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Mißgeburt bis Mißgunst (Bd. 3, Sp. 223 bis 224)
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Artikelverweis Die Mißgeburt, plur. die -en. 1) Eine Geburt, d. i. ein zur Welt gebornes Geschöpf, welches von der ordentlichen Gestalt abweicht. Angels. Misbyrd, Schwed. Missfödfel. In den Rechten wird im engern Verstande nur diejenige Geburt für eine Mißgeburt gehalten, welche keine menschliche Gestalt noch Vernunft hat. Ingleichen figürlich. Der gemeine Stolz auf Geburt, Reichthum ist die unförmlichste Mißgeburt der Ehrbegierde, Gell. 2) * Zunächst von dem Zeitworte mißgebären, der Zustand oder Zufall, da ein Geschöpf weiblichen Geschlechtes mißgebäret, eine unzeitige Geburt zur Welt bringet, der Mißfall; ohne Plural. In diesem Verstande ist es im Hochdeutschen ungewöhnlich.
   Anna ist so wunderhübsch, daß Schwangere sich segnen;
   Es geht nicht ab ohn Mißgeburt, so bald sie ihr begegnen,
   Logau.
 
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Mißgefállen, S. Adelung Mißfallen.
 
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Mßgehen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Gehen,) mit dem Hülfsworte seyn, welches aber im Hochdeutschen selten vorkommt, irre gehen, fehl gehen. Bey dem Ottfried missi gehan. Mittelw. mißgegangen. S. Miß 5.
 
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Das Mißgeschick, des -es, plur. inus. ein widerwärtiges, feindseliges Geschick; nur in der höhern und anständigern Schreibart der Hochdeutschen. Mein Mißgeschick hat es so haben wollen. S. Adelung Geschick 3. und Miß 8.
 
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Das Mißgeschöpf, des -es, plur. die -e, ein gutes im Hochdeutschen aber seltenes Wort, ein von der gewöhnlichen Gestalt abweichendes Geschöpf zu bezeichnen; im harten Verstande ein Ungeheuer, Monstrum.
 
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Die Mißgestalt, plur. die -en, ein besonders bey den Dichtern übliches Wort, ein unförmliche, widerwärtige, unangenehme Gestalt.
 
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Míßglücken, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort seyn erfordert, und der Gegensatz von glücken ist, nicht glücken, übel glücken; mißlingen. Mittelw. mißgeglückt. Es ist uns mißgeglücket.

[Bd. 3, Sp. 224]


Indessen wird es in den einfachen Zeiten häufiger als in den zusammen gesetzten gebraucht.
 
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Mißgönnen, verb. reg. act. welches der Gegensatz von gönnen ist, einem andern seine Wohlfahrt und Vorzüge nicht gönnen, d. i. sie ungern sehen, und in engerer Bedeutung, unwillig darüber werden. Mittelw. gemißgönnt. Einem etwas mißgönnen. Das wird mir von jedermann gemißgönnt. Mißgönnst du mir die sanfte Stunde? Gell. Daß dieses Wort zugleich den Begriff mit in sich schließen soll, daß man die einem andern gemißgönnte Sache selber zu besitzen wünsche, mit verschiedene behaupten, dazu ist in der Partikel miß nicht der geringste Grund vorhanden. S. Adelung Mißgunst.
 
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Mßgreifen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Greifen,) welches das Hülfswort haben erfordert, fehl greifen, das Ziel im Greifen versehen. Mittelw. mißgegriffen. Daher die Mißgreifung. S. Miß 5.
 
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Der Mißgriff, des -es, plur. die -e, ein verfehlter Griff, ein Fehlgriff. Einen Mißgriff thun. Nieders. Misgreep. In figürlichem Verstande wird es zuweilen auch für ein jedes Versehen, für einen jeden Irrthum gebraucht.
 
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Die Mißgunst, plur. car. von dem Zeitworte mißgönnen, der Zustand, da man einem andern etwas mißgönnet, d. i. dessen Wohlfahrt, dessen Vorzüge ungern und mit Unwillen siehet; im gemeinen leben die Abgunst. In engerer Bedeutung ist es die Fertigkeit, anderer Vorzüge ungern und mit Unwillen zu sehen. Siehe Mißgönnen.

 

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