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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mitternachtszeit bis Mítursáche (Bd. 3, Sp. 251 bis 253)
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Artikelverweis Die Mitternachtszeit, plur. inus. die Zeit der Mitternacht, oder um Mitternacht.
 
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Die Mittfasten, sing. inus. eine im Hochdeutschen selten gewordene Benennung der Mitte der Fasten. Der Sonntag nach Mittfasten, der Sonntag Lätare. Nieders. Midfasten, wo man auf ähnliche Art auch Midsommer, Middensommer und Middewinter sagt, für die Mitte des Sommers, die Zeit um Johannis-Tag, und die Mitte des Winters, die Zeit um Weihnachten, Engl. Midsummer.
 
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Mittheilen, verb. reg. act. Theil an etwas nehmen lassen, einen Theil seines Eigenthumes einem andern übertragen, demselben eigen machen, am häufigsten von Dingen, welche man andern ohne Lohn oder Vergeltung eigen macht. Einem Armen eine Gabe mittheilen. Jemanden einen guten Rath mittheilen. Die Sonne theilet ihr Licht allen Wesen mit. Der dem Hungerigen sein Brod mittheilet, Ezech. 18, 7. Du hast mir deine Traurigkeit mitgetheilet. Wo das Herz bescheiden ist, da theilet es unsern äußerlichen Handlungen den der Bescheidenheit eigenen Liebreitz unbemerkt in allen Fällen mit, Gell. Durch den Umgang theilen die Gemüther einander ihre Gedanken mit. Daher die Mittheilung.
   Bey den Schwäbischen Dichtern mitte teilen. Teilent mir die minne mitte, Walther von Klingen.
 
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Das Mittle, des -s, plur. ut nom. sing. ein in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Ulm, übliches Getreidemaß, welches daselbst der vierte Theil eines Immi ist, und 6 Metzen oder 24 Vierthel hält. Es ist ohne Zweifel ein Geschlechtsverwandter von Metze, Muth, ein Maß, und andern dieser Art, oder vielleicht das Oberdeutsche Diminutivum von Muth, in welchem Falle es Müthle geschrieben werden müßte, für Müthlein.
 
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Mittler, adj. welches in der adverbischen Gestalt nicht üblich ist. Es bedeutet, 1. eigentlich, was zwischen zwey Dingen dem Orte und der Zeit nach in der Mitte ist, wofür man in der vertraulichen Sprechart auch mittelste sagt. Der mittlere Ring, der mittelste. Daß man aus den untern Gängen in die mittlere und aus den mittlern in die obersten ging, Ezech. 41, 7. Der Raum auf den untern und mittlern Kammern, Kap. 42, 5. Der mittlere Finger. Der mittlere Sohn. 2. Figürlich. 1) Was zwischen zwey Extremen, zwischen zwey einander entgegen gesetzten

[Bd. 3, Sp. 252]


Dingen, oder auch nur zwischen zwey Dingen verschiedener Art das Mittel hält. Er ist von mittlerer Größe, weder zu groß, noch zu klein. Ein Mann von mittlerm Alter, von männlichem Alter, weder zu alt noch zu jung. Ein Bier von mittlerer Stärke. Die mittlere Gattung der Zeitwörter, Verba Neutra, welche zwischen den Activis und Passivis in der Mitte stehen. Die mittlere Bewegung, in der Astronomie, diejenige Bewegung eines Planeten, vermöge welcher er in gleicher Zeit gleiche Stücke von seiner Bahn beschreibt. 2) Mittler Weile, mittler Zeit, indessen; beyde nur im gemeinen Leben, wo sie auch gemeiniglich zusammen gezogen werden, mittlerweile, mittlerzeit. Mittlerweile hoffe ich sie heute zu sehen.
   Anm. Die meisten Sprachlehrer halten dieses Wort für den Comparativ von dem Superlativ mittelste, dessen Positiv mittel veraltet ist, so daß mittler für mitteler stehet. S. Adelung Mittel das Beywort. Allein, da hier keine eigentlich steigende Bedeutung vorhanden ist, so kann es auch ein eigenes Beywort seyn, welches aus Mittel und der Ableitungssylbe -er zusammen gesetzet ist, und etwas bedeutet, welches sich mitten unter, oder zwischen zweyen andern befindet.
 
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Der Mittler, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine Person, welche sich zwischen zwey streitige Personen in das Mittel schlägt, ihren Streit zu vermitteln, sie zu vergleichen sucht, in der edlen Schreibart; in der vertraulichen Sprechart die Mittelsperson, im gemeinen Leben der Mittelsmann. Fämin. die Mittlerin. Die Hansa war oft zwischen den mächtigsten Fürsten Mittlerinn. In der Deutschen Bibel und der Theologie wird Christus der Mittler genannt, weil er durch seinen Versöhnungstod Gott mit den Menschen ausgesöhnet hat. Schon in dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter, Mittelare, von dem Zeitworte mitteln, vermitteln. 2) Bey einigen Handwerkern ist der Mittler ein Mittelding zwischen einem Gesellen und Lehrlinge, welche bey den Buchdruckern Cornuten heißen.
 
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Das Mittleramt, des -es, plur. die -ämter, das Amt eines Mittlers oder Vermittlers; besonders in der Theologie, wo das Mittleramt Christi die Wiederherstellung der Vereinigung mit Gott bedeutet.
 
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Mittlerweile, Mittlerzeit, zwey Nebenwörter für indessen, siehe Mittler, das Beywort.
 
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Der Mittrieb, des -es, plur. inus. in der Landwirthschaft, das Recht, sein Vieh mit dem andern gemeinschaftlich auf dessen Grund und Boden treiben, d. i. weiden zu lassen; die Koppelweide, Mitweide, Gemeintrift.
 
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Die Míttwóche, plur. die -n, der Nahme des vierten oder mittelsten Tages in der Woche, welcher in vielen Gegenden nach einer mißverstandenen Analogie der übrigen Wochentage im männlichen Geschlechte der Mittwoch, des -es, oder gar der Mittwochen, des -s, lautet. Da indessen dieses Wort aus dem weiblichen Woche zusammen gesetzet ist, so ist der Mittwoch in aller Betrachtung unverzeihlich, auch wenn die erste Hälfte der Zusammensetzung das Hauptwort Mitte seyn sollte. Es ist heute Mittwoche. Die krumme Mittwoche, S. Adelung Grün. 2. 5). Auf die Frage wenn? nimmt dieses Wort vermittelst des adverbischen s die Gestalt eines Nebenwortes an, da denn zugleich das weibliche e wegfällt; Mittwochs, an der Mittwoche, so wie man auch sagt Montags, Dinstags u. s. f. Die Niedersachsen hängen dafür eine andere adverbische Endung -en an, Mittwochen, ob sie gleich bey den übrigen Wochentagen das s behalten.
   Anm. Bey dem Notker Mittauuecho. Es ist auf eben die Art zusammen gesetzt, wie Mittag, Mitternacht, Mittfasten und das Nieders. Mittsommer und Mittwinter. Bey den mehr nördlichen Völkern wird dieser Tag nach dem Gotte Odin, Wodan

[Bd. 3, Sp. 253]


oder Godan genannt; Schwed. Odensdag, Onsdag, Angels. Vodensdag, Engl. Wednesday. Selbst im Osnabrückischen heißt er daher noch Gohnsdag, und im Holländischen Woensdag.
 
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Die Mítursáche, plur. die -n, eine Ursache, welche zugleich neben andern Ursachen der Bewegungsgrund einer Sache ist, und welche so wohl von der Mittelsursache, als von der Nebenursache noch verschieden ist.

 

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