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Mênsch bis Mênschenfurcht (Bd. 3, Sp. 178 bis 179)
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Artikelverweis Das Mênsch, des -es, plur. die -er, das vorige Wort, nur mit verändertem Geschlechte und in eingeschränkter Bedeutung. 1. * Eine Person männlichen Geschlechtes, besonders in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung. O du unmenschlichs Mensch, redet Opitz einen Selbstmörder an. Im Schwabenspiegel wird daz Mensche und der Mensch, ohne Unterschied, von einer männlichen Person gebraucht. 2. Eine Person weiblichen Geschlechtes. 1) * Überhaupt und ohne allen verächtlichen Nebenbegriff; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, welche noch bey dem Opitz, besonders von einer jungen unverheiratheten Person, mehrmahls vorkommt. Ein reiches Mensch, ein reiches Mädchen, eine reiche Jungfer, Opitz.
   Diß Mensch soll solche Noth, soll solche große Noth
   Mir seilen auf den Hals?
   Opitz.
   Kein kluger liebt ein Mensch von ihrer Kleidung wegen,
   Die sonsten gräulich ist,
   ebend.
   Hie liegt der zugebracht sein Leben hat mit Lieben
   Zu lieben dieses Mensch, das allzeit ihn geplagt,
   ebend. Nur in den niedrigen Sprecharten kommt es noch zuweilen in diesem Verstande vor.
   Das Mensch (die flinke Hanne) gefällt auch ungeputzt,
   Haged. 2) In engerer Bedeutung, eine geringe Person weiblichen Geschlechtes, im verächtlichen Verstande. Ein armes Mensch. Ein böses, zanksüchtiges Mensch. Ein Frauensmensch, Weibsmensch. Besonders eine zu geringen Diensten verpflichtete weibliche Person, eine Magd, Ital. Massara; doch auch nur in der harten und verächtlichen Sprechart. Ein Dienstmensch, Küchenmensch, Kindermensch, Stubenmensch. Dem armen Menschen, (Mensche,) Gell. An den Höfen sind die Kammermenscher geringere Kammerbedienten, welche unmittelbar auf die Kammerdienerinnen folgen, und ihres geringen und verächtlichen Titels ungeachtet oft Figur genug machen. Die Kehrmenscher sind eben daselbst geringere weibliche Personen, welche die Zimmer auskehren. In noch verächtlicherm Verstande pflegt man eine Hure in manchen Gegenden nur ein Mensch zu nennen; wo es zugleich ein Schimpfwort ist, welches auf Anbringen des Klägers gerichtlich geahndet wird. Engl. Wench, ein junges Mädchen, und eine Hure.
 
Artikelverweis Das
Mênschenalter, des -s, plur. ut nom. sing. das gewöhnliche Alter, die gewöhnliche Lebenszeit eines Menschen. Sechs Menschenalter lang.
 
Artikelverweis 
Das Mênschenblut, des -es, plur. car. das Blut von einem Menschen. Menschenblut vergießen, einen Menschen umbringen.
 
Artikelverweis 
Der Mênschendieb, des -es, plur. die -e, S. Adelung Menschenräuber.
 
Artikelverweis 
Der Mênschenfeind, des -es, plur. die -e, eine Person, welche andere hasset, bloß weil sie Menschen sind.
 
Artikelverweis 
Mênschenfeindlich, -er, -ste, adj. et adv. in dem Menschenhasse gegründet, daraus herrührend. Ein menschenfeindliches Verfahren.
 
Artikelverweis 
Der Mênschenfrêsser, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Menschenfresserinn, Menschen, welche andere Menschen fressen

[Bd. 3, Sp. 179]


oder essen, dergleichen es unter manchen wilden Völkern in den ungesitteten Welttheilen gibt.
 
Artikelverweis 
Der Mênschenfreund, des -es, plur. die -e, eine Person männlichen oder weiblichen Geschlechtes, in welcher die Menschenliebe die herrschende Neigung ist, welche alle Menschen liebet, bloß weil sie Menschen sind.
 
Artikelverweis 
Mênschenfreundlich, -er, -ste, adj. et adv. in der Menschenliebe gegründet, dieselbe besitzend.
 
Artikelverweis 
* Die Mênschenfrucht, plur. die -früchte, die Leibesfrucht eines Menschen, ein Kind; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches noch 4 Mos. 18, 15, 16 vorkommt.
 
Artikelverweis 
Die Mênschenfurcht, plur. car. die Furcht vor Menschen; zum Unterschiede von der Gottesfurcht. In engerer Bedeutung, die ungeordnete oder unerlaubte Furcht vor Menschen, besonders in der Gottesgelehrsamkeit.

 

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