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Mêssen bis Mêsserschmid (Bd. 3, Sp. 185 bis 187)
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Artikelverweis  Mêssen, verb. irreg. ich messe, du missest, er misset, zusammen gezogen mißt; Imperf. ich māß, Conjunct. ich mäße; Mittelw. gemessen; Imperat. míß. Es wird in doppelter Gestalt gebraucht.
   I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, wo es doch nur im gemeinen Leben üblich ist, ein gewisses Maß enthalten. Das Korn mißt zehen Scheffel, hält zehen Scheffel am Maße. Das Tuch mißt zwanzig Ellen. Ist so viel Ellen lang.
   II. Als ein Activum, in welcher Gestalt es am üblichsten ist. 1) In der weitesten Bedeutung, genau bestimmen, den Graden, der Einschränkung nach bestimmen; in welcher Bedeutung doch nur noch das Mittelwort gemessen in verschiedenen einzelnen Fällen gebraucht

[Bd. 3, Sp. 186]


wird. Gemessene Frohndienste, bestimmte, eingeschränkte; im Gegensatze der ungemessenen. Jemanden gemessenen Befehl geben, genau bestimmten. Ich habe es ihm noch gemessener befohlen. Einem etwas auf das gemessenste befehlen, ihm den gemessensten Befehl geben. Jemanden auf das gemessenste instruiren. Sich auf das behuthsamste und gemessenste ausdrücken, Less. 2) In engerer Bedeutung, eine unbekannte Größe vermittelst einer bekannten Größe finden oder bestimmen; wo es in der Mathematik in der weitesten Bedeutung des Wortes Größe gebraucht wird, so daß auch die Bestimmung der Anzahl, der Schwere u. s. f. mit zu dem Messen gerechnet wird, wofür man die besondern Ausdrücke zählen, wägen u. s. f. hat. Daher man dieses Wort auch oft von der Bestimmung der unbekannten Größe der Intension vermittelst einer bekannten, gebraucht. Wer misset das Brausen des Windes? 4 Esr. 4, 5. Ich maß mich in meinen Gedanken mit dem Cleanth, und ich wundre mich, daß eine Isabelle ihn lieben kann, Weiße; d. i. ich suchte das Verhältniß der Größe seiner Eigenschaften gegen die meinigen zu finden. In figürlichem Verstande ist, sich mit jemanden messen, auch, sich mit ihm in einen Wettstreit, in einen Zweykampf u. s. f. einlassen, um zu sehen, wer von beyden der stärkste, der geschickteste u. s. f. sey, es mit ihm aufnehmen. 3) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung, die unbekannte Ausdehnung und Menge vermittelst einer bekannten erforschen und zu bestimmen suchen. Die Länge, die Breite, die Tiefe, die Höhe messen. Etwas mit der Elle, mit der Meßschnur, mit der Ruthe, mit dem Zirkel messen. Das Getreide mit dem Scheffel, das Bier mit dem Stübchen, den Wein mit der Kanne messen. Die Weite zweyter Örter messen.
   So auch die Messung, plur. die -en, von mehrern Handlungen dieser Art.
   Anm. Schon im Isidor mezssen, bey dem Ottfried mezzen, mezen. Andere Sprachen und Mundarten haben statt des Zischlautes ihr gewöhnliches t, wie das Nieders. meten, das Dän. maade, das Schwed. mäta, das Angels. metan, das Engl. to mete, das Ulphilanische mitan, das Lat. metiri, das Griech. μετρειν, und selbst das Hebr. 05de05d305d3. Das hohe Alter dieses Wortes macht es ungewiß, ob es von meißen, meiden, mähen, schneiden, abstammet, Lat. merere, so daß zunächst die Bestimmung der Gränze durch einen Schnitt dadurch bezeichnet würde, oder unmittelbar von mähen, sich bewegen, so daß dadurch vornehmlich die mit dem Messen verbundene Bewegung ausgedruckt wird. In den Zusammensetzungen beymessen, ermessen, zumessen, vermessen, hat es noch verschiedene figürliche Bedeutungen, S. diese Wörter. Bey dem Kero ist uuidarmezzen wieder vergelten. S. auch das Maß und Metze.
 
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1. Der Mêsser, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Messerinn, von dem vorigen Zeitworte, eine Person, welche misset, besonders eine dazu bestellte Person, gewisse Ausdehnungen und Mengen zu messen. Der Feldmesser, Kornmesser, Holzmesser, Kohlenmesser u. s. f.
 
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2. Das Mêsser, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. das Messerchen, Oberd. Messerlein. 1) * Im weitesten Verstande, ein Werkzeug zum Schneiden, Stechen, Hauen, Stoßen, Schlagen u. s. f. in welchem es im Deutschen veraltet ist. Im Schwabenspiegel ist Stechmezzer ein langer Degen, im Nieders. aber Steekmetz, und im Schwed. Stekamets, ein Dolch, ein Degen. Im Böhm. ist Mec, im Wend. Mecz, und im Krainer. Metsch, gleichfalls ein Degen, womit auch das Angels. Mece, Meca, das Schwed. Mäkir, das Krimmische Myca, das Finnländ. Micka, und das Griech. und Lat. μαχαιρα, alle in der Bedeutung eines Degens, verwandt sind. Unser Hackmesser und Wiegemesser

[Bd. 3, Sp. 187]


scheinen diese alte weitere Bedeutung noch aufbehalten zu haben. Im mittlern Lat. bedeutet Macia, Machia, eine Keule, Franz. Messue, Masse. 2) In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, ein Werkzeug mit einer langen Klinge, damit zu schneiden, besonders so fern das Schneiden mit einer Art von Ziehen verbundenen ist; zum Unterschiede von einer Schere, welche nicht nur zwey Klingen hat, sondern das Schneiden auch allein vermittelst des Druckes verrichtet. Das Tischmesser, Brotmesser, Küchenmesser, Balbiermesser, Schermesser, Fadermesser, Weidemesser, Gartenmesser, Schlachtmesser, Pflugmesser u. s. f. Einem das Messer an die Kehle setzen, ihn in die äußerste Verlegenheit bringen. Uns stehet das Messer an der Kehle, wir befinden uns in der äußersten Verlegenheit. Das große Messer führen, prahlen, aufschneiden.
   Anm. In dem alten Gedichte auf den heil. Anno Mezzir, im Nieders. ohne Ableitungssylbe Metz, Mest, im Holländ. Mes, im Ungar. Metzöker. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe -er, welche ein Werkzeug bedeutet, von dem veralteten Zeitworte meißen, schneiden, hauen, stechen, schlagen, gebildet, welches wiederum von meiden und mähen abstammet. Siehe Mähen, Meißel, Metzeln, Metzcher u. a. m.
 
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Das Mêsserbestêck, oder Mêssergestêck, des -es, plur. die -e, ein Futteral mit einem oder mehrern Paaren Messern und Gabeln.
 
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Das Mêsserhêft, des -es, plur. die -e, das Heft an einem Messer, wobey man dasselbe angreift und handhabet.
 
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Die Mêsserklinge, plur. die -n, die Klinge, d. i. der schneidende Theil eines Messers, oder an einem Messer; Nieders. das Lämmel, Holländ. Lämmer, nach dem Lat. Lamina.
 
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Der Mêsserlohn, des -es, plur. doch nur im gemeinen Leben von mehrern Summen, die -löhne, der Lohn, welchen der Messer für das Messen bekommt; das Meßgeld, Nieders. Metelgeld. S. 1. Messer.
 
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Die Mêsserschale, plur. die -n, eine von den zwey Hälften, woraus das Heft an einem Messer bestehet.
 
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Mêsserscharf, adj. et adv. so scharf, wie ein Messer. Bey den Schlössern werden die dreyeckigen Feilen messerscharfe Feilen genannt.
 
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Die Mêsserscheide, plur. die -n, die Scheide zu einem Messer.
 
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Der Mêsserschmid, des -s, plur. die -schmiede, ein Schmid, welcher nur allein, oder doch hauptsächlich Messer- und Gabelklingen verfertiget; im Oberd. Messerer, Nieders. Mestmaker.

 

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