Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mögen bis 2. Der Mohr (Bd. 3, Sp. 257 bis 261)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Mögen, verb. irreg. neutr. Präs. ich mag, du magst, er mag, wir mögen u. s. f. Conjunct. ich möge; Imperf. ich mochte, (nicht mogte,) Conjunct. möchte; Mittelw. gemocht, (nicht gemogt;) Imperat. welcher doch nur in der Zusammensetzung mit ver üblich ist, möge. Es erfordert das Hülfswort haben und bedeutet so wohl können, als wollen.
   I. Können. 1. Im weitesten Verstande, so wohl subjective, als objective, Kraft, Macht, Vermögen haben etwas zu thun, möglich seyn, durch keinen Widerspruch, durch keine wesentliche oder zufällige Einschränkung gehindert werden, zu seyn oder zu handeln; bey dem Kero magan, bey dem Ottfried mugun, bey dem Ulphilas magan, im Engl. to may, im Schwed. må, ehedem maga.
   Ich gruisse mit gesange die suissen
   Die ich vermiden niht wil noch enmac,
   Kaiser Heinrich. Das Land mochts nicht ertragen, 1 Mos. 13, 6. Wir mögen es überwältigen, 4 Mos. 13, 31. Wie mag ein Mensch gerechter seyn, wie Gott? Hiob 4, 17. Mag auch ein Blinder dem andern den Weg weisen? Luc. 6, 39. Es mag die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen seyn, Matth. 5, 14. In dieser im Hochdeutschen veralteten Bedeutung ist es noch im Oberdeutschen gangbar. Wie magst du dich allein zu einem Todten wagen? Weiter mögen meine schwankende Knie nicht, Geßn. Aus welcher Mundart es auch noch einige Hochdeutsche Kanzelleyen beybehalten haben. Wir mögen euch hiermit gnädigst nicht verhalten. Es hat ihm solches nicht verdacht werden mögen.
   2. In einigen engern Bedeutungen. 1) Macht, Gewalt haben; in welchem Verstande doch nur das sonst ungewöhnliche Mittelwort mögend noch in den Titeln der Staaten oder Stände der vereinigten Niederländischen Provinzen üblich ist, welche den Titel mögende Herren bekommen, dagegen die Staaten der Provinz Holland großmögende, die General-Staaten aber hochmögende Herren genannt werden. 2) Ursache haben etwas zu thun; in der vertraulichen Sprechart. Du magst dich immer in Acht nehmen. Er hätte es immer thun mögen. 3) Erlaubniß haben etwas zu thun, durch den Willen des andern nicht gehindert werden; doch nur in einigen Fällen, besonders des gesellschaftlichen Lebens. Wie sind sie dazu gekommen, daß ich fragen mag? Besonders mit einigem Unwillen. Er mag es immerhin thun. Mag er doch thun, was er will. Immerhin, mag er sie doch heirathen. Mag er doch den Verdacht haben, Weiße. Mögt ihr doch hier machen, was ihr wollt. Da es denn oft in die mit Unwillen verbundene Überlassung oder Dahingebung in einen gewissen Zustand übergehet. Er mag zusehen, wie er mit ihr zurecht kommt. Du magst nun auch versuchen, wie es thut. 4) Seyn, geschehen, oder erfolgen können, von einer möglichen aber doch ungewissen Sache. Ich mag thun was ich will, so ist es nicht recht. Du magst von mir verlangen, was du willst. Alles was du wünschen magst. Ja, ja, sie mag ein ganz gutes Gemüth haben. Wie mag das zugehen? Was mag doch diese Zubereitung bedeuten? Worin auch unsere Pflichten bestehen mögen. Wo mag er so lange bleiben? Was mag es wohl kosten? Ich weiß nicht, was es kosten mag. Wem mögen sie zu Leibe wollen? So aufrichtig auch unser

[Bd. 3, Sp. 258]


Herz seyn mag, so wird es doch ohne Geschmack und Sitten wenig Anmuth in die Freundschaft bringen, Sonnenf. Wie mag es mit dem Kranken stehen? 5) Besonders, mit dem Nebenbegriffe der Gleichgültigkeit, von Seiten des Redenden. Es mag seyn. Mag doch unser Vermögen an lachende Erben kommen. Es mag dabey bleiben. Sie mögen beyde kommen. Du magst lachen oder weinen. Es mag seyn, wie es will. Die Leute mögen sagen, was sie wollen, er ist doch unschuldig. Du magst mir den Tod drohen, so oft du willst. Mein Vater mag sagen was er will. Es mag kommen, zu was es will.
   Man mag gleich stumm und fühllos seyn,
   Man sey nur schön, so nimmt man ein,
   Gell. d. i. wenn man gleich stumm und fühllos ist. Ich mag kommen, wenn ich will, so hat sie ihre Andacht, ebend. Sie mögen euch nun auch noch so sehr hassen, so werde ich mich doch nie beklagen, ebend. Er hat die Sache angefangen, so hätte er sie auch zu Stande bringen mögen, ebend. 6) Oft bezeichnet es nicht so wohl eine entfernte, als vielmehr eine nahe Möglichkeit, eine mögliche Sache, welche unter gewissen Umständen leicht wirklich werden kann, oder werden können; da es denn im Conjunctivo stehet. Ich fürchte, er möchte kommen. Kommen sie, der Thee möchte kalt werden. Man möchte vor Ärgerniß des Todes seyn, Gell. Er möchte sonst gar nein sagen. Ich möchte mich zu Tode lachen. Ich hätte blutige Thränen weinen mögen. Wir hätten uns mögen bucklich lachen. Sie hätten für (vor) Furcht vergehen mögen, Weish. 17, 9. Denen, welche einen falschen Schluß daraus ziehen möchten, dienet zur Nachricht u. s. f. Still, man möchte dich hören. 7) Eben so oft wird es aber auch gebraucht, eine Vermuthung, eine wahrscheinliche Möglichkeit anzudeuten. Er mochte etwa zwanzig Jahre alt seyn. Im Grunde mag sie ihn wohl leiden können, Weiße. Sie mögen ihr sehr gefallen, und sie mag es doch verbergen wollen, Gell. Er möchte nun wohl nicht mehr kommen. Wie ich glaube, so mag es mit ihrer großen Frömmigkeit eben nicht so richtig seyn, Gell. Wie ich merke, so mag ihr diese Tugend sehr natürlich seyn, ebend. Sie mag ein gut Gemüth haben, ebend. Nun, nun, sie mag artig genug seyn, Weiße. Ich möchte dieses Weges so bald nicht wieder kommen, Less. Er mag so wenig Laurens Vetter seyn, als diese eine Witwe ist.
   Ein Esel mochte lüstern seyn,
   Und wollt auf öffentlichen Gassen
   Sein lieblich Stimmchen hören lassen,
   Lichtw. Wo es zuweilen auch ironisch im entgegen gesetzten Verstande gebraucht wird.
   Und eine Frau ist ohne dem ein Lamm.
   Ein Lamm? da magst du Weiber kennen,
   Less. 8) Ingleichen, den Optativum und Conjunctivum auszudrücken, da es denn die Gestalt eines wahren Hülfswortes hat; welches denn auch die meisten Sprachlehrer bewogen, dieses Zeitwort mit unter die Hülfswörter zu setzen, ob es gleich nur seinem kleinsten Gebrauche nach ein eigentliches Hülfswort ist. Daß ich im Hause des Herren bleiben möge, Ps. 27. Daß wir ein stilles Leben führen mögen, 1 Tim. 2, 2. Er that es bloß, damit ich ihn loben möchte. Er bat mich, ich möchte doch kommen. Ich wünsche, daß du unschuldig seyn mögest. Ich winkte ihm, daß er sich ruhig halten möchte. Wo man sich in der härtern Schreibart des Zeitwortes sollen bedienet. Ich rieth ihm, daß er nicht hingehen sollte. Daher es denn 9) auch das eigentliche Amt dieses Zeitwortes ist, einen Wunsch auszudrucken und zu begleiten, da es denn im Conjunctivo stehet, und zugleich

[Bd. 3, Sp. 259]


die Verbindung der allgemeinern Bedeutung des Könnens mit der folgenden des Wollens ausmacht. Möchte ich nur sein Kleid anrühren! Matth. 9, 21. O, daß ich ihn umarmen möchte! Möchte er doch kommen! Möchtest du doch glücklich seyn! Möcht ich, ihr Götter, möcht ich meinen Dank euch würdig singen! Geßn. Ach, wenn die Leute nicht besser loben können, so möchten sie es doch nur gar bleiben lassen, Less.
   Möchte doch, euch zu erfreun,
   Sprach es, dieser schöne Stein
   Nur ein Weitzenkörnchen seyn,
   Haged. II. Wollen, doch nur in engerer Bedeutung, Neigung, Lust haben, etwas zu thun, oder zu leiden; wo es auf doppelte Art gebraucht wird.
   1. Im Indicativo; wo es doch nur in der harten Sprechart des gemeinen Lebens üblich ist. Er hätte es bekommen können, wenn er es gemocht hätte. Am häufigsten mit der Verneinung. Graben mag ich nicht, Luc. 16, 3. Ich mag es nicht, ich habe keine Lust, keine Neigung dazu. Ich mag nicht mehr essen. Ich kann und mag es nicht thun. Ich mag ihn nicht länger sehen. Derer mag ich nicht, Es. 1, 13, mit der zweyten Endung ist im Hochdeutschen veraltet. Oft wird es aber auch in der anständigern Sprechart verneinender Weise in solchen Fällen gebraucht, wo man Bedenken träget, etwas zu thun. Ich mochte es nicht thun, d. i. hatte Bedenklichkeiten, es zu thun. Ich habe es nicht sagen mögen.
   2. Im Conjunctivo, mit dem Nebenbegriffe eines Wunsches, in welchem Falle es auch der anständigen Sprechart nicht zuwider ist. Ich möchte wohl spazieren gehen. Ich möchte ein solches Haus. Er möchte es schon haben. Du möchtest gern, aber du kannst nicht. Das möchte ich nun nicht gern, d. i. haben, thun, sehen u. s. f. Ich möchte es doch versuchen. Ich möchte sie jetzt beyde beysammen sehen, Gell. Ich möchte doch wissen, was sie mir zu sagen hätte, ebend. Ich möchte gern, daß sie ein Paar würden, ebend. Ich möchte wohl wissen, wie seine Umstände sind.
   Das Hauptwort die Mögung ist völlig ungangbar, so wie auch der Imperativ möge nur allein in vermöge üblich ist. Auch das Mittelwort der gegenwärtigen Zeit mögend ist außer dem schon oben angezeigten Falle nicht eingeführet.
   Anm. 1. Da dieses Zeitwort irregulär abgewandelt wird, so erhellet schon daraus, daß es im Ganzen genommen, aus mehrern ältern Mundarten zusammen gesetzt ist. In einer dieser Mundarten muß es móchen gelautet haben, wie aus dem Imperfect mochte und Mittelwort gemocht erhellet. Einige Sprachlehrer haben dieses ch in das g der übrigen Zeiten verändern wollen; allein sie haben nicht bedacht, daß die Veränderung des Tones in vielen alten Wörtern auch die Veränderung des folgenden Consonanten nach sich ziehet. So lange der Vocal gedehnt ist, ist ihm auch der gelinde Gaumenlaut g angemessen; mȫgen, ich māg, du māgst; gehet er aber in den geschärften über, so verwandelt das g sich gleichsam von selbst in das härtere ch; móchte, mchte, gemócht. Eben so kommt von trāgen, Trácht, trchtig, von schlāgen, Schlácht, von dem veralteten pragen, Prácht, u. s. f. Schon Ottfried, bey welchem dieses Zeitwort mugun lautet, sagt im Imperfect mohto.
   Wenn dieses Zeitwort mit dem Infinitiv eines andern Zeitwortes verbunden wird, und der Regel nach in einer zusammen gesetzten Zeit stehen sollte, so wird es gleichfalls in den Infinitiv gesetzt; ein Umstand, welchen es mit den Zeitwörtern dürfen, können, lassen, hören, sehen, müssen u. a. m. gemein hat. Ich habe es nicht sagen mögen, für nicht sagen gemocht; du hättest es immer thun mögen, für gemocht. Stehet es aber für sich

[Bd. 3, Sp. 260]


allein, so folgt es der gewöhnlichen Form: ich habe es nicht gemocht.
   Anm. 2. Dieses alte und weit ausgebreitete Zeitwort lautet, besonders in der ersten Hauptbedeutung des Könnens, schon bey dem Ulphilas magan, bey dem Kero magan, im Angels. gleichfalls magan, im Engl. to may, im Schwed. må, ehedem maga, im Isländ. meiga, im Dän. maa und monne, im Dalmat. mogu, im Böhm. mohu, mihu, moiti, im Pohln. moge. Im Nieders. lautet es gleichfalls mögen, und in einigen Oberdeutschen Mundarten mügen. Es ist mit unserm Macht, Böhm. Moc, dem alten michel, groß, Griech. μεγας, Lat. magnus, genau verwandt. In Ansehung der zweyten Hauptbedeutung gehöret auch das Griech. μαειν, begehren, zu dessen Verwandtschaft. Im Niederdeutschen ist auch das Hauptwort Möge üblich, welches nicht nur Macht, Gewalt und Vermögen, sondern auch sinnliche Neigung, Geschmack, Appetit bedeutet: über seine Möge essen, über sein Vermögen; elk sien Möge, chacun à son gout. S. auch Vermögen.
 
Artikelverweis 
Mȫglich, -er, -ste, adj. et adv. von dem vorigen Zeitworte und zwar von dessen ersten, weitesten Bedeutung, was seyn oder geschehen mag oder kann. 1) In Ansehung der Sache ist im schärfsten philosophischen Verstande ein Ding möglich, im Gegensatze des unmöglich, wenn es keinen Widerspruch in sich enthält, es sey nun wirklich da oder nicht. Ein hölzerner Teller ist ein mögliches Ding, nicht aber ein sterblicher Gott, oder ein ledernes Eisen. In dem gemeinen Sprachgebrauche hingegen gebraucht man es auch in weiterm Verstande, von dem was unter gewissen Umständen seyn oder geschehen kann, und da ist oft eine Sache nicht möglich, wenn sie es gleich absolute oder an und für sich sehr wohl ist. Es ist nicht möglich, daß er eine solche Niederträchtigkeit begehen sollte, d. i. nicht wahrscheinlich, schlechterdings nicht glaublich. Eine mögliche Sache. Wo es denn auch oft zur Begleitung einer Verwunderung gebraucht wird. Ists möglich? Wie ist das möglich? Zuweilen bedeutet es auch so viel wie wirklich, wo es doch nur adverbisch gebraucht wird. Ich will sehen, wie ich es möglich mache. 2) In Ansehung der handelnden Person, oder subjective, so wohl keinen Widerspruch mit den Kräften, den Fähigkeiten derselben enthaltend, als auch in Ansehung der Gelegenheit und äußern Umstände, was neben denselben bestehen kann. Es ist mir nicht möglich. Ich habe deiner Tochter alle mögliche Vorstellungen gethan, Gell. Seinen möglichsten Fleiß anwenden. So viel mir möglich ist. Thue dein Möglichstes, alles was dir möglich ist. Das Wasser möglichst abdämmen. Es wäre mir jetzt nicht möglich, gelassen mit ihm zu sprechen. Ihn zwingt die möglichste Härte des Schicksals zu so niedrigen Dingen. Moralisch möglich, was durch kein Gesetz verbothen ist, keinen Widerspruch gegen ein Gesetz enthält.
   Anm. Nieders. möglich, Dän. muelig. Bey den ältesten Oberdeutschen Schriftstellern sucht man dieses Wort vergebens. Ottfried gebraucht dafür das verwandte megi, Kero aber sanft, und Tatian odi, Angels. ead, eath, welches noch in dem Engl. easy, leicht, möglich, und dem Franz. aise, wie auch in dem Niederdeutschen unnode, vielmehr unode, zusammen gezogen node, ungern, vorhanden ist. Das Nieders. möglich wird auch für mäßig, billig, gebraucht, ein möglicher Schoß, ein mögliches Geld, ein mäßiges, billiges; ingleichen als ein Nebenwort für vielleicht, wie das Franz. peut-être.
 
Artikelverweis 
Die Mȫglichkeit, plur. die -en, das Hauptwort des vorigen Beywortes. 1) Als ein Abstractum und ohne Plural, die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sie möglich ist, in allen Bedeutungen

[Bd. 3, Sp. 261]


des Beywortes. Es war keine Möglichkeit, daß er ihn hätte einhohlen können,
   Warum er unsre Welt vor tausend andern rief,
   Als alles in der Nacht der Möglichkeit noch schlief,
   Gieseke. Nach meiner Möglichkeit, so viel mir möglich ist, im gemeinen Leben. 2) Als ein Concretum, eine mögliche Sache, doch nur in engerer Bedeutung, eine bloß mögliche Sache, im Gegensatze einer wirklichen. Das Reich der Möglichkeiten, bloß möglicher Dinge.
 
Artikelverweis Der
Mohn, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, eine Pflanze mit einer gemeiniglich kugelrunden einfächerigen Samenkapsel; Papaver L. Der wilde Mohn, welcher auch Klapperrose, Flitschrose, Kornrose, Feldmohn, Kornmohn u. s. f. genannt wird, Papaver Rhoeas L. wohnt auf den Europäischen Feldern unter dem Getreide und hat eine hochrothe Blume. Der Gartenmohn, welcher auch nur Mohn schlechthin heißt, Papaver somniferum L. liefert in den warmen Ländern das Opium, besonders der weiße gefüllte. Der stachelige Mohn, Argemone L. ist auch unter dem Nahmen des Ackermohnes bekannt, S. dieses Wort.
   Anm. Der Nahme dieser Pflanze lautet im Oberd. Mage, Magen, in den gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes Mahn, schon bey dem Ottfried Mana, im Norweg. Mne, im Böhm. Pohln. und Wend. Mak, welches dem Griech. μκων am nächsten kommt. Die anständige Hochdeutsche Mundart hat beständig Mohn, ungeachtet es nicht an Sprachlehrern fehlet, welche das gemeinere Mahn um der verwandten Sprecharten und vorgegebenen Abstammung willen, vorziehen wollen. Die Abstammung ist ungewiß; vielleicht ist der hohe gerade Wuchs des Blumenstängels der Grund der Benennung, da denn dieses Wort zu magnus, unserm manch, groß, viel, Macht, meh, mehr, 1. Mönch und andern dieses Geschlechtes gehören würde.
 
Artikelverweis 
Das Mohnhaupt, des -es, plur. die -häupter, die runde Samenkapsel des Mohnes, welche am obern Ende eines langen geraden Stängels stehet, und die Gestalt eines Hauptes hat; bey dem Ottfried Manahaubit, im gemeinen Leben Mohnkopf.
 
Artikelverweis 
Der Mōhnkūchen, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art breiter, dünner, oben mit weißem Mohnsamen bestreueter Kuchen; der Mohnfladen.
 
Artikelverweis 
Das Mohnöhl, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, das aus dem Mohnsamen gepreßte Öhl. Im Oberd. Magöhl.
 
Artikelverweis 
Der Mohnsaft, des -es, plur. inus. der getrocknete Saft, welcher aus den Mohnhäuptern zur Zeit ihrer Reife fließt, wenn man leichte Einschnitte darein macht, und welcher unter dem Nahmen des Opiums am bekanntesten ist. Eine andere geringere Art des Mohnsaftes, welche in den Apotheken Meconium heißt, wird aus den frischen Mohnköpfen, ihren Stängeln und Blättern gepreßt und an der Luft getrocknet.
 
Artikelverweis 
Der Mohnsamen, des -s, plur. inus. der Samen des Mohnes, welcher oft auch nur Mohn schlechthin genannt wird; im Oberd. Magsamen.
 
Artikelverweis 
1. Der Mohr, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, die -e, ein Nahme eines gewissen derben und dichten seidenen Zeuges. Gewässerter, ungewässerter Mohr. Silbermohr. Vermuthlich von dem Franz. moirer, wässern.
 
Artikelverweis 
2. Der Mohr, des -en, plur. die -en, Fämin. die Mohrinn, ehedem Möhrinn, 1. Eigentlich, ein Einwohner des ehemahligen Mauritaniens, wegen der braunen oder bräunlich gelben Gesichtsfarbe; aus dem Lat. und Griech. Maurus. Nachdem diese aus Afrika in das westliche Europa eingefallen waren und sich daselbst festgesetzet hatten, nannte man erst diese, und hernach in

[Bd. 3, Sp. 262]


den spätern Zeiten nicht nur alle Muhamedaner in dem südlichen Theile Asiens und auf den Küsten und Inseln des Indischen Meeres, sondern auch die braunen Äthiopier wegen dieser ihrer Gesichtsfarbe Mohren. Die letztern kommen unter diesem Nahmen in der Deutschen Bibel mehrmahls vor. Wegen der großen Zweydeutigkeit dieses Wortes hat man in den neuern Zeiten angefangen, die Einwohner des ehemahligen Mauritaniens, oder die gesittetern nördlichen Afrikaner Mauren zu nennen, um sie von den Mohren in der folgenden Bedeutung zu unterscheiden; die Muhamedaner in dem südlichen Asien aber, welche größten Theils Araber von Herkunft sind, nennet man richtiger Muhamedaner, ungeachtet sie in vielen Reisebeschreibungen noch immer den Nahmen der Mohren führen. 2. Ein Mensch von ganz schwarzer Gesichtsfarbe mit krausen wolligen Haaren und dicken aufgeworfenen Lippen, dergleichen die Bewohner des südlichern Afrika, am Senegal, in Neu-Guinea und Congo, die Einwohner Monomotapa, Malakar, Malakka und einigen südlichen Inseln sind; welche auch unter dem Nahmen der Schwarzen oder Negern bekannt sind. Besonders pflegt man einen solchen ganz schwarzen Afrikaner, welchen vornehme Herren zu ihrer Bedienung halten, einen Mohren zu nennen. 3. Figürlich. 1) Eine Art Schmetterlinge, Papilio Antiopa L. 2) Einer Art Menschen von kleiner Statur, mit krausen Haaren und einer schuppigen Haut von blendend weißer Farbe, welche in einigen südlichen Gegenden angetroffen werden, hat man auf eine sehr uneigentliche Art den Nahmen der weißen Mohren gegeben. Die Spanier nennen sie Albino's, die Holländischen Reisebeschreiber aber Kakerlacken, andere Nachtmenschen. Außer ihrer weißen Haut unterscheiden sie sich auch durch den blassen, gelben, grauen oder röthlichen Stern im Auge, dem der schwarze Schleim mangelt, daher sie auch weder das Sonnenlicht noch ein helles Feuer vertragen können. Nach den zuverlässigsten Nachrichten sind sie mehr eine Art kranker und bresthafter Menschen, als eine eigene Menschengattung. 3) Der mineralische Mohr, in der Chymie, ein aus Metallen und Halbmetallen niedergeschlagenes schwarzes Pulver; Aethiops mineralis.
   Anm. Dieses Wort, welches im Nieders. Moor und Moorjan, im Engl. und Dän. gleichfalls Moor lautet, stammet allem Ansehen nach aus dem Latein. Maurus her, welches zunächst einen braunen Mauritanier bedeutet, und das Griech. μαυρος und αμαυρος, dunkel, ist, zu dessen Verwandtschaft auch das Niederdeutsche mörk, dunkel, und Isländ. Myrkur, Finsterniß, und vermuthlich auch das Schwed. Mor, ein dicker Wald, gehören. S. auch Moor.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: