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Mittel bis Mittelbegriff (Bd. 3, Sp. 242 bis 244)
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Artikelverweis  Mittel, -er, -ste, adj. et adv. was in der Mitte ist, sich in der Mitte befindet; ein altes zum Theil veraltetes Wort. Die erste Stufe, mittel, ist für sich allein veraltet, und nur in einigen Zusammensetzungen üblich, S. die folgenden Wörter. Noch bey dem Willeram ist daz mittelode der mittlere Theil. Der Comparativ mitteler scheinet noch in unserm mittler in der positiven Bedeutung vorhanden zu seyn, obgleich dieses richtiger als ein eigenes Beywort angesehen wird. Nur der Superlativ ist noch gangbar und zwar auch nur als ein Positiv, von einem Dinge, welches zwischen zwey andern in der Mitte ist. Das mittelste Buch, welches zwischen zwey andern in der Mitte liegt, das mittlere. Der mittelste Theil, der mittlere. S. Mittelst.
 
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Das Mittel, des -es, plur. ut nom. sing. 1. Zunächst von Masse, 4. Matz, 4. Matte, Materie und andern Wörtern dieser Art, welche eine Verbindung bezeichnen; wo es doch nur noch in einigen besondern Fällen üblich ist. 1) Taube Bergmittel sind im Bergbaue taube Bergarten, so wie schwebende Mittel solche Erz- oder Steinmassen, wo oben und unten schon die Erze oder Steine weggebrochen sind, welche also gleichsam noch in der Mitte schweben. 2) Eine Gesellschaft, Zunft, Verbindung mehrerer Personen; nur noch in einigen Gegenden und Fällen. So ist z. B. zu Aschersleben der Stadtrath in drey Mittel, d. i. Classen oder Ordnungen, eingetheilet. An einigen Orten werden die Handwerkszünfte noch Mittel genannt, so wie auch die Bergleute ihre Zunft oder Innung noch ein Mittel zu nennen pflegen, und zwar nicht, wie Frisch will, weil dabey ihre Lade ist, welche ihre Mittel, d. i. ihr Vermögen, enthält, sondern so fern dieses Wort vermittelst der Ableitungssylbe -el von Mitt, Matte zusammen gesetzt ist, und eine Verbindung mehrerer Personen bedeutet. Auch im Hochdeutschen sagt man noch zuweilen, einer aus unserm Mittel, d. i. von uns, aus unserer Gesellschaft, wofür aber das Hauptwort Mitte üblicher ist. Ich will das Haus Juda aus ihrem Mittel reißen, Jer. 12, 14.
   2. Zunächst von dem vorigen Beyworte mittel, dasjenige, was in der Mitte ist. 1) Eigentlich, derjenige Theil, Punct oder Linie eines Körpers, welcher gleich weit von den Enden entfernt ist; Nieders. Middel, Angels. Middel, Engl. Middle, Schwed. Medel, Franz. Milieu. Die Stadt sey im Mittel, 4. Mos. 35, 5. Das Mittel des Landes, Richt. 9, 37. Die Pharisäer und Schriftgelehrten brachten ein Weib und stellten sie ins Mittel dar, Joh. 8, 3. Das Mittel von Asien liegt sehr hoch. Im Mittel eines Thales, Haller. In der edlen Schreibart der Hochdeutschen ist dafür das Abstractum die Mitte üblicher. 2) In weiterer Bedeutung. (a) Was zwischen andern Dingen in der Mitte ist, so wohl dem Orte nach, als auch der Würde, der Intension u. s. f. nach, was von zwey Dingen, von zwey Extremis,

[Bd. 3, Sp. 243]


von dem Ersten und Letzten, von dem Höchsten und Niedrigsten, von dem Besten und Schlechtesten u. s. f. gleich weit, oder doch beynahe gleich weit entfernet ist; ohne Plural. Der Zeit Anfang, Mittel und Ende. Die Bewegung der Strauße hält das Mittel zwischen dem Fliegen und Gehen. (b) * Ins Mittel, für das Nebenwort unter; ein im Hochdeutschen veralteter Gebrauch. Paulus trat ins Mittel unter sie, Apostelg. 27, 21. Und hat die Handschrift aus dem Mittel gethan, Col. 2, 14, hat sie weggethan. Oder auch für das Nebenwort mitten; ein gleichfalls veralteter Gebrauch.
   Mit dir eilt ich zugleich ins Mittel der Gefahr,
   Schleg. 3) Figürlich. (a) Sich in das Mittel schlagen oder legen, in das Mittel treten, eine streitige Sache zwischen zwey oder mehrern Personen beyzulegen, zu vergleichen suchen. S. Adelung Mittelsperson, Mittler und Vermitteln. (b) Eine wirkende Ursache, so fern man sich ihrer zur Erreichung einer Absicht bedienet. α) Überhaupt. Alle Mittel und Wege versuchen. Ich weiß kein Mittel mehr, dieses abzuwenden. Sich durch unerlaubte Mittel bereichern. Etwas durch Mittel zu erreichen suchen, wofür doch mittelbar üblicher ist, im Gegensatze des ohne Mittel, oder unmittelbar. So fern die wirkende Ursache, deren man sich bedienet, eine Person ist, wird sie die Mittelsperson genannt. S. auch Hülfsmittel. β) In engerer Bedeutung. (1) Ein Arzeneymittel, ein Mittel, die verlorne Gesundheit wieder herzustellen. Ein Hausmittel, Brechmittel, Laxir-Mittel u. s. f. Ein kräftiges Mittel wider das Fieber. Allerley Mittel gebrauchen. (2) Vermögen, Reichthum, welcher auch im Spanischen Medios heißt; nur allein im Plural und am häufigsten im gemeinen Leben. Gute Mittel haben, ein gutes Vermögen. Darzu habe ich die Mittel nicht. In noch engerer Bedeutung, gutes, hinreichendes zeitliches Vermögen. Bey Mitteln seyn. Zu Mitteln gelangen. S. auch Bemittelt.
   Anm. Dieses Wort ist mit dem Latein. Medium genau verwandt, von welchem es nur in der Ableitungssylbe verschieden ist. Es ist aus mit, unter, Menge, Verbindung, oder mitten, und der Sylbe -el zusammen gesetzt. In den meisten der folgenden Zusammensetzungen ist die erste Hälfte nicht so wohl dieses Hauptwort, als vielmehr das vorige Beywort mittel.
 
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Die Mittelader, plur. die -n, bey einigen Zergliederern, diejenige Ader, welche unter dem halb Latein. Nahmen der Median-Ader am bekanntesten ist, S. Adelung Median.
 
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Das Mittelalter, des -s, plur. inus. das mittlere Alter, welches zwischen der Jugend und dem hohen Alter in der Mitte ist, das männliche Alter.
 
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Die Mittelänte, plur. die -n, eine Art wilder Änten von mittlerer Größe, wohin so wohl die Anas mediocris Klein. Βοσκαρ Aristot. als die so genannte Schnarränte, Anas strepera Klein. gehören, welche beyde den Nahmen der Mittelänten führen.
 
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Die Mittelart, plur. die -en, eine Art, welche zwischen zwey andern Arten in der Mitte ist, von beyden gleich weit entfernt ist, aber doch von beyden etwas merkliches an sich hat; eine Bastardart, S. dieses Wort. So sind die Maulesel eine Mittelart zwischen den Pferden und Eseln.
 
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Das Mittelband, des -es, plur. die -bänder, ein in der Mitte befindliches Band. An den Dreschflegeln ist das Mittelband, ein ledernes Band, vermittelst dessen die an dem Flegel und der Ruthe befindlichen Kappen verbunden werden. An dem groben Geschütze ist es ein Band oder Gürtel zwischen dem hintern Friese und dem Stabe des Mundstückes, welches auch der Mittelgürtel heißt.

[Bd. 3, Sp. 244]



 
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Mittelbar, -er, -ste, adj. et adv. 1) Was durch Mittel, d. i. durch gebrauchte wirkende Ursachen, ist oder geschiehet, die wirkende Ursache sey nun eine Person oder Sache; im Gegensatze des unmittelbar. Die mittelbare Hülfe Gottes, zu deren Erweisung sich Gott anderer Personen oder Dinge als wirkender Ursachen bedienet. 2) In weiterer Bedeutung. Mittelbare Reichsstände, welche höhern Reichsständen unterworfen sind, im Gegensatze der unmittelbaren, welche niemanden als dem Kaiser und Reiche unterworfen sind. Das folgt nur mittelbar daraus, durch Hülfe anderer daraus hergeleiteten Schlüsse. Der mittelbare Verstand einer Rede, welcher nicht so wohl durch die Worte, wie der unmittelbare Verstand, als vielmehr durch die mit den Worten bezeichneten Sachen hervor gebracht wird, und auch der figürliche, der geheime Verstand heißt.
 
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Die Mittelbarkeit, plur. inus. die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sie mittelbar ist, in beyden Bedeutungen dieses Wortes.
 
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Der Mittelbaum, des -es, plur. die -bäume. 1) Ein Baum von mittlerer Größe. Im Forstwesen stehet der Mittelbaum zwischen einem angehenden Baume und zwischen einem Hauptbaume in der Mitte. 2) Ein in der Mitte befindlicher Baum.
 
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Der Mittelbegriff, des -es, plur. die -e, in der Logik, ein Begriff, welcher zwischen zwey andern verwandten Begriffen in der Mitte stehet, die Verbindung derselben ausmacht. Besonders wird bey den Schlüssen derjenige dritte Begriff, aus welchem die Verbindung des Subjectes und Prädicates mit dem Schlußsatze erweislich ist, und welchen die beyden Vordersätze mit einander gemein haben, der Mittelbegriff, und noch häufiger das Mittelglied, Lat. Medius Terminus, genannt.

 

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