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Milchzêhnte bis Mildreich (Bd. 3, Sp. 210 bis 211)
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Artikelverweis Der Milchzêhnte, des -n, plur. die -n, der Zehnte, welcher von der Milch gegeben wird.
 
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Der Milchzins, des -es, plur. die -e. 1) Der Zins von gepachteter oder verpachteter Milch. 2) In einigen Gegenden ist es die Abgabe, welche fremde geschwächte Weibespersonen demjenigen Gerichtsherren, in dessen Gerichte sie niederkommen wollen, entrichten müssen.
 
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Der Milchzucker, des -s, plur. inus. ein zuckerartiges wesentliches Salz der Milch, welches man erhält, wenn man Molken abrauchen und krystallisiren lässet.
 
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Milde, -r, -ste, adj. et adv. ein Wort, welches eigentlich angenehm weich, gelinde bedeutet, und dem entgegen gesetzet wird, was eine unangenehme Härte oder Schärfe, so wohl im eigentlichen als figürlichen Verstande, hat. 1. Eigentlich, weich, der Consistenz und dem Gefühle nach, und in engerer Bedeutung, auf eine angenehme Art weich und gelinde. Das Fleisch ist sehr milde, wenn es mürbe ist, und gleichsam im Munde zerfließet. Milde Äpfel, milde Birnen, mürbe. Mildes Leder, bey den Schustern, welches den gehörigen Grad der Gare hat. Ein milder Sandstein, welcher weich und leicht zu bearbeiten ist. Eine milde Bergart, im Bergbaue, in engerer Bedeutung, welche nicht nur mürbe und gebrechig, sondern auch schmierig dem Gefühle nach ist, und sich leicht anleget. Das Kupfer ist milde, bey den Kupferstechern, wenn der Grabstichel es leicht und rein schneidet; im Gegensatze des hart und spröde. 2. Figürlich. 1) Dem Geschmacke nach, im Gegensatze dessen was hart, scharf und sauer ist. Der alte Wein ist milder, Luc. 5, 39. Milde wie die reifste Traube, Weiße. Mildes Obst, im Gegensatze des sauern, herben. In weiterer Bedeutung ist mildes Obst im Oberdeutschen reifes Obst, mitia poma. 2) Der Intension nach, für gelinde; doch nur in einigen Fällen. Es regnet sehr milde. Ein milder Regen, ein sanfter, gelinder Regen. Mildes Wetter, gelindes. Ein mildes Urtheil, milde Strafe, gelinde. 3) Im moralischen Verstande ist milde liebreich, herab lassend, sanft, gesprächig, gütig, im Gegensatze der Härte und Schärfe des Gemüthes; ingleichen darin gegründet. Milde Thränen weinen, liebreiche. Ein milder Vater. Ein mildes Gemüth, milde Sitten. In den Kanzelleyen wird mildest und allermildest häufig für gnädigst und allergnädigst gebraucht. Etwas in mildeste Betrachtung ziehen. 4) Freygebig, geneigt sein Vermögen andern mitzutheilen, es zu andrer Nutzen zu verwenden, und in dieser Eigenschaft gegründet. Weil du denn so milde Geld zugibst, Ezech. 16, 36. Seine milde Hand aufthun. Sprichw. Der Milde gibt sich reich, der Geitzhals nimmt sich arm. Ihr Bäume, die ihr uns milde eure reifen Früchte gegeben, Geßn.
   Die Fremden besser zu erfreuen,
   Umsteckt der milde Wirth den Tisch mit dichten Maien,
   Haged. 5) Nach einer Fortsetzung dieser Figur gebraucht man es auch, eine Freygebigkeit in Worten zum Nachtheil der Wahrheit auf eine gelinde und nicht beleidigende Art zu bezeichnen. Das war ein wenig zu milde gesprochen, war zu viel gesagt, zum Nachtheil der Wahrheit übertrieben. Ew. sind hierin zu milde berichtet worden. 6) * Fromm, gottesfürchtig; eine veraltete Bedeutung. So heißt Ludwig der Fromme bey den ältern Schriftstellern mehrmahls Ludwig der milde. Milde Stiftungen, milde Sachen, im Oberdeutschen, piae causae. Dahin gehöret auch

[Bd. 3, Sp. 211]


der eigentlich Oberdeutsche Ausdruck, nach der Nennung eines Verstorbenen christmilden oder christmildesten Andenkens hinzu zu setzen, welcher noch auf den Kanzeln und in den Kanzelleyen üblich ist. Kaiser Carl VI christmildesten Andenkens.
   Anm. Im Oberdeutschen schon von den ältesten Zeiten her milt, im Angels. milde, milide, im Engl. und Schwed. mild, im Isländ. milde, im Griech. μειλιχος, im Russischen miloi, im Pohln. mily. Es ist mit Milch, schmelzen, Schmalz, mahlen, molsch, dem Latein. mollis, und andern dieses Geschlechtes genau verwandt. In Baiern ist mollede weich, mollis. Das e am Ende ist das e euphonicum, ohne welches das d wie ein t lauten würde.
 
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Die Milde, plur. car. das Abstractum des vorigen Beywortes, die Eigenschaft, nach welcher ein Ding milde ist. In allen Bedeutungen desselben, vornehmlich aber in der dritten und vierten figürlichen. Ein Mensch, über welchen das Glück alle seine Milde ausgießt, und seinen Wünschen nichts versagt.
   Die Milde seiner Huld entfernt der Greifen Tod,
   Haged. Ingleichen in der fünften. Etwas mit zu vieler Milde erzählen, übertrieben, mit Verletzung der Wahrheit.
   Anm. Schon bey dem Ottfried für Güte, Milti, im Tatian für Barmherzigkeit, Miltida, und im Isidor mit einer andern Ableitungssylbe Miltnisso.
 
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Mildern, verb. reg. act. gleichfalls von dem Beyworte milde, und dessen Comparativo milder, milder machen, doch nur in den zwey ersten figürlichen Bedeutungen. 1) Dem Geschmacke nach, die Schärfe, Säure, Härte dem Geschmacke nach vermindern. Zerflossenes Weinsteinsalz mildert die Säure des Weines. 2) Der Intension nach, den unangenehmen Grad der Härte und Schärfe vermindern. Einen harten Ausdruck mildern. Das sanfte Wesen des weiblichen Geschlechtes mildert den muthigen Sinn des Mannes, daß er nicht in Trotz ausarte, Gell. Der Südwind mildert die Kälte. Eines Urtheil mildern. Die Strafe mildern. So auch die Milderung.
 
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Mildhêrzig, -er, -ste, adj. et adv. ein mildes Herz habend, milde dem Gemüthe, dem Herzen nach, und darin gegründet, in der dritten und vierten figürlichen Bedeutung des Wortes milde.
 
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Die Mildhêrzigkeit, plur. car. der Zustand, und in engerer Bedeutung, die Fertigkeit, da eine Person mildherzig ist. Schon im Angels. ist Miltheortnissa die Barmherzigkeit.
 
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Die Mildigkeit, plur. car. in der vierten figürlichen Bedeutung des Beywortes milde, die Fertigkeit milde zu seyn, die Milde, die Freygebigkeit als eine Fertigkeit betrachtet. Die christliche Mildigkeit. Bey den Schwäbischen Dichtern Miltekeit.
 
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* Mildiglich, adv. für milde, welches im Hochdeutschen veraltet, aber noch im Oberdeutschen gangbar ist.
 
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Mildreich, -er, -ste, adj. et adv. reich an Milde, in der dritten und vierten figürlichen Bedeutung des Beywortes milde, und in dieser Gemüthsart gegründet. Ein mildreiches Betragen.

 

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