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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mȫglich bis 3. Das Mohr (Bd. 3, Sp. 260 bis 262)
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Artikelverweis  Mȫglich, -er, -ste, adj. et adv. von dem vorigen Zeitworte und zwar von dessen ersten, weitesten Bedeutung, was seyn oder geschehen mag oder kann. 1) In Ansehung der Sache ist im schärfsten philosophischen Verstande ein Ding möglich, im Gegensatze des unmöglich, wenn es keinen Widerspruch in sich enthält, es sey nun wirklich da oder nicht. Ein hölzerner Teller ist ein mögliches Ding, nicht aber ein sterblicher Gott, oder ein ledernes Eisen. In dem gemeinen Sprachgebrauche hingegen gebraucht man es auch in weiterm Verstande, von dem was unter gewissen Umständen seyn oder geschehen kann, und da ist oft eine Sache nicht möglich, wenn sie es gleich absolute oder an und für sich sehr wohl ist. Es ist nicht möglich, daß er eine solche Niederträchtigkeit begehen sollte, d. i. nicht wahrscheinlich, schlechterdings nicht glaublich. Eine mögliche Sache. Wo es denn auch oft zur Begleitung einer Verwunderung gebraucht wird. Ists möglich? Wie ist das möglich? Zuweilen bedeutet es auch so viel wie wirklich, wo es doch nur adverbisch gebraucht wird. Ich will sehen, wie ich es möglich mache. 2) In Ansehung der handelnden Person, oder subjective, so wohl keinen Widerspruch mit den Kräften, den Fähigkeiten derselben enthaltend, als auch in Ansehung der Gelegenheit und äußern Umstände, was neben denselben bestehen kann. Es ist mir nicht möglich. Ich habe deiner Tochter alle mögliche Vorstellungen gethan, Gell. Seinen möglichsten Fleiß anwenden. So viel mir möglich ist. Thue dein Möglichstes, alles was dir möglich ist. Das Wasser möglichst abdämmen. Es wäre mir jetzt nicht möglich, gelassen mit ihm zu sprechen. Ihn zwingt die möglichste Härte des Schicksals zu so niedrigen Dingen. Moralisch möglich, was durch kein Gesetz verbothen ist, keinen Widerspruch gegen ein Gesetz enthält.
   Anm. Nieders. möglich, Dän. muelig. Bey den ältesten Oberdeutschen Schriftstellern sucht man dieses Wort vergebens. Ottfried gebraucht dafür das verwandte megi, Kero aber sanft, und Tatian odi, Angels. ead, eath, welches noch in dem Engl. easy, leicht, möglich, und dem Franz. aise, wie auch in dem Niederdeutschen unnode, vielmehr unode, zusammen gezogen node, ungern, vorhanden ist. Das Nieders. möglich wird auch für mäßig, billig, gebraucht, ein möglicher Schoß, ein mögliches Geld, ein mäßiges, billiges; ingleichen als ein Nebenwort für vielleicht, wie das Franz. peut-être.
 
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Die Mȫglichkeit, plur. die -en, das Hauptwort des vorigen Beywortes. 1) Als ein Abstractum und ohne Plural, die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sie möglich ist, in allen Bedeutungen

[Bd. 3, Sp. 261]


des Beywortes. Es war keine Möglichkeit, daß er ihn hätte einhohlen können,
   Warum er unsre Welt vor tausend andern rief,
   Als alles in der Nacht der Möglichkeit noch schlief,
   Gieseke. Nach meiner Möglichkeit, so viel mir möglich ist, im gemeinen Leben. 2) Als ein Concretum, eine mögliche Sache, doch nur in engerer Bedeutung, eine bloß mögliche Sache, im Gegensatze einer wirklichen. Das Reich der Möglichkeiten, bloß möglicher Dinge.
 
Artikelverweis Der
Mohn, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine Pflanze mit einer gemeiniglich kugelrunden einfächerigen Samenkapsel; Papaver L. Der wilde Mohn, welcher auch Klapperrose, Flitschrose, Kornrose, Feldmohn, Kornmohn u. s. f. genannt wird, Papaver Rhoeas L. wohnt auf den Europäischen Feldern unter dem Getreide und hat eine hochrothe Blume. Der Gartenmohn, welcher auch nur Mohn schlechthin heißt, Papaver somniferum L. liefert in den warmen Ländern das Opium, besonders der weiße gefüllte. Der stachelige Mohn, Argemone L. ist auch unter dem Nahmen des Ackermohnes bekannt, S. dieses Wort.
   Anm. Der Nahme dieser Pflanze lautet im Oberd. Mage, Magen, in den gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes Mahn, schon bey dem Ottfried Mana, im Norweg. Mne, im Böhm. Pohln. und Wend. Mak, welches dem Griech. μκων am nächsten kommt. Die anständige Hochdeutsche Mundart hat beständig Mohn, ungeachtet es nicht an Sprachlehrern fehlet, welche das gemeinere Mahn um der verwandten Sprecharten und vorgegebenen Abstammung willen, vorziehen wollen. Die Abstammung ist ungewiß; vielleicht ist der hohe gerade Wuchs des Blumenstängels der Grund der Benennung, da denn dieses Wort zu magnus, unserm manch, groß, viel, Macht, meh, mehr, 1. Mönch und andern dieses Geschlechtes gehören würde.
 
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Das Mohnhaupt, des -es, plur. die -häupter, die runde Samenkapsel des Mohnes, welche am obern Ende eines langen geraden Stängels stehet, und die Gestalt eines Hauptes hat; bey dem Ottfried Manahaubit, im gemeinen Leben Mohnkopf.
 
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Der Mōhnkūchen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art breiter, dünner, oben mit weißem Mohnsamen bestreueter Kuchen; der Mohnfladen.
 
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Das Mohnöhl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, das aus dem Mohnsamen gepreßte Öhl. Im Oberd. Magöhl.
 
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Der Mohnsaft, des -es, plur. inus. der getrocknete Saft, welcher aus den Mohnhäuptern zur Zeit ihrer Reife fließt, wenn man leichte Einschnitte darein macht, und welcher unter dem Nahmen des Opiums am bekanntesten ist. Eine andere geringere Art des Mohnsaftes, welche in den Apotheken Meconium heißt, wird aus den frischen Mohnköpfen, ihren Stängeln und Blättern gepreßt und an der Luft getrocknet.
 
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Der Mohnsamen, des -s, plur. inus. der Samen des Mohnes, welcher oft auch nur Mohn schlechthin genannt wird; im Oberd. Magsamen.
 
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1. Der Mohr, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein Nahme eines gewissen derben und dichten seidenen Zeuges. Gewässerter, ungewässerter Mohr. Silbermohr. Vermuthlich von dem Franz. moirer, wässern.
 
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2. Der Mohr, des -en, plur. die -en, Fämin. die Mohrinn, ehedem Möhrinn, 1. Eigentlich, ein Einwohner des ehemahligen Mauritaniens, wegen der braunen oder bräunlich gelben Gesichtsfarbe; aus dem Lat. und Griech. Maurus. Nachdem diese aus Afrika in das westliche Europa eingefallen waren und sich daselbst festgesetzet hatten, nannte man erst diese, und hernach in

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den spätern Zeiten nicht nur alle Muhamedaner in dem südlichen Theile Asiens und auf den Küsten und Inseln des Indischen Meeres, sondern auch die braunen Äthiopier wegen dieser ihrer Gesichtsfarbe Mohren. Die letztern kommen unter diesem Nahmen in der Deutschen Bibel mehrmahls vor. Wegen der großen Zweydeutigkeit dieses Wortes hat man in den neuern Zeiten angefangen, die Einwohner des ehemahligen Mauritaniens, oder die gesittetern nördlichen Afrikaner Mauren zu nennen, um sie von den Mohren in der folgenden Bedeutung zu unterscheiden; die Muhamedaner in dem südlichen Asien aber, welche größten Theils Araber von Herkunft sind, nennet man richtiger Muhamedaner, ungeachtet sie in vielen Reisebeschreibungen noch immer den Nahmen der Mohren führen. 2. Ein Mensch von ganz schwarzer Gesichtsfarbe mit krausen wolligen Haaren und dicken aufgeworfenen Lippen, dergleichen die Bewohner des südlichern Afrika, am Senegal, in Neu-Guinea und Congo, die Einwohner Monomotapa, Malakar, Malakka und einigen südlichen Inseln sind; welche auch unter dem Nahmen der Schwarzen oder Negern bekannt sind. Besonders pflegt man einen solchen ganz schwarzen Afrikaner, welchen vornehme Herren zu ihrer Bedienung halten, einen Mohren zu nennen. 3. Figürlich. 1) Eine Art Schmetterlinge, Papilio Antiopa L. 2) Einer Art Menschen von kleiner Statur, mit krausen Haaren und einer schuppigen Haut von blendend weißer Farbe, welche in einigen südlichen Gegenden angetroffen werden, hat man auf eine sehr uneigentliche Art den Nahmen der weißen Mohren gegeben. Die Spanier nennen sie Albino's, die Holländischen Reisebeschreiber aber Kakerlacken, andere Nachtmenschen. Außer ihrer weißen Haut unterscheiden sie sich auch durch den blassen, gelben, grauen oder röthlichen Stern im Auge, dem der schwarze Schleim mangelt, daher sie auch weder das Sonnenlicht noch ein helles Feuer vertragen können. Nach den zuverlässigsten Nachrichten sind sie mehr eine Art kranker und bresthafter Menschen, als eine eigene Menschengattung. 3) Der mineralische Mohr, in der Chymie, ein aus Metallen und Halbmetallen niedergeschlagenes schwarzes Pulver; Aethiops mineralis.
   Anm. Dieses Wort, welches im Nieders. Moor und Moorjan, im Engl. und Dän. gleichfalls Moor lautet, stammet allem Ansehen nach aus dem Latein. Maurus her, welches zunächst einen braunen Mauritanier bedeutet, und das Griech. μαυρος und αμαυρος, dunkel, ist, zu dessen Verwandtschaft auch das Niederdeutsche mörk, dunkel, und Isländ. Myrkur, Finsterniß, und vermuthlich auch das Schwed. Mor, ein dicker Wald, gehören. S. auch Moor.
 
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3. Das Mohr, ein sumpfiges, morastiges Land, S. Adelung Moor.

 

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