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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mßbilligen bis Mißfállen (Bd. 3, Sp. 221 bis 222)
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Artikelverweis  Mßbilligen, verb. reg. act. für unbillig, unrecht erklären. Jemandes Handlungen mißbilligen. Mittelw. gemißbilliget. Daher die Mißbilligung.
 
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Der Mißbrauch, des -es, plur. die -bräuche. 1) Der Gebrauch, d. i. die Anwendung einer Sache auf eine ihrem Zwecke und ihrer Bestimmung zuwider laufende Art, im Gegensatze des rechtmäßigen Gebrauches; ohne Plural. Einen Mißbrauch von seinem Vermögen, von seinem Ansehen machen. Der Mißbrauch der Geschöpfe Gottes. 2) Ein tadelhafter oder schädlicher Gebrauch, oder durch mehrmahlige Wiederhohlung zu einer Gewohnheit gewordene willkührliche Handlung. Alle Mißbräuche abschaffen, abstellen. S. Adelung Miß 8.
 
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Mßbrauchen, verb. reg. act. Mittelw. gemißbraucht, auf eine der Absicht, dem Endzwecke zuwider laufende Art gebrauchen oder anwenden. 1) Eigentlich und überhaupt; wo es im Hochdeutschen gemeiniglich die vierte Endung bekommt. Sein Ansehen zu Gewaltthätigkeiten, sein Vermögen zur Üppigkeit mißbrauchen. Den Nahmen Gottes mißbrauchen. Im Oberdeutschen und zuweilen auch in der höhern Schreibart der Hochdeutschen pflegt man es, so wie das einfache brauchen, wohl mit der zweyten Endung zu verbinden. Und die dieser Welt brauchen, daß sie derselbigen nicht mißbrauchen, 1 Cor. 7, 31. Auf daß ich nicht meiner Freyheit mißbrauche am Evangelio, Kap. 9, 18. 2) In einigen engern Bedeutungen. Jemanden mißbrauchen, sich seine Leichtgläubigkeit, Gutwilligkeit, seine Schwäche zu dessen Nachtheil zu Nutze machen. Eine Person weiblichen Geschlechtes mißbrauchen, sich fleischlich mit ihr vermischen, besonders, wenn solches mit einiger Gewaltthätigkeit verbunden ist. S. Adelung Miß 8.
   Anstatt des ungewöhnlichen Mißbrauchung ist Mißbrauch üblich.
 
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Das Mißbündniß, des -sses, plur. die -e, siehe Mißheirath.
 
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Der Miß-Credit, des -es, plur. inus. im gemeinen Leben, ein schlechter, übler Credit, d. i. die üble Meinung anderer von jemandes ökonomischen und moralischen Beschaffenheit; im Gegensatze des guten Credites. S. Adelung Miß 8.
 
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Mßdeuten, verb. reg. act. dem wahren Verstande, oder der Absicht des Redenden oder Handelnden zuwider deuten, falsch deuten. Mittelw. gemißdeutet. Jemandes Worte mißdeuten. Daher die Mißdeutung, welches von einer solchen übeln Deutung in mehrern Fällen auch den Plural leidet. S. Adelung Miß 7. und 8.
 
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Missen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1) * Abwesend seyn, wo es im eigentlichen Verstande veraltet ist. Im Nieders. sagt man nur noch, das kann nicht missen, das bleibt nicht aus, kann nicht fehlen. Im Hornegk ist Missung Mangel, Abgang. 2) Entbehren, eine nothwendige Sache nicht haben, nicht besitzen; ein nur noch in den gemeinen Sprecharten üblicher Gebrauch, wo es im Hochdeutschen die vierte Endung erfordert. Ich kann die Sache nicht missen, kann sie nicht entbehren.
   Die, wenn von Wein und Liebe voll
   Ein Gast zu viel begehrt,
   Und sie doch etwas missen soll,
   Am liebsten Band entbehrt,
   Raml. Im Oberdeutschen aber auch die zweyte. Eines Dinges missen, es entbehren. Thes guotes thoh ni mistin, daß sie dennoch keines Guten entbehrten, Ottfr. Im Oberd. auch für nicht haben überhaupt. Das Beinholz misset Dörner und Stacheln, hat sie nicht. 3) * Fehlschlagen, wider die Hoffnung und Erwartung erfolgen; eine nur noch im Nieders. übliche Bedeutung. Das Gissen misset, Muthmaßen betrüget. 4) * Irren; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche doch noch in dem Holländ. missen,

[Bd. 3, Sp. 222]


und im Engl. to miss übrig ist, wo auch das Hauptwort Miss den Irrthum bedeutet.
   II. Als ein Activum, den Mangel, die Abwesenheit eines Dinges gewahr werden, empfinden; gemeiniglich auch nur in der Sprache des täglichen Umganges, wofür doch vermissen noch üblicher ist, und im Oberdeutschen gleichfalls die zweyte, im Hochdeutschen aber die vierte Endung bekommt. Mistun des Kindes, Ottfr. sie misseten das Kind, merkten, daß es abwesend war. Thar er es miste, als er es vermißte, ebend. Wo man sein wird missen, 1 Kön. 20, 39. Das wird niemand missen. Ich misse nichts an dem Gelde.
   Das Hauptwort die Missung kommt nur noch zuweilen in der letzten thätigen Bedeutung vor.
   Anm. Im Nieders. gleichfalls missen. Es ist unmittelbar aus miß gebildet, so fern es theils abwesend, theils auch verfehlet, bedeutet. S. dasselbe.
 
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Die Missethat, plur. die -en. 1. * Eine That oder Handlung, welche aus einem Versehen geschiehet, ein Versehen, Fehler; eine veraltete Bedeutung, in welcher dieses Wort noch in dem Straßburgischen Stadtrechte bey dem Schilter vorkommt. 2. * Eine der Billigkeit zuwider laufende Handlung, eine unbillige That; eine veraltete Bedeutung. Lont si mir mit Missetete, Herzog Johann von Brabant. 3. Eine den Gesetzen zuwider laufende Handlung. 1) * Im weitesten Verstande; wo es gleichfalls veraltet ist, außer daß in der biblischen Schreibart noch zuweilen alle Sünden oder wider das göttliche Gesetz begangene Handlungen Missethaten genannt werden. 2) Im engsten und gewöhnlichsten Verstande ist die Missethat ein grobes wider ein Gesetz begangenes Verbrechen, welches mit einer harten Leibes- oder Lebensstrafe geahndet wird.
   Anm. Bey dem Ulphilas Missadedi, bey dem Kero Missetat, bey dem Ottfried Missidat, im Angels. und Engl. Misdeed. Miß hat in dieser Zusammensetzung noch seine alte Form Misse behalten, in welcher es bey den ältern Schriftstellern beständig vorkommt. S. Adelung Mißthun. Ottfried gebraucht dafür auch Firndat, und einer der Schwäbischen Dichter Meintat.
 
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Der Missethäter, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Missethäterinn, eine Person, welche sich einer Missethat schuldig gemacht hat; jetzt nur noch in der dritten engsten Bedeutung.
 
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Der Mißfall, des -es, plur. die -fälle, ein wenig bekanntes Wort, eine allzu frühe Niederkunft, das Mißgebären, Abortiren zu bezeichnen, welches üblicher zu seyn verdiente. S. Adelung Miß 8.
 
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Mißfállen, verb. irreg. neutr. (S. Adelung Fallen,) welches das Hülfswort haben bekommt, und der Gegensatz von gefallen oder wohl gefallen ist, durch seine Unvollkommenheit Unlust erwecken; Mittelw. mißfallen, weil der Hauptton auf dem Zeitworte ruhet. Eine gute Lehre mißfällt dem Muthwilligen, Sir. 21, 18. Dein Betragen hat mir gar sehr mißfallen. Das Haus mißfällt mir eben nicht. Im Canitz kommt dafür das minder gebräuchliche mißgefallen vor:
   Der thut was ihm mißgefällt. Im Schwabenspiegel und bey den Schwäbischen Dichtern missevallen, bey dem Notker misseleichen. S. Adelung Miß 8.

 

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