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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
1. Die Mêtze bis Mêtzger (Bd. 3, Sp. 194 bis 196)
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Artikelverweis  1. Die Mêtze, plur. die -n, die Fleischbank, S. Adelung Metzig,
 
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2. Die Mêtze, plur. die -n, eine ehemahlige Benennung einer großen Art Karthaunen, welche in Belagerungen gebraucht wurden und 100 und mehr Pfund schossen. Die scharfe Metze, die faule Metze u. a. m. kommen in diesem Verstande in den vorigen Zeiten vor. Es scheinet hier mehr ein eigenthümlicher figürlicher Nahme, als ein allgemeines Nennwort, und das folgende Metze, ein Mädchen, zu seyn, da ein solches Stück auch in Obersachsen die faule Magd genannt wird. Im Nieders. kommt in diesem Verstande auch Metteke und im Ital. Mazzicana vor, und bey den ältern Schweden ist Moisan gleichfalls eine Art großer Kanonen. Daß es in dieser Bedeutung, wie Frisch will, von Amazone abstamme, ist nur ein Traum.
 
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3. Die Mêtze, plur. die -n, eine Weibsperson, welche ihren Leib Mannspersonen auf eine unerlaubte Art überlässet; eine Hure, obgleich nicht mit einem so harten und verächtlichen Nebenbegriffe, als diesem Worte anklebet. Es scheinet im Oberdeutschen am üblichsten zu seyn. Wenigstens kommt es im Hochdeutschen nur noch zuweilen in der Büchersprache vor. Einem jeglichen Mann eine Metze, oder zwey zur Ausbeute, Richt. 5, 30. Sie schmücken sie mit Golde wie eine Metze zum Tanz, Var. 6, 8.
   Anm. In dieser eingeschränkten Bedeutung im Nieders. Mutze, im Holländ. Mot, im Ital. Mozza, Camozza, welches aber auch eine Gäms bedeutet. Man hat mancherley Ableitungen von diesem Worte. Diejenigen, welche Hure von heuren abstammen lassen, leiten auch Metze von miethen ab; noch unwahrscheinlicherer zu geschweigen. Allein es scheinet überhaupt eine junge Person

[Bd. 3, Sp. 195]


weiblichen Geschlechtes bedeutet zu haben, und von Mädchen nur in der Ableitungssylbe verschieden zu seyn. Das Englische Miss, Span. Moça und Muchacha, das Holländ. Meisje, und Wend. Muschica und Muzica, bedeuten so wohl eine junge Person weiblichen Geschlechtes, als auch im gelinden Verstande eine Hure. Wenn es nicht gar überhaupt ein Ding weiblichen Geschlechtes bezeichnet. Im Oberdeutschen ist Metze eine Hündinn, eine Betze, wo m und b Buchstaben eines und eben desselben Sprachwerkzeuges sind, und im Nieders. ist Mutte ein Schwein weiblichen Geschlechtes, eine Sau. S. Adelung Mutter.
 
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4. Die Mêtze, plur. die -n, ein altes Wort, welches jetzt nur noch ein gewisses Mengenmaß trockner Dinge ist, in welchem Verstande im Deutschen besonders ein gedoppeltes Maß diesen Nahmen führet. 1) Ein größeres, welches in Oberdeutschland üblich ist, aber auch daselbst nicht von einerley Gehalte zu seyn scheinet. In Nürnberg hält ein Malter 8 Metzen, eine Metze vier Diethaufen, ein Diethaufe 2 Diethäuflein, ein Diethäuflein aber 2 Maß. In Regensburg hält ein Schaff, welches so viel als ein Hamburgisches Wispel ist, 4 Mäß, ein Mäß 4 Vierlinge, ein Vierling aber 2 Metzen; dagegen in Augsburg 8 Metzen oder 4 Vierlinge ein Schaff machen. Im Österreichischen gehen 30 Metzen auf ein Muth; eine Metze hält daselbst 4 Viertel oder 8 Achtel. Drey Wienerische Metzen machen vier Hamburgische Faß. In Ulm bestehet ein Immi aus 4 Mittlen, oder 24 Metzen, oder 96 Vierteln. In Frankfurt am Main und der Pfalz hält ein Achtel, welches mit unserm Malter überein kommt, 4 Simmer, 8 Metzen, 16 Sechter, oder 64 Gescheid. Metze und Meste sind daselbst gleichbedeutende Wörter. In Erfurt hält ein Malter 4 Viertel, ein Viertel 3 Scheffel, ein Scheffel 4 Metzen, eine Metze aber 4 Mäßchen. 2) Ein kleineres, welches in ganz Ober- und Niedersachsen üblich ist, wo es den 16ten Theil eines Scheffels, oder den 4ten Theil eines Viertels beträgt, aber nach Verschiedenheit des Scheffels auch wiederum von verschiedener Größe ist. Im Osnabrückischen wird eine solche Metze auch ein Becher genannt. In einigen Gegenden wird die Metze wiederum in vier Mäßchen oder Mäßel getheilet. Von dieser Art ist auch die Mahlmetze, d. i. diejenige Metze Getreides, welche der Müller als seine Gebühr von jedem Scheffel zu nehmen befugt ist, und welche im Nieders. auch die Matte, im mittlern Lat. aber Matta genannt wird. Die Mahlmetze ist alt, und kommt schon in einer Urkunde von 1276 bey dem Ludewig in Reliq. Th. I, S. 115 vor.
   Anm. Metze, Maß, das Oberdeutsche Muth und Lat. Modius. und Metreta, sind sehr genau verwandt und bedeuten insgesammt ein gewisses bestimmtes obgleich verschiedenes Maß körperlicher Dinge. So fern dieses Maß ein Gefäß ist, gehöret auch Meste hierher. S. diese Wörter.
 
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Die Mêtzeley, plur. die -en, S. das folgende.
 
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Mêtzeln, verb. reg. act. welches das Iterativum oder Frequentativum von metzen, schneiden, ist. Es bedeutet, 1) ungeschickt schneiden, aus Ungeschicklichkeit statt Eines Mahles mehrmahls schneiden, setzen; in welchem Verstande es so wie das zusammen gesetzte zermetzeln besonders im gemeinen Leben üblich ist. Daher die Metzeley oder das Gemetzel, ein solches ungeschicktes Schneiden. 2) * Schlachten, im mittlern. Lat. macellare; in welchem Verstande es nur noch im Oberdeutschen üblich ist. Der Metzger hat heute nicht gemetzelt. Daher eben daselbst der Metzger auch der Metzler genannt wird, bey dem Ottfried Mezalar; der Metzeltag, der Schlachttag. 3) Niederhauen, niedermachen, Franz. massacrer; in welchem Verstande es besonders in dem zusammen gesetzten niedermetzeln üblich ist. Daher die Metzeley, ein Blutbad. So auch die Metzelung.

[Bd. 3, Sp. 196]



 
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1. Mêtzen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, von 4. Metze 2. Der Müller metzet, wenn er die ihm bestimmte Mahlmetze vor dem Mahlen von dem Getreide wegnimmt. Nieders. matten.
 
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2. * Mêtzen, verb. reg. act. ein altes Wort, welches ehedem schneiden, hauen, schlachten, niedermachen u. s. f. bedeutete, aber im Hochdeutschen veraltet ist. Im Oberdeutschen kommt es so wie die Iterativa metzeln und metzgen noch für schlachten vor. Es ist das Intensivum von dem alten meiden, meden, schneiden, welches wiederum von mähen abstammet, schon bey dem Ulphilas maitan lautet, und mit dem Lat. mactare Eines Geschlechtes ist. Unser metzen lautet im Holländ. matsen, im Ital. mazzare, ammazzare, im Span. matar, im mittlern Lat. matare, im Slavon. messar, im Ungar. metzöm, im Arab. maza; alle in der Bedeutung so wohl des Schneidens und Schlagens, als auch des Umbringens, Schlachtens und Niedermachens. Ein Überrest ist außer den vorigen und folgenden Wörtern auch noch die letzte Sylbe des Wortes Steinmetz, einen Steinhauer zu bezeichnen. Allein das Franz. Maçon, ein Maurer, und maçonner, mauern, gehöret mehr zu Masse, Massiv, als hierher. S. Adelung Mähen, Matt, Meißel, Messer u. s. f.
 
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Das Mêtzengêld, des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, dasjenige Geld, womit man dem Müller die ihm gehörige Mahlmetze abkauft, das Mahlgeld, Nieders. Mattelgeld. S. 4. Metze 2.
 
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* Mêtzgen, verb. reg. act. welches nur im Oberdeutschen üblich ist, wo es schlachten bedeutet. Der Metzger hat heute nicht gemetzget. Im Nieders. ist matsken in noch weiterer Bedeutung schneiden, hauen, fetzen. Es ist aus metzigen zusammen gezogen, und vermittelst der iterativen Endung -igen von 2. Metzen gebildet. Metzeln und metzigen bedeuten einerley und sind nur in den Ableitungssylben unterschieden. S. -igen. Hieraus erhellet zugleich, daß man dieses und das folgende Wort richtiger mit einem g als mit einem ch schreibet.
 
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Der Mêtzger, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Metzgerinn, ein vorzüglich im Oberdeutschen übliches Wort, einen Fleischer zu bezeichnen, wo auch Metzler dafür üblich ist, bey dem Ottfried Mezalar im mittlern Lat. Macellarius, im Ital. Macellaio. Man könnte es von Mett, Fleisch, ableiten, von welchem Worte auch Fleischer in eben derselben Bedeutung herstammt, so wie das Böhm. Massar, ein Fleischer, von Masso, Fleisch, gebildet ist, wenn nicht die Abstammung von dem vorigen metzgen zu gewiß wäre, da es denn genau das ausdruckt, was die Niedersachsen mit ihrem Schlächter sagen. S. Adelung Fleischer. Im Oberdeutschen sind von diesem Worte alle Zusammensetzungen üblich, welche man im Hochdeutschen am liebsten mit Fleischer macht. Der Metzgerknecht, Metzgerhund, Metzgergang, ein vergeblicher Gang, Metzgerpost, die Fortschaffung der Briefe und Packete durch die Metzger, welche der Ursprung des ganzen heutigen Postwesens ist, und noch in einigen Oberdeutschen Gegenden angetroffen wird, u. s. f.

 

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