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Mordthat bis Morgend (Bd. 3, Sp. 284 bis 286)
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Artikelverweis Die Mordthat, plur. die -en, ein Mord. Eine Mordthat begehen, im Sinne haben. Die Mordthat vollführen. Besonders, wenn Mord im Plural stehen sollte. Vieler Mordthaten schuldig seyn. Im Oberdeutschen ein Mordstück. Gemeiniglich erkläret man das Mortaudo, Morttudo und Mortaudus in dem alten Alemannischen Gesetze durch Mordthat; wenigstens hat es den ganzen Sinn dieses Wortes. Aber Mordum totum in dem Sächsischen Gesetze, ist wohl etwas andres dem Worte nach, obgleich nicht der Bedeutung.
 
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Der Mordwêg, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, ein böser, unwegsamer Weg, auf welchem man Hals und Beine brechen möchte.
 
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Die Morêlle, oder Morille, S. Adelung Amarelle.
 
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Der Morfling, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, z. B. im Churkreise, ein Karpfen, welcher weder Milch noch Eyer hat; auch der Leiner.
 
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Morgen, ein Nebenwort, welches aus dem folgenden Hauptworte entstanden ist, den nächst folgenden, morgenden Tag zu bezeichnen; zum Unterschiede von heute und gestern. Morgen will ich kommen. Wenn ich morgen noch lebe. Hebe es bis morgen auf. Morgen ist es Freytag. Morgen früh, morgen in der Frühe, im Hannöv. moren morgen, Engl. to morrow morning, gleichsam morgen-Morgen. Morgen Mittag, morgen Nachmittag, morgen Abend. Morgen des Tages sollst du fort, im gemeinen Leben; eigentlich morgendes Tages. Er mag nun heute oder morgen kommen. Heute oder morgen wird auch häufig für eine unbestimmte künftige Zeit gebraucht. Wenn ich heute oder morgen sterben sollte. Lieber heut als morgen,

[Bd. 3, Sp. 285]


je eher je lieber. Er ist so vergafft in sie, daß er sie lieber heute als morgen nähme, Less. Übermorgen, an dem zweyten folgenden Tage. Ingleichen mit einigen Vorwörtern. Ich bin auf morgen schon versprochen. Von morgen an. S. auch Mórgend.
   Anm. Im Tatian lautet dieses Nebenwort morgan, morgana, in den gemeinen Oberd. Mundarten zusammen gezogen morn, im Nieders. morgen, im Angels. to morgen, im Engl. to morrow, im Irländ. marach, mit welchem, wenn man die Versetzung der Buchstaben annimmt, das Hebr. 05de05d705e8, morgen, überein kommt. Daß dieses Nebenwort aus dem folgenden Hauptworte entstanden sey, und eigentlich die Zeit um den Anbruch des nächst folgenden Tages bedeute, erhellet aus dem Ottfried, der in Morgen und zi Morgane noch für den folgenden Tag, postridie, gebraucht. Auf ähnliche Art ist das Franz. demain aus mane gebildet. Übrigens kann dieses Nebenwort nur alsdann gebraucht werden, wenn der nächst folgende Tag dem Redenden noch wirklich bevor stehet, nicht aber in dem Laufe der Erzählung von dem folgenden Tage überhaupt. S. das folgende.
 
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1. Der Morgen, des -s, plur. ut nom. sing. die Zeit zwischen Nacht und dem vollen Tage, die Zeit um den Aufgang der Sonne und bald hernach. 1. Eigentlich. Es wird Morgen. Der Morgen bricht an. Es gehet gegen den Morgen. Ich habe ihn diesen Morgen gesprochen. Es war ein schöner Morgen. Gegen Morgen fing es an zu donnern. Guten Morgen, der gewöhnliche Morgengruß. Daher, jemanden einen guten Morgen sagen oder biethen, ihn mit diesen Worten am Morgen grüßen. Bis an den hellen Morgen schlafen. Alle Morgen. Heute Morgen, diesen Morgen. Des Morgens, am Morgen, zur Morgenzeit. Am Morgen, oder des Morgens ausgehen. Früh Morgens, des Morgens in aller Frühe, in den Monseeischen Glossen vruo in Moragen, vruo in Morgan, bey dem Stryker, des Morges vil fru. Von früh Morgens an arbeiten. Gestern Morgen, ehegestern Morgen. Vom Morgen bis an den Abend. Bey frühem Morgen kam der arme Amyntas aus dem dichten Hain, Geßn.
   Noch eh der Morgen graut, gehst du wohin du willst,
   Zach. Zuweilen begreift man unter dem Worte Morgen auch den ganzen Vormittag. S. auch Morgens. 2. Figürlich. 1) Die Zeit der Jugend bis zum männlichen Alter, in der dichterischen Schreibart.
   Mein Morgen ist vorbey, der Frühling meiner Tage,
   Canitz.
   Heil uns, daß unser Morgen in die Tage
   Des einzigen Monarchen fiel!
   Raml. 2) Die Gegend am Himmel, wo die Sonne aufzugehen scheinet, und im schärfsten astronomischen Verstande, der Punct am Himmel, wo sie in den Äquator tritt, welcher von dem Meridian 90 Grad entfernet ist, und der wahre Morgen genannt wird, zum Unterschiede von dem scheinbaren, ohne Plural; Osten. Gegen Morgen wohnen, reisen. Der Wind kommt von Morgen, aus Morgen. Es wird in diesem Verstande am gewöhnlichsten ohne Artikel gebraucht. Notker gebraucht dafür Vfruns, d. i. der Aufgang.
   Anm. Bey dem Ulphilas Maurgin, bey dem Kero Morkan, bey dem Ottfried und im Tatian Morgan, in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten zusammen gezogen Morn, im Nieders. und Dän. gleichfalls Morgen, im Angels. Morgen, Marn, im Engl. Morning, Morn, im Schwed. Morgon, im Isländ. Morgun. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieser Theil der Zeit von dem Anbruche und Wachsthum des Tages und des Lichtes seinen Nahmen habe, so wie der Abend von dem Abnehmen desselben benannt worden.

[Bd. 3, Sp. 286]


Morgen würde alsdann zu dem Geschlechte des Wortes mehren, bey dem Ottfried merran, wachsen, gehören, so wie sich das Lat. cras zu crescere, und mane, zu man, mon, hell, leuchtend, (S. Adelung Mond, Amn.) rechnen lässet.
 
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2. Der Morgen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Feldmaß, welches nicht überall gleich ist, aber doch ungefähr so viel Feld oder Acker bedeutet, als ein Mann mit Einem Gespanne den Tag über bearbeiten kann, daher dieser Raum in einigen Gegenden auch ein Tagewerk, Juchart, Mannwerk und Mannsmaht genannt wird. In Nürnberg hält ein Morgen, wornach daselbst Felder und Waldungen vermessen werden, 200 Quadrat-Ruthen oder etwas mehr als 2 Acker; ein Tagewerk, wornach daselbst die Wiesen vermessen werden, ist eben so viel. In Bern hält ein Morgen oder Inchart an Äckern und Wiesen 31. 250, an Waldung aber 45. 000 Berner Quadrat-Fuß. Ein Rheinländischer Morgen hält 2 Rheinländische Jucharten oder 600 Rheinländische Quadrat-Ruthen. Im Durlachischen hält ein Morgen, Acker oder Juchart 116 Quadrat-Ruthen, jede zu 16 Schuh. In den Chursächsischen Landen gehen 150 Quadrat-Ruthen, jede zu 15 Schuh 2 Zoll Leipziger Maß, auf einen Morgen; in der Mark Brandenburg 400 Quadrat-Ruthen auf einen großen, 180 aber auf einen kleinen Morgen; im Hannöverischen 120 Quadrat-Ruthen; im Bremischen 6 Hund oder gleichfalls 120 Quadrat-Ruthen; im Erfurtischen 168 Quadrat-Ruthen; in Hamburg 600 Quadrat-Ruthen oder 20 Scheffel Aussaat; und in und um Danzig 300 Quadrat-Ruthen. S. auch Juchart, Tagewerk, Mannwerk u. s. f.
   Anm. Es scheinet, daß mit dieser Benennung zunächst auf die Zeit gesehen werde, in welcher ein solches Stück Feldes bearbeitet werden kann; Morgen mag nun hier figürlich den ganzen Tag bedeutet, oder es mag auch ein Morgen ursprünglich nur so viel Acker gewesen seyn, als jemand in Einem Morgen, d. i. in einem Vormittage, bearbeiten kann. Indessen stehet es dahin, ob sich nicht einmahl eine Spur finden sollte, woraus zu schließen wäre, daß dieses Wort von Mark oder einem andern wahrscheinlichern Stamme herkäme. S. 3. Mark 2. 1).
 
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Die Morgenandacht, plur. die -en. 1) Ohne Plural, eine Andacht oder Übung der Religion, welche man am Morgen verrichtet. In engerer Bedeutung, das Morgengebeth. Seine Morgenandacht halten. 2) Eine Gebethsformel, oder gottselige Betrachtung zur Erbauung am Morgen.
 
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Der Mórgenbesūch, des -es, plur. die -e, ein Besuch, welcher des Morgens abgestattet wird.
 
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Das Morgenbrot, des -es, plur. inus. wenige und mäßige Speise, welche man des Morgens zu sich nimmt; das Frühstück, im Oberd. das Imbiß, S. dieses Wort.
 
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Morgend, das Beywort von dem Nebenworte morgen, was morgen, d. i. den nächst folgenden Tag, in Absicht des Redenden, ist oder geschiehet. Der morgende Tag. Rühme dich nicht des morgenden Tages, Sprichw. 27, 1. Er hat noch einige Kleinigkeiten wegen unserer morgenden Abreise zu besorgen, Gell. Mit der morgenden Post, ebend. Morgendes Tages, (nicht morgen des Tages,) morgen, im gemeinen Leben. Man muß dieses Beywort mit morgendlich und morgig nicht verwechseln.
   Anm. So sehr auch dieses Wort das Ansehen eines Mittelwortes hat, so ist es doch nur das Nebenwort morgen mit dem d euphonico am Ende, welches es in der adjectivischen Form annimmt, und welches dem n auch in andern Wörtern so gern nachschleicht. Im Theuerdanke lautet dieses Beywort nur morgen, der morgen Tag. Eben daselbst kommt es auch mit der Ableitungssylbe -ig vor, der morgenig Tag. In den gemeinen Oberdeutschen Mundarten ist statt dessen nur morgig, mornig üblich, der morgige Tag.

[Bd. 3, Sp. 287]


 

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