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Meute bis Míchael (Bd. 3, Sp. 197 bis 198)
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Artikelverweis Die Meute, plur. die -n, ein nur bey den Jägern übliches Wort, eine Partie Jagdhunde von ungefähr 50-60 Stück bey einer Parforce-Jagd zu bezeichnen. Aus dem Franz. Meute, welches aber mit dem folgenden genau verwandt ist.
 
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Die Meuterey, plur. die -en, ein Wort, welches nur noch in engerer Bedeutung gebraucht wird, eine unerlaubte Verbindung mehrerer, besonders wider ihre Obern zu bezeichnen, ein Complot, wo es mehr von leichtsinnigen, vorübergehenden Verbindungen dieser Art gebraucht wird; dagegen Verschwörung den Begriff der festern, feyerlichern Verbindung mit sich führet. Eine Meuterey machen.
   Anm. Im Schwed. Myteri, im Dän. Mytterie, im Engl. Mutiny. Es ist im Hochdeutschen nur ein Überbleibsel eines zahlreichern Geschlechtes, wohin die veralteten Meute, eine solche Verbindung, und das Zeitwort meuten, meuteniren, sie erregen, anstiften, gehören; Franz. mutiner, Ital. mutinare, ammutinarsi, Span. amotinarse. Es gehöret zu dem Geschlechte der Wörter Masse, Materie, 4. Matte, Mat, socius, in Matschaft, 4. Matz und Mit, und bezeichnet überhaupt eine Verbindung. Der Begriff des Aufstandes ist nicht nothwendig damit verbunden, kann aber dabey Statt finden, da denn auch das Lat. Motus mit zur Verwandtschaft gehöret.
 
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Der Meūtmácher, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Meutmacherinn, eine Person, welche eine Meute, oder Meuterey anstiftet, erreget, S. das vorige.
 
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Die Mewe, plur. die -n, eine Art mit einer Schwimmhaut an den Füßen versehenen Wasservögel, deren untere Kinnlade in der Mitte einen Höcker hat; Larus L. et Klein. Griech. λαρος, welchen Nahmen sie von den kleinen Seefischen, Lari, haben sollen, welche sie gern essen. Es gibt ihrer sehr viele Arten, welche

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so wohl in der Größe, als in der Farbe von einander unterschieden sind. Die weiße Mewe wird auch Meerschwalbe, Seeschwalbe und Fischaarmewe genannt; die weiße Mewe mit einem braunen Kopfe heißt auch Braunkopf und rothköpfiger Seeschwalm; die große graubraune Mewe führet bey den Grönlandsfahrern den Nahmen des Burgemeisters. Die Ringelmewe hat einen schwarzen Ring von dem Nacken bis über die Hälfte des Halses. Der Schwarzkopf ist eine weiße Mewe mit schwarzem Kopfe. Die kleine aschgraue Mewe wird auch Rohrschwalm und Fischerlein genannt, anderer zu geschweigen. Nach dem Klein müssen alle Mewen vierzehige Patschfüße mit freyer Hinterzehe haben.
   Anm. Im Nieders. gleichfalls Mewe, im Angels. Maew, im Engl. Mew, im Holländ. Meeuw, im Franz. Mawe, Mouette, Mauce, im Dän. Maage, im Norweg. Maase. Weil diese Vögel beständig über der Oberfläche des Wassers fliegen, um die kleinen Fische wegzuschnappen, so scheinen sie von dieser Bewegung ihren Nahmen zu haben, welcher alsdann von dem Zeitworte mähen abstammen würde, wenn nicht ihr eigenthümliches Geschrey zu ihrer Benennung Anlaß gegeben. Eine Art kleiner Mewen wird wegen der Art ihres Fluges im Nieders. Scherke genannt, von scheren, sich im Fluge durchkreuzen.
 
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Der Mewenschnabel, des -s, plur. die -schnäbel, eine Art dreyzehiger Patschfüße, welche einen schwarzen Schnabel wie eine Mewe hat; Plautus rostro larino Klein.
 
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Die Meye, Birke, S. 1. May 2.
 
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Meyer, S. Adelung Meier.
 
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Meynen, S. Adelung Meinen.
 
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Miauen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches auch für das Zeitwort mauen üblich ist, das Schreyen der Katzen zu bezeichnen, deren Geschrey man auch durch das indeclinable Miau nachahmet. S. Adelung Mauen und Mietz.
 
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Mich, die vierte Endung des persönlichen Fürwortes ich, im Nieders. mi, im Schwed. mig, bey dem Ulphilas mik, mis, im Angels. und Engl. me, im Latein. me, im Griech. με, εμοι. S. Adelung Ich.
 
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Míchael, ein ursprünglich Hebräischer eigenthümlicher Nahme, welcher von 05de05d9, wer, 05db, wie, und 05d005dc, Gott, abgeleitet, und durch wer ist wie Gott? erkläret wird, ob es gleich immer sehr wahrscheinlich ist, daß er mit dem folgenden michel, groß, Eines Geschlechtes ist. Die Hebräische Etymologie bedarf, so wie die Etymologie aller Sprachen, noch einer großen Aufräumung. Ein anderer Hebräischer weiblicher Nahme, Michal, welcher vermuthlich auch hierher gehöret, wird gemeiniglich von 05de05d905dd, Wasser, und 05db05dc, all, abgeleitet, und soll lauter Wasser bedeuten. Besonders ist in der christlichen Kirche der Erzengel Michael berühmt geworden, dessen Fest, welches das Michaelis-Fest, der Michaelis-Tag, im gemeinen Leben aber nur Michǟl heißt, im Herbste den 29sten Sept. gefeyert wird. Daher das Michaelis-Huhn, ein Zinshuhn, welches um die Zeit dieses Festes, oder im Herbste entrichtet werden muß; das Herbsthuhn. Durch den Nahmen des Erzengels ist dieses Wort auch ein männlicher Taufnahme geworden, welcher im gemeinen Leben nur Míchel lautet, Wend. Micha, aber auch in den niedrigen Sprecharten mit allerley Beysätzen, zuweilen im verächtlichen Verstande gebraucht wird. Ein dummer Michel, ein dummer Mensch. Ein grober Michel, ein grober Mensch. Ein Deutscher Michel, welcher nur allein seine Muttersprache verstehet, da er auch andere Sprachen verstehen sollte, oder welcher in andern Sprachen fehlerhafte Germanismen macht. Welches Schicksal dieser Nahme mit Hans, Matz, Drews und so vielen andern gemein hat, daher man nicht nöthig hat, mit G. Zennern den bekannten protestantischen General im dreyßigjährigen Kriege, Hans, Michael Obentraut, mit in das Spiel zu

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mengen, oder Michel hier für das folgende Wort zu halten, weil die alten Deutschen große starke Leute gewesen.

 

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