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Mißwachs bis Misteldrossel (Bd. 3, Sp. 228 bis 230)
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Artikelverweis Der Mißwachs, des -es, plur. inus. 1) Der fehl geschlagene Wachsthum der Feldfrüchte, der ungewöhnlich geringe Ertrag derselben. Wenn Mißwachs einfällt. Ein Jahr, in welchem sich ein Mißwachs ereignet, wird ein Mißjahr genannt. 2) Der fehlerhafte oder ungestalte Wachsthum. Den Mißwachs eines Gliedes verhindern.
 
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Der Mist, des -es, plur. car. ein Wort, welches überhaupt einen vermischten Körper der schlechtesten verächtlichsten Art bedeutet. 1. Im weitesten Verstande, wo es nur noch in einigen Fällen üblich ist. So wird das Auskehricht in einigen Gegenden Stubenmist genannt. Der Gassenkoth, ja ein jeder Koth führet im gemeinen Leben oft den Nahmen des Mistes. Untaugliche Waaren und andere untaugliche Sachen werden oft aus Verachtung nur Mist genannt, in welcher Bedeutung es zunächst von miß abzustammen scheinet. 2. In engerer Bedeutung. 1) Der Koth von Menschen und Thieren, die untauglichen Überbleibsel von den verdaueten Speisen; in welchem Verstande es besonders im gemeinen Leben üblich ist, und alsdann von dem natürlichen Auswurfe alle Thiere gebraucht wird. Menschenmist, Pferdemist, Kuhmist, Schafmist, Taubenmist, Hühnermist, Schwalbenmist u. s. f. In der Deutschen Bibel kommt es in dieser Bedeutung mehrmahls vor. 2) Der mit Stroh, Laub oder ähnlichen Theilen des Pflanzenreiches vermischte Thierkoth, so fern derselbe eine Art des Dunges ist, und zur Düngung des Erdreichs gebraucht wird. Holz- oder Waldmist, dergleichen mit dem Kothe des Viehes vermischtes Laub. Stroh zu Mist machen, es dem Viehe in dieser Absicht unterstreuen. Etwas auf den Mist, in den Mist werfen. Der Hahn ist kühn auf seinem Miste. Das ist nicht auf deinem Miste gewachsen, figürlich im gemeinen Leben, das hast du nicht von dir selbst. In weiterer Bedeutung wird in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, auch wohl ein jeder Dünger Mist genannt. 3. Figürlich, der Nebel; eine nur in den gemeinen Sprecharten so wohl Ober- als Nieder-Deutschlandes übliche Bedeutung.
   Wie auch die Sonne glänzt, die auf den Mittag steht,
   Wodurch der Wolken Dunst und schwarze Mist vergeht,
   Opitz. Im Österreichischen in dieser Bedeutung die Misten, Nieders. Mist, im Engl. und Holländ. gleichfalls Mist. Im Angels. ist Mist die Dunkelheit.
   Anm. In der letzten Bedeutung gehöret auch das Engl. moist, feucht, und unser moos, so fern es feucht bedeutet, gleichfalls dahin. In den beyden engern Bedeutungen lautet es bey dem Notker Mist, in den Monseeischen Glossen Misit, bey dem Ulphilas Maihst, im Nieders. Meß, im Angels. Meox und Mixen, im Engl. Mixen, Muck, im Schwed. Mock, im Isländ. Myk, welche letztern nur in der Ableitungssylbe verschieden sind, daher auch die Lat. Mucus und Mucor, und das Griech. μυξα, Rotz, dahin gehören. Die meisten leiten unser Mist von dem Zeitworte mästen ab, weil es nicht nur die Überbleibsel der Mast, d. i. der Speise, sondern auch die Mast, d. i. den Dünger, des Ackers bedeutet. Allein diese Ableitung ist allem Ansehen nach zu gesucht, ob sich gleich der wahre Stamm schwerlich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit

[Bd. 3, Sp. 229]


bestimmen lässet, weil die erste ursprüngliche Bedeutung dieses alten Wortes unbekannt ist. So lange diese nicht aufgefunden wird, haben miß, mischen, Moos und Makel ein beynahe gleiches Recht auf dasselbe. In einigen Gegenden ist es weiblichen Geschlechtes, die Mist.
 
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Die Mistbahre, plur. die -n, in der Landwirthschaft, eine Bahre oder Trage, den Mist damit von einem Orte zum andern zu tragen; die Misttrage.
 
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Der Mistbauer, des -n, plur. die -n, ein Bauer, welcher den Mist aus der Stadt zur Düngung seiner Felder hohlt.
 
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Das Mistbeet, des -es, plur. die -e, in den Gärten, eine viereckige, ablange, an den Seiten ausgefüllte, und mit Mist und guter Erde angefüllte Grube, zarte und frühe Gewächse darauf zu zeugen; das Treibebeet. Ein kaltes oder blindes Mistbeet, wo man nur eine Grube um ein gewöhnliches Beet ziehet, und solche mit hitzigem Miste anfüllet.
 
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Der Mistbêller, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Mistbellerchen, Oberd. Mistbellerlein, in einigen Gegenden ein Nahme des Murmelthieres, S. dieses Wort. Auch ein Bauerhund, welcher immer auf seinem Miste bellet, führet zuweilen diesen Nahmen.
 
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Das Mistbier, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, ein Schmaus in Biere, welchen jemand den Nachbarn eines Dorfes gibt, wofür ihm jeder ein oder mehrere Fuder Mist zur Düngung seines Ackers bringet; Nieders. Meßbeer.
 
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Der Mistblätterschwamm, des -es, plur. die -schwämme, eine Art Blätterschwämme mit einem hohlen Stiele, und glockenförmigen zerrissenen Hute, dessen Blätter schwarz sind, und welcher gern auf den Misthaufen zu wachsen pflegt; Agaricus fimetarius, Mistpilz, Mistschwamm.
 
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Das Mistbrêt, des -es, plur. die -er, in der Landwirthschaft, Breter, womit man den Mistwagen, wenn Mist darauf geführet wird, unten und an der Seite zu belegen pflegt. Ingleichen eine mit Bretern beschlagene Wagenleiter auf dem Mistwagen.
 
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Die Mistel, plur. die -n, eine Pflanze, welche keine Wurzeln hat, sondern bloß auf den Zweigen anderer Bäume wächset, aus welchen sie ihre Nahrung ziehet; Viscum L. Weiße Mistel, Viscum album, welche auf den Europäischen Bäumen wächset, und nach denselben Eichenmistel, Lindenmistel, Weidenmistel, Tannenmistel, Haselmistel, Äschenmistel u. s. f. genannt wird, ob sie gleich sonst in keinem Stücke von einander unterschieden sind. Aus den Beeren dieser Mistel wird der Vogelleim bereitet. Verschiedene andere Arten, wohin auch die Erdmistel, Viscum terrestre L. gehöret, sind in Amerika zu Hause.
   Anm. Im Dän. und Norweg. gleichfalls Mistel, im Engl. Mistletoe, Misletoe, im Lat. Viscum, im Griech. ἱξος; entweder wegen des zähen, leimigen, in den Beeren befindlichen Saftes, als ein Geschlechtsverwandter von 4. Matz, 4. Matte, Masse u. s. f. oder auch wegen der schon sehr alten Bemerkung, daß die Samenkörner der Mistelbeeren von den Drosseln, denen sie eine sehr angenehme Speise sind, mit ihrem Kothe auf die Bäume getragen würden, daher schon bey dem Plautus das Sprichwort vorkommt, Turdus ispe sibi malum cacat; folglich von dem folgenden Zeitworte misten. In beyden Fällen bedeutet die Ableitungssylbe -el, ein Ding, ein Subject, von welchem etwas gesagt wird. In einigen Gegenden wird unsere Europäische oder die weiße Mistel Kinster, Kenster, Afholder, Asfolter, Offolter, und wegen ihrer verworrenen Zweige auch Mahrentacken genannt, S. Mahre. In vielen Gegenden ist das Wort Mistel männlichen Geschlechtes, der Mistel, des -s, plur. ut nom. sing.

[Bd. 3, Sp. 230]



 
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Die Misteldrossel, plur. die -n, die größte Art Drosseln, welche einen bräunlich gelben Schnabel und Füße, schwarze Klauen, einen weiß geschuppten Hals und Bauch, dunkelbraunen Rücken und Flügel, und einen bleichrothen Schlund hat. Sie ist eine große Freundinn der Mistelbeeren, deren Samen sie mit ihrem Kothe unverdauet auf die Bäume fallen lässet, und dadurch die Fortpflanzung der Misteln befördert; Turdus viscivorus L. Sie wird wegen dieses Umstandes auch Mistelziemer und Mistler, sonst aber auch Schnarre, Schnarrdrossel, und in Kärnthen Zerrer, Zahrer genannt.

 

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