Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mohrisch bis Molsch (Bd. 3, Sp. 263 bis 264)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Mohrisch, adj. et adv. den Mohren gehörend, ihnen ähnlich; ein Beywort, welches jetzt wenig mehr gebraucht wird. Wenn man unter Mohren nördliche Afrikaner verstehet, so ist dafür jetzt Maurisch üblicher. S. 2. Mohr.

[Bd. 3, Sp. 264]



 
Artikelverweis 
Die Mohrmeise, plur. die -n. 1) In einigen Gegenden, ein Nahme der Mönchmeise, Aschmeise, Kothmeise oder Graumeise, Parus palustris L. Parus atricapillus Klein. welche auch das Mohrvögelchen genannt wird. Vermuthlich wegen ihres schwarzen Kopfes. 2) An andern Orten führet die lang geschwänzte Meise, welche auch Zahlmeise, Schwanzmeise, Pfannenstiel, Rietmeise, Bergmeise und Schneemeise heißt, Parus caudatus Klein. diesen Nahmen.
 
Artikelverweis 
Die Mohrrübe, S. Adelung Möhre.
 
Artikelverweis 
Der Molch, des -es, plur. die -e, eine Benennung einer Art schwarzer Eidechsen mit gelben Flecken, welche zu den Wasser-Eidechsen gehören, und sich in moorigen Teichen und Sümpfen aufhalten. In weiterer Bedeutung wird der ähnlich gefleckte Salamander von einigen gleichfalls Molch genannt.
   Anm. In den Monseeischen Glossen Mol, im Oberdeutschen Moll, Malen, Moldwurm. Frisch muthmaßet mit Recht, daß dieses Thier seinen Nahmen von seinen Flecken habe, von Mahl, ein Flecken, S. 6. Mahl.
 
Artikelverweis 
Die Molde, S. Adelung Mulde.
 
Artikelverweis 
Die Molken, sing. inus. der wässerige Theil der Milch, nachdem der fettere, dichtere Theil davon geschieden worden; das Käsewasser, Milchwasser, in Oberdeutschland die Schotten, Milchschotten, Sirpen, (Serum,) Suffy, Strotten, im Nieders. Waddick, Wattke, Wacke, Schwed. Wassla, Engl. Whay, ohne Zweifel von Wasser, Nieders. Water, Schwed. Wattn; im Dithmarsischen Heu oder Hei. Die Molken-Cur gebrauchen, Molken zur Gesundheit trinken. Im gemeinen Leben einiger Gegenden wird dieses Wort auch in der einfachen Zahl gebraucht, und da ist es in Meißen ungewissen Geschlechtes: ein leichtes Molken wird dem bäuerischen Kinde die beste Mandelmilch, Gell. In Österreich ist es, dem Aichinger zu Folge, männlichen, der Molken, und in der Schweiz weiblichen Geschlechtes, die Molke:
   Hier preßt ein stark Gewicht den schweren Satz der Molke,
   Hall. Anm. Es ist mit Milch, Nieders. Melk, genau verwandt. Noch im Nieders. bedeutet Molken, so wie das Angels. Molcen, nicht so wohl das Käsewasser, als vielmehr die Milch selbst, und alles was von der Milch kommt, und in diesem Verstande scheinet es auch in der Schweiz üblich zu seyn. Die Sibentaler und Saner Käs haben vnder allen Helvetischen Mulcken den Preis, heißt es noch bey dem Stumpf. S. das folgende.
 
Artikelverweis Der
Molkendieb, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben einiger Gegenden, ein Nahme aller Schmetterlinge, weil sie der Milch nachgehen sollen; von Molken, so fern es Milch überhaupt bedeutet. An andern Orten heißen sie Molkenteller, Milchdiebe, Buttervögel, S. Adelung Butterfliege.
 
Artikelverweis 
Das Mólkenfáß, des -sses, plur. die -fässer, in der Landwirthschaft, ein weites hölzernes Gefäß, worüber der Quarkkorb gesetzet wird, damit die Molken aus dem Quarksacke darein ablaufen können.
 
Artikelverweis 
Molkig, -er, -ste, adj. et adv. Molken enthaltend; ingleichen den Molken ähnlich.
 
Artikelverweis 
Molm, Molmig, S. Adelung Mulmu. s. f.
 
Artikelverweis 
Molsch, -er, -este, adj. et adv. ein in einigen Gegenden, besonders Ober- und Niedersachsens, übliches Wort, welches eigentlich weich bedeutet, aber vornehmlich von den Äpfeln, Birnen, Mispeln, und andern Arten des Obstes gebraucht wird, wenn sie in den ersten Grad der Fäulniß übergehen. In einigen Gegenden mulsch. Es ist mit milde, schmelzen, dem Oberdeutschen Schmolle, Brotkrume, unserm morsch, mürbe, und dem Lat. mollis, genau verwandt. In Baiern wird molled von allen

[Bd. 3, Sp. 265]


weichen Dingen gebraucht; mollede Hände. Das Schwed. mjäll, das Engl. mellow, und Griech. μαλος, bedeuten gleichfalls weich und milde. Noch näher gehöret hierher das Angels. molsnian, faulen, das Holländ. Molsem, Fäulniß, das Schwed. multen, faul, multna, faulen, Engl. to moulder, Niederl. molen, und das mittlere Lat. Mulea, eine weiche Sache.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: