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Mietz bis Milchbrêzel (Bd. 3, Sp. 204 bis 206)
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Artikelverweis  Mietz, ein im gemeinen Leben sehr übliches Wort, mit welchem man die Katzen, als mit einem eigenthümlichen Nahmen zu rufen pflegt, wofür an andern Orten Hietz, Hinz, Wienz, Kitz u. s. f. üblich sind. Im Span. Miz, im Ital. Muccia, Micio, im Franz. Mitou, im Schwed. Misse. Es ist eine Nachahmung des eigenthümlichen Geschreyes dieser Thiere, um dessen willen eine Katze auch im mittlern Lat. Musio, im Epirotischen Miza, und bey den Kalmucken Mitz heißt. S. Adelung Mauen und Miauen.
 
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Die Milāne, plur. die -n, oder der Milān, des -en, plur. die -en, ein großer braungelblicher Adler oder Falk mit kurzen ungeschickten gelben Fängen und langen Flügeln. Er gleicht dem Rohrvogel, nur daß er größer ist, und wird, weil er den jungen Gänsen sehr nachstellet, auch Gänseaar, wegen der Gestalt seines Schwanzes auch Schwalbenschwanz, und vermuthlich wegen seines kirrenden Geschreyes auch Kurweihe, genannt. Man gebraucht ihn zur Jagd, daher an dem kaiserlichen Hofe zu Wien eine eigene Melan- und Milanpartey ist, welche aus dem Milanmeister, und verschiedenen Milanknechten und Milanjungen bestehet, und von der Falkenpartey und Reiherpartey noch verschieden ist. Im Franz. heißt dieser Vogel Milan, im mittlern Latein. Milio, welches mit dem Latein. Miluus, Weihe, überein, kommt.
 
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Die Milbe, plur. die -n. 1) Der mehr Hoch- und Oberdeutsche Nahme derjenigen kleinsten Art achtfüßiger Insecten, welche sonst auch unter dem Nahmen der Miethen bekannt sind; Acarus L. S. 1. Miethe. Bey den Schwäbischen Dichtern Melwe, Dän. Möl, Pohln. Mol. 2) In einigen Gegenden werden auch die Motten, Blattae L. im Tatian schon Miliuua, Dän. Mäl, Schwed. Mal, und in noch andern, 3) die rauchen Nachtvögel,

[Bd. 3, Sp. 205]


welche die Kleider zerfressen, und mit ihren Häusern auf dem Rücken herum kriechen, Milben genannt; Dän. Möl. 4) Eine Art Maden, welche die Larve gewisser kleiner Käfer sind, sich in den Büchern und in dem Holze aufhalten, und selbige zerfressen.
   Anm. In allen diesen Fällen von mahlen, zernagen, zermalmen, zerfressen, weil alle jetzt gedachten Insecten besonders ihrer nagenden Eigenschaft wegen bekannt sind, so wie Motte von dem alten matten, nagen, essen, abstammet, S. 2. Mast. Bey den Meistersingern ist die Milbe derjenige Fehler, wenn am Ende des Verses um des Reimes willen ein Buchstab abgebrochen oder verschluckt wird, wo es von eben diesem Zeitworte herstammet.
 
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Die Milch, plur. car. 1. Überhaupt, ein jeder weicher, weißer, milder Körper; in welcher weitesten Bedeutung es doch nur noch in einigen Fällen üblich ist. So werden in der Bienenzucht die jungen Bienen, so lange sie noch in Gestalt der Maden in einem weißen dicklichen Safte liegen, die Milch genannt. Bey den Fischen männlichen Geschlechtes ist die Milch der männliche Same, welcher die Gestalt eines weißen, dicklichen, aber sehr milden und weichen Körpers hat, daher die Fische männlichen Geschlechtes auch Milcher genannt werden, S. dieses Wort. Im Nieders. heißt diese Milch Milte, (S. Milz,) im Schwed. Mjölk, im Lat. Lactes, im Franz. la Lait, im Span. Leche. S. auch Milchfleisch, Milchhaar, ingleichen Milz. In andern Fällen scheinet es mehr eine Figur der folgenden Bedeutung zu seyn. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung ist die Milch bey den Menschen und vierfüßigen Thieren ein ausgearbeiteter weißer, süßer, milder Nahrungssaft, welcher in den Brüsten und Eutern des weiblichen Geschlechtes derselben befindlich ist, von der Natur zur Ernährung der Jungen bestimmt worden, und welcher aus Butter, Käse und Molken besteht. 1) Eigentlich. Frauenmilch, Kuhmilch, Schafmilch, Ziegenmilch, Eselsmilch u. s. f. Frische Milch. Süße Milch, im Gegensatze der sauern, oder sauer gewordenen Milch. Geronnene Milch, welche auch Käse, Keller, Schlocken, Schlotten, im Nieders. Plundermilch und Pumpermilch genannt wird. Dicke Milch, sie sey nun gelabt, oder sauer gewordene Milch. Er sieht aus, wie Milch und Blut, sehr weiß und roth. Etwas mit der Milch, oder mit der Muttermilch einsaugen, gewisse Gesinnungen von der zartesten Jugend an annehmen. 2) Figürlich werden verschiedene Arten flüssiger Körper entweder wegen der Ähnlichkeit in der Farbe und Consistenz, oder auch wegen ihrer milden Beschaffenheit eine Milch genannt. So führet diesen Nahmen der milchweiße dickliche Saft, welcher in manchen Pflanzen enthalten ist, daher diese Pflanzen selbst auch Milch genannt werden, S. Hundsmilch und Wolfsmilch. In den Küchen und Apotheken ist die Milch ein aus Kernen und andern Öhl gebenden Samen und Früchten bereitetes weißes dickliches Getränk, S. Mandelmilch. Die beste Art des Rheinweines, welche in einem kleinen Bezirke bey Worms wächset, führet daselbst den Nahmen unserer lieben Frauen Milch, wegen seiner milden Beschaffenheit. Auf ähnliche Art nennet schon Aristophanes den Wein überhaupt αφροδιτς γαλα, Venus-Milch.
   Anm. Im Isidor Mlluh, bey dem Willeram Milich, Milch, im Nieders. Melk, im Angels. Meolc, Meoluc, im Engl. Milk, im Dän. Mälk, im Schwed. Mjölk, im Wend. Melauca, Mleku, im Böhm. Mleko. Es ist allem Ansehen nach aus mel, mil, und der Ableitungssylbe -ich, ein Ding, zusammen gesetzet, und dieses mel oder mil gehöret ohne Zweifel zu dem Geschlechte unsers milde, und des Lat. mollis. Die Milch ist einer der mildesten flüssigen Körper in der Natur, man sehe nun auf die Consistenz, oder auf den Geschmack, oder auch auf die Farbe. Hieraus erhellet zugleich die Verwandtschaft mit dem Lat. Mel

[Bd. 3, Sp. 206]


und Griech. μελι, Honig, mit dem Griech. μειλιχος, milde, mit unserm schmelzen, mahlen, melken, mulgere, u. a. m. und dem Isländ. miallr, weiß, indem die weiße Farbe die mildeste unter allen Farben ist. Das Lat. Lac scheinet mit unserm Leich verwandt zu seyn.
 
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Die Milchader, plur. die -n, in der Zergliederungskunst, diejenigen Adern, welche den Milchsaft in die große Gekrösdrüse führen; Venae lacteae.
 
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Der Mílchásch, des -es, plur. die -sche, in der Haushaltung, ein Asch, d. i. oben weites und unten enges rundes Gefäß, die Milch darin zum Rahmen stehen zu lassen; der Milchhut.
 
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Der Mílchbārt, des -es, plur. die -bärte, ein nur im gemeinen Leben übliches Wort. 1) Ein aus Milchhaaren bestehender Bart, der erste weiche, wollige Bart eines Menschen, im Oberdeutschen Gauchbart, Löffelbärtlein; ingleichen im verächtlichen Verstande, ein nur noch mit einem solchen Barte begabter junger Mensch; das Milchmaul. 2) Im Scherze, ein Mensch, welcher gern Milchspeisen isset; ein Milchmaul, ein Milchzahn.
 
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Der Milchbaum, des -es, plur. die -bäume, in einigen Gegenden, ein Nahme der Rüster oder Lehne; Acer Platanoides L.
 
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Das Milchbehältniß, des -sses, plur. die -sse, S. Adelung Milchgefäß.
 
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Der Milchbrey, des -es, plur. doch nur von mehrern Arten, die -e, ein aus Milch und Mehl gekochter Brey; Milchmuß, Nieders. Melkmösken.
 
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Die Milchbrêzel, plur. die -n, bey den Bäckern, eine Art Brezeln, zu welchen der Teig mit Milch angemacht wird.

 

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