Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
2. Der Mönch bis Mönchskopf (Bd. 3, Sp. 268 bis 270)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  2. Der Mönch, des -es, plur. die -e, ein gleichfalls nur in einigen Gegenden übliches Wort, ein geschnittenes Thier, besonders aber ein geschnittenes Pferd, einen Wallach zu bezeichnen, in welchen Gegenden denn auch das Zeitwort mönchen oder münchen für castriren, verschneiden, Ital. monacare, üblich ist.
   Anm. Auch dieses Wort ist bisher als eine Figur des folgenden angesehen worden, und zwar auf eine so gezwungene und seltsame Art, als das vorige. Es gehöret ohne Zweifel zu dem noch im Niederdeutschen üblichen mank, mangelhaft, gebrechlich, Latein. mancus, und unserm Hochdeutschen Mangel, und mit denselben zu dem veralteten mein, falsch, mangelhaft, min, klein, wenig, in minder, dem Latein. Mendum und andern dieses Geschlechtes, oder vielleicht noch näher zu mähen, schneiden, von welchem Worte auch Meids, und mit Verstärkung des Hauchlautes auch Maget, ehedem einen Castraten bedeuteten, von welchem sich unser Mönch nur durch den Mangel der Ableitungssylbe und Einschiebung des Nasenlautes unterscheidet. S. Adelung Mähen. Auf diese Art müssen auch manche eigenthümliche Nahmen der Örter, welche sich mit Mönch oder Münch anfangen, erkläret werden, wenigstens solche, von welchen erweislich ist, daß sie nie Klöster gehabt, oder Klöstern zuständig gewesen. Das Zeitwort manken, minken, kommt in den mittlern Zeiten für verstümmeln, vermindern u. s. f. mehrmahls vor. Aus diesem Grunde führen einige Gegenden der Insel Rügen den Nahmen Mönchgut, Nieders. Mönkgodt, nicht weil sie Mönchen zugehöret, sondern weil sie in einer heftigen Überschwemmung von dem festen Lande abgerissen worden. Siehe Mönchsbogen, Mondmilch und Monkalb.
 
Artikelverweis 
3. Der Mönch, des -es, (Oberd. des -en,) plur. die -e, eine gottesdienstliche Person männlichen Geschlechtes, welche sich nach dem Lehrbegriffe verschiedener Religionen in Verbindung und Gemeinschaft mit andern dem ehelosen Stande widmet. 1. Eigentlich, wo überhaupt, besonders in der Römischen und Griechischen Kirche, alle auf solche Art in Gemeinschaft lebende ehelose Personen, welche sich über dieß gemeiniglich noch zu dem Gelübde der Armuth und des Gehorsams gegen ihre Obern verbinden müssen, Mönche genannt werden; ein Ordensgeistlicher, Ordensmann. Im engsten Verstande werden theils die so genannten Brüder oder

[Bd. 3, Sp. 269]


Klosterbrüder, welche die niedrigen häuslichen Geschäfte in den Klöstern verrichten, theils auch die Weltgeistlichen oder Canonici regulares, wenn sie gleich in Gemeinschaft leben, und das Gelübde der Keuschkeit auf sich haben, von dem Nahmen der Mönche ausgeschlossen. Eine solche Person weiblichen Geschlechtes führet den Nahmen einer Nonne. 2. Figürlich, werden im gemeinen Leben verschiedene Arten von Thieren, welche einen einer Mönchsplatte ähnlichen Scheitel von anderer Farbe haben, Mönche genannt. Dergleichen sind, 1) der Kuttengeyer oder Geyerkönig, Vultur Monachus Kein. wegen seines kahlen, einer geschornen Glatze ähnlichen Fleckes auf dem Kopfe. 2) Eine Art Grasmücken, welche Klein zu den Brustwenzeln rechnet, und wovon die eine Art eine schwarze, die andere aber eine röthliche Platte auf dem Kopfe hat. Die erste Art wird auch Grasspatz, Schwarzkopf und Mohrenkopf genannt; Sylvia atricapilla Klein. Motacilla atricapilla L. Die zweyte Art mit der röthlichen Platte ist auch unter dem Nahmen des Cardinals oder Cardinälchens bekannt; Motacilla rubricapilla L. 3) Eine Art Meisen mit einem schwarzen Kopfe, weißen Schläfen und grauem Rücken; Parus fuscus palustris, atricapillus Klein. Parus palustris L. Sie wird auch Mönchmeise, Meisenkönig, Aschmeise, Graumeise, Mohrmeise, Kothmeise u. s. f. genannt; S. Adelung Aschmeise. 4) Eine Art Hayfische, welche die Größe eines Menschen erreicht und auch Meerengel, ingleichen Engelfisch genannt wird; Squalus Squatina L. S. Engelfisch. 5) An einigen Orten führet der Hohlkreisel diesen Nahmen, S. dieses Wort.
   Anm. In der ersten eigentlichen Bedeutung bey dem Kero Municho, bey dem Notker Municha, in den gemeinen Oberdeutschen Mundarten noch jetzt Münch, im Niederdeutschen Monnik, Monnk, Munk, im Engl. Monk, im Dän. Munk, im Angels. Munuc, im Wallis. Mynach, im Schwed. Munk, im Isländ. Munkur, im Span. Monge; alle aus dem Griech. und Latein. Monachus, von μονος, allein, indem in den ersten Zeiten der christlichen Kirche nur allein die Einsiedler den Nahmen der Mönche führeten, welcher hernach auf alle Ordensgeistliche und in den mittlern Zeiten auch wohl auf die Canonicos und in Gemeinschaft lebenden Weltgeistlichen ausgedehnet wurde. Das Griech. μονος, aus welchem dieses Wort zusammen gesetzet ist, ist mit dem Nieders. man, Holländ. men, nur und unserm min, in minder, genau verwandt.
 
Artikelverweis 
Mönchen, verb. reg. act. castriren, verschneiden, S. 2. Mönch.
 
Artikelverweis 
Die Möncherey, plur. inus. das Mönchsleben, im verächtlichen Verstande.
 
Artikelverweis 
Mönchisch, adj. et adv. einem Mönche ähnlich, in dem Mönchsstande und dessen Denkungsart gegründet.
 
Artikelverweis 
Die Mönchmeise, plur. die -n, eine Art Meisen, siehe 3. Mönch 2. 3).
 
Artikelverweis 
Der Mönchsbogen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Buchdruckern, fehlerhaft, abgedruckte Bogen, wenn eine oder mehrere Columnen mit dem Ballen nicht getroffen worden. Wohl nicht von Mönch, Monachus, sondern ohne Zweifel von dem noch im Niedersächsischen üblichen mank, fehlerhaft, mangelhaft, Lat. mancus, S. 2. Mönch und das folgende.
 
Artikelverweis 
Der Mönchschlag, des -es, plur. die -schläge, eben daselbst, ein mißrathener Schlag mit dem Ballen, d. i. wenn die Farbe aus Versehen nicht überall gleich stark mit dem Ballen aufgetragen worden; mit dem vorigen Worte aus Einer Quelle.
 
Artikelverweis 
Die Mönchskappe, plur. die -n, die hinten mit einer Kappe versehene Tracht der Mönche; die Kutte, die Mönchskutte, in der anständigern Sprechart das Ordenskleid.

[Bd. 3, Sp. 270]



 
Artikelverweis 
Das Mnchsklōster, des -s, plur. die -kloster, ein Kloster für Mönche, ein Mannskloster; zum Unterschiede von einem Nonnenkloster.
 
Artikelverweis 
Der Mönchskopf, des -es, plur. die -köpfe. 1) Nach dem Frisch aus dem Frischlin, eine Münze, welche drey Batzen gilt; vermuthlich wegen eines darauf geprägten bischöflichen Brustbildes. 2) Eine Art des Löwenzahnes, welcher auf den Europäischen Wiesen wächset, und dessen Blumen einige Ähnlichkeit mit dem Kopfe eines Mönches haben; Leontodon Taraxacum L. Butterblume, Dotterblume, Schmalzblume, Pfaffenplatte, Mönchsplatte.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: