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Modếllmácher bis Modếrn (Bd. 3, Sp. 255 bis 256)
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Artikelverweis Der Modếllmácher, des -s, plur. ut nom. sing. ein Künstler, welcher Modelle macht, d. i. nach dem verjüngten Maßstabe kleinere zusammen gesetzte Körper verfertiget, welche größern ähnlich sind. Bestehen dergleichen Modelle aus Tischlerarbeit, so wird der Verfertiger derselben ein Modelltischler genannt, und wenn sie aus hohl gearbeitetem Holze bestehen, ein Modellschneider.
 
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Mōdeln, verb. reg. act. von dem Hauptworte Mōdel, so fern dasselbe in der zweyten Bedeutung, die Figur und Gestalt eines Dinges überhaupt bedeutet. 1) Mit Figuren versehen, besonders bey den Webern. Gemodeltes Band, im Gegensatze des glatten. Ein gemodelter Zeug, dergleichen z. B. der Damast ist. Zeug, Leinwand modeln. Gemodelte Buchstaben, bey den Schriftgießern, Schönschreibern, mit Figuren versehene Buchstaben. 2) Eine gewisse Gestalt geben. Die Fregatten zur schnellen Fahrt modeln, ihnen eine solche Gestalt geben, welche zu einer schnellen Fahrt bequem ist. 3) In noch weiterer und figürlicher Bedeutung, bilden überhaupt. Sie Sucht, uns nach dem Gallier zu modeln.
   Nun modelt Frankreichs Witz das ganze Deutsche Reich,
   Utz. Das Hauptwort die Modelung kommt selten vor. Ehedem bedeutete es auch ein Vorbild. S. Adelung Model.
 
Artikelverweis Der
Mōdelschneider, des -s, plur. ut nom. sing. ein Künstler, welcher die Model oder Formen zu den Abdrücken oder Abgüssen in Holz schneidet; der Formenschneider.
 
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Der Mōdeltūch, des -es, plur. die -tǖcher, bey den Nähterinnen, ein Tuch, worein sie Buchstaben, Figuren, Muster u. s. f. nähen, damit ihnen solche in vorkommenden Fällen zum Muster dienen können.
 
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Der Moder, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut nom. sing. ein mit Wasser vermengter fester Körper, im verächtlichen Verstande, dergleichen z. B. dicker Schlamm, der Bodensatz

[Bd. 3, Sp. 256]


flüssiger Körper, mit Wasser vermengte Erde u. s. f. sind. Zu Moder werden, verfaulen. Im Bergbaue wird eine staubige, oft feuchte Materie, welche dem Letten ähnlich ist, Moder genannt. Für Koth auf den Gassen oder Felde nach einem starken Regen ist es nur in den gemeinen Mundarten besonders Niedersachsens üblich.
   Anm. Im Nieders. Modder, Mudder, Mudde, Made, Mae, im Holländ. Modder, im Engl. Mud, im Dän. Muder, im Schwed. Modd, Modder, im Finnländ. Muta, im Ital. Mota. Es gehöret zu einem weitläufigen Geschlechte von Wörtern, in welchen der Begriff der Feuchtigkeit, der Weiche, und des Schmutzes der herrschende ist, dergleichen z. B. das Lat. Mador und madidus, das Griech. μυδαω, madeo, unser Moor, Morast, Made, Moth, Muddig, Schmutz, beschmitzen, Muß u. s. f. das Franz. moite, feucht, naß, das Wallisische mwyth, weich, und mws, faul, und andere mehr sind. Schon in der alten Ägyptischen Sprache war Mot, Mout, Schlamm, Feuchtigkeit. Das Wort Mutter, so fern es von den Hefen des Weines, Essiges oder Öhles gebraucht wird, ist nur eine verderbte Aussprache unsers Moder, S. Adelung Mutter.
 
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Das Moderêrz, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, in einigen Gegenden dasjenige Eisenerz, welches an manchen Orten in einem moderigen, d. i. morastigen und sumpfigen Boden gefunden, und daher auch Sumpferz, Morasterz, Wiesenerz und Moraststeine genannt wird.
 
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Der Moderhamen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Hamen, d. i. ein Netz, an einem eisernen Ringe, den Moder, d. i. Schlamm, aus den Gräben, Canälen u. s. f. damit zu ziehen; Nieders. Muderhamen.
 
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Moderig, -er, -ste, adj. et adv. 1) Moder enthaltend, aus Moder bestehend. Ein moderiger Boden. Moderiges Wasser. Das Nieders. modderig und Holländ. modderig, wird auch für kothig und schlammig gebraucht, in welchem Verstande aber das Hochdeutsche ungewöhnlich ist. Am häufigsten, 2) dem Moder ähnlich, besonders dem Geschmacke und Geruche nach. Der Fisch schmeckt moderig. Das Wasser riecht moderig. In den gemeinen besonders Niedersächsischen Mundarten ist das verwandte muddig in ähnlicher Bedeutung üblich. S. dasselbe.
 
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Die Modermühle, plur. die -n, eine Maschine in Gestalt einer Mühle, mit Flügeln, welche von dem Winde beweget werden, den Moder oder Schlamm damit aus den Gräben und Teichen zu mahlen; Nieders. Muddermöle, Holländ. Moddermeule.
 
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Modern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, zu Moder werden, sich in Moder auflösen, von festen Körpern, wenn sie duch die Fäulniß aufgelöset werden. Die Leiche moder schon. S. Adelung Vermodern.
 
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Modếrn, -er, -ste, adj. et adv. aus dem mittlern Lat. modernus, Franz. moderne, den neuesten Sitten, dem neuesten Geschmacke, der neuesten Mode gemäß; im Gegensatze des antik oder veraltet.

 

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