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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mondvogel bis Moorbêêre (Bd. 3, Sp. 274 bis 276)
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Artikelverweis Der Mondvogel, des -s, plur. die -vögel, bey den neuern Schriftstellern des Insectenreiches, eine Art Nachtvögel; Phalaena bombyx bucephala L. welche andere den Waffenträger nennen.
 
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Der Mondzirkel, oder Mondszirkel, des -s, plur. ut nom. sing. in der Chronologie, derjenige Zeitlauf, oder diejenige Zahl der Jahre, in welcher die Neu- und Vollmonde wieder auf einen und eben denselben Tag des Julianischen Kalenders fallen; Cyclus lunae. Er begreift eine Zeit von 19 Jahren.
 
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* Mönig, -er, -ste, adj. et adv. welches in den gemeinen Sprecharten für mondäugig und mondblind üblich ist, und nur von den Pferden gebraucht wird. Es stammet vermittelst der Ableitungssylbe -ig von dem alten Mōn her, und bedeutete, so wie mondisch, ehedem auch mondsüchtig.
 
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Das Monkalb, des -es, plur. die -kälber, ein fleischiges Gewächs, welches sich zuweilen in der Bärmutter des weiblichen Geschlechtes erzeuget; Lat. Mola. Die Benennung ist ein wenig dunkel. Die letzte Hälfte Kalb bedeutet hier ohne Zweifel eine jede Geburt, ein jedes Junges, (S. Adelung Kalb,) welches durch die Niedersächsische Benennung eines Monkalbes, welche Manenkind lautet, bestätiget wird; wenn nicht der Hochdeutsche Ausdruck

[Bd. 3, Sp. 275]


zunächst von solchen Gewächsen in der Bärmutter der Kühe entlehnet ist. Die erste Hälfte ist allem Ansehen nach das alte mein, man, falsch, unecht, S. Meineid, Mangel und 2. Mönch; so daß der ganze Ausdruck eine falsche unechte Geburt, ein unechtes Kind, ein Afterkind, welches die ältern Oberdeutschen Ausdrücke Aberkalb, Alberkalb, Eberkalb, von after, aber, falsch, unecht, bestätigen. Frisch führet aus den Breslauischen Sammlungen auch den Nahmen Eggekalb an. Um dieses mon, mein willen wird dieses Wort richter Monkalb als Mondkalb geschrieben.
 
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Die Monstránz, plur. die -en, in der Römischen Kirche, das zierliche Gehäuse, in welchem die consecrirte Hostie aufbehalten und gezeiget wird; aus dem mittlern Lat. Monstrantia, welches ehedem auch ein Reliquien-Kästchen bedeutete.
 
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Der Montag, des -es, plur. die -e, der zweyte Tag in der Woche, Dies lunae, weil er bey den ältesten abgöttischen Völkern dem Monde gewidmet war; obgleich Eccard glaubt, daß er bey den Deutschen seinen Nahmen von ihrem alten Manno habe. Der blaue Montag war ehedem, dem Frisch zu Folge, der Montag vor dem Anfange in der Fasten, an welchem noch jetzt in einigen Oberdeutschen Gegenden alles in der Kirche blau ausgezieret wird. Weil dieser Tag gemeiniglich mit Üppigkeit und Völlerey zugebracht wird, daher er auch der Freßmontag heißt, so wird noch jetzt an den Orten, wo die Handwerker jeden Montag Feyertag haben, jeder Montag, und in weiterer Bedeutung jeder müßige Tag, ein blauer Montag genannt, welcher sonst auch ein guter Montag, Dän. Frimandag, heißt. Der verlorne Montag, in einigen Gegenden, der Montag nach dem Feste der Erscheinung Christi.
   Anm. Bey dem Notker Manetag, im Nieders. Maandag, Holländ. Maandag, Angels. Monandaeg, Engl. Monday, Dän. Mandag. Es erhält das Andenken der alten noch in den gemeinen Sprecharten üblichen Form des Wortes Mond, da es ohne d Mon, Maan lautete, und sollte daher nach der heutigen Hochdeutschen Form billig Mondtag heißen.
 
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Die Montūr, plur. die -en. 1) Diejenige Art der Kleidung, welche geringern Bedienten von ihrem Herren gegeben wird, um sie dadurch von andern zu unterscheiden. In welcher weitern Bedeutung auch die Livree zuweilen die Montur, und im gemeinen Leben die Montirung genannt wird. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Montur die Kleidung der gemeinen Soldaten, welche ihnen von ihrem Herren gegeben wird, sie so wohl unter sich, als von den Soldaten eines andern Herren zu unterscheiden, im gemeinen Leben gleichfalls die Montirung; dagegen die einförmige Kleidung der Officiers mit einem anständigern, aber auch aus dem Französischen erborgten Ausdrucke die Uniforme genannt wird. In beyden Fällen wird es so wohl collective, als auch von einzelnen solchen Kleidungen gebraucht. Daher das Zeitwort montiren, mit der Montur versehen, und die Zusammensetzungen, das Montirungsstück, ein zur Montúr gehöriges Kleidungsstück, die Montirungs-Kammer der Hauptleute zur Verwahrung der Montirungsstücke u. s. f. 2) Bey den Perrückenmachern ist die Montur, Franz. Monture, die Haube von Band, Netz oder Zeug, auf welche die Tressen der Perrücke genähet werden. Daher das Zeitwort monturen, Franz. monter, die Montur verfertigen, das Montur-Band oder Montirungs-Band, dasjenige Band, womit die Montur der Perrücken eingefasset ist, der Montirungs-Kopf, ein hölzerner geschnitzter Kopf, auf welchen die Montur genähet wird u. s. f.
   Anm. Es ist in beyden Fällen aus dem Franz. Monture entlehnet, welches von einer jeden Ausrüstung oder Ausstaffierung einer Person oder Sache in dem weitesten Umfange gebraucht wird,

[Bd. 3, Sp. 276]


so wie das Zeitwort monter, Ital. montare, sie ausrüsten, ausstaffieren, zurichten, bedeutet. In der ersten Bedeutung wird es im gemeinen Leben gemeiniglich mit einem weichen d geschrieben und gesprochen, Mondur, Mondiren, welches aber eben so unrichtig ist, als wenn man statt des o in der ersten Sylbe ein u hören lässet, Mundur, mundiren. Stosch hat sich viele weitläufige aber fruchtlose Mühe gegeben, es von dem alten Mund, Schutz, abzuleiten. Die Abstammung aus dem Französischen, aus welcher Sprache mehrere Wörter bey dem Kriegsstaate entlehnet worden, ist unläugbar, obgleich Monture in der Bedeutung der Soldatenkleidung bey dieser Nation veraltet ist. Im Franz. ist monter le canon, das Geschütz auf die Laveten bringen, monter une Galere, eine Galeere ausrüsten, und im Ital. montar un Soldato, ihn ausstaffieren, ihn nicht nur kleiden, sondern auch ihn bewaffnen und beritten machen.
 
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Das Moor, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden die Möre, ein sumpfiges, morastiges Land, von einem schwarzen Boden, dergleichen dasjenige ist, woraus Torf gegraben wird. Ein wildes Moor, ein unzugängliches Moor von großem Umfange. Hochmoor, in Niedersachsen, ein hochgelegenes Moor, dessen Oberfläche nichts als Heide oder geringes Strauchwerk träget, zum Unterschiede von einem Leegmoore, d. i. niedrigen Moore.
   Anm. Im Oberd. Mur, Gemor, Gemörig, im Nieders. Moor, ehedem Moorine, im Angels. Mere, im Isländ. Myra, im Engl. Mere, Moor, im mittlern Lat. Morus, Mora, im Schwed. Mor. Es ist mit Morast, Marsch, Moder und andern ähnlichen Wörtern Eines Geschlechtes, und druckt entweder die dunkle Beschaffenheit des Bodens aus, so daß es zunächst zu 2. Mohr gehören würde; oder es bezeichnet zunächst die weiche, sumpfige, feuchte Beschaffenheit, da denn Meer und mürbe, Nieders. mör, den nächsten Anspruch auf dessen Verwandtschaft machen können. Da das doppelte oo den langen Gebrauch für sich hat, auch in den Mundarten gegründet ist, so behält man es billig bey, zumahl da es nebenbey mit zum Unterschiede von Mohr dienen kann. Ein anderes gleich klingendes Wort, welches aber von einem andern Stamme ist, ist das Elsassische und Schweizerische die Mohr, eine Sau.
 
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Der Mooraal, des -es, plur. die -e, ein Aal aus moorigem oder sumpfigen Wasser, welcher gemeiniglich brauner von Farbe ist, als der Flußaal.
 
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Die Mooränte, plur. die -n, eine kleine bunte Art wilder Änten, mit gelben Füßen und einem gelben ausgezackten Schnabel, welcher wie eine Schwalbe über dem Wasser fliegt, und die Fliegen wegfängt; Anas muscaria L. Fliegenänte, Mackänte, Mückänte, Langkragen. Vermuthlich weil sie sich gern in moorigen, sumpfigen Gegenden aufhält.
 
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Die Moorbêêre, plur. die -n. 1) S. Adelung Heidelbeere. 2) In einigen Gegenden wird auch die Mehl- oder Preußelsbeere, Arbutus uva vrsi L. Moorbeere genannt; von dem Nieders. mör, mürbe.

 

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