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Monathsgêld bis 2. Der Mönch (Bd. 3, Sp. 266 bis 268)
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Artikelverweis Das Monathsgêld, des -es, plur. die -er, Geld, welches monathlich bezahlet wird, besonders Gold, welcher alle Monathe entrichtet wird; der Monathssold.
 
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Der Mōnathsradīeß, des -es, plur. die -e, eine Art Radieße, welche den ganzen Sommer hindurch alle Monathe gesäet werden können.

[Bd. 3, Sp. 267]



 
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Der Monathsrêttig, des -es, plur. die -e, eine Art kleiner weißer runder Rettige, welche gleichfalls den ganzen Sommer hindurch gesäet werden können, und auch Raphanellen heißen.
 
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Der Monathsring, des -es, plur. die -e, siehe Monathsstein.
 
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Die Monathsrose, plur. die -n, eine Art Rosen, welche den ganzen Sommer hindurch bis in den Herbst blühen. Ihre Blumen, welche so groß wie die Centifolien sind, riechen wie die Moschrosen, stehen doldenweise bey einander und sehen mehr blaß als roth aus.
 
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Der Monathsstein, des -es, plur. die -e, ein Edelstein, in welchen das Zeichen des Monathes, worin man geboren worden, gegraben ist, und welchen man in einen Ring gefasset, aus einem gewissen Aberglauben noch an einigen Orten am Finger zu tragen pflegt. Ein solcher Ring wird alsdann ein Monathsring genannt.
 
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Der Monathstag, des -es, plur. die -e, der Tag in einem bürgerlichen Monathe der Zahl und Ordnung nach.
 
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Die Monathstaube, plur. die -n, eine Benennung der gemeinen Feld- oder Flugtauben, weil sie mehrere Monathe hinter einander Junge brüten. Von einer andern Art, welche auch Mondtauben heißen, S. das letztere Wort.
 
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Die Monathsuhr, plur. die -en, eine Uhr, welche nur alle Monathe Ein Mahl aufgezogen werden darf. Zuweilen, obgleich seltener, auch eine Uhr, welche den jedesmahligen Monathstag zeiget.
 
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1. Der Mönch, des -es, plur. die -e, ein Wort, welches nur in verschiedenen Fällen des gemeinen Lebens üblich ist, theils eine Art von Säule, eine verlängerte Spitze, ein hervor ragendes Ding, theils aber auch ein Werkzeug zum Stoßen oder Schlagen zu bezeichnen. So heißt die senkrechte Spindel an einer Wendeltreppe, um welche sich dieselbe drehet, bey einigen der Mönch im Niedersächsischen aber ohne Nasenlaut und mit einer Ableitungssylbe der Mäkeler. Auch diejenige Spindel auf dem Gipfel eines Thurmes oder andern Gebäudes, welche den Kopf träget, wird in einigen Gegenden der Mönch, im Nieders. aber gleichfalls der Mäkeler genannt, welchen letztern Nahmen in Niedersachsen auch diejenige Säule oder Spindel führet, worauf eine Windmühle ruhet. Im Hüttenbaue ist der Mönch, der Stämpel, womit die Kapellen in die Ringe oder Nonnen fest gestoßen werden. An einem Hohlwerke, einer größten Theils veralteten Art die Dächer mit Hohlziegeln zu decken, heißt derjenige Ziegel, welcher mit auswärts gekehrter erhabener Seite auf zwey Hohlziegel geleget wird, der Mönch, dagegen diese Nonnen genannt werden. In dem Teich- und Wasserbaue ist der Mönch oder Wassermönch der in die Höhe gerichtete Spund oder Zapfen in dem Ablasse eines Teiches, welcher auch der Schutzkolben und Schlägel genannt wird, und den Teich zu- oder abzuschützen dienet; daher auch wohl der ganze Ablaß mit der dazu gehörigen Rinne durch den Damm, in deren Öffnung der Kolben passet, der Mönch genannt wird. In Bremen heißt die kleine Pumpe in den Häusern, zum Behufe des durch die Stadt geleiteten Röhrwasser, eine Micke, welches Wort bloß in dem Geschlechte und durch den Mangel des Nasenlautes von Mönch unterschieden ist.
   Anm. Fast alle Wortforscher sehen dieses Wort als eine bloße Figur von dem folgenden dritten Mönch, Monachus, an, in welcher Meinung sie noch dadurch bestärket werden, daß der zu einem Mönche gehörige andere, gemeiniglich hohle Theil, in manchen Fällen den Nahmen einer Nonne führet, S. dieses Wort. Allein dergleichen weit hergehohlte Figuren streiten wider die Analogie nicht nur der Deutschen, sondern aller übrigen Sprachen.

[Bd. 3, Sp. 268]


Die Ähnlichkeit dieses und des folgenden Wortes mit Mönch, Monachus, ist bloß zufällig. Das n vor dem Hauche ist der bloße Nasenlaut, wie unter andern auch aus den oben angeführten gleichbedeutenden Niederdeutschen Wörtern erhellet. Unser Mönch scheinet also, so fern es etwas Erhabenes bedeutet, zu Macht, manch, groß, viel, magnus, michel, μεγας, meh oder mehr, und andern dieses Geschlechtes zu gehören. Im Schwed. ist Manke der erhabene Theil des Halses an den Lastthieren, die Mähne, der Kamm. Indessen scheinet in einigen der angeführten Fälle auch der Begriff des Schlagens und Stoßens mit in Betrachtung zu kommen, da es denn zu unserm Mange und Handgemenge und dem Schweizerischen mangle, streiten, kämpfen, gehören würde. Im Schwed. ist Manga ein Mauerbrecher und Mangel ein Gefecht. Das Holländ. Moker bedeutet einen Schmiedehammer, und im Niedersächsischen heißt der Strauß- oder Kämpfhahn Mönnick. In eben dieser Mundart wird ein Schilderhäuschen Monnik und Monk genannt, welches aber wieder zu einem andern Stamme zu gehören scheinet; vielleicht mit eingeschaltetem Nasenlaute zu Mach, Gemach, Schwed. Mak. Ob das Wort Mönch in der alten Oberdeutschen Redensart, einem den Mönch stechen, d. i. ihm die Faust zeigen, so daß dabey der Daumen stehe, welche mit der R. A. einem die Feigen weisen gleichbeudeutend ist, auch zu einem der vorigen Fälle gehöre wage ich nicht zu entscheiden. Mönch, Monachus, scheint wenigstens keinen Anspruch darauf zu haben.
 
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2. Der Mönch, des -es, plur. die -e, ein gleichfalls nur in einigen Gegenden übliches Wort, ein geschnittenes Thier, besonders aber ein geschnittenes Pferd, einen Wallach zu bezeichnen, in welchen Gegenden denn auch das Zeitwort mönchen oder münchen für castriren, verschneiden, Ital. monacare, üblich ist.
   Anm. Auch dieses Wort ist bisher als eine Figur des folgenden angesehen worden, und zwar auf eine so gezwungene und seltsame Art, als das vorige. Es gehöret ohne Zweifel zu dem noch im Niederdeutschen üblichen mank, mangelhaft, gebrechlich, Latein. mancus, und unserm Hochdeutschen Mangel, und mit denselben zu dem veralteten mein, falsch, mangelhaft, min, klein, wenig, in minder, dem Latein. Mendum und andern dieses Geschlechtes, oder vielleicht noch näher zu mähen, schneiden, von welchem Worte auch Meids, und mit Verstärkung des Hauchlautes auch Maget, ehedem einen Castraten bedeuteten, von welchem sich unser Mönch nur durch den Mangel der Ableitungssylbe und Einschiebung des Nasenlautes unterscheidet. S. Adelung Mähen. Auf diese Art müssen auch manche eigenthümliche Nahmen der Örter, welche sich mit Mönch oder Münch anfangen, erkläret werden, wenigstens solche, von welchen erweislich ist, daß sie nie Klöster gehabt, oder Klöstern zuständig gewesen. Das Zeitwort manken, minken, kommt in den mittlern Zeiten für verstümmeln, vermindern u. s. f. mehrmahls vor. Aus diesem Grunde führen einige Gegenden der Insel Rügen den Nahmen Mönchgut, Nieders. Mönkgodt, nicht weil sie Mönchen zugehöret, sondern weil sie in einer heftigen Überschwemmung von dem festen Lande abgerissen worden. Siehe Mönchsbogen, Mondmilch und Monkalb.

 

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