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Morgenrose bis Morgenstêrn (Bd. 3, Sp. 288 bis 289)
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Artikelverweis Die Morgenrose, plur. die -n, Rosen, welche am Morgen gebrochen worden, oder erst des Morgens aufgeblühet sind, in der dichterischen Schreibart. Morgenrosen schmücken die heitre Stirn, Uz.
 
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Morgenroth, adj. et adv. der Morgenröthe an Farbe gleich, eine gelblich rothe Farbe zu bezeichnen, welche aus scharlachroth und oraniengelb gemischt ist; auror, aurorfarben, aurorfarbig.
 
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Das Morgenroth, des -es, plur. car. die Morgenröthe, in der dichterischen Schreibart. Jüngst hab ich, als das Morgenroth kam, den ganzen Ort mit Kränzen geschmückt, Geßn. Wie lieblich glänzet das Morgenroth durch die Haselstauden am Fenster! ebend. Weiß und unschuldig wie die Lilie, wenn sie am Morgenroth sich öffnet, ebend. Eben dieser Schriftsteller gebraucht es auch auf eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Art ohne Artikel mit dem Zeitworte seyn. So bald es Morgenroth ist, sprach er, will ich an den Fluß hinauf gehen. Wie froh werd ich seyn wenn es Morgenroth ist! ebend. Bey dem Willeram und andern alten Oberdeutschen Mundarten im männlichen Geschlechte der Morgenrot. Im Holländ. Morghenrot, im Schwed. Morgonrodna. In den gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes ist dieses Wort üblicher als das folgende Morgenröthe. Im Hochdeutschen aber kommt es, wie gesagt, nur in der höhern Schreibart vor.
 
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Die Morgenröthe, plur. die -n, der rothe Schein, welcher kurz vor dem Aufgange der Sonne am Horizonte gesehen wird, und von der Brechung der Sonnenstrahlen in der Luft herrühret.
   Auf rosenfarbnem Fittich
   Rauschet die Morgenröthe vorbey,
   Zach.
   Vor tausend Morgenröthen
   Glänzt dieses Sternes Licht,
   Opitz. Figürlich, in der dichterischen Schreibart, so wie das vorige Morgenroth, aufblühende Schönheit, anbrechendes Glück. Ich wünsche, daß auf diese Morgenröthe ein schöner Tag folgen möge, Sonnenf.
   Anm. Statt dieses und des vorigen Wortes kommt im Angels. auch Tagarod und Daegrime, (von Rahm, Rand,) und im Altschwed. Dagrand vor. Die fruchtbringende Gesellschaft, welcher

[Bd. 3, Sp. 289]


dieses Wort vermuthlich zu lang war, suchte, obgleich mit schlechtem Glücke, dafür das Wort Röthinn einzuführen.
   Der Röthinn Purpur und der Sonnen Gold verderben, Casp. Abel im übersetzten Boileau.
 
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Morgens, ein Nebenwort, für des Morgens, d. i. am Morgen, zur Morgenzeit, wofür doch das Hauptwort Morgen üblicher ist. Ich esse morgens nicht, des Morgens. Gestern morgens, gestern Morgen. Heute morgens, diesen Morgen, oder heute Morgen. Einige Schriftsteller, bey welchen dieses Nebenwort noch vorkommt, schieben ein unnöthiges d euphonicum ein; morgends eh als die Sonn anbricht, Opitz. Im Oberdeutschen ist dafür auch morndes üblich, von Morn, der Morgen, S. Adelung Abends, Anm.
 
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Der Morgenschlaf, des -es, plur. inus. der Schlaf am Morgen. Der Morgenschlaf ist der angenehmste. In der anständigen Schreibart auch die Morgenruh.
   Lisette wiegte sich in süßer Morgenruh,
   Zach.
 
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Der Morgensêgen, des -s, plur. ut nom. sing. das Morgengebeth, im gemeinen Leben.
 
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Die Morgenseite, plur. die -n, die gegen Morgen gelegene Seite eines Dinges.
 
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Die Morgensonne, plur. inus. der Glanz der Sonne am Morgen, bey und kurz nach ihrem Aufgange; in der dichterischen Schreibart. Die frühe Morgensonne flimmerte schon hinter den Bergen auf und verkündigte den schönsten Herbsttag, Geßn. Die Morgensonne glänzt an ihr bemoostes Dach, ebend. Wir arbeiten von der Morgensonne bis zu der Abendsonne, ebend. vom Morgen bis an den Abend.
 
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Die Mórgensprāche, plur. die -n, ein nur noch in einigen Städten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes übliches Wort, die Versammlung und Berathschlagung der Glieder einer Gesellschaft am Morgen oder Vormittags zu benennen. So ist in Bremen die Morgensprache oder der Morgenrath, die vorläufige Versammlung der vornehmsten Rathsglieder des Morgens vor der Versammlung des ganzen Rathes. In weiterer Bedeutung werden die Versammlungen der Zünfte und Innungen noch an manchen Orten Morgensprachen genannt, weil sie gemeiniglich des Vormittags gehalten werden, wo denn auch die Handwerksherren, oder Zunftherren, d. i. diejenigen Rathsherren, welche der Zunft vor- und beygesetzet sind, den Nahmen der Morgensprachsherren führen. Auch im Bergbaue heißt die gemeinschaftliche Berathschlagung der Bergbeamten und Steiger die Morgensprache oder das Morgengespräch. Unter eben diesem Nahmen sind in einigen Reichsstädten auch die Abschiede und Urtheile bekannt, weil sie gleichfalls des Vormittages gemacht werden.
 
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Der Morgenstêrn, des -es, plur. die -e. 1) Die Venus, wenn sie vor der Sonne hergehet, d. i. vor der Sonnen Aufgang gesehen wird, ohne Plural; Lat. Lucifer, Griech. φωσφορος.
   In rechter Schoene ein Morgen sterne
   Ist min frowe,
   Jacob von Warte.
   Ich sich den Morgen sterne ufbrechen,
   der Burggr. von Liunz. Bey dem Ottfried Dagasterron, bey dem Kaisersberg der Mettenstern, von Mette, Matutinum. 2) Figürlich, eine veraltete Art Waffen, welche in einer Keule bestand, die an ihrem kolbigen Ende mit eisernen Spitzen und Stacheln versehen war, und, dem Hortleder zu Folge, 1347 erfunden seyn soll.

 

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