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Missethat bis Mißgeboth (Bd. 3, Sp. 222 bis 223)
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Artikelverweis Die Missethat, plur. die -en. 1. * Eine That oder Handlung, welche aus einem Versehen geschiehet, ein Versehen, Fehler; eine veraltete Bedeutung, in welcher dieses Wort noch in dem Straßburgischen Stadtrechte bey dem Schilter vorkommt. 2. * Eine der Billigkeit zuwider laufende Handlung, eine unbillige That; eine veraltete Bedeutung. Lont si mir mit Missetete, Herzog Johann von Brabant. 3. Eine den Gesetzen zuwider laufende Handlung. 1) * Im weitesten Verstande; wo es gleichfalls veraltet ist, außer daß in der biblischen Schreibart noch zuweilen alle Sünden oder wider das göttliche Gesetz begangene Handlungen Missethaten genannt werden. 2) Im engsten und gewöhnlichsten Verstande ist die Missethat ein grobes wider ein Gesetz begangenes Verbrechen, welches mit einer harten Leibes- oder Lebensstrafe geahndet wird.
   Anm. Bey dem Ulphilas Missadedi, bey dem Kero Missetat, bey dem Ottfried Missidat, im Angels. und Engl. Misdeed. Miß hat in dieser Zusammensetzung noch seine alte Form Misse behalten, in welcher es bey den ältern Schriftstellern beständig vorkommt. S. Adelung Mißthun. Ottfried gebraucht dafür auch Firndat, und einer der Schwäbischen Dichter Meintat.
 
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Der Missethäter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Missethäterinn, eine Person, welche sich einer Missethat schuldig gemacht hat; jetzt nur noch in der dritten engsten Bedeutung.
 
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Der Mißfall, des -es, plur. die -fälle, ein wenig bekanntes Wort, eine allzu frühe Niederkunft, das Mißgebären, Abortiren zu bezeichnen, welches üblicher zu seyn verdiente. S. Adelung Miß 8.
 
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Mißfállen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Fallen,) welches das Hülfswort haben bekommt, und der Gegensatz von gefallen oder wohl gefallen ist, durch seine Unvollkommenheit Unlust erwecken; Mittelw. mißfallen, weil der Hauptton auf dem Zeitworte ruhet. Eine gute Lehre mißfällt dem Muthwilligen, Sir. 21, 18. Dein Betragen hat mir gar sehr mißfallen. Das Haus mißfällt mir eben nicht. Im Canitz kommt dafür das minder gebräuchliche mißgefallen vor:
   Der thut was ihm mißgefällt. Im Schwabenspiegel und bey den Schwäbischen Dichtern missevallen, bey dem Notker misseleichen. S. Adelung Miß 8.
 
Artikelverweis Das
Mißfallen, des -s, plur. car. der Gegensatz des Gefallens oder Wohlgefallens, die Unlust. Mißfallen an etwas haben, das Unangenehme, Unschickliche, das Unrechte daran empfinden und mißbilligen. Ein Mißfallen empfinden. Sein Mißfallen über etwas an den Tag legen, zu erkennen geben.
 
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Mißfällig, -er, -ste, adj. et adv. 1) Mißfallen erweckend. Das ist mir sehr mißfällig gewesen. Dein mir mißfälliges Betragen. 2) Mißfallen empfindend, mit Mißfallen; in welchem Verstande es nur in Gestalt eines Nebenwortes in den Kanzelleyen

[Bd. 3, Sp. 223]


üblich ist. Sr. Majestät ist mißfällig angezeiget worden, Se. Majestät haben mißfällig vernommen u. s. f.
 
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Die Mißfälligkeit, plur. car. der Zustand, da man Mißfallen empfindet, und das Mißfallen selbst.
 
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Die Mißfarbe, plur. die -n. 1) * Eine Mannigfaltigkeit in der Farbe, der Zustand, da ein Körper bunt ist, ohne Plural; eine veraltete Bedeutung, in welcher auch das Beywort mißfarbig oder mißfarben ehedem vorkam. S. Adelung Miß 1. 2) * Eine unangenehme widrige Mannigfaltigkeit der Farben, auch ohne Plural; ein gleichfalls ungewöhnlich gewordener Gebrauch, in welchem auch das Beywort mißfarbig oder mißfarben vorkommt. S. Miß 2. In etwas anderm Verstande ist missevar bey den Schwäbischen Dichtern, von zweydeutiger Farbe. 3) Eine falsche, unechte Farbe, und ein solcher Farbenkörper; ein noch bey den Färbern hin und wieder üblicher Gebrauch. S. Miß 7.
 
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Die Mißform, plur. die -en, ein wenig gebräuchliches Wort, eine fehlerhafte, unangenehme, widrige Form zu bezeichnen. Daher das Bey- und Nebenwort mißförmig, eine solche fehlerhafte Form habend. S. Adelung Miß 4. 2) und 8.
 
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Mißgebǟren, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Gebären,) welches das Hülfswort haben erfordert, zu früh gebären, eine unzeitige Geburt zur Welt bringen, einen Mißfall haben, abortiren. Mittelw. mißgeboren, weil der Hauptton auf der dritten Sylbe liegt. S. Miß 5. und 8.
 
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Das Mißgeboth, des -es, plur. die -e, ein unbilliges, allzu niedriges Geboth. Ein Mißgeboth auf etwas thun. Siehe Mißbiethen und Miß 8.

 

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