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Miethen bis Miethlackey (Bd. 3, Sp. 202 bis 203)
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Artikelverweis  Miethen, verb. reg. act. welches jetzt nur noch in einer gedoppelten Bedeutung üblich ist. 1) Um Lohn dingen; wo man es nur noch von dem Gesinde gebraucht, wenn man es gegen einen bestimmten Lohn auf gewisse Zeit zu seinem Dienste dinget. Einen Knecht, eine Magd, einen Bedienten miethen, diesen Vertrag errichten, welches durch beyderseitiges Versprechen und durch eine gewisse Angabe von Seiten der Herrschaft geschiehet, welche daher das Miethgeld, der Miethgroschen genannt wird. Von andern Personen wird es nicht mehr gebraucht. Andere Arbeiter, Tagelöhner u. s. f. werden nicht gemiethet, sondern gedungen, oder bestellet; ob es gleich noch Matth. 20, 1 heißt, Arbeiter zu miethen in seinen Weinberg; wo es schon in dem zu Basel 1523 gedruckten R. T. als ein unverständliches Wort, durch bestellen, dingen, erkläret wird. Wohl aber gebraucht man es noch im verächtlichen Verstande, von Personen, welche man durch Belohnung zu seinen Absichten beweget. Ein gemietheter Lobredner. 2) Zum Gebrauche auf eine gewisse Zeit gegen eine bestimmte Bezahlung erhalten; wo es, wie Stosch ganz richtig bemerkt, nur von solchen Dingen üblich ist, welche man ohne weitere Bearbeitung gebrauchen kann, zum Unterschiede von dem pachten. Man miethet einen Garten, wenn man ihn, so wie er da ist, zu seinem Vergnügen gebrauchen will; dagegen der Gärtner, welcher den Ertrag benutzen will, und ihn also erst bearbeiten muß, denselben pachtet. Indessen ist es auch hier durch den Gebrauch eingeschränket worden. Man miethet zwar ein Haus, eine Wohnung, eine Stube, eine Kammer, einen Keller, einen Laden, einen Stall u. s. f. ingleichen ein Schiff, einen Kahn, eine Kutsche, einen Wagen, ein Pferd, Meublen u. s. f. dagegen man von Büchern u. s. f. dieses Zeitwort nicht gebraucht, wenn man gleich für ihren auf gewisse Zeit bedungenen Gebrauch bezahlet.

[Bd. 3, Sp. 203]


In weiterm Verstande kommt es in einigen Zusammensetzungen auch von geringen Personen vor, welche man auf kurze Zeit zu seinem Dienste verpflichtet. So wird ein Lehn- und Lohnlackey, ein Lehn- und Lohnknecht, welchen man nicht jahrweise, sondern auf kurze Zeit in seinem Dienste hat, auch ein Miethlackey, ein Miethknecht genannt. So auch die Miethung.
   Anm. Schon bey dem Ottfried in der ersten Bedeutung miattun, bey dem Kero in der zweyten mietan, im Nieders. meden, meen, wo es aber nur allein in der ersten Bedeutung von dem Gesinde gebraucht wird, dagegen in der zweyten Bedeutung heuern üblich ist. Die Abstammung ist ungewiß, weil mehrere Stämme mit gleichem Rechte darauf Anspruch haben. Da miethen alle Mahl einen Vertrag, eine Verbindung voraus setzt, so scheinet es zu mit, Mat, socius, (S. Adelung Matschaft,) 4. Matte, und andern dieses Geschlechtes zu gehören. Indessen kann es auch von Miethe, Lohn, abstammen. S. 3. Miethe.
 
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Der Miether, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Mietherinn, eine Person, welche etwas miethet, besonders in den Zusammensetzungen Abmiether, Vermiether.
 
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Die Miethfrau, plur. die -en, S. Adelung Miethherr und Miethmann.
 
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Das Miethgêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er. 1) In der ersten Bedeutung des Zeitwortes, dasjenige Geld, welches man dem gemietheten Gesinde zur Befestigung des geschlossenen Vertrages auf die Hand gibt; der Miethgroschen, der Miethpfennig, das Handgeld, Nieders. Medelgeld, ehedem Medelse, Menasle, um Bremen Godesgeld, Gottesgeld. 2) In dessen zweyten Bedeutung, das für den Gebrauch einer gemietheten Sache bedungene Geld; wo es doch am häufigsten von gemietheten Wohnungen und Zimmern gebraucht, und auch Miethe genannt wird.
 
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Das Miethhaus, des -es, plur. die -häuser, ein Haus, welches man miethet, oder andern vermiethet.
 
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Der Miethhêrr, des -en, plur. die -en, Fämin. die Miethfrau, der Eigenthumsherr, die Eigenthumsfrau der vermietheten Sache, besonders der vermietheten Wohnung.
 
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Miethig, -er, -ste, adj. et adv. von 1. Miethe, solche Miethen enthaltend. Miethiger Käse. Das Mehl ist miethig, voller Miethen.
 
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Der Miethknêcht, des -es, plur. die -e, S. Adelung Miethen. 2.
 
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Die Miethkutsche, plur. die -n, eine Kutsche, welche man nur auf kurze Zeit zu seinem Gebrauche gemiethet hat; die Lohnkutsche, Lehnkutsche.
 
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Der Miethkutscher, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher solche Kutschen hält, und mit den Pferden an andere auf kurze Zeit vermiethet; der Lohnkutscher, Lehnkutscher, in Baiern Lehnrößler. In Wien macht man einen Unterschied unter Lehnkutscher und Miethkutscher oder Fiacker. Letztere halten auf den Straßen und öffentlichen Plätzen. Auch ein Kutscher, welchen man auf kurze Zeit zu seinen Diensten dinget.
 
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Der Miethlackey, des -en, plur. die -en, S. Adelung Miethen.

 

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