wird. Siehe Nagen.
 
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Nahe, näher, nächste, adj. et adv.durch keinen beträchtlichen Zwischenraum von einem andern Dinge getrennt, im Gegensatze des fern oder entfernt, wo es so wie dieses ein relativer Begriff ist, welcher durch Gewohnheit und durch die Umstände bestimmt wird. Ein Ding kann in einer Absicht nahe, in einer andern aber entfernt seyn.
   1. Eigentlich, dem Orte oder Raume nach. Ein naher Ort. Das nächste Dorf. Mein nächster Nachbar. Er wurde an den nächsten Baum gehenket.
   O ja, du singst, schon hör ich dich,
   Vom nächsten Baum,
   Weiße.Ingleichen als ein Nebenwort; so wohl mit verschiedenen Nebenwörtern. Näher zur Stadt kommen. Einem nahe auf den Leib treten, ihm nahe auf den Hals kommen. Es stehet nahe an der Thür. Es liegt nahe bey dem Hause. Nahe bey einem wohnen, stehen, seyn. Nahe dabey seyn. Nahe herbey kommen. Sich nahe zu etwas machen, sich nahe zu jemanden setzen. Nahe um jemanden seyn. Nächst an dem Schlosse wohnen. Zunächst an den Wald gränzen, für nahe. S. Adelung Nächst. Als auch mit der dritten Endung, doch nur mit einigen Zeitwörtern. Einem nahe seyn, stehen, liegen, kommen. Komm mir nicht zu nahe. Wir kamen der Stadt immer näher. Ein naher Weg, für ein kurzer, und der nächste Weg, für der kürzeste, ist eine Figur. Von nahen, für in der Nähe, ist Oberdeutsch; etwas von nahen besehen.
   2. Figürlich.
   1) Von der Zeit. Sich auf den nahen Sommer freuen. Der Frühling ist nahe. Mit der nächsten Post, mit der ersten. Nächster Tage, nächsten Tages, nächstens, S. Adelung Nächst und Nächstens. Nächst künftigen Sonntag. Nahe an vierzig Jahr alt, in der vertraulichen Sprechart, für beynahe. Er ist schon nahe an vierzig, Gell. Sie muß ja wohl nahe an sechzig Jahren seyn, ebend. Die nächst vergangene Nacht. Der nächst bevor stehende Feldzug. S. Nächst. Ingleichen mit Einschluß des vorigen Begriffes des Ortes. Dem Tode nahe seyn. Die Gefahr war mir sehr nahe. Ich war einer Ohnmacht nahe.
   2) In verschiedenen andern Verhältnissen, mehrere oder auch alle dazwischen befindliche Dinge auszuschließen, im Gegensatze des entfernt; wo es oft nur als ein Nebenwort allein, oft nur als ein Beywort allein, oft aber auch nur in einer oder der andern Staffel üblich ist. Ein naher Freund, ein naher Verwandter. Er ist nahe mit mir verwandt. Er ist mein nächster Freund. Jeder ist sich selbst der nächste. S. Adelung Nächste. Die nähere (genauere) Vereinigung mit Gott. Der Römische König ist der nächste nach dem Kaiser, der Würde nach, er folgt unmittelbar nach ihm. Einen nahen Zutritt bey jemanden haben. Die Sache betrifft ihn sehr nahe, uns noch näher, dich aber am nächsten. In naher (genauer, enger) Verbindung mit jemanden stehen. Zu nahe in die Freundschaft heirathen. Der Wahrheit nahe kommen. Der Sache schon näher kommen. Damit wir näher zur Sache kommen. Einem nahe kommen,

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ihm in einer Eigenschaft ähnlich seyn. Sich näher mit jemanden bekannt machen. Es soll mir lieb seyn, ihn näher (genauer) kennen zu lernen. Einen sehr nahen Umgang mit jemanden haben. Sich einem näher entdecken. Etwas näher bestimmen, genauer. Die nähere Offenbarung Gottes, im Gegensatze der allgemeinen oder entferntern. Das enthält den nächsten (unmittelbarsten) Grund dieses Vorganges. Der nächste Endzweck, der unmittelbare. Der Mensch kommt mit der nächsten Anlage sich Sprache zu bilden, in die Welt, Herd.
   3) Das geht mir nahe, das kränkt mich, schmerzet mich, im sittlichen Verstande. Sein Abzug geht mir etwas nah, Haged. Wie oft wird mir sein Schicksal nahe gehen! Es geht mir recht nahe, daß ich ihnen so viele Ungelegenheit verursache, Gell.
   4) Einem etwas nahe legen, nahe bringen, theils ihm solche Bewegungsgründe vorlegen, welchen er nachgeben muß, theils aber auch, ihm zum Zorne reitzen. Sie legen mir es außerordentlich nahe, reitzen mich außerordentlich. Ja, wenn es einem so nahe gelegt wird, wenn man so sehr gereitzt wird. Ich habe es ihm so nahe gelegt, daß er sich wird ergeben müssen, ihm solche triftige Bewegungsgründe vorgestellet. Im Oberdeutschen ist es in dieser und der vorigen Bedeutung auch als ein Beywort nicht selten. Nahe Reden, welche dem andern nahe gehen müssen, ihn zum Zorne reitzen.
   5) Der nächste Preis, im Handel und Wandel, der genaueste. Ich kann es um keinen nähern Preis geben, um keinen niedrigern, genauern, wofür man auch sagt, ich kann es nicht nähern Kaufs, nicht näher geben.
   Du kannst hier nähern Kaufs die edle Freyheit kriegen,
   Canitz. Nach einer noch weitern Figur sagt man von jemanden der nachgibt, von seinen Forderungen, von seinem Widerstande, von seiner Hitze nachläßt, er gebe es schon näher.
   6) Einer Person oder Sache zu nahe treten, sprechen, handeln, ihr Nachtheil, Schaden verursachen, sie beleidigen. Eines Ehre zu nahe treten, sie kränken, vermindern. Der schuldigen Achtung für sein Vaterland zu nahe treten, sie nicht beobachten. Es ist ihm zu nahe geschehen, es ist ihm zu viel geschehen. Eines Ehre zu nahe reden oder sprechen.
   7) Bey nahe, fast, es fehlete nicht viel. Beynahe wäre er uns entwischet. Du hättest mich beynahe nicht mehr angetroffen. In dem Tatian und bey den folgenden Oberdeutschen Schriftstellern nur nah, nahen, und nach. Ich bin nach hungers tot, der Burggraf von Rietenburg. S. Adelung Bey III.
   Anm. Schon bey dem Ottfried und seinen Zeitgenossen nah, im Theuerdanke nahendt, im Nieders. nah, näger, nägst, bey dem Ulphilas nehwa, im Angelsächs. neh, neah, im Engl. nigh. Es ist mit neben, nau in genau, nach, noch und andern dieses Geschlechtes sehr genau verwandt. Der Form nach gehöret es zu den irregulären Beywörtern, indem es in der zweyten und dritten Staffel nicht nur das a in ä verwandelt, sondern in der dritten auch den stärkern Hauch ch annimmt. Daß dieser ehedem auch in der ersten Staffel nicht ungewöhnlich gewesen, erhellet aus dem Vorworte nach und dem Hauptworte Nachbar. Eben so abweichend ist es in seinen Bedeutungen, indem es in einigen nur als ein Nebenwort allein, in andern nur als ein Beywort allein, und in noch andern nur in dieser und jener Staffel üblich ist. S. auch Nächst.
   Ein anderes nur in der Ableitungssylbe verschiedenes Wort ist das Angels. near, nearo, nearewe, im Dän. und Schwed. när, im Isländ. naer, im Engl. near und narrow, welches andere für den Comparativ von nahe halten, das aber vielmehr ein eigenes Wort ist, welches seine eigene Comparation hat, und statt

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des Hauchlautes am Ende das r angenommen hat, so wie sich in nau, genau, wieder ein anderer Endlaut befindet. S. Adelung Nährlich, welches noch von diesem Worte abstammet, und Nähern, welches sich auch daher leiten lässet.
   Im Oberdeutschen wird nahe noch in verschiedenen Zusammensetzungen gebraucht, indem daselbst danahen für daher, ingleichen für hier, und deßnahen für deßhalb üblich sind.

 

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