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Minder bis Minen-Kammer (Bd. 3, Sp. 213)
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Artikelverweis  Minder, adj. et adv. welches der Comparativ des im Hochdeutschen veralteten Positivi min ist; Superlativ mindest. Es bedeutet,
   1. Kleiner, und im Superlative der kleinste, der körperlichen Größe und Ausdehnung nach; im Gegensatze des groß. 1) Eigentlich; wo es nur noch im Oberdeutschen üblich ist, aber auch zuweilen in der höhern Schreibart der Hochdeutschen vorkommt. Von dem mindern auf das größere schließen. Du bist der mindeste unter uns.
   Weil eine mindre Stadt
   Nicht Kunst noch Puder gnug für kluge Hirner hat,
   Hall. 2) Figürlich. (a) * Jünger, und im Superlative der jüngste; gleichfalls nur noch im Oberdeutschen. Mein minderer Bruder. Meine mindeste Schwester. (b) * Der Würde, dem Vorzuge nach, geringer, und im Superlative geringste; gleichfalls nur im Oberdeutschen. Sich minder schätzen, als andere. Der mindeste unter uns, der geringste. Die Franciscaner-Mönche, welche sich auch Fratres minores nennen, werden im Oberdeutschen häufig mindere Brüder, Minderbrüder, und Minnebrüder genannt, dagegen im Hochdeutschen der Nahme der Minoriten üblicher ist. Die Minorisserinnen, oder vielleicht besser Minorissinnen, sind eine Art Franciscaner-Nonnen von dem Orden der heil. Clara.
   2. Der Menge und Intension nach, für weniger, geringer, und im Superlativ wenigste, geringste. Der Comparativ ist auch hier im Oberdeutschen und in der edlern Schreibart der Hochdeutschen üblicher, als in dem gemeinen Sprachgebrauche. Ich habe minder als du. Nicht minder, nicht weniger. Die mindern Flammen, Opitz. Die mindere Zahl, die Zahl der Zehner und Einer von der Jahrzahl, im Oberdeutschen. So ist von 1770 siebzig die mindere Zahl. Der Superlativ kommt indessen im Hochdeutschen öfter vor. Ich habe nicht das mindeste bekommen. Ich dachte nicht im mindesten daran, nicht im geringsten. Am mindesten, aufs mindeste, zum mindesten, am wenigsten, aufs wenigste, zum wenigsten. In werde mir ein Gewissen machen, das mindeste anzunehmen, das geringste. Davon hat er nicht die mindeste Einsicht.
   Nein, nein, ihr Herz verdient zum mindesten meinen Dank,
   Gell. Sehr häufig gebraucht man dieses Wort, nach dem Muster der Oberdeutschen, in der edlern Schreibart der Hochdeutschen, so wie weniger, als ein Nebenwort für nicht so viel, oder nicht so.
   Wenn durch ihr schmetternd Lied
   Die Lerche minder Kunst verrieth,
   Gell. Besonders vor Bey- und Nebenwörtern, verkleinernde Comparative zu machen, so wie die Franzosen ihr moins gebrauchen. Die minder mächtigen Stände, die nicht so mächtig sind, als andere. Minder gesellig, minder gelehrt als du. Auf ähnliche Art gebraucht schon Ottfried min gelicho für ungleich. S. Adelung Mehr, welches in vergößernder Bedeutung auf eben dieselbe Art gebraucht wird.
   Anm. Dieser alte Comparativ lautet schon im Isidor, Kero und Ottfried minnir, in der Adverbialform aber beständig min, für minus, und im Superlat. minnista, im Dän. mindre, mindst, im Schwed. so wohl minne als mindre, und in der dritten Staffel minst, im Franz. moindre, und als ein Nebenwort moins; welche insgesammt ihre Verwandtschaft mit dem Latein. minor, minus und minimus nicht verläugnen können. Der längst veraltete Positiv min, klein, wenig, geringe, im Wallis. man, im Griech. μινυος, kommt bey den ältern Oberdeutschen Schriftstellern nicht vor, ist aber noch im Niedersächsischen gäng und gebe, wo min beständig für wenig und geringe gebraucht wird. Dat ist man min, das ist nicht viel; ja der Niedersachse hat kein anderes Wort als dieses, das Hochdeutsche wenig auszudrucken. Eben daselbst wird aber auch min nach Art der alten Oberdeutschen für den Comparativ in der adverbischen Gestalt gebraucht; min of meer, weniger oder mehr. Bey dem Kero und andern ältern Oberdeutschen kommt dieses min theils als ein verneinendes Nebenwort, für minime, theils aber auch als ein Bindewort, für damit nicht, ne, vor.
 
Artikelverweis 
Der Minderbruder, des -s, plur. die -brüder, siehe Minder. 1. 2).
 
Artikelverweis 
Die Minderherrschaft, plur. die -en, eine in Schlesien übliche Benennung solcher Herrschaften, deren Besitzer vor andern Grafen und Freyherren zwar verschiedene Vorrechte, aber doch keine Stimme auf den Fürstentagen haben; zum Unterschiede von den Standesherrschaften.
 
Artikelverweis 
Minderjährig, -er, -ste, adj. et adv. minder den Jahren nach, d. i. noch nicht die nach den Gesetzen zur eignen Verwaltung seines Vermögens erforderlichen Jahre habend; im Gegensatze des großjährig oder volljährig. Gemeiniglich ist es mit dem unmündig einerley, zuweilen aber noch davon unterschieden. Nach dem Preußischen Gesetzbuche ist man bis in das 14te Jahr unmündig, bis in das 24ste aber minderjährig.
 
Artikelverweis 
Die Minderjährigkeit, plur. car. die Eigenschaft einer Person, da sie minderjährig ist.
 
Artikelverweis 
Mindern, verb. reg. act. minder machen, so wohl, 1) * der Ausdehnung nach; wo es doch nur zuweilen im Oberdeutschen vorkommt, wo unter andern mindern im Stricken auch so viel als abnehmen ist. Als auch, und zwar am häufigsten, 2) der Menge und Intension nach, weniger und geringer machen. Die Zahl der Ziegel sollt ihr ihnen gleichwohl auflegen und nichts mindern, 2. Mos. 5, 8, 11, 19. Ich will sie mehren und nicht mindern, Jerem. 30, 19. Nie haben schädliche Seuchen unsere Herden gemindert, Geßn. Mindert sich nicht unsere Unruhe schon, indem wir sie einem Freunde klagen? Gell.
   Er soll den Wunsch zu leben mindern,
   Gell.
   Was mindert nicht die Zeit? Verarten wir nicht immer?
   Haged. Indessen ist im gemeinen Sprachgebrauche der Hochdeutschen, besonders von der Menge, das zusammen gesetzte vermindern üblicher. So auch die Minderung.
   Anm. Im Isidor minneron, bey dem Notker minneren, bey den Schwäbischen Dichtern minren, im Dän. mindske. Bey einigen Oberdeutschen kommt es auch als ein Neutrum, für abnehmen, sich mindern, vor. Wiewohl die Gefahr nicht minderte.
 
Artikelverweis 
Mindestens, adv. für zum mindesten, zum wenigsten.
 
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1. Die Mine, der Gesichtszug, S. Adelung Miene.
 
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2. Die Mine, plur. die -n, ein zunächst aus dem Franz. Mine entlehntes Wort, welches noch von einer doppelten Art Gruben gebraucht wird. 1) Die zur Aufsuchung und Ausförderung der Erze in die Erde gegrabenen Höhlungen, welche im Bergbaue Gruben, Örter u. s. f. genannt werden; in welchem Verstande dieses Wort doch in der guten und anständigen Schreibart veraltet ist. 2) In der Geschützkunst ist die Mine ein unter der Erde gegrabener Keller mit den dazu gehörigen Gängen, die darüber liegende Last vermittelst des Pulvers in die Luft zu sprengen. Eine Mine graben, ziehen oder führen. Die Mine springen lassen, das darin befindliche Pulver anzünden. Ingleichen figürlich, ein heimlicher Anschlag, im mittlern Latein. Mina. Eine Mine springen lassen, einen solchen Anschlag zur Wirklichkeit kommen lassen, ihn ausführen.
   Anm. In beyden Bedeutungen im Dän. Mine, im Engl. Mine, im Ital. Mina, und im Franz. Mine. Das letztere scheint mit dem Fränkischen und Nieder-Rheinischen Mand, Manne, ein Korb, und ursprünglich ein jeder hohler Raum, verwandt zu seyn. Weil dieses Wort, allem Ansehen nach, aus dem Französischen entlehnet ist, so schreibt man es in der ersten Sylbe, ungeachtet diese ein langes i hat, ohne e. S. Adelung Miene.
 
Artikelverweis 
Der Minen-Gang, des -es, plur. die -gänge, in der Geschützkunst, der unterirdische Gang, welcher zu einer Mine führet.
 
Artikelverweis 
Die Minen-Kammer, plur. die -n, eben daselbst, der unterirdische hohle Raum, welcher mit Pulver angefüllet, und auch nur die Mine schlechthin genannt wird.

 

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