Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Mêrkbar bis Mêrlan (Bd. 3, Sp. 181 bis 183)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Mêrkbar, -er, -ste, adj. et adv. was gemerket, d. i. durch die Sinne empfunden werden kann; merklich. Sich dem Gehöre merkbar machen.
 
Artikelverweis 
Mêrken, verb. reg. act. welches in gedoppelter Bedeutung üblich ist.
   1. Eigentlich, zeichnen, mit einem Merke, einer Marke oder einem Zeichen versehen, um eine Sache daran wieder zu erkennen, wofür doch marken üblicher ist; bey dem Ulphilas markan, im Nieders. marken, im Schwed. märka, im Bretagnischen merca, im Engl. to mark. Einen Ballen Waare merken, zeichnen, marken. Das Vieh merken. Einen Tag im Kalender merken, anzeichnen. Einen Ort merken, zeichnen. S. auch Anmerken und Bemerken.

[Bd. 3, Sp. 182]



   2. Figürlich. 1) Die Gegenwart einer Veränderung aus gewissen Merk- oder Kennzeichen schließen, oder muthmaßlich urtheilen, wo es von allen Sinnen gebraucht werden kann, so fern sie zur Empfindung dieser Merkmahle oder Kennzeichen dienen. Ich merke nichts, sagt man, wenn man berühret wird, und keine Empfindung davon hat. Pharao merkte, daß es ein Traum war, 1 Mos. 14, 7. David nahm den Spieß und den Wasserbecher und war niemand, der es sahe, noch merkte, 1 Sam. 26, 12. Ich merke deine List. Den Possen, die Schelmerey merken. Man stichelte auf ihn, aber er merkte nichts. Ich merke, daß ich abnehme. Damit es die Leute nicht merken. Ich merkte, daß mein Gesicht glühete. Aus allen Umständen merke ich, daß er es sehr ungern thut. In weiterer Bedeutung für erkennen, urtheilen, ist es im Hochdeutschen nicht mehr üblich, ob es gleich in der Deutschen Bibel sehr häufig in derselben vorkommt. Ein Vernünftiger merket den Mann an seinen Geberden, Sir. 19, 26. An den Früchten merket man, wie des Baums gewartet ist, also merket man an der Rede, wie das Herz geschickt ist, Sir. 27, 7. Durch den Glauben merken wir, daß die Welt durch Gottes Wort fertig ist, Ebr. 11, 3; und so in andern Stellen mehr. Wohl aber mit dem Zeitworte lassen. Etwas merken lassen, machen, daß andere das Daseyn einer Veränderung an uns aus gewissen Merkmahlen schließen können. Er sucht etwas darin, seinen Verdruß merken zu lassen, oder andere seinen Verdruß merken zu lassen; nicht andern, weil, wenn die R. A. aufgelöset wird, die Person in der ersten Endung stehet, zu machen, daß andere seinen Verdruß merken. Laß ihn nichts davon merken. Laß nicht merken, daß du Französisch verstehest. Ich bin krank, aber ich lasse es nicht merken. Ich habe ihn gebethen, dich nichts merken zu lassen, Gell. Ingleichen, als ein Reciprocum. Er ließ sichs merken, daß er ihn nicht gern sahe. Laß dich nichts merken, d. i. gib keinen Anlaß, daß man etwas davon merke, besonders so fern der Anlaß durch Worte gegeben wird. Die dritte Endung, laß dir nichts merken, wie viele sprechen und schreiben, ist eben so unrichtig, als laß mir es nicht empfinden, lassen sie mir es thun u. s. f. Laß dich ja nichts gegen ihn von der Sache merken. Hat sie sich etwas davon gegen dich merken lassen? 2) Acht haben, Acht geben, zu bemerken, und in weiterer Bedeutung, zu erkennen suchen; als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. Merket mit Fleiß und schauet, obs daselbst zugehet, Jerem. 2, 10. Im Hochdeutschen nur noch mit dem Vorworte auf; auf etwas merken, seine Aufmerksamkeit darauf richten. Jedermann merket auf meine Handlungen. Dann merket die Welt auf deine Gaben, Gell.
   Der Knabe, den Irin gelehrt,
   Auf jede Schönheit der Natur zu merken,
   Kleist. Merke auf meine Worte. Du merkest nicht auf mich. Merket wohl auf diesen Umstand. S. auch Aufmerken. 3) Vermittelst gewisser Kennzeichen im Gedächtnisse behalten, und in weiterer Bedeutung überhaupt, im Gedächtnisse behalten. Merke dir den Ort, wo du es hingelegt hast. Wer kann merken, wie oft er fehlet? Ps. 19, 13. Ich werde mir es merken. Sich etwas aus der Predigt, aus einem Buche merken. Das Wort ist schwer zu merken.
   Das Hauptwort die Merkung ist nur in den Zusammensetzungen üblich.
   Anm. Bey dem Willeram merchen, im Angelsächs. mearcan. Es stammet von Mark, ein Zeichen her, siehe dieses Wort. In der ersten und zweyten figürlichen Bedeutung ist es zwar eigentlich ein Activum, ob es gleich in der leidentlichen

[Bd. 3, Sp. 183]


Gestalt seltener vorkommt, sondern am häufigsten das Ansehen eines Neutrius hat.
 
Artikelverweis 
* Der Mêrker, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Merkerinn, ein größten Theils veraltetes Wort, eine Person zu bezeichnen, welche auf etwas merket, besonders, welche dazu bestellet ist, etwas anzumerken. Bey den Meisterfingern werden noch die Vorsteher der Genossenschaft des Meistergesanges die Merker genannt, weil sie in den Singeschulen in einem besondern Gerüste, welches das Gemerk genannt wird, sitzen, und die Fehler der Singenden anmerken, welche Handlung auch merken schlechthin genannt wird.
 
Artikelverweis 
Mêrklich, -er, -ste, adj. et adv. in der ersten figürlichen Bedeutung des Zeitwortes merken, was sich merken lässet, d. i. dessen Daseyn man aus gewissen Kennzeichen schließen kann; im Gegensatze des unmerklich. Ich konnte ihn nicht ansehen, wenn ich nicht merklich erröthen wollte, so daß andere es gemerket hätten. Einem etwas auf eine sehr merkliche Art zu verstehen geben. Einen merklichen Schaden, einen merklichen Nutzen von etwas haben. Er hat sich merklich gebessert. Die Tage werden schon merklich länger. Für merkwürdig ist es in der anständigen Schreibart der Hochdeutschen veraltet, ungeachtet es im gemeinen Leben in dieser Bedeutung noch häufig ist. Und verdorren den andern zum merklichen Exempel, Sir. 19, 3.
 
Artikelverweis 
Die Mêrklichkeit, plur. car. die Eigenschaft, der Zustand einer Sache, da sie merklich ist. Die Merklichkeit des Einflusses einer Handlung in andere Personen und Handlungen.
 
Artikelverweis 
Das Mêrkmahl, des -es, plur. die -e, ein Mahl, d. i. Zeichen, woran man eine Sache entdecket, ihre Gegenwart oder Annäherung erkennet, sich derselben wieder erinnert, von der ersten und dritten figürlichen Bedeutung des Zeitwortes merken; das Merkzeichen. Die Windstille ist den Schiffen ein zuverlässiges Merkmahl eines bevor stehenden Sturmes. Oft auch ein jedes Zeichen, woran man eine Sache erkennet, d. i. sie von andern unterscheidet; ein Kennzeichen.
 
Artikelverweis 
Merkūr, in der Götterlehre der Griechen und Römer, der Gott der Beredsamkeit und Handlung, welcher zugleich das Amt eines Bothen der Götter verwaltete. Unter den Planeten heißt der sechste, welcher der Sonne am nächsten ist, der Merkur. In der Chymie ist es der Nahme des Quecksilbers; wo aber nur allein die vollständige Form Merkurius oder Mercurins üblich ist.
 
Artikelverweis 
Mêrkwürdig, -er, -ste, adj. et adv. von der dritten figürlichen Bedeutung des Zeitwortes merken, würdig, oder werth, gemerket, d. i. im Gedächtnisse behalten zu werden; denkwürdig. Ein merkwürdiger Tag. Das war mir, oder schien mir sehr merkwürdig.
 
Artikelverweis 
Die Mêrkwürdigkeit, plur. die -en. 1) Die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sie merkwürdig ist; ohne Plural. 2) Eine merkwürdige Sache, merkwürdige Begebenheit. In beyden Fällen auch die Denkwürdigkeit.
 
Artikelverweis 
Das Mêrkzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. in der ersten figürlichen Bedeutung des Zeitwortes merken, ein Zeichen, woraus man die Gegenwart einer Sache oder Veränderung schließet; wofür doch Merkmahl üblicher ist. Ingleichen in der dritten Bedeutung, ein Zeichen, eine Sache vermittelst desselben zu merken, d. i. im Gedächtnisse zu behalten, oder sich derselben wieder zu erinnern. Sich ein Merkzeichen machen.
 
Artikelverweis 
Der Mêrlan, des -es, plur. die -e, in einigen Gegenden, ein Nahme des Meerhechtes, Gadus Merlucius L. wenn es nicht vielmehr der verwandte Witling oder Weißfisch, Gadus Merlangus, ist. Im Franz. ist Merlan, oder Moruë, im

[Bd. 3, Sp. 184]


mittlern Lat. Merluus, der gleichfalls verwandte Stockfisch oder Rabliau, Gadus Morhua.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: