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Mischbar bis Mispel (Bd. 3, Sp. 216 bis 218)
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Artikelverweis  Mischbar, -er, -ste, adj. et adv. was sich mischen lässet.
 
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Die Míschbarkeit, plur. inus. die Eigenschaft eines Dinges, nach welcher es sich mit einem andern Dinge mischen oder vermischen lässet.
 
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Das Míschelkorn, S. Adelung Mischkorn.
 
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Míscheln, verb. reg. act. welches das Diminutivum oder auch wohl das Frequentativum des folgenden mischen ist, aber nur im gemeinen Leben einiger Gegenden am meisten im verächtlichen Verstande für mischen gebraucht wird; so wie man von mengen in eben diesem Sinne auch mengeln sagt. Franz. mêler, ehedem mesler, Ital. mescolare. Ehedem wurde es im Oberdeutschen auch als ein Neutrum für zanken, streiten, in das Handgemenge gerathen, gebraucht, da denn Mißle und Mischlen auch Uneinigkeit, Fehde, Zank war.
 
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Míschen, verb. reg. act. welches überhaupt zwey oder mehrere Dinge unter einander thun bedeutet. 1. Im weitesten Verstande, ohne Rücksicht auf die Art und Weise der Verbindung, wo es auch von trocknen Dingen gebraucht wird, besonders, wenn sie ohne

[Bd. 3, Sp. 217]


bestimmte Ordnung unter einander gethan werden; für mengen. 1) Eigentlich; wo es am gewöhnlichsten nur in einigen bestimmten Fällen üblich ist. Die Karten mischen, wofür man auch mengen gebraucht, die Blätter unter einander stoßen. Besonders wenn nach dieser Vermischung ein gewisses drittes Ding entstehet. Ein gemischter Zeug, wo seidene und wollene oder leinene Fäden unter einander gewebet sind, der also weder ein seidener, noch ein leinener, noch ein wollener Zeug allein ist. Gemischtes Futter, welches von mehrern unter einander gethanen Futterarten entstehet. Gemischtes Korn oder Getreide, von mehrern mit einander vermengten, oder unter einander gesäeten Getreidearten, welches im Nieders. Mangkorn, Gemangkorn, im Hoch- und Oberdeutschen aber Mischelkorn, Mischkorn, Mischgetreide heißt. Gemischtes Obst, Äpfel und Birnen unter einander. Es ist sehr gemischt, es ist Gutes und Schlechtes unter einander. Das Wetter war trübe oder doch gemischt.
   Mischt Blumen, die der offnen Erd entsteigen,
   Und frische Blüthe drein,
   Raml. S. auch Vermischen. 2) In weiterer und figürlicher Bedeutung, so wie mengen. (a) Sich in etwas mischen, Theil daran nehmen. Sich in alle Händel mischen. Ich will nicht mit in diese Sache gemischt seyn. Jemanden mit in das Spiel mischen. (b) Wenn wir uns Gott denken wollen, so mischt sich gemeiniglich etwas Bildliches mit in unsere Vorstellung ein. 2. In engerer Bedeutung, zwey oder mehrere Dinge so unter einander mengen, daß die Kennzeichen aufgehoben und verwechselt werden, welches besonders geschiehet, wenn man flüssige Körper mit flüssigen, oder gewisse trockne Körper mit flüssigen vermenget. Den Wein mit Wasser mischen. Ein gemischtes Metall, wo mehrere Metalle unter einander geschmelzet worden. Gift mischen, andere durch beygebrachtes Gift hinrichten; entweder es durch die Mischung zubereiten, oder auch so fern es gemeiniglich unter die Speise oder unter das Getränk gemischet wird, S. Giftmischer. Die Farben mischen, bey den Mahlern.
   So auch die Mischung, welches nicht nur die Handlung des Mischens, sondern auch einen gemischten Körper bedeutet; in welchem Falle es auch den Plural leidet.
   Anm. Schon bey dem Kero misken, bey dem Notker mischen, im Westphäl. misgen, im Engl. to mash, mix, im Böhm. zmichati, sinisleti, bey den Krainerischen Wenden meisham, im Pohln. mieszam, ich mische, im Lat. miscere, im Griech. μισγειν, und schon im Hebr. 05de05e105df. Es ist ein Geschlechtsverwandter von Masse, Materie, 4. Matte, 2. und 4. Matz, dem Niederdeutschen Mat, socius, (S. Adelung Matschaft) der letzten Hälfte des Wortes Gliedmaß, Messing, dem Vorworte mit, und den Zeitwörtern mengen und machen, so fern das letzte ehedem verbinden bedeutete, (S. Gemahl;) welche größten Theils nur in den Ableitungslauten verschieden sind. Es druckt, so wie das nur in der Mundart verschiedene meischen, zunächst die Bewegung des Rührens, des Schüttelns u. s. f. aus, welches mit dem Mischen gemeiniglich verbunden ist.
 
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Der Míscher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Mischerinn, eine Person, welche mischt. Besonders in dem zusammen gesetzten Giftmischer.
 
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Das Míschfutter, des -s, plur. inus. in der Landwirthschaft, gemischtes Futter, Wicken und Hafer unter einander gebauet, so fern diese Mischung zum Futter gebraucht wird; in einigen Gegenden das Mischling.
 
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Das Míschkorn, des -es, plur. car. gemischtes Korn, Mischgetreide, Mischelkorn, S. Adelung Mischen 1.
 
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Das Míschling, des -es, plur. inus. S. Adelung Mischfutter.

[Bd. 3, Sp. 218]



 
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Der Míschmásch, des -es, plur. die -e, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort, einen gemischten Körper im verächtlichen Verstande zu bezeichnen; im gelindern Verstande ein Mengsel, ein Gemische. Eine ohne Wahl und Verhältniß zusammen gesetzte Speise, ohne Wahl und Ordnung mit einander verbundene Gedanken, Sätze oder Worte, kurz ein jedes aus mehrern aber ohne Geschmack und Ordnung verbundenen Dingen bestehendes drittes, führet den Nahmen eines Mischmasches. Nieders. Miskmask, Engl. Mishmash, Dän. Miskmak, im Franz. Micmac. Es ist den gemeinen Deutschen Mundarten und den verwandten Sprachen eigen, durch Wiederhohlung eines und eben desselben Wortes Arten von Intensivis oder Frequentativis zu bilden. Dergleichen ist nicht nur dieses Wort, sondern auch unser fickfacken, das gemeine Schnickschnack und Wischwasch, ein unnützes Geschwätz, das Nieders. hinkhanken, hinken, ticktacken, oft berühren, tirtarren, zärgen, Tiesketauske, Zieskezaaske, ein albernes Weib, titeltateln, unaufhörlich plaudern, das Schwed. Pickpack, das Gepäck, Willerwalla, Unordnung, Mischmasch, Dingldangl, die schwankende oder schwingende Bewegung, das Isländ. Fimbulfambe, ein Narr, u. a. m. Übrigens wird ein Mischmasch im Nieders. auch Mengelmuus, und Sammelsurium genannt.
 
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Die Mispel, plur. die -n, die Frucht des Mispelbaumes, welcher in dem mittägigen Europa einheimisch ist, von da er auch seinen Nahmen mit zu uns gebracht hat; Mespilus L. Die Frucht ist eine nabelige Beere mit fünf harten Samenkörnern, welche einen sauern herben Geschmack hat, und daher erst einen Frost aushalten, und darauf zu faulen anfangen muß, ehe sie gegessen werden kann. Bey einigen die Mespel, welches dem Lat. Nahmen gemäßer ist, in einigen Gegenden auch Nespel, Nispel, Hespel, Hespelein, Asperl, im Nieders. Wispel, Wispeltüte, im Dän. Mispel, im Ital. Nespola, im Franz. Nefle, im Pohln. Mispla, Niesplik; alle aus dem Lat. Mespilus und Griech. μεσπιλ und μεσπιλον. In einigen Gegenden ist es männlichen Geschlechtes, der Mispel. Die letzte Sylbe ist die Ableitungssylbe -el, welche ein Ding, ein Subject bedeutet. Die Hauptsylbe aber läßt sich mit gleichem Rechte zu mehrern Stämmen rechnen.

 

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