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Morgenzeit bis Mörtelkêlle (Bd. 3, Sp. 290 bis 292)
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Artikelverweis Die Morgenzeit, plur. inus. der Morgen, als ein Theil der Zeit betrachtet, die morgendliche Zeit. Bey früher Morgenzeit ausgehen.
 
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Morgig, ein Beywort. 1) * Von dem Nebenworte morgen, für morgend; in welchem Verstande es aber nur in einigen gemeinen Mundarten üblich ist. Der morgige Tag. Die morgige Post. S. Adelung Morgend. 2) Von dem Hauptworte Morgen, so fern dasselbe ein Feldmaß bezeichnet; wo es doch nur in der Zusammensetzung mit Zahlwörtern vorkommt. Ein dreymorgiger, sechsmorgiger Acker u. s. f. ein Acker von drey oder sechs Morgen.
 
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Die Mornếlle, plur. die -n, oder der Mornếll, des -es, plur. die -en, eine Art Kibitze, von welcher es mehrere Unterarten gibt. Der gewöhnlichste Vogel dieser Art, welcher auch Mornellkibitz genannt wird, ist in England sehr häufig, und hat einen runden Kopf, als seine übrigen Geschlechtsverwandten; Gavia Morinellus Klein. Charadrius Morinellus L. In einigen Gegenden heißt er wegen seines gelben Fleckens auf der Brust, Citronen-Vogel, Pomeranzenvogel, Franz. Pluvier d'or. Er zeichnet sich besonders durch seine Dummheit aus, welcher er auch im Englischen den Nahmen Dotterel zu danken hat, und Klein will, daß auch der Nahme Mornell von dem Griech. μυρυτος, welches einen dummen Vogel bedeuten soll, abstamme, obgleich auch die schwarze Farbe, wenigstens bey einigen Arten, zu

[Bd. 3, Sp. 291]


der Benennung Anlaß gegeben haben kann. Der graue Mornell, Gavia Morinella altera Klein. heißt im Englischen gleichfalls Dotterel. Der langgeschwänzte Mornell, Gavia brachyptera, vocisera Klein. Engl. Chattering Plower, Franz. Pluvier criard, hat einen schwarzen Fleck an der Stirn, schwarze Streifen längs den Backen und dem Halse bis an die Brust, einen dunkelschwarzen Rücken und weißen Bauch. Der Seemornell, die Seelerche, Gavia Morinellus littoralis Klein. Charadrius Hiaticula L. hat einige Ähnlichkeit mit einer Lerche und wohnet in den Höhlen an dem Seeufer.
 
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Morsch, -er, -este, adj. et adv. welches eigentlich mürbe bedeutet, aber nur in einigen Fällen üblich ist. 1) Von festen Körpern, welche durch die Fäulniß mürbe werden, sagt man im gemeinen Leben, daß sie morsch sind; Ital. marcio. Ein morscher Apfel, der in den ersten Grad der Fäulniß gegangen ist, da er noch eßbar bleibt, welches in einigen Gegenden auch molsch, mulsch genannt wird, (S. Adelung Molsch,) dagegen faul den höhern Grad der Fäulniß ausdruckt. Ein morsches Bein, ein morscher Knochen. Morsches Holz. 2) Im gemeinen Leben gebraucht man es auch, doch nur als ein Nebenwort allein, von Dingen, welche plötzlich und gänzlich zerbrochen werden. Das Bein ging morsch entzwey. Einen Zweig morsch abbrechen. Das Schiff ging morsch in Stücken. Er blieb morsch todt, d. i. plötzlich und völlig, wofür man auch sagt mausetodt, S. dieses Wort.
   Anm. Es gehöret in der ersten Bedeutung zu dem Geschlechte des Wortes mürbe, Nieders. mör, bezeichnet aber, so wie molsch, nur eine besondere Art des Mürben. In der zweyten Bedeutung scheinet es zunächst zu Mörsel, Mörtel und dem veralteten noch im Oberdeutschen gangbaren Zeitworte mürsen, zermürsen, zerquetschen, zermalmen, zu gehören. Bey dem Hornegk bedeutet murch und murkh, ohne Zischlaut, so wohl morastig, moorig, (S. Adelung Moor,) als auch faul, und wankend, unstätt.
 
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Der Mörsel, S. Adelung Mörser.
 
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Die Morsếlle, plur. die -n, ein in den Apotheken übliches Wort, eine Arzeney zu bezeichnen, welche mit Zucker vermischt in kleinen festen länglichen viereckten Stücken bereitet wird, und wovon die Magen-Morsellen eine Art sind. Aus dem Lat. Morsellus, dem Diminut. von Morsus, welches in den mittlern Zeiten sehr oft für ein kleines Stück überhaupt vorkommt; Franz. Morceau.
 
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Der Mörser, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Gefäß von einer festen Materie, harte Körper vermittelst einer Keule oder Mörserkeule darin zu zerreiben oder zu zerstoßen. Ein eiserner, steinerner, messingener Mörser. Etwas im Mörser stoßen oder zerstoßen. 2) Ein grobes dem vorigen Mörser nicht unähnliches Geschütz, welches nicht horizontal, sondern schief in die Höhe gerichtet wird, Bomben, Granaten, Carcassen, Feuerkugeln und andere große Körper daraus zu werfen; ein Feuermörser, zum Unterschiede von dem vorigen, ehedem eine Wurfbüchse, ein Böller, Ital. Mortaletto. Ein hangender Mörser, welcher vermittelst seiner in der Mitte befindlichen Schiidzapfen hänget, zum Unterschiede von einem stehenden. S. auch Blockmörser und Fußmörser.
   Anm. In der ersten Bedeutung lautet dieses Wort in einigen Gegenden auch Mörsel, (weil die Endsylben el und er in mehrern Fällen mit einander abwechseln,) in andern Mörsener, Mörschner, mit der gewöhnlichen Verwechselung des s und t, im Österreichischen Mortel, Mörtel, im Nieders. Marter, im Dän. Morter, im Schwed. Mortel, im Lat. Mortarium, im Ital. Mortaro, Mortaio, im Angels. Mortere, im Engl. Mortar, im Franz. Mortier, im Böhm. Mordir, Mozdjr, im Pohln. Mozdzerz. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter mürbe, morsch, Lat. mortare, zermalmen, Nieders. murten, Oberd.

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mursen, Isländ. meria, Mörtel, merzen u. s. f. Da dieses Werkzeug im Österreichischen auch Malter und im Niedersächs. auch Möser heißt, so erhellet daraus zugleich die Verwandtschaft mit mahlen und dessen Frequentativo malmen, mit Muß, Moos, und andern dieser Art. Übrigens wird der Mörser im Nieders. auch Grüsener genannt, von grüsen, zermalmen, S. Adelung Graus. Die zweyte Bedeutung kann als eine Figur der ersten von der Ähnlichkeit in der Gestalt entlehnet seyn, ob sie gleich auch unmittelbar von dem alten mürsen, zermalmen, oder auch von morden herstammen kann.
 
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Der Mörserblock, des -es, plur. die -blöcke, in der Geschützkunst, der Block oder die Laffete, worin der Mörser hängt oder stehet.
 
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Der Mörtel, des -s plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. bey den Maurern, der mit klein zerstoßenen Steinen oder groben Sande vermischte Kalk, so wie derselbe zum Mauern gebraucht wird; die Speise, in Österreich das Mälter. Mit Mörtel mauern. Mit Mörtel bewerfen.
   Anm. Im Lat. Mortarium, Franz. Mortier, Engl. Mortar, Morter, Holländ. Morter. Es stammet mit dem vorigen Worte gleichfalls von dem Zeitworte mursen, Nieders. murten, Lat. mortare, zermalmen, her, so fern man sich anfänglich anstatt des Sandes zermalmeter Steine zur Vermischung mit dem Kalke bedienete, wie in Italien noch jetzt geschiehet. Im Nieders. bedeutet Murt alles was klein zerrieben ist; Grut und Murth. Im Ital. und mittlern Lat. heißt der Mörtel Multa, von mahlen, molere, um eben der gedachten Zermalmung willen.
 
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Die Mörtelbaue, plur. die -n, bey den Maurern, eine Haue oder Hacke, den Mörtel damit anzumachen und unter einander zu ziehen.
 
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Die Mörtelkêlle, plur. die -n, eben daselbst, eine Kelle in Gestalt eines Dreyeckes oder Herzens, den Mörtel damit auf und zwischen die Steine zu tragen; die Mauerkelle.

 

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