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Morgenthau bis Morsch (Bd. 3, Sp. 290 bis 291)
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Artikelverweis Der Morgenthau, des -es, plur. inus. der Thau, welcher zur Morgenzeit vor dem Aufgange der Sonne aus der Luft fällt. O Romeo, meine Seele schmachtet darnach, wie ein verdorrtes Gras nach dem Morgenthaue, Weiße.
   Der um den Morgenthau
   Aus Thetis Armen sich entziehet,
   Uz.
 
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Der Morgentraum, des -es, plur. die -träume, ein Traum, welchen man des Morgens hat.
 
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Die Morgenuhr, plur. die -en, eine Sonnenuhr, welche auf einer gerade gegen Morgen gelegenen Fläche beschrieben wird, und also nur die Morgenstunden bis Mittags um 12 Uhr zeiget; zum Unterschiede von einer Abenduhr, Mittagsuhr und Mitternachtsuhr.
 
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Das Morgenvolk, des -es, plur. die -völker, ein gegen Morgen wohnendes Volk. In engerm Verstande ein Europa gegen Morgen gelegenes Volk. S. Adelung Morgenland.
 
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Die Mórgenwáche, plur. die -n, in dem Kriegswesen, besonders der vorigen Zeiten, diejenige Wache, d. i. Wachzeit, welche um die Morgenzeit fällt, und unmittelbar auf die Nachtwache folgt, und figürlich der frühe Morgen selbst, die frühe Morgenzeit. Als nun die Morgenwache kam, 2 Mos. 14, 24. Sie kamen ins Lager um die Morgenwache, 1 Sam. 11, 11. Von einer Morgenwache bis zur andern, Ps. 130, 6. Die Morgenwache schlagen, wofür in dem heutigen Kriegswesen die Französischen Reveille und Diane üblich sind, von dem Lat. Dies, der Tag. S. Adelung Wache.
 
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Morgenwärts, adv. gegen Morgen, der Himmelsgegend nach, nach Osten zu. Morgenwärts gehen, wohnen. Mit Vorwörtern, wie, die Gränze von morgenwärts, 4 Mos. 34, 4, von morgenwärts die Bothen senden, 5 Mos. 2, 26, das Thor gegen morgenwärts, Ezech. 46, 19, ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich.
 
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Der Morgenwind, des -es, plur. die -e. 1) Ein Wind, der aus Morgen, oder Osten kommt. Wir haben Morgenwind. 2) Ein Wind, welcher des Morgens, zur Morgenzeit wehet.
 
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Die Morgenzeit, plur. inus. der Morgen, als ein Theil der Zeit betrachtet, die morgendliche Zeit. Bey früher Morgenzeit ausgehen.
 
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Morgig, ein Beywort. 1) * Von dem Nebenworte morgen, für morgend; in welchem Verstande es aber nur in einigen gemeinen Mundarten üblich ist. Der morgige Tag. Die morgige Post. S. Adelung Morgend. 2) Von dem Hauptworte Morgen, so fern dasselbe ein Feldmaß bezeichnet; wo es doch nur in der Zusammensetzung mit Zahlwörtern vorkommt. Ein dreymorgiger, sechsmorgiger Acker u. s. f. ein Acker von drey oder sechs Morgen.
 
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Die Mornếlle, plur. die -n, oder der Mornếll, des -es, plur. die -en, eine Art Kibitze, von welcher es mehrere Unterarten gibt. Der gewöhnlichste Vogel dieser Art, welcher auch Mornellkibitz genannt wird, ist in England sehr häufig, und hat einen runden Kopf, als seine übrigen Geschlechtsverwandten; Gavia Morinellus Klein. Charadrius Morinellus L. In einigen Gegenden heißt er wegen seines gelben Fleckens auf der Brust, Citronen-Vogel, Pomeranzenvogel, Franz. Pluvier d'or. Er zeichnet sich besonders durch seine Dummheit aus, welcher er auch im Englischen den Nahmen Dotterel zu danken hat, und Klein will, daß auch der Nahme Mornell von dem Griech. μυρυτος, welches einen dummen Vogel bedeuten soll, abstamme, obgleich auch die schwarze Farbe, wenigstens bey einigen Arten, zu

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der Benennung Anlaß gegeben haben kann. Der graue Mornell, Gavia Morinella altera Klein. heißt im Englischen gleichfalls Dotterel. Der langgeschwänzte Mornell, Gavia brachyptera, vocisera Klein. Engl. Chattering Plower, Franz. Pluvier criard, hat einen schwarzen Fleck an der Stirn, schwarze Streifen längs den Backen und dem Halse bis an die Brust, einen dunkelschwarzen Rücken und weißen Bauch. Der Seemornell, die Seelerche, Gavia Morinellus littoralis Klein. Charadrius Hiaticula L. hat einige Ähnlichkeit mit einer Lerche und wohnet in den Höhlen an dem Seeufer.
 
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Morsch, -er, -este, adj. et adv. welches eigentlich mürbe bedeutet, aber nur in einigen Fällen üblich ist. 1) Von festen Körpern, welche durch die Fäulniß mürbe werden, sagt man im gemeinen Leben, daß sie morsch sind; Ital. marcio. Ein morscher Apfel, der in den ersten Grad der Fäulniß gegangen ist, da er noch eßbar bleibt, welches in einigen Gegenden auch molsch, mulsch genannt wird, (S. Adelung Molsch,) dagegen faul den höhern Grad der Fäulniß ausdruckt. Ein morsches Bein, ein morscher Knochen. Morsches Holz. 2) Im gemeinen Leben gebraucht man es auch, doch nur als ein Nebenwort allein, von Dingen, welche plötzlich und gänzlich zerbrochen werden. Das Bein ging morsch entzwey. Einen Zweig morsch abbrechen. Das Schiff ging morsch in Stücken. Er blieb morsch todt, d. i. plötzlich und völlig, wofür man auch sagt mausetodt, S. dieses Wort.
   Anm. Es gehöret in der ersten Bedeutung zu dem Geschlechte des Wortes mürbe, Nieders. mör, bezeichnet aber, so wie molsch, nur eine besondere Art des Mürben. In der zweyten Bedeutung scheinet es zunächst zu Mörsel, Mörtel und dem veralteten noch im Oberdeutschen gangbaren Zeitworte mürsen, zermürsen, zerquetschen, zermalmen, zu gehören. Bey dem Hornegk bedeutet murch und murkh, ohne Zischlaut, so wohl morastig, moorig, (S. Adelung Moor,) als auch faul, und wankend, unstätt.

 

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