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Motte bis Mücke (Bd. 3, Sp. 294 bis 296)
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Artikelverweis Die Motte, plur. die -n. 1) Ein Nahme, welcher denjenigen Nachtvögeln gegeben wird, deren Larven oder Würmer das Rauchwerk und andere Kleidungsstücke zernagen; Phalaenae Tineae L. Wohin vermuthlich auch diejenige Motte gehöret, deren Larve sich als eine weiße Raupe mit vierzehn Füßen gern in den Bienenstöcken aufhält und daselbst vielen Schaden verursacht. Sie wird auch Schabe und Riehwurm genannt. In allen Fällen führet so wohl der Wurm oder die Larve, als auch das fliegende Insect diesen Nahmen, welches letztere zum Unterschiede auch wohl die fliegende Motte genannt wird. 2) Die Milbe, Blatta L. kommt in manchen Gegenden gleichfalls unter diesem Nahmen vor.
   Anm. Im Nieders. Mutte, im Engl. Moth, im Angelsächs. Moth, Mote. Ohne Zweifel von dem alten maten, zernagen, weil dieses eine der vorzüglichsten Eigenschaften dieser Insecten ist, daher sie auch in einigen Gegenden Schaben genannt werden. Miethe, Motte und Milbe, welches letztere zunächst zu mahlen gehöret, sind genau mit einander verwandt, welches unter andern auch aus dem Dänischen und Norwegischen erhellet, wo eine Motte Möl, d. i. Milbe, genannt wird. S. diese Wörter.
 
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Die Mottenfliege, plur. die -n, ein Nahme, welchen Frisch demjenigen Schmetterlinge gibt, welcher aus dem Blattwickler oder der Wickelraupe entstehet, und vermuthlich zu den Phalaenis tortricibus L. gehöret.
 
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Der Móttenfrāß, des -es, plur. inus. der durch die Motten verursachte Schaden. Ingleichen, von den Motten verderbte Kleidungsstücke. Und dieß veraltert wie Mottenfraß, Hiob 13, 28, nach Michaelis Übersetzung. Dergleichen Kleider nennet Luther Jer. 5, 2 mottenfräßige Kleider, wo aber das thätige Mittelwort anstatt des leidenden, von Motten gefressen, stehet.
 
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Das Mottenkraut, des -es, plur. inus. ein Nahme verschiedener Pflanzen, welche die Motten vertreiben sollen, besonders des wilden Rosmarius oder Mutterkrautes, Ledum palustre L. welches sich durch seinen üblen Geruch ankündiget; ingleichen einer Art der Königskerze, welche im mittägigen Europa in thonigen

[Bd. 3, Sp. 295]


Gegenden wächset, und auch Schabenkraut, Mottensame, genannt wird; Verbascum Blattaria L.
 
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Das Motthuhn, des -es, plur. die -hühner, oder das Motthühnchen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Nahme, welchen in einigen Gegenden die Wasserhühner oder Sandreiher führen, welche sonst auch Sand- oder Strandläufer genannt, in den Küchen aber mit unter dem Nahmen der Schnepfen begriffen werden, ob sie gleich noch gar sehr von ihnen verschieden sind; Glareolae Klein. Sie haben den Nahmen, welcher im Niedersächsischen am bekanntesten ist, von ihrem Aufenthalte auf den Wiesen und in sumpfigen feuchten Gegenden, daher sie an andern Orten auch Mattkerne heißen, S. dieses Wort und 5. Matte, Moder und Moos.
 
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Motzig, -er, -ste, adj. et adv. ein nur im Bergbaue übliches Wort, wo die kurzen Gänge, welche nicht weit in das Feld streichen, motzige Gänge genannt werden; ohne Zweifel von dem im Hochdeutschen veralteten mutzen, abstutzen, verstümmeln, mutilare, S. dasselbe. In Baiern bedeutet motzen zaudern, säumen.
 
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Die Möwe, S. Adelung Mewe.
 
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Mcheln, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und nur in den gemeinen Sprecharten üblich ist, nach Schimmel, und in weiterer Bedeutung nach einer verdorbenen, von der Fäulniß noch verschiedenen Feuchtigkeit riechen oder schmecken, anbrüchig riechen oder schmecken. Das Mehl müchelt. Es ist statt dessen auch müchzen, im Oberdeutschen miechteln, in andern Gegenden muffen, muffzen, müffen, müffzen, münchen, münchzen u. s. f. üblich. Es erhält das Andenken des Lat. mucere, mücheln, und Mucor, Schimmel, welcher in einigen Gegenden Muff und in andern Mün genannt wird. Siehe 1. Mauke. Man hat in eben diesen Gegenden auch die Bey- und Nebenwörter muchlich, müchlich, muffig, müffig, müfzig, münig, Nieders. mulsterig, Engl. mouldy, und muddig, welches letztere von Mudde, Schlamm, Koth, abstammet und zu dem Geschlechte des Wortes Moder gehöret. Übrigens ist für mücheln im Österreichischen auch bladeln üblich. S. 2. Muff und 3. Muffen.
 
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Muchsen, S. Adelung Mucksen.
 
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Die Mucke, plur. die -n. 1) Üble Laune, besonders so fern sie sich durch mürrisches oder tückisches Stillschweigen an den Tag legt; in welchem Verstande dieses Wort am seltensten vorkommt, und alsdann im Plural gebraucht wird. Mucken haben, Grillen. 2) In weiterer Bedeutung, ein jeder anderer merklicher Anfall einer verborgenen üblen oder seltsamen Gemüthsart. Sie hat ihre alte Mucke. Ich kenne seine Mucken. Ob er gleich genesen war, so behielt er doch eine solche Mucke von Verrückung u. s. f. der Arzt. Er kam wieder auf seine alten Mucken. 3) Im weitesten Verstande wird es oft von einem jeden Ausbruche, von einer jeden Äußerung eines verborgenen Fehlers oder Übels gebraucht. Das Pferd hat Mucken, einen heimlichen Fehler. Die Sache hat Mucken, verborgne widrige Umstände, Hindernisse u. s. f.
   Anm. Im Nieders. mit einem gedehnten u Muke, welches aber auch die Mauke, eine Krankheit der Pferde bezeichnet. Die Mucken ziehen bedeutet in Hamburg so viel als das Maul krümmen. Frisch und andere sehen unser Mucke als eine Figur des folgenden Mücke an, welches im Oberdeutschen Mucke lautet und daselbst auch eine Fliege bedeutet. Allein, es scheinet entweder zu dem Zeitworte mucken zu gehören, und eigentlich das ungesittete mit Verzerrung des Gesichtes und besonders des Mundes verbundene Stillschweigen eines mißvergnügten Menschen zu bezeichnen, oder ein Verwandter des alten Meuchel, verborgene Tücke, zu seyn, zumahl da der Begriff der Verborgenheit, der Stille, die sämmtlichen Bedeutungen dieses Wortes begleitet. S. Adelung Meuchelmörder

[Bd. 3, Sp. 296]


und Mucken. Übrigens wird in Niedersachsen das Wort Nücke auch in eben den Fällen gebraucht, in welche das Wort Mucke üblich ist, S. dasselbe.
 
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Die Mücke, plur. die -n, ein Nahme verschiedener einander in der äußern Gestalt ähnlicher Insecten mit zwey Flügeln, welche dem Menschen durch ihr Stechen empfindlich fallen. 1) Der Erdschnake oder Schnake schlechthin, welche lange Beine hat, nicht in gerader Linie flieget, sondern gleichsam tanzet; Tipula L. Sie ist die größte unter den Mücken, legt ihre Eyer in die Erde an die Wurzeln der Bäume, und wird auch große Mücke genannt. 2) Der im gemeinen Leben eigentlich so genannten Schnake, Culex L. welche in Oberdeutschland Gölse, Gälse, heißt, sich am häufigsten an wasserreichen Orten aufhält, singet oder summet und scharf sticht. Die Lichtmücke, welche nach dem Lichte fliegt, und sich die Flügel verbrennet, Culex pipiens L. ist eine Art derselben. 3) Der am häufigsten so genannten Mücke, welche ein Maul mit einem sehr langen Rüssel hat, Empis L. Diese tanzen des Abends scharweise in der Luft.
   Anm. Bey dem Notker Mucca, im Oberd. Mucke, im Nieders. Mügge, im Osnabrück. Miete, im Schwed. Mygga, im Angels. Mycg, im Engl. Midge, im Isländ. My, im Böhm. Maucha, im Pohln. Mucha, im Lappländ. im Plural Myggor und Muockir, selbst im Nikobarischen Muah, welche insgesammt ihre Verwandtschaft mit dem Lat. Musca und Griech. μυα nicht verläugnen können. Im Oberdeutschen ist das Wort Mucke von einem viel weitern Umfange, indem es nicht nur unsere Fliegen, sondern auch fast alle Insecten mit zwey Flügeln, z. B. die Pferdebremse, bezeichnet, ja auch oft mehrere Arten kleiner Vögel unter sich begreift, in welchem letztern Falle es denn daselbst im gemeinen Leben oft Musch und Muschel lautet, welches dem Lat. Musca am nächsten kommt. So wird der Waldsperling daselbst die Holzmuschel, der Muschel- oder Muschelsperling, oder nur die Muschel schlechthin genannt. In dem Nahmen der Grasmücke hat sich diese Bedeutung auch noch bey uns erhalten. Es scheinet daher das Wort Mücke so wie Fliege eigentlich ein sehr allgemeiner Nahme zu seyn, welcher nicht nur ein fliegendes Insect, sondern auch kleine Vögel bedeutet, und alsdann zu dem Worte mähen, bewegen, gehören würde, wenn es nicht vielmehr von mühen, ehedem muhen, vexare, beunruhigen, abstammet. S. auch 2. Mauke. In dem Weinbaue einiger Gegenden ist die Mucke eine Gabel, mit welcher die Weinbeeren in dem Fasse von den Kämmen abgerissen werden, um die letztern allein auspressen zu können, in welcher Bedeutung es vermuthlich zu einem andern Stamme gehöret.

 

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