Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mêrthe bis Mêssen (Bd. 3, Sp. 184 bis 185)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Die Mêrthe, S. Adelung Mährte.
 
Artikelverweis 
Der Mêrz, S. Adelung März.
 
Artikelverweis 
Mêrzen, S. Adelung Ausmerzen.
 
Artikelverweis 
Das Mêrzschaf, des -es, plur. die -e, in der Landwirthschaft, Schafe welche ausgemerzet worden, S. dieses Wort. So auch das Merzvieh, des -es, plur. car. ausgemerztes Vieh.
 
Artikelverweis 
Die Mêspel, S. Adelung Mispel.
 
Artikelverweis 
Das Méßamt, des -es, plur. die -ämter, in der Römischen Kirche, die Haltung der Messe, als ein Amt, d. i. eine feyerliche gottesdienstliche Handlung betrachtet, welche am häufigsten die Messe schlechthin genannt wird.
 
Artikelverweis 
Mếßbar, -er, -ste, adj. et adv. von dem Zeitworte messen, was gemessen werden kann. Daher die Meßbarkeit.
 
Artikelverweis 
Der Mêßbrief, des -es, plur. die -e. 1) Von Messe, ein großer Jahrmarkt, bey den Kaufleuten, ein auf eine gewisse Messe gestellter Wechselbrief, ein Wechselbrief, welcher in und auf einer Messe zahlbar ist. 2) Von dem Zeitworte messen, in den Seestädten, ein obrigkeitliches Zeugniß von der Größe und dem Raume eines Schiffes.
 
Artikelverweis 
Das Mếßbūch, des -es, plur. die -bǖcher. 1) Von Messe, Missa, in der Römischen Kirche, ein gottesdienstliches Buch, worin die bey den Messen üblichen Feyerlichkeiten vorgeschrieben sind; Missale. 2) Von Messe, ein großer Markt, ein Handlungsbuch der Kaufleute, in welches sie ihre Meßgeschäfte einzutragen pflegen.
 
Artikelverweis 
Die Mêsse, plur. die -n, ein Wort, welches jetzt in einer gedoppelten Hauptbedeutung gebraucht wird.
   1. Als ein Kirchenwort, besonders der Römischen Kirche, wo es 1) eigentlich ehedem denjenigen Theil des Gottesdienstes bezeichnete, welcher nach der Predigt und Entlassung der Katechumenen gehalten wurde, und welchem nur allein die Gläubigen beywohnen durften. Dieser Theil des Gottesdienstes bekam in der Lateinischen Kirche den Nahmen Missa, von den Worten des Diakoni: Ite, missa est, nach welchen die Katechumeni sich entfernen mußten. Die dieser Theil des Gottesdienstes hauptsächlich in dem Genusse des Abendmahles bestand, aus welchem man in den ersten Jahrhunderten des Christenthumes eine Art des Geheimnisses machte, welchem nur allein die Gläubigen beywohnen konnten, so bekam daher dasselbe den Nahmen der Messe, im mittlern Lat. Missa, obgleich Ten Kare dieses Wort von dem alten bey dem Ulphilas befindlichen Mesa, ein Tisch, ableiten will, weil das Abendmahl auch der Tisch des Herrn genannt wird. In dieser Bedeutung ist es jetzt veraltet, indem in der Römischen Kirche nur

[Bd. 3, Sp. 185]


noch derjenige Theil des Gottesdienstes, da der Priester zum Andenken des Todes Christi, oft aber auch zur Verdienstlichkeit für andere, das Abendmahl selbst genießet, die Messe und zuweilen auch das Meßopfer genannt wird, dagegen der Genuß des Abendmahles anderer daselbst die Communion heißt. In der Fränkischen Mundart schon im 8ten Jahrhunderte Messa, im Angels. Masse, im Franz. Messe, im Engl. Mass, im Schwed. Messa, im Ital. Messa. Die Messe lesen, diesen Theil des Gottesdienstes durch Ablesung des vorgeschriebenen Formulares halten, welches an den gewöhnlichen Sonn-, Fest- und Wochentagen geschiehet; dagegen an hohen Festen die Messe gesungen, und eine solche Messe die hohe Messe, oder Hochmesse, oder auch das Hochamt genannt wird. In die Messe gehen. Messe hören. In die Messe läuten. Die Frühmesse, welche des Morgens in der Frühe gehalten wird. S. auch Mette. Die obige Ableitung dieses Wortes bestätiget auch Kero, welcher Missas durch Santom erkläret, von senden, entlassen, so wie sie in der Griechischen Kirche αφεσεις genannt wurde. 2) Eine musikalische Kirchen-Composition über einen aus verschiedenen biblischen Sprüchen zusammen gesetzten, gemeiniglich Lateinischen Text, wo die Worte immer eben dieselben bleiben. Sie sind in der Römischen Kirche am üblichsten, und haben den Nahmen vermuthlich daher, weil sie nach Art einer gesungenen Messe im vorigen Verstande componiret sind. S. Brautmesse, welches auch noch in einigen evangelischen Gegenden üblich ist. 3) Ein Fest, weil der wichtigste und feyerlichste Theil eines Festes in der Römischen Kirche in der Messe bestehet. In diesem Verstande war es in den mittlern Zeiten üblicher als jetzt, wo noch Kirchmesse und Lichtmesse diese Bedeutung aufbehalten haben. 2. Ein öffentlicher zum Handel und Wandel auf besondere und vorzügliche Art privilegirter Jahrmarkt. 1) Eigentlich. Eine Messe an einem Orte anlegen. Auf die Messe reisen. Die Messe war schlecht, gut u. s. f. Der Nahme, welcher nur von großen mit besondern Freyheiten begabten Jahrmärkten gebraucht wird, erhält zugleich den Ursprung so wohl derselben als auch der Jahrmärkte. Bey den gottesdienstlichen Festen, welche ehedem, wie aus dem vorigen erhellet, auch Messen genannt wurden, pflegten sich gar bald allerley Krämer und Kaufleute einzufinden, welche ihre Waaren bey dem Zusammenflusse mehrerer Menschen abzusetzen suchten; und da die Geistlichen ihre Rechnung dabey fanden, so duldeten sie nicht nur selbige, sondern verschaffeten ihnen nach und nach große Freyheiten. Daß dieser Gebrauch sehr alt ist, erhellet unter andern aus dem heil. Basilius, welcher schon dawider eiferte. Von den geistlichen Festen, welche zu den Jahrmärkten Anlaß gaben, werden diese noch an manchen Orten der Ablaß, in Oberdeutschland der Dult und Indult, in Danzig der Dominik, und im mittlern Lat. Festum und Feriae genannt, so wie ein besonders privilegirter Jahrmarkt dieser Art nachmahls den Nahmen der Messe bekam. 2) Ein Geschenk, welches man einander um diese Zeit zu machen pflegt. Jemanden eine Messe schenken, kaufen.
 
Artikelverweis 
Mêssen, verb. irreg. ich messe, du missest, er misset, zusammen gezogen mißt; Imperf. ich māß, Conjunct. ich mäße; Mittelw. gemessen; Imperat. míß. Es wird in doppelter Gestalt gebraucht.
   I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, wo es doch nur im gemeinen Leben üblich ist, ein gewisses Maß enthalten. Das Korn mißt zehen Scheffel, hält zehen Scheffel am Maße. Das Tuch mißt zwanzig Ellen. Ist so viel Ellen lang.
   II. Als ein Activum, in welcher Gestalt es am üblichsten ist. 1) In der weitesten Bedeutung, genau bestimmen, den Graden, der Einschränkung nach bestimmen; in welcher Bedeutung doch nur noch das Mittelwort gemessen in verschiedenen einzelnen Fällen gebraucht

[Bd. 3, Sp. 186]


wird. Gemessene Frohndienste, bestimmte, eingeschränkte; im Gegensatze der ungemessenen. Jemanden gemessenen Befehl geben, genau bestimmten. Ich habe es ihm noch gemessener befohlen. Einem etwas auf das gemessenste befehlen, ihm den gemessensten Befehl geben. Jemanden auf das gemessenste instruiren. Sich auf das behuthsamste und gemessenste ausdrücken, Less. 2) In engerer Bedeutung, eine unbekannte Größe vermittelst einer bekannten Größe finden oder bestimmen; wo es in der Mathematik in der weitesten Bedeutung des Wortes Größe gebraucht wird, so daß auch die Bestimmung der Anzahl, der Schwere u. s. f. mit zu dem Messen gerechnet wird, wofür man die besondern Ausdrücke zählen, wägen u. s. f. hat. Daher man dieses Wort auch oft von der Bestimmung der unbekannten Größe der Intension vermittelst einer bekannten, gebraucht. Wer misset das Brausen des Windes? 4 Esr. 4, 5. Ich maß mich in meinen Gedanken mit dem Cleanth, und ich wundre mich, daß eine Isabelle ihn lieben kann, Weiße; d. i. ich suchte das Verhältniß der Größe seiner Eigenschaften gegen die meinigen zu finden. In figürlichem Verstande ist, sich mit jemanden messen, auch, sich mit ihm in einen Wettstreit, in einen Zweykampf u. s. f. einlassen, um zu sehen, wer von beyden der stärkste, der geschickteste u. s. f. sey, es mit ihm aufnehmen. 3) In der engsten und gewöhnlichsten Bedeutung, die unbekannte Ausdehnung und Menge vermittelst einer bekannten erforschen und zu bestimmen suchen. Die Länge, die Breite, die Tiefe, die Höhe messen. Etwas mit der Elle, mit der Meßschnur, mit der Ruthe, mit dem Zirkel messen. Das Getreide mit dem Scheffel, das Bier mit dem Stübchen, den Wein mit der Kanne messen. Die Weite zweyter Örter messen.
   So auch die Messung, plur. die -en, von mehrern Handlungen dieser Art.
   Anm. Schon im Isidor mezssen, bey dem Ottfried mezzen, mezen. Andere Sprachen und Mundarten haben statt des Zischlautes ihr gewöhnliches t, wie das Nieders. meten, das Dän. maade, das Schwed. mäta, das Angels. metan, das Engl. to mete, das Ulphilanische mitan, das Lat. metiri, das Griech. μετρειν, und selbst das Hebr. 05de05d305d3. Das hohe Alter dieses Wortes macht es ungewiß, ob es von meißen, meiden, mähen, schneiden, abstammet, Lat. merere, so daß zunächst die Bestimmung der Gränze durch einen Schnitt dadurch bezeichnet würde, oder unmittelbar von mähen, sich bewegen, so daß dadurch vornehmlich die mit dem Messen verbundene Bewegung ausgedruckt wird. In den Zusammensetzungen beymessen, ermessen, zumessen, vermessen, hat es noch verschiedene figürliche Bedeutungen, S. diese Wörter. Bey dem Kero ist uuidarmezzen wieder vergelten. S. auch das Maß und Metze.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: