Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mittelwêgerich bis Mitternacht (Bd. 3, Sp. 249 bis 250)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Der Mittelwêgerich, des -es, plur. inus. eine Art des Wegeriches von mittlerer Größe; Plantago media L.
 
Artikelverweis 
Das Mittelwêrrig, des -es, plur. inus. verderbt Mittelwerk, im Flachsbaue, dasjenige Werrig, welches die zweyte Hechel gibt, und welches eigentlich Heede ist.

[Bd. 3, Sp. 250]



 
Artikelverweis 
Der Mittelwind, des -es, plur. die -e, ein zwischen zwey Hauptwinden befindlicher Wind, der Zwischenwind, dergleichen Nordost, Nordwest, Südost und Südwest sind; zum Unterschiede von den Haupt- und Nebenwinden.
 
Artikelverweis 
Das Mittelwort, des -es, plur. die -wörter. 1) In der Sprachkunst, eine Art Wörter, welche zwischen den Zeitwörtern und zwischen den Nennwörtern das Mittel halten, von mittlerer Beschaffenheit sind, Beywörter, welche die Nebenbedeutung der Zeit haben, und von Zeitwörtern herkommen; Lat. Participium. Ruodepert, ein Oberdeutscher des 9ten Jahrhundertes, übersetzte das Latein. Participium sehr buchstäblich durch Teilnemunga. 2) Zuweilen auch ein Wort, welches der Intension, der Bedeutung, der Würde nach u. s. f. zwischen zwey andern das Mittel hält. So kann man sagen, ermahnen ist ein Mittelwort zwischen bitten und befehlen. 3) In der Moral, ein Wort, so fern es eine gleichgültige Sache bezeichnet, eine Sache, welche an sich weder gut noch böse ist; Vocabulum μεσον.
 
Artikelverweis 
Der Mittelzahn, des -es, plur. die -zähne, bey den Füllen, diejenigen Zähne, welche sie im 31/2 Jahre anstatt der Vorschieber bekommen. Auch die zwischen den Zangen, oder zwey vordern Zähnen, und zwischen den Eckzähnen der erwachsenen Pferde in der Mitte befindlichen Zähne werden Mittelzähne genannt.
 
Artikelverweis 
Das Mittelzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern, dasjenige Zeichen einer Hirschfährte, welches einem Tritte gleicht, und enstehet, wenn der Hirsch mit dem hintern Fuße in den vordern eintritt, doch so, daß der Tritt nicht genau eintrifft.
 
Artikelverweis 
Die Mittelzênt, plur. inus. in einigen Oberdeutschen Gegenden, eine Art der Zent oder Gerichtbarkeit, welche das Mittel zwischen der Ober- und Niederzent hält, und auch die Fraißzent genannt wird. S. Adelung Fraiß und Zent.
 
Artikelverweis 
Der Mittelzeug, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, Zeug von mittlerer Beschaffenheit. Im Jagdwesen werden auch die Mitteltücher der Mittelzeug genannt.
 
Artikelverweis 
Der Mittelzwêck, des -es, plur. die -e, siehe Mittelendzweck.
 
Artikelverweis 
Mitten, ein Nebenwort des Ortes, in der Mitte, welches alle Mahl ein Vorwort nach sich erfordert. Mitten in der Stadt wohnen. Mitten durch den Fluß gehen. Etwas mitten entzwey brechen, es mitten durch schneiden. Mitten unter dem großen Haufen seyn. Mitten von einander theilen. Mitten am Himmel stand die Sonne, Jos. 10, 13. Ich sterbe mitten unter den Edlen, welche ihr Blut für die Wohlfahrt ihrer Mitbürger vergossen haben, Sonnenf. Edle Seelen entdecken einander mitten in dem Gedränge der Welt, Gell. Ohne Vorwort nach sich ist es der anständigen Schreibart der Hochdeutschen veraltet; wo die Enden mitten zusammen stoßen, besser in der Mitte. Auch für das gemeine mitten inne sagt man lieber in der Mitte. Ehedem sagte man auch in mitten für mitten unter, bey dem Ottfried in mithen, welches im Hochdeutschen gleichfalls veraltet ist.
   In mitten solcher Last ist dennoch sein Ergetzen,
   Opitz.
    In mitten Furcht und Schämen,
   ebend. Dieses Vorwort lautet schon im Isidor mittem.
 
Artikelverweis 
Die Mitternacht, plur. die -nächte. 1) Der mittelste Theil der Nacht, die Stunde von zwölf bis eins in der Nacht. Um Mitternacht. Es ist Mitternacht oder um Mitternacht. Vor Mitternacht. Nach Mitternacht.
   Wie oft hab ich nach dir mit bangem Sehnen
   Die Mitternacht verseufzt!
   Weiße. 2) Diejenige Himmelsgegend, welche Mittag gegen über liegt und Abend zur Rechten, Morgen aber zur Linken hat, derjenige Punct des Horizontes, wo er von dem halben Mittagszirkel durchschnitten

[Bd. 3, Sp. 251]


wird, worein die Sonne um die Mitternacht kommt, ohne Plural; Nord. Der Wind kommt aus Mitternacht. Gegen Mitternacht wohnen, liegen, reisen.
   Anm. Bey dem Kero mitulodi Naht, bey spätern Oberdeutschen Schriftstellern mitte Nacht, Mitnacht, und noch jetzt in der Schweiz Mitnacht, im Nieders. Midnagt, im Dän. Midnat, im Engl. Midnight. Unser Mitternacht scheint vermittelst der gewöhnlichen Verwechselung des l und r aus Mittelnacht entstanden zu seyn.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: