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Morgend bis Morgenland (Bd. 3, Sp. 286 bis 287)
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Artikelverweis  Morgend, das Beywort von dem Nebenworte morgen, was morgen, d. i. den nächst folgenden Tag, in Absicht des Redenden, ist oder geschiehet. Der morgende Tag. Rühme dich nicht des morgenden Tages, Sprichw. 27, 1. Er hat noch einige Kleinigkeiten wegen unserer morgenden Abreise zu besorgen, Gell. Mit der morgenden Post, ebend. Morgendes Tages, (nicht morgen des Tages,) morgen, im gemeinen Leben. Man muß dieses Beywort mit morgendlich und morgig nicht verwechseln.
   Anm. So sehr auch dieses Wort das Ansehen eines Mittelwortes hat, so ist es doch nur das Nebenwort morgen mit dem d euphonico am Ende, welches es in der adjectivischen Form annimmt, und welches dem n auch in andern Wörtern so gern nachschleicht. Im Theuerdanke lautet dieses Beywort nur morgen, der morgen Tag. Eben daselbst kommt es auch mit der Ableitungssylbe -ig vor, der morgenig Tag. In den gemeinen Oberdeutschen Mundarten ist statt dessen nur morgig, mornig üblich, der morgige Tag.

[Bd. 3, Sp. 287]



 
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Die Morgendämmerung, plur. inus. die Dämmerung des Morgens, oder am Morgen; Nieders. der Krik vom Tage, von Krik, Schein, Glanz, die Ucht, Angels. Vht, bey dem Ulphilas Vhtwo, bey dem Notker Uohtun.
 
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Morgendlich, adj. von dem Hauptworte Morgen, so fern es den Anfang des Tages bedeutet, was am Morgen ist oder geschiehet, besonders in der dichterischen Schreibart. Der morgendliche Glanz der Sonne. Von der Himmelsgegend wird dieses Beywort nicht gebraucht, wie es denn auch in der Adverbial-Form nicht üblich ist. Von Morgen, ein Feldmaß, lautet das Beywort morgig, von dem Nebenworte morgen aber morgend. Morgendlich ist nicht, wie es scheinen möchte, aus diesem letztern Beyworte gebildet, sondern von dem Hauptworte Morgen mit dem eingeschalteten d euphonico, welches in wesentlich, ordentlich, flehentlich u. a. m. in ein t übergehet. In dem Tatian kommt es noch ohne dieses d vor, ther morganlihho tag.
 
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Die Morgengabe, plur. die -n, dasjenige Geschenk, welches der Ehemann den nächsten Morgen oder Tag nach der Vermählung seiner neuen Gattinn zu machen pflegt, und welches jetzt nur noch unter dem hohen Adel gebräuchlich ist, ehedem aber auch unter den Deutschen niedern Standes üblich war, und als eine Vergeltung für die dem Gatten zugebrachte Jungfrauschaft angesehen wird; obgleich auch Witwen solche bey ihrer zweyten Vermählung zu bekommen pflegen. Daher das Zeitwort bemorgengaben, mit der Morgengabe versehen. Das Wort ist so alt, als der Gebrauch selbst, der sich in den ältesten Zeiten Deutschlandes verlieret. Es lautet schon in dem Theilungsvertrage zwischen Guntram, Childebert und Brünnhild von 587 Morganegiba, in den alten Longobardischen Gesetzen Morgengap, Morgincap, im Angels. Morgengifa, im Schwed. Morgongåfva, im mittlern Lat. Morganegiba, Morgengaba, Morgangifa, Morganaticum, Murganate, Murgitatio u. s. f. Bey den Cataloniern heißt dieses Geschenk, dem Du Fresne zu Folge, Screix, im Valentia Griax, in Aragonien Haereditamentum maritorum, oder Firma dotis, in Castilien Arrha, bey den ältern Schweden Hindradagsgäf und Mundur. Die Morgengabe muß mit der Mitgabe oder dem Brautschatze, dem Witthum, der Widerlage u. a. m. nicht verwechselt werden.
 
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Der Morgengang, des -es, plur. die -gänge, im Bergbaue, ein Gang, welcher sein Streichen gegen Morgen hat, oder die 3te bis 6te Stunde führet.
 
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Das Morgengebêth, des -es, plur. die -e, das Gebeth zu Gott am Morgen, beym Anfange des Tages; im gemeinen Leben der Morgensegen.
 
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Der Morgengesang, des -es, plur. die -gesänge, ein Gesang am Morgen, zum Lobe des Morgens oder dessen Schöpfers. Wie hier rings um Luft und Wipfel voll Morgengesang sind! Herd. Ein geistlicher Gesang dieser Art heißt ein Morgenlied.
 
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Die Morgenglocke, plur. die -n, die Glocke, welche den Morgen verkündiget und deren Klang am Morgen, in der dichterischen Schreibart.
 
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Die Morgengränze, plur. die -n, die Gränze gegen Morgen. Jos. 15, 5.
 
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Morgenig, adj. S. Adelung Morgend.
 
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Das Morgenland, des -es, plur. die -länder, ein gegen Morgen gelegenes Land; in welchem Verstande Assyrien, Persien, und andere dem Jüdischen Lande gegen Morgen gelegene Länder in der Bibel unter dem Nahmen des Morgenlandes vorkommen. Jetzt ist es im Plural am üblichsten, die uns Europäern gegen Morgen gelegenen Asiatischen Länder zu bezeichnen, welche man auch den Orient zu nennen pfleget, und von welchen die Levante

[Bd. 3, Sp. 288]


oder das Morgenland, oder auch die Morgenländer im engsten Verstande, der westliche Theil diesseits des Tigris sind.

 

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