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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mittelzwêck bis Mittle (Bd. 3, Sp. 250 bis 251)
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Artikelverweis Der Mittelzwêck, des -es, plur. die -e, siehe Mittelendzweck.
 
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Mitten, ein Nebenwort des Ortes, in der Mitte, welches alle Mahl ein Vorwort nach sich erfordert. Mitten in der Stadt wohnen. Mitten durch den Fluß gehen. Etwas mitten entzwey brechen, es mitten durch schneiden. Mitten unter dem großen Haufen seyn. Mitten von einander theilen. Mitten am Himmel stand die Sonne, Jos. 10, 13. Ich sterbe mitten unter den Edlen, welche ihr Blut für die Wohlfahrt ihrer Mitbürger vergossen haben, Sonnenf. Edle Seelen entdecken einander mitten in dem Gedränge der Welt, Gell. Ohne Vorwort nach sich ist es der anständigen Schreibart der Hochdeutschen veraltet; wo die Enden mitten zusammen stoßen, besser in der Mitte. Auch für das gemeine mitten inne sagt man lieber in der Mitte. Ehedem sagte man auch in mitten für mitten unter, bey dem Ottfried in mithen, welches im Hochdeutschen gleichfalls veraltet ist.
   In mitten solcher Last ist dennoch sein Ergetzen,
   Opitz.
    In mitten Furcht und Schämen,
   ebend. Dieses Vorwort lautet schon im Isidor mittem.
 
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Die Mitternacht, plur. die -nächte. 1) Der mittelste Theil der Nacht, die Stunde von zwölf bis eins in der Nacht. Um Mitternacht. Es ist Mitternacht oder um Mitternacht. Vor Mitternacht. Nach Mitternacht.
   Wie oft hab ich nach dir mit bangem Sehnen
   Die Mitternacht verseufzt!
   Weiße. 2) Diejenige Himmelsgegend, welche Mittag gegen über liegt und Abend zur Rechten, Morgen aber zur Linken hat, derjenige Punct des Horizontes, wo er von dem halben Mittagszirkel durchschnitten

[Bd. 3, Sp. 251]


wird, worein die Sonne um die Mitternacht kommt, ohne Plural; Nord. Der Wind kommt aus Mitternacht. Gegen Mitternacht wohnen, liegen, reisen.
   Anm. Bey dem Kero mitulodi Naht, bey spätern Oberdeutschen Schriftstellern mitte Nacht, Mitnacht, und noch jetzt in der Schweiz Mitnacht, im Nieders. Midnagt, im Dän. Midnat, im Engl. Midnight. Unser Mitternacht scheint vermittelst der gewöhnlichen Verwechselung des l und r aus Mittelnacht entstanden zu seyn.
 
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Mitternächtig, adj. et adv. 1) Was um Mitternacht ist oder geschiehet. Der mitternächtige Schlummer. 2) Gegen Mitternacht liegend, wo auch die Comparation Statt findet, -er, -ste, Die mitternächtigen Länder. In dieser Bedeutung ist dafür auch mitternächtlich üblich, so wie man auch nördlich, mittäglich, östlich u. s. f. sagt. Aber mitternächtich, die mitternächtische See, Opitz, ist im Hochdeutschen veraltet.
 
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Die Mitternachtsstunde, plur. die -n, die Stunde der Mitternacht, die Stunde von zwölf bis eins in der Nacht.
 
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Die Mitternachtsuhr, plur. die -en, in der Sonnenuhrkunst, eine Sonnenuhr, welche auf einer gegen Mitternacht gelegenen Fläche angebracht wird.
 
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Der Mitternachtswind, des -es, plur. die -e, ein Wind, welcher aus Mitternacht kommt; wofür doch Nordwind üblicher ist.
 
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Die Mitternachtszeit, plur. inus. die Zeit der Mitternacht, oder um Mitternacht.
 
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Die Mittfasten, sing. inus. eine im Hochdeutschen selten gewordene Benennung der Mitte der Fasten. Der Sonntag nach Mittfasten, der Sonntag Lätare. Nieders. Midfasten, wo man auf ähnliche Art auch Midsommer, Middensommer und Middewinter sagt, für die Mitte des Sommers, die Zeit um Johannis-Tag, und die Mitte des Winters, die Zeit um Weihnachten, Engl. Midsummer.
 
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Mittheilen, verb. reg. act. Theil an etwas nehmen lassen, einen Theil seines Eigenthumes einem andern übertragen, demselben eigen machen, am häufigsten von Dingen, welche man andern ohne Lohn oder Vergeltung eigen macht. Einem Armen eine Gabe mittheilen. Jemanden einen guten Rath mittheilen. Die Sonne theilet ihr Licht allen Wesen mit. Der dem Hungerigen sein Brod mittheilet, Ezech. 18, 7. Du hast mir deine Traurigkeit mitgetheilet. Wo das Herz bescheiden ist, da theilet es unsern äußerlichen Handlungen den der Bescheidenheit eigenen Liebreitz unbemerkt in allen Fällen mit, Gell. Durch den Umgang theilen die Gemüther einander ihre Gedanken mit. Daher die Mittheilung.
   Bey den Schwäbischen Dichtern mitte teilen. Teilent mir die minne mitte, Walther von Klingen.
 
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Das Mittle, des -s, plur. ut nom. sing. ein in einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. in Ulm, übliches Getreidemaß, welches daselbst der vierte Theil eines Immi ist, und 6 Metzen oder 24 Vierthel hält. Es ist ohne Zweifel ein Geschlechtsverwandter von Metze, Muth, ein Maß, und andern dieser Art, oder vielleicht das Oberdeutsche Diminutivum von Muth, in welchem Falle es Müthle geschrieben werden müßte, für Müthlein.

 

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