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Mênger bis Mênschenfeindlich (Bd. 3, Sp. 176 bis 178)
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Artikelverweis Der Mênger, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Mengeln.
 
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Das Mêngsel, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten, ut. nom. sing. mehrere unter einander gemengte Dinge, als ein Ganzes betrachtet; im verächtlichen Verstande ein Mischmasch. Im Nieders. Mengels. S. -Sal.
 
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Der Mênnig, des -es, plur. inus. ein sehr lebhafter pomeranzenrother Farbenkörper, welcher eigentlich eine rothe Bleyasche ist, welche durch eine starke Calcination aus dem Bleye oder Bleyweiße erhalten wird. Im Nieders. Mennje, daher auch einige Hochdeutsche dieses Wort im weiblichen Geschlechte gebrauchen, die Mennige; im Schwed. Mönja, im Dän. Mönne, Minie, im Franz. Mine, Mine de plomb; alle aus dem Lat. Minium, welches vermuthlich zu dem Worte Minera gehöret, und eigentlich einen jeden gegrabenen Farbenkörper bedeutet haben kann. Wenigstens wird der Bergzinnober noch bey einigen Mennigfarbe genannt. Wenn es bey dem Notker Ps. 70. V. 13 heißt: Die sih mident daz si rote menge fahent under ougen, welche sich schämen, daß sie unter den Augen roth werden: so scheinet es hier für rothe Farbe, Röthe überhaupt zu stehen, wenn Menge anders hier unser Mennig ist.
 
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Der Mênnoníst, oder Mênnonīt, des -en, plur. die -en, ein Nahme, welchen die Wiederkäufer oder Taufgesinnten in Holland führen, von dem Mennon, einem ihrer ersten Lehrer.
 
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Der Mênsch, des -en, plur. die -en, ein Individuum des menschlichen Geschlechtes, d. i. ein mit einer vernünftigen Seele begabtes Thier. 1. Überhaupt und im weitesten Verstande. Alle Menschen sind sterblich. Christus ist ein Mensch oder ist Mensch geworden, S. Adelung Menschwerdung. Jeder Mensch ist frey, und nie muß er es mehr seyn, als wenn es die Wahl seines Glückes betrifft, Sonnenf. Das ist keinem Menschen

[Bd. 3, Sp. 177]


erlaubt. Das glaubt kein Mensch, niemand. Es ist kein Mensch zu Hause, niemand. Das ist alles, was nur ein Mensch thun kann. Mit dem bestimmten Artikel wird es oft im Singular für ein Mensch, oder auch collective für Menschen gebraucht. Was ist der Mensch, daß du sein gedenkest? Ps. 8, 5. Das Leben des Menschen ist vieler Gefahr unterworfen. Nur durch Untersuchung der Triebfedern der Natur entledigt sich der Mensch der Knechtschaft der Natur und wird zu einem freyen Weltbürger, Sulz. 2. In engerer Bedeutung, mit einigen Nebenbegriffen. 1) In Absicht auf dessen veränderliche Umstände. (α) In Ansehung des eingeschränkten Zustandes, der anklebenden Schwachheiten. Wir sind alle Menschen, d. i. eingeschränkte, schwache, Fehlern und Irrthümern unterworfene Menschen. (β) In Ansehung des gesellschaftlichen Lebens gesitteter Menschen und der darin gegründeten Pflichten; im Gegensatze des Unmenschen. Erinnere dich, daß du ein Mensch bist.
   Freund unsre Zeit von Eisen
   Ist sehr an Menschen arm, obgleich sehr reich an Weisen,
   Gieseke. S. Adelung Menschlich, welches in diesem Verstande noch üblicher ist. (γ) In Ansehung der Vernunft, durch welche sich der Mensch von allen übrigen sichtbaren Geschöpfen unterscheidet. Die hellen Zwischenräume der Vernunft, die einzigen Augenblicke, worin der Mensch wahrhaftig ein Mensch ist. 2) Der ganze Gemüthszustand des Menschen; doch nur in der biblischen Schreibart und ohne Plural. Der alte Mensch, das natürliche Verderben, im Gegensatze des neuen Menschen, oder der in der Wiedergeburt hervor gebrachten neuen Fertigkeit; beydes, weil sie sich über alle Fähigkeiten des Menschen erstrecken. Der innere Mensch, bey den Mystikern, das Gemüth, im Gegensatze des äußern Menschen, oder des Körpers. Die Übereinstimmung in dem Laute mit dem Latein. Mens ist hier bloß zufällig, indem dieses zu dem Zeitworte meinen gehöret. 3) Eine Person männlichen Geschlechtes; wo es doch gemeiniglich im verächtlichen Verstande üblich ist, wenigstens nur von solchen Personen gebraucht wird, von welchen man ohne besondere Achtung sprechen zu können glaubt. Mit Achtung gebraucht man dafür das Wort Mann, und mit Ehrerbiethigkeit das Wort Herr. Im Plural hat es in dieser Bedeutung nicht Menschen sondern Leute. Ein artiger junger Mensch. Was ist das für ein Mensch? Ein böser, liederlicher, ruchloser Mensch. Es ist ein guter, ehrlicher Mensch. Ein armer Mensch. Also vertheidigen sie den Menschen noch, Gell. Im weiblichen Geschlechte lautet es in einer ähnlichen Bedeutung das Mensch, S. das folgende.
   Anm. Schon bey dem Kero als ein Hauptwort Mennisch, bey dem Ottfried Mennisco, Mennisg, bey dem Notker Mennischo, im Nieders. Minsk, im Dän. Menniske, im Schwed. Menniska, im Isländ. Manneska, im Angels. Mennisc, und schon bey den ältern Ägyptiern Manosch. Es ist ein zusammen gesetztes Wort von Mann, welches ehedem auch einen Menschen bedeutete, wie noch im Isidor Manno und im Engl. Man, und der Ableitungssylbe -isch. Gemeiniglich glaubt man, daß dieses -isch die Endung der Beywörter sey, und daß Mensch anfänglich nur als ein Beywort gebraucht worden, bis es endlich die Gestalt eines Hauptwortes angenommen habe. Es wird solches dadurch wahrscheinlich, weil manniska bey dem Ulphilas und manask bey dem Kero wirklich als ein Beywort vorkommen. Allein, zu geschweigen, daß der Übergang solcher Beywörter in Hauptwörter selten ist, so gibt es auch eine substantive, Ableitungssylbe -isch, wie in Harnisch, dem alten Hiuuisk, die Familie, und vielleicht noch einigen andern. Hier scheinet es das alte Angels. Aesc, alt Schwed. Ask, ein Mann, Mensch, und vielleicht

[Bd. 3, Sp. 178]


in noch weiterer Bedeutung auch ein Ding, ein Geschöpf zu seyn, welches mit dem Hebr. 05d005d905e9, ein Mann, genau überein kommt. Man-ask, Men-isch, und zusammen gezogen Mensch, würde also ein menschliches Geschöpf, ein menschliches Individuum bedeuten. Im Pohln. ist Meszka eine Mannsperson, ein Mann. Bey dem Ottfried heißt ein Mensch auch Gomono, welches mit dem Latein. Homo sehr genau überein kommt. S. Adelung Mann.
 
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Das Mênsch, des -es, plur. die -er, das vorige Wort, nur mit verändertem Geschlechte und in eingeschränkter Bedeutung. 1. * Eine Person männlichen Geschlechtes, besonders in der letzten Bedeutung des vorigen Wortes; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung. O du unmenschlichs Mensch, redet Opitz einen Selbstmörder an. Im Schwabenspiegel wird daz Mensche und der Mensch, ohne Unterschied, von einer männlichen Person gebraucht. 2. Eine Person weiblichen Geschlechtes. 1) * Überhaupt und ohne allen verächtlichen Nebenbegriff; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, welche noch bey dem Opitz, besonders von einer jungen unverheiratheten Person, mehrmahls vorkommt. Ein reiches Mensch, ein reiches Mädchen, eine reiche Jungfer, Opitz.
   Diß Mensch soll solche Noth, soll solche große Noth
   Mir seilen auf den Hals?
   Opitz.
   Kein kluger liebt ein Mensch von ihrer Kleidung wegen,
   Die sonsten gräulich ist,
   ebend.
   Hie liegt der zugebracht sein Leben hat mit Lieben
   Zu lieben dieses Mensch, das allzeit ihn geplagt,
   ebend. Nur in den niedrigen Sprecharten kommt es noch zuweilen in diesem Verstande vor.
   Das Mensch (die flinke Hanne) gefällt auch ungeputzt,
   Haged. 2) In engerer Bedeutung, eine geringe Person weiblichen Geschlechtes, im verächtlichen Verstande. Ein armes Mensch. Ein böses, zanksüchtiges Mensch. Ein Frauensmensch, Weibsmensch. Besonders eine zu geringen Diensten verpflichtete weibliche Person, eine Magd, Ital. Massara; doch auch nur in der harten und verächtlichen Sprechart. Ein Dienstmensch, Küchenmensch, Kindermensch, Stubenmensch. Dem armen Menschen, (Mensche,) Gell. An den Höfen sind die Kammermenscher geringere Kammerbedienten, welche unmittelbar auf die Kammerdienerinnen folgen, und ihres geringen und verächtlichen Titels ungeachtet oft Figur genug machen. Die Kehrmenscher sind eben daselbst geringere weibliche Personen, welche die Zimmer auskehren. In noch verächtlicherm Verstande pflegt man eine Hure in manchen Gegenden nur ein Mensch zu nennen; wo es zugleich ein Schimpfwort ist, welches auf Anbringen des Klägers gerichtlich geahndet wird. Engl. Wench, ein junges Mädchen, und eine Hure.
 
Artikelverweis Das
Mênschenalter, des -s, plur. ut nom. sing. das gewöhnliche Alter, die gewöhnliche Lebenszeit eines Menschen. Sechs Menschenalter lang.
 
Artikelverweis 
Das Mênschenblut, des -es, plur. car. das Blut von einem Menschen. Menschenblut vergießen, einen Menschen umbringen.
 
Artikelverweis 
Der Mênschendieb, des -es, plur. die -e, S. Adelung Menschenräuber.
 
Artikelverweis 
Der Mênschenfeind, des -es, plur. die -e, eine Person, welche andere hasset, bloß weil sie Menschen sind.
 
Artikelverweis 
Mênschenfeindlich, -er, -ste, adj. et adv. in dem Menschenhasse gegründet, daraus herrührend. Ein menschenfeindliches Verfahren.

 

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