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Mórdio bis Morgen (Bd. 3, Sp. 284)
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Artikelverweis  Mórdio, ein Zwischenwort, welches das Mordgeschrey ausdrückt, aber nur noch im gemeinen Leben üblich ist, wo es gemeiniglich mit Zeter verbunden wird. Zeter Mordio schreyen, sehr heftig. Es ist, wie man glaubt, von Mord und der alten Interjection Jo, welche auch in Jodure vorkommt, zusammen gesetzt, und war ehedem die Formel, der Ruf, womit man einen unternommenen oder begangenen Mord verkündigte.
 
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Der Mordkêller, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Mordgrube.
 
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* Das Mordkind, des -es, plur. die -er, ein Mörder; ein ungewöhnlich gewordener Ausdruck, der noch 2 Kön. 6, 31, 32 vorkomm.
 
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Mördlich, -er, -ste, adj. et adv. welches in der anständigen Sprechart für mörderisch üblich ist, einem Morde gleich oder ähnlich, in demselben gegründet. Ein jeder habe ein mördlich Waffen in seiner Hand, Ezech. 9, 1, wo es in weiterer jetzt ungewöhnlicher Bedeutung für tödtlich stehet.
   Sie greifen Wittwen mördlich an,
   Opitz Ps. 94. Mördliche Anschläge hegen. Jemanden mördlich anfallen.
 
Artikelverweis Das
Mordmêsser, des -s, plur. ut nom. sing. ein Messer, womit ein Mord begangen worden, oder begangen werden soll.
 
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Die Mordnacht, plur. die -nächte, eine Nacht, worin ein ein- oder mehrfacher Mord begangen worden, welche zu Begehung eines Mordes bestimmt ist.
 
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Die Mordthat, plur. die -en, ein Mord. Eine Mordthat begehen, im Sinne haben. Die Mordthat vollführen. Besonders, wenn Mord im Plural stehen sollte. Vieler Mordthaten schuldig seyn. Im Oberdeutschen ein Mordstück. Gemeiniglich erkläret man das Mortaudo, Morttudo und Mortaudus in dem alten Alemannischen Gesetze durch Mordthat; wenigstens hat es den ganzen Sinn dieses Wortes. Aber Mordum totum in dem Sächsischen Gesetze, ist wohl etwas andres dem Worte nach, obgleich nicht der Bedeutung.
 
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Der Mordwêg, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, ein böser, unwegsamer Weg, auf welchem man Hals und Beine brechen möchte.
 
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Die Morêlle, oder Morille, S. Adelung Amarelle.
 
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Der Morfling, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, z. B. im Churkreise, ein Karpfen, welcher weder Milch noch Eyer hat; auch der Leiner.
 
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Morgen, ein Nebenwort, welches aus dem folgenden Hauptworte entstanden ist, den nächst folgenden, morgenden Tag zu bezeichnen; zum Unterschiede von heute und gestern. Morgen will ich kommen. Wenn ich morgen noch lebe. Hebe es bis morgen auf. Morgen ist es Freytag. Morgen früh, morgen in der Frühe, im Hannöv. moren morgen, Engl. to morrow morning, gleichsam morgen-Morgen. Morgen Mittag, morgen Nachmittag, morgen Abend. Morgen des Tages sollst du fort, im gemeinen Leben; eigentlich morgendes Tages. Er mag nun heute oder morgen kommen. Heute oder morgen wird auch häufig für eine unbestimmte künftige Zeit gebraucht. Wenn ich heute oder morgen sterben sollte. Lieber heut als morgen,

[Bd. 3, Sp. 285]


je eher je lieber. Er ist so vergafft in sie, daß er sie lieber heute als morgen nähme, Less. Übermorgen, an dem zweyten folgenden Tage. Ingleichen mit einigen Vorwörtern. Ich bin auf morgen schon versprochen. Von morgen an. S. auch Mórgend.
   Anm. Im Tatian lautet dieses Nebenwort morgan, morgana, in den gemeinen Oberd. Mundarten zusammen gezogen morn, im Nieders. morgen, im Angels. to morgen, im Engl. to morrow, im Irländ. marach, mit welchem, wenn man die Versetzung der Buchstaben annimmt, das Hebr. 05de05d705e8, morgen, überein kommt. Daß dieses Nebenwort aus dem folgenden Hauptworte entstanden sey, und eigentlich die Zeit um den Anbruch des nächst folgenden Tages bedeute, erhellet aus dem Ottfried, der in Morgen und zi Morgane noch für den folgenden Tag, postridie, gebraucht. Auf ähnliche Art ist das Franz. demain aus mane gebildet. Übrigens kann dieses Nebenwort nur alsdann gebraucht werden, wenn der nächst folgende Tag dem Redenden noch wirklich bevor stehet, nicht aber in dem Laufe der Erzählung von dem folgenden Tage überhaupt. S. das folgende.

 

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