Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mißhandlung bis Mißlichkeit (Bd. 3, Sp. 225 bis 226)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Die Mißhandlung, plur. die -en, das Verbale des vorigen Zeitwortes. 1) In dessen mittlern Bedeutung, eine jede, dem Gesetze zuwider laufende Handlung, wo es im weitesten Verstande nur im theologischen Verstande gebraucht wird, von Handlungen wider menschliche Gesetze aber nur von groben Übertretungen derselben üblich ist, ohne eben den harten Nebenbegriff des Wortes Missethat zu haben. 2) In dessen thätigen Bedeutung, eine jede thätige Beschimpfung eines andern.
 
Artikelverweis 
Die Mißheirath, plur. die -en, eine nachtheilige, eine den heirathenden Personen schädliche Heirath. Eine Mißheirath thun. In engerer Bedeutung ist die Mißheirath der ebenbürtigen Heirath entgegen gesetzt, da sie denn eine Heirath zwischen Personen ungleichen Standes bedeutet. In beyden Fällen von vornehmen Personen auch wohl das Mißbündniß.
 
Artikelverweis 
Mißhêllig, S. Adelung Mißhällig.
 
Artikelverweis 
Das Mißjahr, des -es, plur. die -e, von Jahr, so fern es den Ertrag der Feldfrüchte in einem Jahre bezeichnet, ein in Ansehung der Feldfrüchte fehl geschlagenes Jahr, ein Jahr, in welchem die Feldfrüchte mißrathen sind; im Oberdeutschen ein Fehljahr.
 
Artikelverweis 
Mßkènnen, verb. irreg. act. (S. Adelung Kennen,) Mittelw. gemißkannt, nicht kennen, verkennen. Seine Pflichten mißkennen. Tausendmahl hat man wahrgenommen, daß ein Prophet in seinem Vaterlande entweder mißkennet (gemißkannt) sey, oder verfolgt werde, Zimmerm. Die Sache ist zu deutlich, als daß sie von jemanden könnte gemißkannt werden, verkannt, nicht eingesehen werden.
 
Artikelverweis 
Der Mißklang, des -es, plur. die -klänge, ein falscher, fehlerhafter, widriger Klang; ingleichen ein nicht harmonirender Klang.
 
Artikelverweis 
Der Mißlaut, des -es, plur. die -e, ein fehlerhafter, übel klingender Laut; Dissonantia. Der Mißlaut in dem Singen der Kirchengesänge.
 
Artikelverweis 
Míßlauten, verb. reg. neutr. mit haben, übel lauten. Mittelw. gemißlautet.
 
Artikelverweis 
Mßleiten, verb. reg. act. falsch leiten. Jemanden mißleiten. Mittelw. gemißleitet. Ich bin mißgeleitet (gemißleitet, weil es ein Activum ist) worden und habe mich allzu sehr mißleiten lassen, Less. So auch die Mißleitung. Nieders. misleiden, Engl. to mislead.
 
Artikelverweis 
Mißlich, -er, -ste, adj. et adv. 1) * Von dem Bey- und Nebenworte gleich, und miß, war mißlich ehedem so viel wie ungleich, und in weiterm Verstande, verschieden; in welcher Bedeutung es aber im Hochdeutschen veraltet ist. Bey dem Kero missilich. Missiliche suhti, Ottfr. verschiedene Krankheiten. Thoh sint die liuti missilih, ebend. von verschiedener Art. Im Angels. mislic, wo auch Mislicnysse die Verschiedenheit ist. Im Isländ. ist mislett mannigfärbig, bunt. Vermuthlich sind die Niederdeutschen Bedeutungen, da dieses Wort theils für unpaß, theils aber auch für mißmüthig, schwermüthig, gebraucht wird,

[Bd. 3, Sp. 226]


noch Figuren davon. 2) Von dem Zeitworte missen, und der Ableitungssylbe -lich, was missen, d. i. fehlen oder fehl schlagen kann, dessen Zustand, Ausgang oder Dauer ungewiß, zweifelhaft ist. Der sterblichen Menschen Gedanken sind mißlich, und unsere Anschläge sind fährlich, Weish. 10, 14. Kriegsglück ist mißlich. Ein mißlicher Ausgang. Nichts ist mißlicher, als der äußere Schein. Es ist ein mißlich Ding um unsere Reitze.
   Treu, die aus Furcht entsteht, hat mißlichen Bestand,
   Opitz. Oft auch mit einem stärkern Nebengriffe der möglichen Gefahr. Eine mißliche Reise, eine gefährliche. Es stehet mißlich mit ihm, gefährlich. Die Sache sieht sehr mißlich aus.
 
Artikelverweis Die
Mißlichkeit, plur. inus. der Zustand einer Sache, da sie mißlich ist, in der zweyten Bedeutung dieses Wortes. Die Mißlichkeit eines künftigen Gewinnes. Die Mißlichkeit des menschlichen Lebens, Opitz.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: